Welche Gastgeschenke bieten sich an?

Meiner Meinung nach sollte sich jeder zukünftige Austauschschüler Zeit nehmen, um sich Gedanken über die Gastgeschenke zu machen, denn diese sollen deine Dankbarkeit ausdrücken. Es kommt ganz und gar nicht auf die Anzahl und den Preis der Gastgeschenke an, solange man erkennen kann, dass du dir Gedanken und Mühe gemacht hast, wird sich jede Gastfamilie über deine Gastgeschenke freuen. 

Als ich mich vor 8 Monaten auf den Weg in die USA zu meiner Gastfamilie gemacht habe, habe ich lange zusammen mit meinen Eltern überlegt welche Gastgeschenke passend wären. Wir sind damals zu dem Entschluss gekommen, dass ich das typisch deutsche Brettspiel: „Mensch ärger dich nicht“ mitbringe, da Gemeinschaftsspiele immer eine gute Gelegenheit sind, um gemeinsam Zeit zu verbringen.

Da ich aus Berlin komme, habe ich ihnen ein Buchband über bekannte Gebäude aus Berlin geschenkt, wo die Gebäude vor dem zweiten und nach dem zweiten Weltkrieg abgebildet sind. Beide meiner Eltern kommen ursprünglich aus Bayern, deshalb habe ich meiner Gastfamilie einen alten Bierkrug von meinen Großeltern und einen Spätzlehobel mitgebracht. Uns kam die Idee ihnen einen Spätzlehobel mitzubringen, da ich so meiner Gastfamilie ein neues Rezept aus unserer Heimat beibringen kann.
Außerdem habe ich ihnen eine DVD mit einer  Deutschland Dokumentation geschenkt, welche in englisch auf die Natur, die deutsche Geschichte und berühmte Gebäude eingeht.

Meiner Meinung nach sind die besten Gastgeschenke die, die etwas aus deiner Heimat repräsentieren und du zugleich mit deiner Gastfamilie Zeit verbringen kannst. Das wichtigste ist jedoch, dass du dir keinen Stress machst das „Perfekte“ Gastgeschenk zu finden, du kannst natürlich auch deiner Kreativität freien lauf lassen und etwas selber machen.

Hier noch ein paar weitere Ideen: 

  • Typisch deutsche Süßigkeiten (Schokolade usw.)
  • Kochbuch mit deutschen Rezepten
  • T-Shirt, Pulli von deiner Lieblingssportmannschaft oder falls du selber in einem Verein spielst Klamotten von deinem Sportteam 
  • Zutaten für ein typisch deutsches Essen, welches du dann gemeinsam mit deiner Gastfamilie kochen kannst
  • Selbst gemachtes Memory mit Fotos aus deiner Heimat, dir und deiner Familie & Freunden

Was hat mir bei Heimweh geholfen?

Es gibt kein richtiges Gegenmittel gegen Heimweh, denn Heimweh gehört zu jedem Auslandsjahr hin und wieder dazu. Bevor ich mich auf den Weg in die USA gemacht habe, war ich mir nicht wirklich dessen bewusst was Heimweh überhaupt ist und wie es sich anfühlt Sehnsucht nach zu Hause zu haben. Die längste Zeit, die ich von meinem zu Hause, meiner Umgebung und meiner Familie und Freunden getrennt war, waren 2 Wochen. Natürlich habe ich mich damals in Momenten nach meinen Eltern gesehnt, aber Heimweh konnte ich das damals nicht nennen.

