Meine Gastfamilie und meine Freunde

 

Wie würdest Du Deine Gastfamilie beschreiben?

Ich lebe gemeinsam mit meinen beiden Gasteltern (Jeff und Susie), meinen beiden Gastgeschwistern (Anna und Garret), unserem Hund (Cooper) und unseren beiden Katzen (Simon und Doug) zusammen in einem warmherzig und gemütlich eingerichteten Haus in einem Dorf namens West Lafayette in Ohio. Meine Gastfamilie ist mir schon nach wenigen Monaten so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie nun wie meine zweite Familie ansehe und mir ein Leben ohne sie im Moment nicht mehr vorstellen kann. Wir beide teilen eine große Leidenschaft für Fußball, verfolgen den amerikanischen Frauenfußball jede Sekunde und wenn wir einmal nicht pünktlich zum Anpfiff zu Hause sind, wurde das Spiel bereits aufgenommen und wir schauen es zu einem späteren Zeitpunkt nach. Außerdem ist es Tradition bei uns, jeden Sonntag Nachmittag unser Football-Team „The Cleveland Browns“ im Fernsehen zu verfolgen. Meine Gastfamilie ist sehr bemüht, mir so viel wie möglich aus unserer Umgebung zu zeigen. Fast jedes Wochenende haben wir einen Ausflug geplant, auf den ich mich unter der Woche schon riesig freue. Ich liebe es, gemeinsam mit meiner Gastfamilie die Welt zu erkunden, weil es nie langweilig wird und wir immer über etwas zum lachen haben. Außerdem ist meine Gastfamilie sehr aufgeschlossen, neue Dinge aus der deutschen Kultur zu lernen. Oft sitzen wir spät am Abend im Wohnzimmer und spielen Mensch-ärgere-dich-nicht. In kommender Zeit wollen wir gemeinsam Käse Spätzle, ein typisch deutsches Rezept, kochen. Momentan bin ich überglücklich und könnte mir keine bessere Gastfamilie vorstellen.

 

Welche Unterschiede gibt es im Familienleben zu Deiner Familie zuhause?

Ich bin es gewöhnt, jeden Morgen während einer warmherzigen und gemütlichen Atmosphäre gemeinsam mit meiner Familie in Deutschland am gedeckten Frühstückstisch zu sitzen, zu frühstücken, sich zu unterhalten und einfach den Morgen gemeinsam zu verbringen und zu starten. In meiner Gastfamilie hier in Amerika ist es nicht typisch zu frühstücken. Meine Gasteltern verlassen zu unterschiedlichen Zeiten das Haus um zur Arbeit zu fahren und meine Gastgeschwister stehen viel zu spät auf um zu frühstücken. Außerdem ist es Tradition bei meiner Familie in Deutschland am Abend gemeinsam am Esstisch zu sitzen, Abend zu essen, sich über den Tag zu unterhalten und Zeit als Familie zu verbringen. Hier in meiner Gastfamilie ist es Tradition zu Abend vor dem Fernsehen zu essen. Mir persönlich fehlt es sehr, den Tag nicht mit einem gemeinsamen Frühstück zu beginnen und den Abend nicht mit einem gemeinsamen Abendessen am Tisch zu beenden, dadurch fehlt eine gewisse familiäre Kommunikation in meinem Leben, in der wir uns gegenseitig über unser Leben und neue Erkenntnisse austauschen. Jedoch ist dies die Tradition in meiner Gastfamilie und ich bin dankbar, ein Jahr ein typisch amerikanisches Leben zu führen.

 

Welche neuen Aktivitäten hast Du durch Deine Gastfamilie oder Freunde kennengelernt?

