Oder auch: Weihnachtsgefühle bei 20 Grad und Sonnenschein.
Erstmal vorweg, ich liebe Weihnachten. Es ist mein absoluter Lieblingsfeiertag. Die Stimmung, die Dekoration, der Duft von Plätzchen und Maronen, Besuche auf dem Weihnachtsmarkt, ein Adventskalender, Zeit mit der Familie und Geschenke an Heiligabend. Typisch Weihnachten. Nur hier nicht. Die Vorweihnachtszeit wird in Spanien nicht in dem Ausmaß gefeiert, wie es bei mir immer üblich war.

 

Adventskalender gibt es zwar (zum Glück haben wir hier ja Aldi, der mich immer wieder mit deutschen Produkten erfreut), aber es wird sich irgendwie nicht an die Regeln gehalten. Eine Freundin erzählte mir am 28. November, sie habe schon Türchen sechs aufgemacht?! Für mich unvorstellbar, wo ich eigentlich nicht mal Spekulatius vor dem 01. Dezember esse ( nur dieses Jahr musste ich eine kleine Ausnahme machen). Zum Glück habe ich in Deutschland die beste Mama der Welt, die mir pünktlich zum 01. Dezember einen Kalender geschickt hat, der mich jeden Tag mit Sachen die ich so richtig gerne mag erfreut. Ein Adventskranz ist hier auch nicht üblich und auch Nikolaus wird nicht gefeiert. Aber auch hier hat mich meine Mama nicht hängen gelassen und meiner Familie und mir einen Sack mit Nikoläusen und einer rieeeesen Tafel Lindt-Schokolade geschickt. Nicht mal Plätzchen werden traditionell gebacken! Aber das macht mir nichts. Plätzchen werden ich in den Weihnachtsferien auf jeden Fall mit meiner Familie backen. Das habe ich mir schon vorgenommen. Außerdem habe ich mich gestern erst mit ganz vielen anderen Freunden vom Austausch getroffen und Lebkuchen Häuser gebaut und Plätzchen dekoriert.

Und die wunderschöne Beleuchtung die in Sevilla am 28. November mit einem großen Spektakel angemacht wurde entschädigt auch wirklich dafür, dass man nicht gemütlich über kleine Weihnachtsmärkte schlendern kann (wobei ich mittlerweile ein paar Märkte entdeckt habe, die immerhin versuchen ein Weihnachtsmarkt zu sein). Und Maronen gibt es hier an jeder Ecke, frisch aus dem Topf und super lecker.


Aber wie sieht Weihnachten in meiner Gastfamilie aus? Und in Spanien ganz traditionell?
In meiner Familie hier ist Weihnachten nicht soo wichtig, schon gar nicht unter religiösen Aspekten. Sie machen sich einfach nichts aus Deko und dem ganzen Weihnachtskram. Aber ich habe schon gesagt, dass ich auf jeden Fall noch das Haus dekorieren werde, denn so ein bisschen muss man davon doch schon im Haus haben, oder? Außerdem ist es in Spanien generell ein bisschen anders mit Weihnachten, Heiligabend und so. Heiligabend gibt es hier nämlich gar keine Geschenke sondern nur Essen. Geschenke gibt es erst anlässlich der Heiligen Drei Könige den „Reyes Magos“ am 06. Januar. Denn schließlich haben die Jesus ja auch die Geschenke gebracht. Irgendwie logisch, oder? An „Reyes Magos“ gibt es außerdem Umzüge, die mich irgendwie in meiner Vorstellung an Karnevalsumzüge erinnern. Mir wurde nämlich erzählt, dass da auch Süßigkeiten geschmissen werden. Und Jamon?! Traditionellen Kuchen gibt es auch. Es ist ein Ring mit Sahne drin und es sind zwei Figuren eingebacken. Hat man ein Stück mit dem einen, hat man im nächsten Jahr Glück, hat man die andere muss man im nächsten Jahr den Kuchen machen. Aber da bin ich ja fein raus hehehe. Eine weitere Weihnachtstradition in Spanien sind die Krippen, die überall aufgebaut werden und hier so wichtig sind, dass es in Sevilla sogar einen ziemlich großen Straßenmarkt nur für Krippenfiguren gibt. Vor allem in Kirchen werden sie total aufwendig gestaltet und sind manchmal richtig schön und detailliert.
Insgesamt ist meine Weihnachtszeit also ganz anders. Das liegt nicht nur an meiner Familie, sondern auch an den spanischen Traditionen, die dann doch sehr anders sind, als die deutschen. Aber es ist nicht schlechter. Anders halt. Und wer kann schon von sich sagen am Nikolaustag zwar keine Süßigkeiten in den Stiefeln gehabt zu haben sondern dafür im Mittelmeer gebadet zu haben?
Zum Ende noch: wo werde ich die Weihnachtstage verbringen? Das ist vielleicht ein bisschen ungewöhnlich, denn ich fahre mit meiner Gastfamilie in ein Dorf in der Nähe von Granada. So weit so gut. Aber was mache ich da? Nicht etwa Granada besuchen, nein, Weihnachtszeit ist Olivenzeit und weil die Großmutter die dort lebt eine Olivenplantage hat, werden wir Oliven ernten und selbst Olivenöl herstellen. Zuerst dachte ich: „Oh Gott. Ist das anstrengend! Und kann ich dann überhaupt Granada angucken?“. Aber jetzt freue ich mich riesig. Denn spanischer geht es doch auch irgendwie nicht, oder?
Also, na dann, HO HO HO, frohe Weihnachten an alle. ich verabschiede mich jetzt und esse den unfassbar leckeren Spekulatius den ich heute im Adventskalender hatte. An dieser Stelle: Dank gehen raus an meine Mama und an Cara, die mir wirklich meinen Advent erhellen.


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