Nach meiner jetzigen Erfahrung in einem anfangs fremden Land und Kultur, einer komplett neuen Familie, neuen Umgebung, neuen Schule und fremden Sprache, habe ich das erste mal in meinem Leben das Gefühl von Heimweh hautnah kennengelernt.
Jeder Mensch der das Wort „Heimweh“ hört, denkt automatisch hauptsächlich an negative Aspekte wie Schmerz, Trauer, Verzweiflung und Überforderung. Natürlich entspricht dies im ersten Moment auch der Wahrheit. Jedoch habe ich in meiner Zeit in Amerika auch die positiven Dinge des Heimwehs zu Gesicht bekommen. Ich habe einen ganz anderen Blickwinkel auf mein Leben in Berlin gewonnen. Meine Freunde, meine Familie und meine Freiheiten habe ich mehr wertzuschätzen gelernt. Heimweh erinnert mich jedes mal daran, was für ein privilegiertes Leben ich leben darf und was dankbar sein wirklich bedeutet. 

Anfangs war ich nicht immer positiv auf das Gefühl Heimweh zu haben eingestellt, besonders nicht in den ersten sechs Monaten. Jeder Austauschschüler eignet sich in seiner Zeit im Ausland eine Anzahl von Fähigkeiten und Hilfsmitteln an, die man im Laufe seiner Zeit anzuwenden weiß. In der Anfangszeit sind diese Fähigkeiten jedoch noch nicht vorhanden, man ist überfordert und weiß sich, beispielsweise im Falle Heimweh, nicht zu helfen. Aber keine Sorge, nach einiger Zeit lernt man sich selbst besser kennen und wird sich dessen bewusst, welche Bedürfnisse man in schwierigen Situationen hat.
Jeder Austauschschüler ist anders und hat andere Bedürfnisse, deshalb gibt es nicht das perfekte Gegenmittel gegen Heimweh.

Meine Bedürfnisse und Ratschläge:

Es gibt verschiedene Momente in denen Heimweh auftreten kann. Manchmal habe ich das Bedürfnis wenn ich Heimweh habe, dass ich Zeit für mich brauche, um Erlebnisse zu realisieren und zu verarbeiten. Dann höre ich meistens Musik oder ein Hörspiel, räume mein Zimmer auf, gehe joggen, mache ein Workout, werde kreativ und fange an zu malen oder meine Gedanken aufzuschreiben, lese ein Buch oder schaue einen Film/Serie auf Netflix.
Jedoch kann Heimweh bei mir auch ganz anders aussehen. Manchmal vermisse ich meine Familie und meine Freunde so sehr, dass ich mich viel zu dolle reinsteigere und ich jemanden brauche, der mich aus meinem Tief wieder herausholt. In solchen Momenten hilft es mir sehr mein Herz bei meiner Gastfamilie auszuschütten.

Es ist für mich nicht immer leicht gewesen zu meiner Gastfamilie zu gehen und sie um Hilfe zu bitte, da es mir unangenehm ist vor „fremden“ Leuten zu weinen. Es ist schwer für mich gewesen mir einen Ruck zu geben und aus meiner Komfortzone herauszukommen. Aber als ich mich letztendlich überwunden habe mich meiner Gastfamilie anzuvertrauen, habe ich nicht nur eins der besten Hilfsmittel gegen Heimweh gefunden, nein ich habe sogar noch viel mehr Selbstbewusstsein gewonnen und ich bin meiner Gastfamilie einen Schritt näher gekommen.
Viele Leute sagen, dass man bei Heimweh besser nicht mit seinen Freunden oder seiner Familie in Kontakt stehen sollte, ich sehe dies jedoch anders. Manchmal brauche ich einfach eine bekannte Stimme und ein bekanntes Gesicht um mich zu beruhigen, das ist völlig normal. Nur weil man sein zu Hause, seine Familie und Freunde vermisst heißt es schon lange nicht, dass ein kurzes Gespräch zur Aufmunterung nicht sinnig wäre. 

Wie findet man die richtigen Freunde?

Meine größte Angst bevor ich mein Auslandsjahr begonnen habe war, dass ich keine Freunde finden werde und ich meine Mittagspause, so wie in den amerikanischen Filmen, alleine auf der Toilette verbringen muss. Ich denke, dass dies eine der größten Sorge jedes zukünftigen Austauschschülers ist.

