Hallihallo!

Nach über acht unglaublichen Monaten, neigt sich das Auslandsjahr langsam (oder eher viel zu schnell) dem Ende zu. Diese restliche Zeit muss natürlich noch so gut wie möglich ausgenutzt werden und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Viel Spaß beim Lesen!

1. Was hast du während deiner Zeit im Ausland über dich selber gelernt?

Das ist eine ziemlich schwer zu beantwortende Frage…

schüleraustausch, Erfahrungsbericht, Stipendium, England, ODIDas ist quasi am Ende von Weston. Es kommt nur noch Wiese und Meer und man hat eine wunderschöne Sicht auf Cardiff. Eins der Ziele, bevor es wieder nach Hause geht…

Ich habe gelernt, dass sobald man sich einmal getraut hat anzufangen, es gar nicht mehr so schlimm ist. Ich kann Menschen über alles lieben, muss sie deswegen aber nicht die ganze Zeit vermissen. Ich habe außerdem festgestellt, dass ich in jeder Sprache unglaublich schnell spreche, egal wie gut ich sie beherrsche oder eben auch nicht beherrsche (meine Französischlehrerin hat mir vor meiner mündlichen Prüfung extra sagen müssen, dass ich nicht zu schnell sprechen soll, damit wir lange genug über ein Thema reden können).

Das wichtigste ist jedoch, dass ich herausgefunden habe, wie sehr ich Abwechslung und Veränderungen liebe. Während ich hier war kam ich auf die Idee, nach dem Abitur kein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) zu machen, sondern stattdessen ein EFD (Europa Freiwilligen Dienst). So bekomme ich die Chance, noch ein anderes Land näher kennenzulernen. Und ich fühle mich in der Idee bestärkt, zumindest für einige Jahre auszuwandern, denn bisher fand ich noch nichts so beeindruckend, wie neue Länder und deren Kulturen zu erkunden. Ich kann es auch wirklich nur weiterempfehlen.

2. Haben sich deine Ansichten über dein Gastland verändert?

schüleraustausch, Erfahrungsbericht, Stipendium, England, ODIEgal wie oft die Sonne kurz vorbei schaut, am Ende ist der Himmel doch die meiste Zeit grau…

Engländer sind nicht so höflich, wie man immer sagt und ihr liebstes Gesprächsthema ist das Wetter. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht so viel über das Wetter geredet, wie in diesem Jahr. Und zur Höflichkeit: Sie sind nicht unhöflich, das stimmt. Wenn man angerempelt wird oder einem jemand auf den Fuß tritt und der andere sich entschuldigt, sagt man auch Entschuldigung. Ich verstehe es nicht ganz, aber warum auch nicht. Egal in welcher Situation, sagt jemand „Sorry!“, sagst du es auch. Das war es dann aber auch schon. Ansonsten würde ich das Verhalten als ziemlich durchschnittlich höflich einstufen, falls man das so sagen kann. Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich viel öfter Türen offen halte, andere vorlasse oder im Bus für ältere Fahrgäste aufstehe, als die meisten englischen Jugendlichen.

Ehrlich gesagt hatte ich auch damit gerechnet, dass die Leute gebildeter sind. Sie sind auf gar keinen Fall dumm, aber dadurch, dass man sich in der Schule recht früh auf seine Interessen konzentrieren kann, fehlt manchmal eine gewisse Allgemeinbildung. Zum Beispiel dachten manche meiner Mitschüler, dass alle Menschen die Geschichte aus britischer Sicht lernen, meine 12-jährige Gastschwester hat mich ausgelacht, weil sie dachte ich rede über den Präsident der Truthähne (sie wusste nicht, dass die Türkei existiert und im Englischen heißt beides „Turkey“), ich wurde gefragt, ob wir immer noch im Nationalsozialismus leben… Das hat mich schon sehr überrascht.

Was mich jedoch sehr positiv überrascht hat, ist wie fürsorglich die meisten hier sind. Sobald jemand sieht, dass es dir nicht gut geht, wollen sich alle um dich kümmern. Das ist echt süß.

3. Was hättest du im Vorhinein anders erwartet?

schüleraustausch, Erfahrungsbericht, Stipendium, England, ODIWer hätte gedacht, dass ich in einem Ort lande, der im Sommer von Touristen überschwemmt wird?

Ganz ehrlich: Essen war die größte Überraschung und das ging allen neun Austauschschülerinnen hier so. Niemand von uns hätte erwartet ein Jahr lang so wenig Gemüse und stattdessen so viele Pommes und andere Fertigproduckte zu essen. Meine Gastschwester hat mich am Anfang sogar ausgelacht, weil ich das Toast getoastet habe, bevor ich ein Sandwich gemacht habe. Kleiner Tipp: Es gibt nur Taostbrot. Wenn jemand nur „Toast“ sagt, heißt das also, es wurde getoastet. Ungetoastet heißt es einfach nur Brot. Meiner Meinung nach total falsch, weil das kein richtiges Brot ist, aber was solls.. 😀 

