• Was hast Du in den letzten Monaten über Dich gelernt?

Da weiß ich gar nicht so recht wo ich anfangen soll. Ich habe viel über meine Stärken, aber auch über meine Schwächen gelernt. Ich habe gelernt, wie es sein kann, wenn man ohne beste Freundin, ohne Mama, ohne jemanden der einem den Rücken stärkt, völlig auf sich alleine gestellt ist. Jede noch so kleine Situation kann da anders sein und vor allem das eigene Handeln wird meiner Meinung nach beeinflusst. Wie zum Beispiel, löse ich Streit mit Gastgeschwistern, wenn ich normalerweise Einzelkind bin? Wen frage ich?  Wenn man also alleine eine Lösung finden muss, denke ich man kann mit Stolz sagen: Das habe ich alleine geschafft! Denn folgendes weiß ich sehr sicher: ich musste bisher nie in meinem Leben so viele neue Regeln hinnehmen und akzeptieren, oder besser gesagt befolgen. Das ist manchmal nicht einfach, viele haben mich als kleinen Rebell kennengelernt. Im Herzen werde ich das auch sicher immer bleiben, doch manchmal muss man eben klug statt dickköpfig sein!

Ich habe mich ein Stück weit selber besser kennen gelernt. Ich sehe mich selbst mit neuen Augen, habe einige schlechte Eigenschaften abgelegt und die guten erst richtig erkannt. Ich denke in einem Auslandsjahr wird man um einiges reifer, als im „normalen“ Alltag in der Heimat. Generell habe ich dennoch weniger über mich selbst und dafür viel über andere Menschen gelernt, über Akzeptanz, Respekt, Verständnis, Vergeben, Rücksicht und Liebe. Jeden Tag lernst du neue Menschen kennen und nach einiger Zeit merkst du vielleicht, dass sie nicht unbedingt die Menschen sind, mit denen du deine Freizeit verbringen willst. Doch wiederum bei anderen lernst du vielleicht, sie zu respektieren, zu akzeptieren, zu verstehen und zu mögen. Einige dieser Menschen sind Meilensteine auf deinem Lebensweg. Bei manchen erkennt man es früher als bei anderen, bei manchen will man es vielleicht weniger wahr haben. Doch letztendlich ist jeder dieser Menschen ein Teil von meiner Zeit hier.

  • Welche Besonderheiten des Gastlandes möchtest Du gerne auch in Deutschland übernehmen?

Ach, das sind eine ganze Menge: Nächstenliebe, Menschlichkeit, Offenheit, Akzeptanz, Respekt, Abendteuerlust, die Liebe zur Natur, die Fröhlichkeit der Ticos, die Freude am Tanz,… Kurz gesagt: die Freude am Leben!
Außerdem möchte ich ein großes Herz, Hilfsbereitschafft und Mühe die ich am meisten bei meiner Gastmutter erfahren habe, übernehmen/ mit nach Deutschland nehmen! Meine Gastmutter ist eine der großherzigsten Menschen, die ich in diesem Jahr kennenlernen durfte! Ich hoffe auch, dass mir etwas Ehrgeiz erhalten bleibt, welcher hier (vor allem in Bezug auf die andere Sprache und die zunächst fremde Mentalität) manchmal sehr nötig ist.

Für mich persönlich ist es außerdem sehr wichtig, dass ich meine Selbstakzeptanz behalte. Ich habe hier gelernt mich zu akzeptieren, mit Ecken und Kanten, Kurven und Macken. Das ist unfassbar wichtig für mich. Ich weiß, dass ich dieses neue Bild von mir Costa Rica und den Menschen hier zu verdanken habe. Denn hier wird nicht sofort nach dem Aussehen geurteilt. In den Schulklassen gibt es KEINE Grüppchenbildung, das ist meiner Meinung nach in Deutschland unvorstellbar! Es wird sehr viel auf menschlicher Ebene akzeptiert. Das hat mir über nun fast ein Jahr sehr gut getan, geholfen und vorallem mich ein Stück weiter gebracht!

  • Welche Eigenart des Gastlandes möchtest Du gerne wieder ablegen, bevor Du heimfährst?

Okay, generell sind das weniger, dennoch ein paar. Ich würde es vielleicht nicht „ablegen“ nennen, da ich mir einige Dinge gar nicht erst angewöhnt habe. Faulheit und Langweile zum Beispiel. Ticos können eine ganze Ferienwoche damit verbringen TV zu schauen und sind damit glücklich. Das gibt es sicher auch in anderen Ländern, aber das Fernseh-Pensum ist hier leider schon SEHR extrem. Ich kann auch offen sagen, dass ich mich auf die etwas „moderneren“ Menschen in Deutschland freue. „Modern“ meine ich im Sinne von Akzeptanz von zum Beispiel Homosexuellen, tätowierten, oder gepiercten Menschen. Es ist nun leider wahr das einige Menschen hier in Costa Rica, speziell jene aus älteren Generationen, sehr vorschnell Urteilen oder Sachen nicht recht verstehen und diese dann sehr eng sehen.

Ein weiterer für mich sehr wichtiger Aspekt ist die Gleichberechtigung zwischen Jungen und Mädchen. Oft hör man hier als Grund etwas nicht zu dürfen, dass man ja noch so klein und hilflos sei und Mädchen passiere ja generell immer mehr.
Selbständigkeit ist ein Begriff, der hier vielen Eltern eher nicht in den Kram passt und den eigenen Kindern eher wenig beigebracht wird. Dadurch werden sie weniger unterstützt. Ich bin eigentlich das perfekte Beispiel. Ich bin 16 Jahre alt, meine Mutter ist seit diesen 16 Jahren alleinerziehend und berufstätig. In der Grundschule bin ich nachmittags im Hort geblieben. Da dies aber ab der 5. Klasse nicht mehr möglich war, bin ich seit der 5. Klasse nach der Schule nach Hause gegangen, habe mir selber mein Essen gekocht, meine Hausaufgaben gemacht und das mit Hilfe, aber nicht immer an Mamas Hand. Meine Mutter war immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber sie hat mich selbständig aufgezogen. Dafür bin ich ihr mehr als dankbar!
Denn hier in meiner Gastfamilie ist es ziemlich normal, dass die 20-jährige Tochter täglich anruft, um ihre Mutter etwas zu fragen. Ich denke das ist ein Aspekt der Kultur den ich respektiere, dennoch bin ich persönlich froh nicht so aufgewachsen zu sein.

  • Wie würdest Du die vergangenen Monate in einem Satz beschreiben?

‚Justo cuando crees que no puede ser peor, se puede. Y justo cuando crees que no hay nada mejor, se puede.‘ – Nicholas Sparks

Oder ganz einfach al Tico: iPURA VIDA!


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