In Chile hat die Familie eine ganz andere Bedeutung. Die Familien sind hier oft größer als bei uns in Deutschland. Meine Gastmutter hat zum Beispiel 15 Geschwister; das ist für mich als Einzelkind unvorstellbar. Man trifft sich am Wochenende häufig mit vielen Verwandten und grillt, kocht und die Männer trinken Pisco Sour. Es ist immer ein sehr buntes Miteinander und geht oft bis zum nächsten Morgen.

Obwohl alles sehr offen und herzlich ist, werden nur die Eltern, Geschwister und Cousins geduzt. Alle Tanten und Onkels werden gesiezt, es sei denn sie sind jünger als man selbst. Dafür wird man von seinen Tanten und Onkels oft mit „hijo“, was auf deutsch „Sohn“ heißt, angesprochen. Als Austauschschüler muss man auch irgendwann entscheiden, wie man seine Gasteltern anspricht. Ich habe sie anfangs immer beim Vornamen genannt, weil es mir seltsam vorkam, sie Mama und Papa zu nennen. Mittlerweile habe ich diese Scheu verloren und rede sie genauso an, wie meine Gastgeschwister.

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(Meine Gastfamilie und ich beim Sushi-Essen)

Freundschaften in Chile

Auch was Freunde angeht, gibt es in Chile natürlich einige Unterschiede. Für einen Austauschschüler ist es meistens nicht schwer Freunde zu finden, weil gerade am Anfang viele Leute auf einen zukommen und man einfach interessant ist. Allerdings gibt es immer die Frage, was ist ein richtiger Freund und was ist eher ein Kumpel. Hier in Chile sind Freunde grundsätzlich die Leute, die auch zum Geburtstag eingeladen werden. Aus Deutschland bin ich es eher so gewohnt, dass bei Geburtstagspartys alle möglichen Leute auftauchen, teilweise sogar Unbekannte.
Auch feiert man den Geburtstag hier mit Familie und Freunden gleichzeitig und es gibt keine zwei Feste. So kommt es, dass sich alle ein bisschen besser kennen und man z.B. auch die Mutter seiner Freunde mit „Tante“ anspricht.

In Deutschland habe ich einige Freunde, die ich jetzt seit fast vierzehn Jahren kenne und mit denen ich schon unglaublich viel erlebt und durchgemacht habe. Diese Freunde sind für mich wie eine Art Familie und ich vermisse sie auch genau wie diese. Hier in Chile habe ich eine Clique und einige gute Freunde denen ich vertraue und auf die ich mich verlassen kann. Trotzdem glaube ich, dass es fast unmöglich ist, in diesen fünf Monaten hier so gute Freunde wie zu Hause zu finden. Das ist aber nichts, was ich schade finde. Im Gegenteil, ich bin stolz solch gute Freunde in Deutschland zu haben.

Soweit weg von allen möglichen geliebten Menschen zu sein, macht einem oft erst klar, wie wichtig sie einem wirklich sind. Diese Erfahrung habe ich gemacht, als ich hier angekommen bin und ich bin sicher, ich werde sie noch einmal machen, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin.

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(Valle de La Luna in der Atacama Wüste)


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