Bevor es im September losging, war mein Bild von Spanien sowie meiner Zeit dort doch schwammig, denn obwohl ich schon einen Austausch mit der Schule in die Nähe von Barcelona mitgemacht, ein Buch über Spanien gelesen und YouTube durchforstet hatte, fehlte einfach die eigene Erfahrung. Im Mai reiste ich nach Köln, um beim Vorbereitungsseminar auf Menschen, die das Gleiche vorhatten, zu treffen, mich mit Ehemaligen zu unterhalten und alles aufzusaugen, was an Information vorhanden war. Nach diesem Wochenende fühlte sich mein Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Auslandserfahrung, Stipendium, Stipendiatin, Schule im Ausland, Ratschläge, Tipps, Spanien, ValenciaKopf sehr voll an, aber gleichzeitig schien es mir ein riesiger Schritt nach vorne.

Zudem hatte ich das Glück, eine Expertin auf dem Gebiet Auslandsjahr als Freundin zu haben, die ich nach ihrer Rückkehr aus den USA nach Strich und Faden ausfragte. Natürlich zählte ich die Wochen bis zu meiner Abreise. Es war eine Reise ins Ungewisse und mir war bewusst, dass dieses Jahr das bisher größte Abenteuer meines Lebens werden würde.

 

Sprachkenntnisse

Für die Sommerferien hatte ich mir vorgenommen, nochmal vertieft Spanisch zu lernen, um einen einfacheren Start zu haben. Letztendlich investierte ich nicht sonderlich viel Zeit, was im Nachhinein gesehen auch sinnvoll war. Denn im Ausland lernt man es dann sowieso viel schneller und spielerischer. Mit der Sprache sollte man sich vorher sowie auch später keinen Stress machen. Mir sind mehrere Austauschschüler bekannt, die mit dem Wissen von „Hola“ und „Me llamo xy“ kamen und mittlerweile gut Spanisch sprechen.

Auch was deinen Akzent angeht oder Probleme bei der Aussprache, mit denen manche deiner Mitmenschen dich vielleicht sogar ein wenig aufziehen: mach dir keinen Stress. Nach fast fünf Jahren des Probierens versuche ich noch immer, meiner Zunge ein rollendes „r“ zu entlocken. Bis heute erfolglos, was schon zu einigen witzigen Situationen geführt hat. Zum Beispiel auf der Suche nach „Churros“, als ich für mehrere Personen, die ich fragte, das Wort immer wieder wiederholen musste. Menschen lachen meistens nicht über dich, sondern mit dir und haben Respekt vor deinem Können und Mut. Also mach den Mund auf, frag nach und trau dich.

Am Anfang merkte ich meinen sprachlichen Fortschritt extrem. Mittlerweile ist es mir gar nicht mehr bewusst. Doch es kommen jeden Tag Vokabeln dazu und auch mit der Grammatik gehe ich viel intuitiver um. Um den Lernprozess aber ganzheitlich zu machen, schreibe ich neue Vokabeln auf, übersetze viel und auch wenn es grammatikalische Unklarheiten gibt, dann versuche ich die zu klären, um zu vermeiden, dass sich Fehler festigen.
Außerdem würde ich empfehlen, Medien in Landessprache zu konsumieren. Das gilt sowohl für Radio, Bücher und YouTube, als auch Fernsehen und Musik. Abgesehen davon, dass dich das sprachlich weiterbringt, bist du so auch auf aktuellem Stand, lernst das Gastland kennen und entdeckst vielleicht Dinge, die du auch nach deiner Rückkehr noch gerne konsumierst.
Generell kann man auch bei Freunden und Familie nachfragen, was empfehlenswert ist. Bei mir hat das zum Beispiel zur Entdeckung der spanischen Indie-Szene und Mediatheken der hiesigen Fernsehsender geführt, die auch mein Gesamtbild vom spanischen TV geändert haben.

Reflektieren und dokumentieren

Im Rückblick waren die ersten Monate die härtesten, was mir schon vorher bewusst war. Gerne würde ich jetzt Berichte der einzelnen Tage lesen und finde es schade nicht von Anfang an gewusst zu haben, was für ein tolles Medium Tagebücher sind. Sich abends, wenn man Lust hat, hinzusetzen und zu reflektieren, den Kopf leer zu schreiben, dankbar zu sein für das Erlebte und zu notieren, was man anders machen will, hat sich für mich persönlich als gutes Mittel herausgestellt. Leider erst in der zweiten Hälfte meines Auslandsjahres.
Zu Dokumentationszwecken und auch um Familie und Freunde auf dem Laufenden zu halten, bin ich sehr froh, diesen Blog zu haben, wodurch ich auch entdeckt habe, dass es mir persönlich Spaß macht, in dieser Art zu schreiben.

Kontakt mit zu Hause

Das bringt mich auch zum nächsten Punkt. Du wirst nicht die Zeit haben, mit allen das ganze Jahr über viel Kontakt zu haben. Erfahrungsgemäß ist es am Anfang recht viel, doch dann dünnt es sich aus. Man sollte nicht zu viel hineininterpretieren, wie oft sich jemand bei dir meldet oder du dich bei ihm. Enge Freunde bleiben auch nach dem Auslandsjahr erhalten. Manche Austauschschüler sagen, ihre Zeit außerhalb der Heimat hat wie ein „Gute-Freunde-Filter“ auf ihr Leben gewirkt, was für mich auch logisch klingt. Auf jeden Fall: Habe keine Angst vor Veränderung (meiner Meinung nach, eine Grundvorraussetzung, wenn man sich dazu entscheidet, ein solches Abenteuer zu starten). Sicher ist, dass du als eine veränderte Person zurückkehrst, was nicht heißt, dass du dann ein neuer Mensch bist.

