Jetzt ist es schon „bald“ soweit und ich fliege wieder zurück nach Deutschland.

Es sind nur noch 11 von 39 Wochen hier in Irland. Ganz schön krass. Anfangs verging die Zeit „ganz normal“ aber jeden Tag den ich länger hier bin vergeht auf einmal viel schneller.

Time flies my friends und der Rückflugs-Tag rückt immer näher.

Ich weiß noch genau wie ich in Hamburg ins Flugzeug stieg, Abschied nahm, die erste Nacht in meinem irischen Bett geschlafen habe, das erste mal mit meiner Gastmutter einkaufen war…. das erste mal eine Schuluniform trug… und wie ein Fingerschnipsen ist die Zeit vergangen und die schöne Zeit hier ist schon fast wieder vorbei. Umso mehr werde ich versuchen die Zeit hier noch so gut wie es geht zu nutzen.

Letztens war noch Halbzeit und jetzt sind es nicht mal mehr 3 Monate. Wow. Auch wenn die Zeit wie im Flug verging, ist einiges passiert.

Ein typischer Mythos unter Austauschschülern ist: die Gewichtszunahme

Nicht mit Kenny! 😀

Ich habe tatsächlich ein bisschen abgenommen während meines Auslandsjahres. Natürlich genieße ich die irischen Speisen und Getränke auf der einen Seite. Auf der anderen Seite trinke ich aber viel mehr Wasser und bewege mich viel mehr. Ich ernähre mich um einiges gesünder und esse auch kaum noch süßes.

Also Mythos bleibt in meinem Fall auch Mythos. Wobei ich auch das Gegenteil erwartet habe und zwar, dass ich deutlich zunehme. Was ich auch total verständlich finde und mir auch „egal“ gewesen wäre. Denn im Ausland gibt es viele tolle Dinge die getestet werden wollen. Und wie sagt man so schön? Liebe geht durch den Magen. Und ich denke so eben auch die Liebe zu einem Land oder Ort.

Durch Corona sind während meines Auslandsjahres natürlich viele Dinge geschlossen und ich kann mich auch nicht mit Freunden treffen. Deshalb komme ich (leider) gar nicht wirklich dazu mich von schönem Essen verführen zu lassen. Aber das Essen meiner Gastmama schmeckt auch vorzüglich! Und wie gesagt, dank ihr habe ich gelernt mich gesünder zu ernähren. 🙂

Neben dem Essen und den Gewichtsschwankungen fragt man sich selbst und andere auch: wie ist das mit der englischen Sprache eigentlich?

Tja gute Frage. Ehrlich gesagt merkt man die Fortschritte selbst gar nicht im speziellen, wenn man nicht immer mal wieder darüber nachdenken würde und sich selbst reflektiert. Es ist ein stetiges Lernen, es passiert ganz von alleine und unterbewusst. Und irgendwann, da hat man plötzlich noch mehr Spaß an den Gesprächen mit anderen als vorher schon. Denn plötzlich sprichst und sprichst und sprichst du… ganz ohne darüber nachzudenken. Ganz ohne krampfhaft Wörter und Sätze im Kopf zu übersetzten wie ein wandernder „Google Übersetzer“.

Meine Aussprache und mein Redefluss ist auf jeden Fall deutlich flüssiger als am Anfang. Obwohl ich nie wirklich Probleme mit der englischen Sprache hatte, habe ich am Anfang oft gestottert und darüber nachgedacht was ich sage. Vermutlich lag es daran, dass es schon eine Art dauerhafte Belastung / Anstrengung war in einer anderen Sprache zu sprechen und dauerhaft darüber nachzudenken was man gesagt bekommt und selbst sagen möchte. Eben dauerhaft Informationen übersetzen und verarbeiten. Mittlerweile merke ich, dass mein Gehirn daran gewöhnt ist und ich „eingespielt“ bin. Und natürlich auch, dass mein Wortschatz deutlich größer ist mittlerweile.