Es hat mir damals nicht besonders viel geholfen, wenn „Returnees“ (Austauschschüler die aus dem Ausland wieder zurück gekommen sind), meine Eltern, meine Freunde oder Freunde meiner Eltern gesagt haben, dass ich mir übers Freunde finden keine großen Gedanken machen soll, da ich eine aufgeschlossene, offene und selbstbewusste Person bin, der es einfach fällt auf Menschen zu zugehen und die Fähigkeit besitzt, sich in neue Gruppen und Situationen zu integrieren. Meine Sorgen haben bis zu dem Moment angehalten, bis ich die ersten sympathischen Leute kennengelernt habe.

Ich bin eine Person die mit Menschen eine gewisse Zeit verbringen muss, um die guten und schlechten Seiten zu entdecken, um herauszufinden ob wir auf einer Längenwelle liegen und ich ihr vertrauen kann, bevor ich sie Freunde nennen kann. Im Laufe meines Auslandsjahres habe ich mir eine ziemlich gute Menschenkenntnis angeeignet und weiß nun wer meine richtigen (echten) Freunde sind und wem ich vertrauen kann. Anfangs ist jeder Mitschüler an dir interessiert, da du die neue Austauschschülerin aus einem anderen Land oder sogar Kontinent bist und viele Leute geben sich als „Freunde“ aus.
Deshalb hier ein Ratschlag für dich falls du überlegst in kommender Zeit eine Weile im Ausland zu verbringen: Vertraue nicht  all deine Sorgen, Gedanken, Meinungen und Probleme an die Personen an, die dir im ersten Augenblick am sympathischsten erscheinen und sich als Freunde ausgeben.

Falls du überlegst ein Auslandsjahr zu machen, lege ich dir ans Herz dich in ein Sportteam zu integrieren, denn dort findest du Leute die die gleiche Leidenschaft wie du teilen. Auch wenn du nicht sportbegeistert bist, probier eine neue Sportart aus, denn ein Auslandsjahr ist dazu da aus seiner Komfortzone herauszukommen und neue Sachen auszuprobieren, wozu du woanders nicht die Chance hast. Es ist egal ob du die Sportart noch nie in deinem Leben ausprobiert hast oder du nicht die sportlichste Person bist, das wichtigste ist, dass du Spaß hast und mit neuen Leuten in Kontakt trittst.

Sei offen, selbstbewusst und wissbegierig im Kontakt mit neuen Leuten. Das wichtigste ist jedoch: mach dir nicht zu viele Gedanken über die Grammatik oder deinen deutschen Akzent, versuch so viel wie möglich in deiner neuen Gastland Sprache ohne Überlegungen und Ängste zu sprechen wie du nur kannst. All deine Mitmenschen wissen das du neu bist und verstehen es total das du noch nicht flüssig und ohne Fehler in ihrer Sprache sprechen kannst. Keiner wird sich lustig über dich machen! Mein letzter Ratschlag ist, dass du meistens die Person sein wirst, die Aktiv werden muss und anfragen muss, ob jemand etwas mit dir unternehmen will. Warte nicht immer darauf bis jemand anderes den ersten Schritt wagt, trau du dich als erstes und werd selber Aktiv!

 

Weitere Ratschläge für deine Zeit im Ausland:

  • Fotos von Familie und Freunden als Erinnerung mitnehmen (Erinnerungsstücke für sich selber mitbringen)
  • Versuch keine hohen Erwartungen an deine Gastfamilie und insgesamt dein ganzes Auslandsjahr zu haben
  • Wenn du Probleme mit deiner Gastfamilie hast, sofort ansprechen, nicht zu lange warten!
  • Offen für ein komplett neues Leben sein
  • Vor dem Abflug eine Anschlussparty mit all deinen Freunden organisieren 
  • Lernen dankbar zu sein  
  • Die Zeit genießen und für den Moment leben 

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