Hola und Buenos Dias aus dem schönen Dos Hermanas, einer Stadt nahe Sevilla und vorallem meinem neuem Zuhause. Und das ist es jetzt wirklich. Mittlerweile habe ich mich zum Glück schon sehr gut eingelebt, anders als beim Schreiben meines ersten Berichts, der an meinem dritten Tag hier entstanden ist. Wenn ich jetzt lese, wie es mir in meinen ersten Tagen ging, bin ich wirklich unvorstellbar froh, wie schnell sich Dinge ändern, man sich in einer völlig neuen Situation zurechtfindet und einfach nur glücklig wird. Das ist mir wichtig einmal klarzustellen, die ersten Tage sind hart und ich wünsche niemandem an seinem dritten Tag einen Blogeintrag zu schreiben. Aber sobald man sich in seinem Leben zurechtfindet sieht die Welt ganz anders aus. Und jetzt zum Thema des heutigen Blogeintrags: die Schule in Spanien, oder wie man hier sagt: das „instituto“. Eine kleine Info vorab: Ich besuche die Abschlussklasse, die „Segundo de Bachillerato“ heißt.

Wie sieht Deine übliche Tagesroutine aus?

Mein Wecker klingelt hier um 7:15 Uhr. Aber stehe ich direkt auf? Äähm, nee eher nicht. Ich bin einfach kein Morgenmensch und mein Bett ist auch einfach zu gemütlich. Deshalb höre ich meistens ein bisschen Musik oder werde von den Geräuschen meiner Gastgeschwister aus dem Bett geschmissen. Dann mache ich mir mein Frühstück für die Schule. Meistens Müsli, was meine Mitschüler, die landestypisch ein Boccadillo essen, anfangs misstrauisch beäugt haben. Frühstücken macht man erst in der halben Stunde „Recreo“ so richtig, um 11:15 Uhr. Deshalb frühstücke ich auch nicht mit meiner Gastfamilie. Wir verlassen das Haus auch gar nicht zur selben Zeit. Zur Schule gehe ich 15 Minuten zu Fuß. Zum Glück nicht alleine, sondern immer mit zwei anderen Austauschschülern, die in meiner Nähe wohnen und schon richtig gute Freunde geworden sind. In der Schule habe ich dann dreimal 60 Minuten Unterricht, eine halbe Stunde Recreo und dann wieder drei Stunden. Um 14:45 Uhr endet die Schule dann und wir gehen alle nach Hause.

Welche Fächer belegst Du an Deiner Gastschule?

Worüber ich mich sehr freue, ist dass ich hier ein paar andere Fächer habe, die ich in Deutschland nie hatte. Zum Beispiel Psychologie und Filosophie, zwei Fächer die ich beim selben Lehrer habe. Er heist Risotto de la mesa ( auf deutsch: Risotto vom Tisch) und ist unfassbar intelligent und spricht sogar fliesend deutsch. Sein Unterricht ist super interessant und jede Stunde lerne ich etwas Neues. Das mit den Fächern, die man nie hatte kann aber auch ganz anders laufen, zum Beispiel habe ich hier Chemie , was ich in Deustchland vor drei Jahren abgewählt hab und tja, was soll ich sagen, ich verstehe nichts. Die Lehrerin ist aber super verständnisvoll und sagte vor meinem ersten Examen gestern ich solle einfach eine „cosita“, eine Kleinigkeit lernen. Habe ich auch. Aber ob ich Punkte bekomme? Ich glaube kaum. Heute konnte ich in Chemie sogar etwas betragen. Dass ich nur gesagt habe, wie man „Schrödinger“ auf deutsch ausspricht muss ja niemand wissen. Ansonsten belege ich noch Sport, was großen Spaß macht und wo wir HOFFENTLICH bald Salsa und Bachata tanzen, Lengua ( also Spanisch), Geschichte ( jetzt erfahre ich auch mal ein bisschen was in Ländern außer Deustchland so passiert ist), Biologie (seeeehr langweilig, leider), etwas namens Ethicos Valores (klingt spannend und besteht eigentlich aus Filme und Serien gucken) und Mathe und Englisch. Der Englischunterricht ist unfassbar. Jetzt sehe ich erst was wir für ein Glück mit dem Englischunterricht in Deutschland haben, denn das Niveau hier ist unfassbar schlecht (nach Aussagen meiner Mitschülern!!!) und entspricht ungefähr einer deutschen sechsten Klasse.

Welche Unterschiede gibt es zu Deiner deutschen Schule?

