Hallo :),

in diesem Beitrag wird es um einen üblichen Schultag von mir gehen. Dazu ein kleines Interview:

Wie sieht Deine übliche Tagesroutine aus?

Mein Tag beginnt hier unter der Woche um 7 Uhr. Wenn ich alles für den Tag fertig gemacht habe gehe ich nach unten, wo ich mir Frühstück mache. Meistens frühstücken meine Gastschwestern Caterina und Chloe zu einer ähnlichen Zeit, aber das variiert von Tag zu Tag.

Nach dem Frühstück, wo ich meistens Porridge mit Obst esse, bringt uns unsere Gastmutter mit dem Auto zur Schule. Die Schule ist bei uns im Ort, und beginnt um 9:00 Uhr. Montags und Dienstags endet sie um 16:00 Uhr und von Mittwoch bis Freitag gegen 15:20 Uhr.

Nach der Schule gibt es meistens direkt „Dinner“ und ich mache meine Hausaufgaben. Freitags treffe ich mich meistens mit Freunden in der Stadt, um nach der Schule zusammen Zeit zu verbringen. Nach dem Abendessen mag ich es sehr gerne etwas draußen laufen zu gehen und dabei Vokabeln oder Definitionen auswendig zu lernen. Öfter gehen auch Chloe, Caterina und ich mit dem Hund Sparky spazieren oder backen etwas. Das Abendprogramm besteht meistens daraus, mit der Gastfamilie Fernsehen zu schauen und sich zu unterhalten.

Wegen des in Irland und besonders in meiner Stadt sehr starken Coronavirus sind alle Freizeitaktivitäten wie Sport oder Musik gestrichen, was ich sehr schade finde. Jedoch stehe ich im Austausch mit irischen Pfadfinderinnen und ich habe die Hoffnung, dass dort vielleicht die eine oder andere (Online-)Aktivität stattfindet, bei der ich vielleicht noch neue Leute kennenlernen kann. Auch meine Gastmutter tut ihr bestes überall nachzufragen, da ich aber weder Profisportlerin bin noch diese Aktivität verpflichtend für die Schule brauche ist es sehr schwer etwas zu finden.

Welche Fächer belegst Du an Deiner Gastschule?

 An meiner Schule bin ich im 5th Year, was in Deutschland vergleichbar mit der Q1 ist. Ich habe 6 Fächer mit je 5 Unterrichtsstunden pro Woche. Mathe, Englisch und Irisch sind Pflichtfächer für alle Irinnen und Iren, das letzte fällt für mich aber glücklicherweise heraus. Zusätzlich muss ich mich zwischen den Sprachen Französisch und Deutsch entscheiden. Da ich Deutsch ja schon kann und Französisch das Fach ist, bei dem ich am meisten Bedenken habe an meiner deutschen Schule ein halbes Jahr zu verpassen, habe ich zuerst Französisch gewählt. Nach drei Wochen bin ich aber dann doch zu Deutsch gewechselt, weil das Niveau in Französisch hier um einiges niedriger ist und ich so kaum etwas neues gelernt habe. Die Deutschlehrerin war ganz begeistert, dass ich jetzt in ihrer Klasse bin und nutzt die Chance mir Fragen zu stellen. Französisch lerne ich jetzt immer in den Irischstunden mit meinem eigenen Buch.

Ich hätte mich sehr gefreut in Irland einige für mich neue Fächer auszuprobieren, leider sind diese Kurse aber anscheinend so gefragt, dass alle voll waren. Deshalb bin ich schlussendlich doch bei meinen Lieblingsfächern Erdkunde, Chemie und Physik gelandet.

Zu den benoteten Hauptfächern gibt es aber auch noch unbenotete Fächer, wie Sport, Religion und Career Guidance, wo es Hauptsächlich um Berufswünsche und -wege geht. Der Religionsunterricht ist um einiges anders als ich ihn aus Deutschland kenne. Manchmal machen wir einfach Hausaufgaben, manchmal machen wir eine Meditation, wir gucken einen Film oder reden über aktuelle Themen wie Diskriminierung und BlackLivesMatter. Wenn das Wetter es zulässt gehen wir auch mal raus und machen einen „Walk & Talk“, was ich eine sehr schönes Konzept finde, weil man sich bewegt und miteinander unterhalten kann.

Welche Unterschiede gibt es zu Deiner deutschen Schule?

 Unterschied Nummer eins ist ganz klar die Schuluniform. Meine Schuluniform besteht aus einer braunen Hose und einer gelben Bluse, über der man einen braunen Pullover mit Schulemblem trägt. Ich persönlich finde die Schuluniform eigentlich recht bequem und sie erleichtert einem auf jeden Fall die Kleiderwahl am Morgen. Es stimmt auch das dadurch ein gewisses Gemeinschaftsgefühl entsteht, weil man auch woanders erkennt, wer mit einem auf der gleichen Schule ist.

