Vor der Ausreise

Wahnsinn, der Abflug aus Deutschland ist wirklich schneller gekommen, als ich gedacht hatte. Mir kam es immer wie eine kleine Ewigkeit vor bis ich dann tatsächlich nach Spanien fliegen würde. Eine kleine Ewigkeit, in der ich noch allerlei Dinge erledigen wollte. Allem voran wollte ich noch eine Menge Spanisch lernen, um etwas vorbereitet sein. Nun ja. Manchmal geht es dann doch schneller als erwartet und der Tag des Abflugs war da. Selbst als ich viel zu spät am Flughafen ankam, kam mir alles nicht real vor. Verlasse ich jetzt wirklich meine Heimat? Unvorstellbar.

Der Anfang

Aber so war es. Klar, ich freute mich. Zuerst auf Barcelona, wo wir noch ein Einführungswochenende verbringen würden, aber auch auf mein neues Leben in Dos Hermanas. Die zwei Tage in Barcelona sind förmlich dahingerast. Und schon saßen wir in dem Zug der uns nach Sevilla bringen würde und auch diese 5:30 Stunden waren letztlich nur ein Wimpernschlag. Meine Gedanken kreisten durchgehend um dieselben Themen. Würde ich mich mit meiner Gastfamilie verstehen? Meinem Bruder, meiner Schwester und meiner Mutter? Freunde finden? Überhaupt irgendetwas verstehen? Hobbys finden? Eine schöne Zeit haben? Denn das ist letztlich das einzige was ich möchte. Fünf tolle Monate in einem anderen Land verbringen und diese Zeit einfach nur genießen. Aber man wird schnell desillusioniert. Nicht jeder kann direkt einen Draht zu jedem aufbauen. Ich bin definitiv einer davon.

Neue Freunde

Meine Gastfamilie ist super nett, vor allem mein Gastbruder ist sehr offen, aber es ist schwierig eine gute Beziehung aufzubauen wenn man nach jedem Satz fragen muss, ob sie ihre Aussagen wiederholen. Dasselbe gilt leider für die Schule. Hier gibt es sehr viele unfassbar nette Menschen. Menschen mit denen ich super gerne befreundet sein würde. Aber Gespräche sind schwer und deshalb auch die Kontaktaufnahme. Aber ich bleibe zuversichtlich. Und zum Glück sind eine Stufe unter mir zwei Austauschschüler, die meine Situation verstehen können und mit denen ich hoffentlich auch Zeit verbringen kann. Außerdem werde ich über meinen eigenen Schatten springen und jeden Tag, jede Minute aufs Neue offen sein für alles und auf die Menschen zugehen. Etwas anderes bleibt einem Austauschschüler nicht übrig. Zum Glück bin ich hier schon in einem Fitnessstudio angemeldet und werde in derselben Tanzschule tanzen, wie meine Gastschwester. Denn Langweile bringt mich um. Aber das muss ich lernen. Ich lebe jetzt hier. Das ist kein Urlaub. Das ist Leben.

Eine neue Kultur 

Und damit bin ich schon am nächsten Punkt. Am eigenen Leib erfahre ich, was dieser Kulturschock ist, von dem alle reden. Leben hier ist anders, ganz anders als in Deutschland. Schlafen die Spanier überhaupt? In meiner Gastfamilie scheint es völlig normal zu sein den ganzen Tag fernzusehen, erst um 22:00 Uhr zu essen und danach nochmal rauszugehen. Ganz anders in meinem Heimatort. Ab 18:00 Uhr sind die Straßen wie leergefegt. Aber das ist alles Gewöhnungssache. Hoffe ich. Man merkt, die ersten Tage sind hart. Wahrscheinlich bei vielen. So etwas wie das perfekte Auslandsjahr gibt es nicht. Aber ich werde das Beste aus allem machen. So schwer kann das doch auch nicht sein. Oder? Dafür bin ich schließlich hier. Um Neues zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und nicht dafür mein deutsches Leben in einem anderen Land zu führen.

 


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