Einen irischen Akzent habe ich leider noch nicht, aber ich freue mich immer wenn mir gesagt wird „dein Akzent ist toll“. Wahrscheinlich mittlerweile mein eigens kreierter Deutsch-Irisch-Kenny Mix.

Auf irisch habe ich leider auch noch nicht geträumt. Vielleicht kommt das ja noch, das wäre cool. 🙂

Was ist noch passiert in 7. Monaten?

Viel zu viel um das in einem Bericht zusammenzufassen, eigentlich.

Ich als Person habe mich verändert und merke immer wieder wie ich mich weiter entwickle. Vermutlich viel mehr als ich es in Deutschland jemand in so kurzer Zeit getan hätte. Aber das ist gut, es ist super und könnte gar nicht besser sein. Ich fühle mich viel wohler in meiner eigenen Haut, bin selbstbewusster und verantwortungsbewusster. Das klingt von einem 16-Jährigen für Außenstehende wahrscheinlich komisch, aber ich fühle mich heute reifer als ich es vor 7 Monaten (auch als 16-Jähriger) gefühlt habe. Und das fühlt sich gut an.

Außerdem kenne ich mich mit vielen Dingen des täglichen Lebens um einiges besser aus. Vor meinem Abflug habe ich beispielsweise noch nie eine Überweisung getätigt. Jetzt ist es quasi mein täglich Brot. 😀

Mittlerweile weiß ich auch, dass ich genauer auf Dinge achten muss und Sachen hinterfragen muss. Zum Beispiel ist mir etwas passiert was mir nieeee wieder passieren wird, weil ich dieses Erlebnis niemals vergessen werde. Ich habe Ende 2020 ein kleines Päckchen für Deutschland fertig gemacht, ein Geburtstagsgeschenk. Es war  eher ein gepolsterter Briefumschlag, weshalb ich auf die Idee kam das Geschenk in den Briefkasten für den Versand zu stecken – denn die Post war zu. Es war Sonntag und ich wollte es endlich losschicken.

Wochen lang fragte ich zuhause in Deutschland nach, ob mein Geschenk endlich angekommen ist… Wochenlang nichts… Bis mir auf- und eingefallen ist: Briefmarken!

Ja genau, ich habe keine Briefmarken auf den Umschlag geklebt. Haha. 😀

Wie mir das passieren konnte weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Eigentlich weiß ich, dass Briefmarken auf einen Brief gehören aber irgendwie habe ich in dem Moment nicht nachgedacht. Glücklicherweise ist es mir dann irgendwann wieder eingefallen. Und auch das Paket kam irgendwann per „return“ wieder zurück. Also ist doch nochmal alles gut gegangen.

Und so sind es die Kleinigkeiten die einen Prägen und weiterbringen. 🙂

So und jetzt sind es nur noch 11 Wochen. Whaaaat???

Der „alte“ Kenny hätte gesagt „boa 11 Wochen das ist ja noch ewig hin“ aber der neue Kenny sagt eindeutig:

Die Zeit rennt. Sie rennt ohne Ende und Corona macht das Ganze nicht einfacher. Ich hoffe so so sehr nochmal in die Schule gehen zu dürfen. Mit Gleichaltrigen etwas zu unternehmen. Irland zu erkunden, und und und.

Mein Gastpapa Alan & ich auf unserem Sofa im Wohnzimmer

Aber auch die Zeit mit der Gastfamilie fühlt sich jetzt so „begrenzt“ an. Mittlerweile fühle ich mich so heimisch hier, dass ich auf jeden Fall auch noch länger bleiben könnte. Ich mag meine Gastfamilie so gerne. Mit jedem von ihnen verbinde ich etwas anderes und besonderes. Deshalb bin ich auch sehr froh sie kennenlernen zu dürfen und noch weitere 3 Monate mit ihnen verbringen zu können. Und jetzt muss ich mir langsam auch mal Gedanke um ein Abschiedsgeschenk machen.