Außerdem bin ich in Deutschland mit sehr vielen Traditionen und Bräuchen aufgewachsen und habe das für ziemlich selbstverständlich gehalten. Weihnachtsplätzchen, Adventszeit, Osterlamm… Das waren einige der Dinge, die ich hier irgendwie auch erwartet hätte. Ich meine, man feiert ja die Feste dazu… Jedoch habe ich festgestellt, dass in englischen Familien sehr wenige Bräuche praktiziert werden und insgesamt eine englische Kultur in dem Sinne eher nicht besteht. (Natürlich kann ich hier nur über meine Gastfamilie und meine Freunde sprechen). St Patrick’s Day, Fish & Chips, Tee, Roast Dinner am Sonntag (auch wenn das lange nicht bei allen so ist, bei meiner Gastfamilie gab es das nur sehr selten), arg viel mehr gibt es nicht.

Zwar hat England nicht viel eigene Kultur, dafür ist es sehr von unterschiedlichen Kulturen beeinflusst. Zwar ist das im Familienalltag nicht ganz so signifikant, aber beispielsweise in der Schule trifft man viele Leute aus anderen Ländern. An meinem Tisch zum Beispiel sitzen in der Pause englische, Leute, ein paar indische Mädchen, jeweils ein philippinisches, portugiesisches, bulgarisches, italienisches und mit mir noch deutsches Mädchen. Unter meinen Freunden finden sich auch noch ein Mädchen aus Ungarn, ein paar aus Polen und ein Junge aus Südafrika. Dann noch die anderen Austauschschüler aus Tschechien, der Slowakei und Finnland. Das würde ich definitiv als vielfältig bezeichnen (mir ist bis zu dieser Auflistung gar nicht aufgefallen, aus wie vielen Ländern wir eigentlich alle kommen…) 😀

Mit so einer bunten Mischung aus Kulturen habe ich vorher definitiv nicht gerechnet!

4. Welche Punkte/Verhaltensweisen/Ansichten möchtest du mit nach Deutschland nehmen?

schüleraustausch, Erfahrungsbericht, Stipendium, England, ODIDas Riesenrad am Strand, dass eigentlich ziemlich klein ist, aber was soll’s.

Ich habe das Gefühl, dass andere Kulturen hier viel mehr willkommen und wertgeschätzt sind, was ich sehr schön finde und mir für Deutschland wünsche.

Außerdem habe ich hier des Öfteren mit fremden Leuten im Bus oder in der Stadt geredet. Zwar ist das Wetter nicht gerade mein Lieblingsthema, aber wenn das der Weg ist, eine Konversation zu beginnen, warum nicht? Diese Offenheit finde ich toll und werde ich auf jeden Fall beibehalten.

Ich habe leider kein Bild davon, aber die Bäume am Straßenrand sind genau so geschnitten, dass ein Bus durchpasst. Einfach ein kastenförmiges Loch rausgeschnitten. Können wir das in Deutschland bitte auch so machen?

Ansonsten bin ich sehr froh über meine eigenen Ansichten, denn ich habe manchmal das Gefühl, dass die meisten Engländer in ihrer eigenen kleinen Welt leben und nicht wirklich über ihren Tellerrand hinausschauen.

5. Was wirst du am meisten vermissen?

Das Meer! Meine Freunde, meine Gastfamilie und das Meer.

6. Was hast du dir für die letzten Wochen im Gastland vorgenommen?

schüleraustausch, Erfahrungsbericht, Stipendium, England, ODIUnser Picknick am Strand

Viel. Ich und Lale (meine beste Freundin hier) haben angefangen, jedes Wochenende ein Früchtepicknick zu machen, bei dem wir jedes Mal eine Melone löffeln. Bisher waren wir an drei verschiedenen Orten dafür und wir wollen das ganze fortsetzen, bis sie nach Hause fährt. Wir wollen nochmal nach London, Bath, Cardiff und noch einige Male nach Bristol. Ich will die Zeit mit meiner Gastfamilie, besonders mit den Kleinen, genießen und alle Examen bestehen (insgesamt 21 + 2 Performances in Musik); ich werde zum Prom (Abschlussball) gehen und mit einigen anderen aus meinem Jahrgang Romeo und Julia in Shakespieres Stadt anschauen; ich werde mich noch so oft wie möglich mit meinen Freunden treffen und den Strand genießen. Außerdem wollen wir noch die ganzen Touristen Attraktionen ausprobieren, wie das Riesenrad am Strand oder den kleinen Zug. Irgendwann werde ich dann noch Koffer packen,  aber das hat vorerst noch Zeit.

 

So, ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick geben, allerdings muss man viele Dinge einfach selbst erleben. Ich für meinen Teil kann einen Austausch, egal für wie lange, nur empfehlen. Überlegt nicht zu lange, probiert es einfach aus. Falls ein ganzes oder halbes Jahr viel zu lang scheint, gibt es ja noch Kurzzeitprogramme. Bei einer Sache bin ich mir jedoch sicher: Egal für was ihr euch schlussendlich entscheidet, die Zeit wird sehr viel schneller vergehen als erwartet.


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