Meine Schule ist eine Mädchenschule. Für mich selber ist das keine große Sache, weil auch meine deutsche Schule eine Mädchenschule ist, aber ich merke wie zum Beispiel Caterina sich erst mal daran gewöhnen muss ausschließlich Mitschülerinnen zu haben.

Was auch anderes ist, ist mein Physikunterricht. An meiner Schule hat außer mir nur ein weiteres Mädchen Physik gewählt, weshalb wir am Unterricht der Jungenschule teilnehmen. Ohne Corona währen wir wahrscheinlich dort hin gegangen, aber so findet das ganze für uns per Zoom statt. Wir sitzen hinten in einem anderen Klassenraum, haben den Laptop offen und Kopfhörer auf, während vorne ein ganz anderes Fach unterrichtet wird.

Hast Du bereits neue Freunde an der Schule gefunden?

 Ja, meine zweite Pause verbringe ich immer mit Caterina und anderen Austauschschülerinnen. Da ich aber kein einziges Fach mit einer von ihnen zusammen habe, hatte ich von Anfang an den Zwang auch irische Freundinnen zu finden, was ich eigentlich als etwas Positives ansehe. Meine erste Pause verbringe ich daher immer mit irischen Freundinnen und auch während und vor dem Unterricht unterhalte ich mich viel mit ihnen.

Wie würdest Du das Schulleben insgesamt beschreiben?

Eins steht für mich auf jeden Fall fest: Das Schulleben ist insgesamt schon sehr anders im Vergleich zum Deutschen. Der Unterricht selber hat eine ganz andere Ausrichtung, als ich es gewohnt bin. In Deutschland würde ich das Unterrichtsgeschehen als einen Dialog zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen beschreiben – in Irland hingegen ist es ganz klar ein Monolog der Lehrer*in, bei dem die Schüler*innen so gut wie möglich mitschreiben. Auch das Stellen von Fragen ist eher eine Ausnahme, was ich sehr schade finde. Wenn mir jemand etwas erklärt, habe ich danach doppelt so viele Fragen, wie vorher. Am liebsten würde ich mich die ganze Zeit melden. Aber das ist auch schon der nächste Unterschied, denn man meldet sich hier auch eigentlich nicht, sondern, wenn die Lehre*in mal eine Frage stellt, sagt man die Antwort als Klasse im Chor.

Eine Sache, die mich am Unterricht sehr stört ist der Inhalt. Ich bin in einer Stufe, in der sich auf den Abschluss, das Leaving Certificate, vorbereitet wird. Das schließt mit ein, dass man viel lernen muss, um im Unterricht mitzukommen. Was mich persönlich stört, ist was man dabei lernen muss: Es geht kaum darum Sachverhalte zu verstehen, sondern viel mehr darum Informationen abzurufen. Meiner Meinung nach gehören Daten, die man nicht wirklich in oder nach der Schule braucht, und die man mit wenigen Klicks im Internet nachschauen kann nicht in ein Schulsystem dieses Jahrhunderts. Selbst in Fächern wie Chemie, wo man denkt, dass es darum geht, zu verstehen, was passiert, muss man seitenlang Definitionen Wort für Wort auswendig lernen, um „Vergleichbarkeit“ herzustellen. Das ist jedoch nicht nur an meiner Schule so, sondern ein genereller Teil des irischen Schulsytems.

Genau aus diesem Grund kann ich auch nicht objektiv beurteilen, ob der Unterricht in Irland generell schwieriger ist. Für mich persönlich ist er das auf jeden Fall, das liegt daran, dass ich (auswendig) lernen nicht mag und lieber Sachverhalte verstehe. Wer hingegen schnell Information in seinen Kopf bekommt und diese dann abrufen kann, hat hier einige Vorteile.

Das Lehrer*innen-Schüler*innen-Verhältnis ist auch etwas anders als ich es aus meiner deutschen Schule kannte. Bei den meisten Lehrer*innen hier kennt man nur den Vornamen, und es ist spürbar, dass zwischen den beiden Parteien ein gewisser Rangunterschied besteht. Auch wenn ich aus keiner besonders lauten Klasse komme, habe ich  noch nie vorher erlebt, dass wirklich jede*r immer leiser ist, wenn die Lehrer*innen das verlangen.

Trotz allem fühle ich mich sehr wohl in meiner Gastschule und freue mich jeden Tag dort hingehen zu dürfen.

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Vielen Dank für‘s Lesen, alles Gute und bleibt gesund!

Emilia