„Bis nächstes Jahr“ waren die Worte mit denen ich mich von meiner Familie und meinen Freunden in Deutschland verabschiedet habe.

Der Abschied fiel mir nicht sehr schwer, da mir das alles noch so unrealistisch erschien. Wochenlang habe ich mich darauf gefreut und nun war es soweit: Ich würde 6 Monate in Frankreich in einer Gastfamilie verbringen.

Am Garre de l´Est bei meinem Zwischenstopp in Paris

Am 30. August begann mein Auslandssemester und ich bin mit dem Zug über Paris nach Remiremont gefahren. Meine Gastmutter und meine Gastgeschwister haben mich vom Bahnhof abgeholt und sie haben mir ihre Stadt Raon-aux-Bois und ihr Haus gezeigt. Raon-aux-Bois ist eine kleine Stadt in den Vosgesen im Westen von Frankreich.

Mit meiner Gastschwester am Ortseingang von Raon-aux-Bois

Ich habe mich von Anfang an gut mit meiner Gastfamilie verstanden, welche aus meinen Gasteltern, meiner Gastschwester und meinem Gastbruder besteht. Meine Gastgeschwister sind ein bisschen jünger als ich, aber trotzdem verstehe ich mich sehr gut mit ihnen und wir haben sehr viel Spaß zusammen.

Meine Gasteltern und ich

 

Auch wenn Frankreich ein Nachbarland von Deutschland ist, sind mir schon jetzt viele Kulturunterschiede aufgefallen und ich muss auch zugeben, dass einige Klischees über Frankreich stimmen. Die Franzosen verbringen zwar den ganzen Tag  mit Arbeiten und Schule aber trotzdem spielt die Familie eine große Rolle und abends wird sich viel Zeit fürs gemeinsame Essen genommen. Es wird nicht nur lang sondern auch sehr viel gegessen. Oft gibt es einen Salat als Vorspeise, danach das Hauptgericht, dann eine Tarte oder Obst und dann noch Käse. Das Klischee, dass Franzosen immer Baguette essen stimmt bis jetzt außerdem auch: es gibt es zu jeder Tageszeit Baguette von morgens bis abends.

Doch auch das Klischee über die Küsschen als Begrüßung stimmt. Am Anfang war ich ein bisschen verwirrt, wenn mich selbst fremde Leute mit angetäuschten Küsschen auf beiden Wangen begrüßt haben, aber dann hat mich meine Gastmutter aufgeklärt, dass man jeden so begrüßt. Sie hat mir auch erzählt, dass Franzosen es unhöflich finden, wenn man nicht richtig  mit „la bise“ begrüßt wird.  Ich muss sagen, dass es teilweise wirklich anstrengend werden kann, wenn man zum Beispiel in der Schule jeden mit Küsschen begrüßt.

Hier in Frankreich spielt der „rentrée“, der erste Tag nach den Sommerferien, eine große Rolle. Die Klassen werden neu zusammen gestellt und keiner kennt niemanden und für jeden einzelnen Schüler ist der „rentrée“ ein Neustart. Meine erste Schulwoche habe ich in der  „Seconde“ mit meinem Gastbruder verbracht, was in Deutschland der 10. Klasse entspricht, aber ab nächster Woche werde ich in die „Premiere“ gehen, was der 11. Klasse entspricht, und  habe einen zweiten rentrée.

Mein lycée in Épinal

Meine erste Schulwoche war sehr anstrengend für mich, da der Unterricht in Frankreich immer bis 17 oder 18 Uhr geht, sogar für jüngere Kinder. Dafür habe ich hier oft Freistunden, in denen ich Hausaufgaben machen kann oder mit meinen Freunden in die Stadt gehen kann. Viele Freistunden verbringen wir in der „Brasserie“, was wie ein Café in Deutschland ist und von denen es hier sehr viele gibt.

Mein Lieblingsplatz in Épinal 

Durch meine Gastgeschwister habe ich einen Handballverein gefunden und kann somit nach der Schule ins Handballtraining gehen und mit gleichaltrigen Sport treiben.

Eigentlich habe ich erwartet, dass mir es am Anfang schwer fallen wird mich auf französisch zu unterhalten, aber die Kommunikation hat fast immer sehr gut geklappt. Schon in meiner ersten Woche in Frankreich hat sich mein Französisch extrem verbessert und ich verstehe fast immer alles.

Ich hätte mir meine ersten Tage in Frankreich wirklich nicht besser vorstellen können und ich fühle mich hier sehr wohl. Mir gefällt die französische Lebensweise und die herzliche und offene Art der Franzosen und ich kann mich auf die folgenden 6 Monate freuen.

 


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