Ach und außerdem stelle ich mir so langsam vor, wie meine Rückkunft in Deutschland sein wird.

Wie wird die letzte Nacht in meinem irischen Bett? Das letzte Frühstück mit der Gastfamilie?

Wie wird das Gefühl sein das Gasteltern-Haus zu verlassen und nicht zu wissen, ob man jemals dorthin wieder zurückkehren wird?

Wie wird es sein im Flieger zu sitzen mit dem Ziel: Deutschland?

Wie wird das erste Mal deutsch hören sein, bei meinem Umstieg in Frankfurt?

Das erste Mal meine Familie, das Haus, unsere Straße, den Netto von nebenan und, und, und… wieder zu sehen?

Und vor allem die Hunde. Werden sie mich wiedererkennen?

Das wird eine traurige, aber auch sehr spannende Zeit, auf die ich mich auch schon freue. 🙂

Jetzt wo sich das Auslandsjahr zum Ende neigt habe ich das Gefühl, dass ich es noch mehr als ohnehin schon genießen möchte und auch werde.

Zum Beispiel möchte ich unbedingt mein Lieblingsgericht zum ersten mal selbst kochen. Und zwar ist es das „Beef Wellington“.

Meine Gastmama Kathleen ist die Hauptköchin hier, aber auch mein Gastpapa Alan kocht ab und zu. Manchmal kochen meine Gastschwester Iona und ich. Meistens probieren wir uns an neuen Gerichten aus und experimentieren. Ein Beef Wellington haben wir noch nie gemeinsam gemacht. Allerdings steht das ganz oben auf meiner To-Do-Liste, denn es schmeckt so unglaublich lecker. Ich möchte die Art und Weise, sowie das Rezept meiner Gastmama lernen, um es dann später auch mal für meine Familie zu kochen.

Das Beef Wellington ist eigentlich ein klassisches englisches Gericht. Allerdings gibt es eine irische Abwandlung dessen.

Das Gericht selbst ist generell ein Fleischgericht, bei dem das Fleisch mit Blätterteig ummantelt im Ofen gepackten wird. Die irische Variante nennen wir Steak Wellington. Die Füllung wird hierbei mit einer anderen Art Fleisch und verschiedenem Gemüse gemacht. Wir benutzen Rinderfleisch und meistens Paprika als Gemüsefüllung.

Diese Art von Gericht hat starke Ähnlichkeiten mit dem französischen Gericht „Filet de Boeuf en croute“, dass so viel heißt wie Rinderfilet im Gebäck. Woher der Name des Gerichts jedoch stammt ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich wurde das Gericht nach dem ersten Herzog Arthur Wellesley von Wellington benannt.

Ich freue mich schon mein erstes eigenes Beef Wellington aka Steak Wellington zuzubereiten, und hoffe dass es meiner Gastfamilie genau so gut schmeckt wir ihres mir. Und übrigens habe ich das Gericht zum ersten mal am Weihnachtstag gegessen. Seit dem könnte ich es täglich essen. Mein absolutes Lieblingsgericht! 🙂

Außerdem esse ich gerne diese Kartoffelsuppe. Die ist selbstgemacht und schmeckt köstlich. Erinnert mich immer an die leckere Kartoffelsuppe von Oma.

Zwischendurch esse ich als Snack’s meistens Popcorn, eine Pancake mit Oreo’s oder Banane.

  

Und wie ihr seht: meine AirPods habe ich immer am man. Eine Investition die sich für das Auslandsjahr mehr als bewehrt hat. Nicht nur für’s Flugzeug und die Telefonate mit meiner Familie in Deutschland, sondern besonders auch für den online Unterricht. 🙂

Und zum Abschluss habe ich hier noch zwei wunderschöne Bilder von meiner aktuelle Heimat.

Bis bald,

euer Kenny 🙂

Meine wunderschöne zweite Heimat Greencastle

Stand quasi direkt vor der Haustür

 


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