Die Weihnachtszeit ist vorüber, die Schule hat wieder angefangen und meine letzten Wochen sind angebrochen. Wie schnell fast fünf Monate doch vorbeigehen. Ein bisschen traurig bin ich, alles, was ich hier habe, zurückzulassen. Meine Freunde, meine Familie, meine neue Heimatsstadt Sevilla, die vielen sonnigen Tage, die leckeren Tapas. Im Austausch baut man sich wirklich ein zweites Leben auf und nach fünf Monaten verlässt man es einfach so. Eine komische Vorstellung. Aber auf zuhause freue ich mich auch. Auf meine Familie, meine Freunde, auf Köln.

Aber das soll gar nicht das Thema meines Blogs sein. Also irgendwie schon. Denn es geht um meine Familie und meine Freunde hier, die ich bald zurücklassen muss.
Meine Familie hier besteht aus meiner Mutter Victoria, meiner Schwester Victoria, die 21 ist, und meinem Bruder Antonio, der wie ich 17 ist. Über die Weihnachtstage konnte ich dann noch die Großmutter (ebenfalls Victoria) aus Granada und den Onkel, die Tante und die Cousine aus Barcelona kennenlernen, denn wir sind zehn Tage in Granada gewesen. Eigentlich hat meine Gastmutter noch eine Nichte, aber die musste leider arbeiten. Meine Gastfamilie ist also relativ klein für spanische Verhältnisse, was einen starken Gegensatz zu meiner sehr großen Familie in Deutschland darstellt.

Was schätze ich besonders an meiner Gastfamilie? Wie ich schon mal gesagt habe ist das auf jeden Fall die Freiheit, die ich hier habe. Es ist nicht so, als hätte ich gar keine Regeln und als wäre ich nie zuhause, aber meine Gastmutter sagt mir immer, ich solle meine Zeit hier bestmöglich ausnutzen, ausgehen, Sachen anschauen und Städte entdecken. Sie selbst kann das aus gesundheitlichen Gründen nicht, aber sagt, das solle mich nicht davon abhalten selbst alles zu machen, was mir in den Sinn kommt. Mit meinen Gastgeschwistern verstehe ich mich auch gut. Mit meinem Gastbruder teile ich die Liebe zum Reiten und zum Sport im Allgemeinen, sodass wir immer etwas zum Reden haben, obwohl wir charakterlich sehr unterschiedlich sind. Meine Gastschwester ist sehr ruhig und studiert schon. Sie ist für ihre 21 Jahre in vielen Bereichen schon sehr selbstständig, was mich sehr beeindruckt. Ich liebe es an meiner Familie, dass so oft gescherzt wird, aber man vor allem mit meiner Mutter und meiner Schwester über ernstere Themen, wie die Politik in Spanien reden kann. Außerdem finde ich es toll, dass meine Gastmutter gerne reist und neue Dinge entdeckt. Mittlerweile hindert sie ihre Gesundheit etwas, aber wir haben uns trotzdem einige schöne Städte Spaniens gemeinsam angeschaut, da ich das ebenfalls so gerne mache. Zuletzt liebe ich es, dass meine Gastmutter fast immer zu wissen scheint, wann ich eine mütterliche Umarmung gebrauchen kann, und das mein Gastbruder auch immer für eine Umarmung zu haben ist.

Unterschiede konnte ich viele feststellen. Beispielsweise das Brüllen oder seeehr laute Reden, das in spanischen Familien Gang und Gäbe ist. Für mich von zuhause absolut unbekannt, aber hier mache ich mir fast schon Sorgen, wenn nicht ab und an etwas gebrüllt wird. Scheint in Spanien aber wirklich ganz normal zu sein. In Deutschland habe ich außerdem ein etwas ausgeprägteres Familienleben. Wir versuchen Zeit zusammen zu verbringen, am Wochenende zusammen zu frühstücken und auch mal etwas zusammen zu unternehmen. Da in meiner Gastfamilie alle sehr unterschiedliche Interessen und Tagesrhythmen haben, ist vor allem das Mittagessen und das Fernsehen in der Siesta die Zeit des Zusammenkommens. Aber auch mit diesem Umstand bin ich zufrieden. Denn so habe ich immer die Möglichkeit meine Zeit selbst zu gestalten. Und es ist ja auch nicht so, als würden wir nichts gemeinsam machen, denn ohne sie hätte ich tolle Orte nie entdeckt.

Das soll es erstmal zu meiner Gastfamilie gewesen sein, denn es bleibt noch über meine Freunde hier zu reden. Ich werde mit meinen spanischen Freundschaften anfangen. Und ich kann euch sagen, es ist gar nicht so leicht das Gefühl zu haben, echte Freunde gefunden zu haben. Viele andere Austauschschüler und ich auch haben festgestellt, dass viele Freundschaften in Spanien sehr oberflächlich sind. Auch wenn Leute hier seit Jahre befreundet sind, ist ihre Freundschaft so, dass nie über ernstere Themen gesprochen wird. Am Anfang hat mir das etwas zu schaffen gemacht, aber ich hatte das große Glück in meiner Schule Mädchen zu treffen, mit denen es anders ist. Mit ihnen mache ich viel, wir können zusammen tanzen, singen, Filme gucken, Kochen, aber auch über alles reden. Die drei zurückzulassen wird mir sehr schwerfallen. Außerdem habe ich noch eine andere tolle freundesgruppe in meiner Schule. Wenn wir uns treffen gehen wir meistens essen oder spazieren. Aber leider können sie nicht so oft, da sie viel lernen. An Spanien liebe ich es außerdem, dass es am Wochenende immer Feiern gibt, die draußen stattfinden, man immer neue Leute kennenlernt und man einfach nur Spaß haben will. Die Leute hier treffen sich eigentlich nie zu Hause, da die Häuser deutlich kleiner sind, und das Wetter es selbst im Winter zulässt die ganze Nacht draußen zu sein. Zusätzlich zu meinen spanischen Freunden habe ich auch noch die anderen Austauschschüler aus Sevilla, mit denen ich mich oft treffe und mich super verstehe. Das liegt auch daran, dass wir alle in derselben Situation sind und deshalb immer etwas zum Reden haben. Außerdem verstehen wir uns irgendwie alle total gut, denn anscheinend sind die Leute die sich zu einem Auslandsaufenthalt entschließen irgendwie aus demselben Holz geschnitzt. Jedes Treffen mit ihnen ist toll und ich kann mein Glück kaum fassen, diese unfassbaren Menschen kennengelernt zu haben.
Ich hoffe, ich konnte einen Überblick über meine Situation hier geben. Außerdem hoffe ich, dass klar geworden ist, dass zwar nicht alles perfekt und manchmal ganz schön hart ist, aber man das Beste aus allem machen kann und sein Glück finden kann.


1 Kommentar

Cara · 13. Februar 2020 um 00:42

Ich vermiss dich wie hölle meine liebe ! obwohl ich ja eigentlich schon alles weiß was du hier schönes erzählst, war es trotzdem super schön, deine berichte zu lesen und von deiner sicht auf die sachen zu hören. ich wünsch dir das beste und ich bin unglaublich dankbar, dich kennengelernt zu haben ! nen spanischen kuss aus sevilla <3 deine freundin cara

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