Der Englischunterricht wäre da schonmal der erste. Aber was ich viel viel viel auffällig und immer noch total ungewohnt finde, ist dass man hier seine LehrerInnen duzt, beim Vornamen nennt und manchmal sogar AUFDIE WANGE KÜSST. Stellt euch das bitte vor! Ich war jedenfalls seeehr perplex als das erste Mal ein Lehrer auch zu mir kam und mich mit einem spanischen Küsschen begrüßte. Hier ist es außerdem so, dass man schon vor dem Eintritt in die Oberstufe wissen MUSS, was man später ungefähr in der Uni studieren möchte. Man wählt nämlich einen Schwerpunkt und alle mit demselben Schwerpunkt bilden eine Klasse. Ich bin beispielsweise in Gesundheitswissenschaften gelandet. Sonst gibt es noch Sprache, Sozialwissenschaftzen, Technik, Kusnt und Musik. Hat man nicvht den passsenden Schwerpunkt für einen Studiengang gewähglt, kann man das Fach nicjht studieren. Ich bin echt froh, dass wir uns in >Deutschland noch nicht so früh festlegen müssen. Apropos Uni, Schule ist hier eher so, dass wie an der Uni der Lehrer die meiste Zeit vorne steht und Vorträge hält. Übungen macht man eher selten, stattdessen muss man sich Notizen machen. Zum Glück habe ich aber einige Lehrer, die diese Tradition ignorieren und uns auch selbst arbeiten lassen. Das ist nämlich viel spannender.

Hast Du bereits neue Freunde an der Schule gefunden?

Zum Glück ja! Und ich wüsste nicht wie ich die Schule hier ohne sie durchstehen würde. Denn es gibt nichts besseres als Freundinnen, die dir auch zum hundertsten Mal alles erklären, dich aufwecken, wenn Biologie dann doch mal ein bisschen zu langweilig ist oder geduldig jedesmal auf mein „Que?“ mit dem langasamen Wiederholen des Gesagten antworten. Leider müssen sie alle ziemlich viel lernen, aber die Wochenenden gehen wir abends gemeinsam zu Konzzerten oder spanische Tapas essen. Für meine weitere Zeit hier haben wir auch schon Pläne geschmiedet, was mich ungeheuer freut. Und das beste ist, solange man offen ist und auf die Leute zugeht, sie in gebrochenem Spanisch anlabert, dann hat man auch schnell wieder eine neue Bekanntschaft geschlossen. Denn wenn mnan wie ich von niemandem gekannt wird, kann man sein wie man sein will und mit den Leuten rumhängen mit denen man auch seine Zeit verbringen möchte.

Wie würdest Du das Schulleben insgesamt beschreiben?

Naja, wer schonmal kurz vor den Abiprüfungen eine 12. Klasse in Deustchland besucht hat, der weiß, dass doch alle Schüler vor allem das Abi im Kopf haben und was sie dafür lernen müssen. Hier merkt man es noch stärker, es macht wirklich fast nur der den Abschluss „Selectividad“, der das auch wirklich möchte. Deshalb sind alle ein bisschen angespannt. Lustig ist der Unterricht aber trotzdem oft, denn gequatscht und rumgealbert wird hier auch, genauso wie in Deustchland. Einen School-Spirit wie in den USA gibt es hier eher nicht. Schule ist halt Schule, wie das in Deustschland auch ist. Das Unterrichtsniveau ist, denke ich, etwas niedriger als in Deutschland, da hier eher Wert darauf gelegt wird, Fakten zu lernen. In meiner alten Schule sollten wir vorallem Hintergründe und Zusammenhänge begriefen und analysieren und unsere eigene Meinung bilden. Darauf wird hier leider wenig Wert gelegt, und ich vermisse es ein bisschen in der Schule alles mögliche auszudiskutieren. Trotzdem ist die Schule hier schon auch gut, weil die Schüler sehr fleißig sind lernen sie auch viel, nur halt anders als ein deutscher Schüler. Mir persönlich gefällt das deutsche Schulsystem etwas besser, aber das ist nur meine Meinung. Insgesamt kann ich sagen, dass ich dankbar dafür bin eine spansiche Schule besuchen zu können, denn dadurch habe ich die Möglichkeit nicht nur Spanisch sondern auch andere Neue Dinge zu lernen. Und ohne mein „Instituto“ hier würde ich sicherlich nicht so schnell spanische Freunde und Freundinnen gefunden habe, die mit mir zusammen jede einzelne der langweiligen Biologiestunden durchstehen.

 


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