Neues kennenlernen und Kontakte knüpfen

Dieses ist dein Jahr, in dem du ausprobieren und experimentieren kannst. Seien es Hobbys, Schulfächer, Essen oder Gewohnheiten. Sag „ja“ zu allem, denn man kann nie wissen, ob es dir nicht doch gefällt. Das gilt vor allem für Treffen oder Aktivitäten mit der Gastfamilie oder Freuden. Investiere Zeit in neue soziale Kontakte und sehe die Schule als zweitrangig an. Um Menschen kennenzulernen, warte nicht ewig darauf, dass andere dich ansprechen. Hier in Spanien ist mir die Kraft eines Lächelns und von Komplimenten aufgefallen. Gerade in der Schule hat mir eine positive Ausstrahlung weitergeholfen. Bevor ich hierher kam, waren Komplimente in meinem Sprachgebrauch  seltener, weil ich Angst hatte „schleimig“ zu wirken. Doch mittlerweile sehe ich es als „Selbstbewusstseins-Spritze“, die du anderen Menschen schenken kannst.

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Sag ja zur valencianischen Tracht und zu den traditionellen Tänzen

Halt die Augen offen nach den schönen Dingen, die dir begegnen und sei dankbar für die Chance, welche dir gegeben wurde. Wenn dir negative Aspekte auffallen, dann schaue, ob es eine positive Seite gibt oder ob du etwas daran ändern kannst. Erst um neun Uhr abends oder später zu essen ist zum Beispiel nicht gesund, doch es bewegt mich dazu, den Tag mehr zu nutzen und zum Beispiel länger zur Tanzschule zu gehen. Mit meiner Gastmutter habe ich abgeklärt, dass ich keine großen Portionen zu diesen Uhrzeiten zu mir nehmen möchte und es funktioniert, was uns zu einem anderen Punkt führt:

Rede mit deiner Gastfamilie und mache Vorschläge. Zunächst einmal bist du der- oder diejenige, welche(r) sich anpassen sollte, da es dir nur so gelingt, in die Kultur richtig einzutauchen. Jede Gastfamilie hat ihren ,,Makel“ und du wirst weder Kultur, noch die Personen, die in ihr leben, ändern können. Natürlich hinterlässt du deine Spuren und gibst als Botschafter deiner Heimat eine neue Perspektive. Doch andersherum sollte das genauso sein: Hinterfrage, was du für gegeben hältst: deine Prioritäten, deine Gewohnheiten, deine Ideale. Zusammengefasst ist es der Satz, den ich beim Vorbereitungsseminar einige Male gehört habe:

„It´s not better. It´s not worse. It´s just different.“ Es hat keinen Sinn, sich mit anderen Austauschschülern oder eben auch generell zu vergleichen.

 

Zur Ruhe kommen und genießen

Mein Leben hat mehr Höhen und Tiefen bekommen, weswegen es für mich wichtig war, einen Rückzugspunkt, nämlich mein Zimmer hier, zu haben, das ich auch zu „meinem“ gemacht habe. Neulich sagte eine Freundin, die zu Besuch war, es würde nicht aussehen, wie eines, das von einem Austauschschüler für ein Jahr benutzt wird. Das mag auch an meiner Vorliebe für Inneneinrichtung liegen, doch prinzipiell wollte ich mir ein Stück Heimat in der Ferne kreieren. Für mich persönlich hat das mit meiner Erde-Flagge und meinen tibetanischen Gebetsflaggen sowie Fotos sehr gut funktioniert.

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Mein Zimmer in Valencia

Die Tage, an denen ich krankheitsbedingt nichts unternehmen konnte, waren die, wenn mich das Heimweh am stärksten erwischt hat. Heulen hat mir dann geholfen, um Emotionen rauszulassen. Es handelt sich hier nicht um ein Zeichen, das wir leider in unserer Gesellschaft noch immer mit Schwäche verbinden. Ansonsten gehe raus und mach was, rede mit jemandem oder erkunde deine neue Heimat. In meinem Fall ist das zu Fuß oder mit dem Fahrrad wunderbar möglich, wodurch ich mich in der Stadt auch relativ gut orientieren kann und zum Beispiel ein altes, günstiges Kino entdeckt habe. Schau, was du unternehmen kannst und genieße deine Zeit.

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Im Stadtpark vor dem „Palau de la Música“

Mit Geduld und Kommunikation lässt sich viel  erreichen, denn neue Kontakte brauchen ihre Zeit, um sich zu festigen. „¡Enseña tu cariño! Es tan barato.“ („Zeige deine Freundlichkeit/Liebe/Wohlwollen! Es ist so günstig.“), wie es meine Gastmutter formulieren würde. Finde heraus, was dich persönlich glücklich macht und setze deine Prioritäten dementsprechend. Ich bin davon überzeugt, du wirst ein tolles Auslandsjahr haben.


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