Eine „Aktivität“, die ich nach meinem Auslandsjahr nie vergessen und riesig vermissen werde, sind die Autofahren durch Nacht und Tag gemeinsam mit meinen Freunden. Es ist ein spezielles Gefühl, ein Gefühl von Freiheit und Erkundungsgeist, mit Freunden durch die Nacht oder den Tag zu fahren, laut Musik zu hören und zu singen und sich wie in einem Film zu fühlen. Ich genieße es sehr, mit meiner Gastfamilie an freien Tagen im Wohnzimmer am Tisch zu sitzen und das amerikanische Kartenspiel „Golf“ zu spielen. Außerdem habe ich durch meine Freunde eine neue Welt des Basketball spielen entdeckt. Hier in Amerika ist Basketball auf einem sehr hohen Level, ganz anders als in Deutschland. Ich habe drei Monate Basketball in unserem Schul-Sport-Team gespielt und bin froh, einmal eine andere Sportart als Fußball in meinem Leben ausprobiert zu haben.

War es leicht oder schwer Freunde im Gastland zu finden?

Ich würde nicht sagen, dass es als Jugendlicher auf einem völlig fremden Kontinent mit einer komplett fremden Kultur und mit gerade einmal 16 Jahren einfach ist, wahre Freunde zu finden. Ich persönlich bin eine Person, die eine gewisse Zeit braucht eine Person kennenzulernen um sie als Freund zu bezeichnen. Vorteilhaft war es auf jeden Fall für mich, dass mein Gastvater einer der Trainer unseres Fußballteams an unserer Schule war und das meine Gastschwester in dem selben Team gespielt hat. Jeder aus dem Fußballteam wusste, dass eine Austauschschülerin aus Deutschland kommen würde. Alle waren sehr aufgeschlossen und sind direkt auf mich zugekommen. Es war wunderbar so viele gewohnte Gesichter zu kennen bevor die Schule angefangen hat. Da ich hier in einem kleinen Dorf lebe und die Schule nicht besonders groß ist, hat es sich schnell rumgesprochen, dass es eine Austauschschülerin aus Deutschland auf der Schule gibt. In den ersten Wochen war ich wie ein „Star“, jeder wollte mit mir reden und ist auf mich zugegangen.

Klingt doch wunderbar denkt ihr euch jetzt wahrscheinlich.

Einerseits war es ein schönes Gefühl das jeder etwas mit mir zu tun haben wollte und auf mich zu gegangen ist. Aber anderseits gab es Leute mit denen ich ein paar mal geredet und Dinge unternommen habe und ich mir vorgestellt habe, dass wir Freunde werden könnten und im Endeffekt nur enttäuscht wurde. Als Austauschschülerin musste ich mir erstmal eine gewisse Menschenkenntnis aneignen und herausfinden, wem ich vertrauen kann und wer meine wahren Freunde sind. Für mich persönlich war es nicht der schwere Teil auf Leute zuzugehen, sondern herauszufinden, wer die echten Freunde sind, wem ich vertrauen kann und dies brauchte seine gewisse Zeit.

Was möchtest Du Deiner Familie und Deinen Freunden zuhause mitteilen?

Wenn man „Auslandsjahr in Amerika“ hört, denkt man meistens an eine tolle Gastfamilie, Englisch sprechen, neue Menschen kennenlernen, neue Kultur, insgesamt an eine traumhafte Zeit und vielleicht an ein wenig Heimweh. Mehr oder weniger denkt man meistens nur an die positiven Dinge die man in einem Auslandsjahr erleben kann. Für mich ist es einerseits die beste Zeit meines Lebens und anderseits ist es auch die schwierigste und härteste Zeit. Ich bin unendlich dankbar für meine beiden Eltern, die gemeinsam mit mir hier in Amerika die schwierigsten Zeiten und Heimwehattacken durchgemacht haben, mit mir um 3 Uhr nachts deren Zeit gefacetimed haben, weil mir alles zu viel geworden ist. Mit Hilfe meiner Freunde und Familie habe ich nun einen gewissen Punkt erreicht, wo ich mich hier in Amerika zuhause und pudelwohl fühle. Mir geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Es sind nur noch 115 Tage bis ich meine Familie und 136 Tage bis ich meine Freunde wieder in meine Arme nehmen kann. Einerseits freue  ich mich mich schon riesig auf mein zuhause aber anderseits habe ich ein Gefühl von Melancholie, weil die Zeit hier in Amerika viel schneller als erwartet vorbeigeht.


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