Musik: Bajo El Agua – Manuel Medrano

Und nach 11 Monaten muss ich es schon wieder verlassen. Das Leben, das ich mir aufgebaut habe. Es ist wie eine Wohnung, in der man am Anfang gar nicht wusste, wo man anfangen soll, um alles gemütlich zu machen, um im neu gewonnen Raum wohnen zu können. Man hat so viel Lust alles zu gestalten und einzurichten. Möchte mit allem direkt anfangen und am liebsten alles direkt haben.

Einrichten

Doch das funktioniert nicht, manche Dinge kann man ohne die Hilfe anderer nicht umsetzen, und andere Dinge brauchen Zeit. Also fängt man an, es Stück für Stück in die Tat umzusetzen. Erst die grundlegenden Dinge, ohne die man nicht wohnen kann und später die Feinheiten und Details. Man verteilt Deko, Kerzen und Kissen, hängt Gardinen und Bilder auf, um es möglichst gemütlich zu machen und sich wohlzufühlen. Doch manchmal kann man nicht immer alles so gestalten, wie man es sich vorgestellt oder gewünscht hat. Denn vieles hängt von der Umgebu ng und von den Personen ab. Doch man kann gut mit den kleinen Änderungen leben.

Ausziehen

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Auslandserfahrung, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Abschied, letzte Wochen, Ende, Vorfreude, DeutschlandDann ist die Zeit gekommen, dass man sich wohlfühlt, Freunde nach Hause einladen kann und jede Menge tolle Momente an diesem neuen Ort erlebt. Und wenn man sich gerade so wohl fühlt wie in der alten Heimat und so gut wie nichts mehr vermisst, ja dann wird einem der Mietvertrag gekündigt. Man muss notgedrungen in die alte Wohnung wieder zurück und den Ort verlassen, an dem man sich gerade ein Leben aufgebaut hat. Man geht zurück und hat nun die Aufgabe, aus den zurückgebliebenen Möbeln und Erinnerungen sich wieder einen Ort des Wohlfühlens aufzubauen.

Offene Türen

Doch da werden immer die Erinnerungen an den alten Ort bleiben, die holprigen Anfänge, all die wunderschönen doch auch schmerzhaften Momente. Alles wird da in meinem Kopf bleiben, in Erinnerungen und Fotos. Doch zum Glück habe ich mich mit meinem Vermieter und Nachbarn angefreundet, derjenige, der es mir erst möglich gemacht hat, all diese Erinnerung und Erfahrung sammeln zu dürfen. So stehen mir die Türen dieses Ortes immer offen und ich kann zurückgehen, wann immer ich möchte.

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Auslandserfahrung, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Abschied, letzte Wochen, Ende, Vorfreude, Deutschland, HeimreiseNatürlich wird es nicht mehr das Gleiche sein, da es nicht mehr meine Wohnung sein wird und ich dort nicht mehr wohnen werde. Doch die Türen, Wände, Fenster und Böden sind noch die gleichen. Ich weiß, dass ich mich hier in Costa Rica mit den Menschen angefreundet habe und ich hier eine Familie habe. Nie mehr werde ich die gleiche Zeit haben, wie ich sie in den vergangen elf Monaten erlebt habe. Ich kann jedoch immer wieder zurückkehren, zu all den Erinnerungen und liebgewonnenen Menschen, zu dem Land, welches ich auf meine ganz eigene Weise lieben gelernt habe.

Schmerz und Freude

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Auslandserfahrung, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Abschied, letzte Wochen, Ende, Vorfreude, Deutschland, HeimreiseDoch es bleibt der Schmerz, dieses Land, all die liebgewonnenen Menschen, Gebräuche und Erinnerungen nach so langer Zeit verlassen zu müssen. Doch da ist auch Freude: all die Dinge wiederzubekommen, die ich in dieser Zeit nicht hatte. Meine Familie und Freunde wiederzusehen, mein Zimmer und wieder in dem Haus zu wohnen, in dem ich aufgewachsen bin. Wieder mit dem Fahrrad zu Schule fahren zu können, Brot essen zu können. Ich kann wieder mit meiner Familie Zeit verbringen, kann sie in den Arm nehmen und mit ihnen in Person sprechen und nicht immer per Telefon, genau das gleiche gilt für all die Menschen, die mir in Deutschland wichtig sind. Ich werde wieder dahin zurückkommen, wo meine Wurzeln sind.

Aufbauen

Doch da ist auch diese Angst, sich aus den Dingen, die man verlassen hat nach so langer Zeit, wieder etwas aufbauen zu müssen.

Da sind so viele Fragen, die mich beschäftigen und nachts nicht schlafen lassen: Wie haben sich Freunde und Familie in fast einem Jahr verändert? Wie findet man seine Heimat, die Schule und die Stadt wieder vor? Und: Wie kann man sich selber, nach diesem Zeitraum, in dem so viele Dinge mit einem passiert sind, wieder anpassen?

Ähnliche Fragen hatte ich auch vorher, doch da wusste ich noch gar nichts, alles war weiß; man hatte sich aus dem Nichts etwas aufbauen müssen. Die Menschen waren für mich unbeschriebene weiße Blätter und ich konnte sie beschreiben. Jetzt findet man alles vor, nur weiß man nicht genau, in welchem Zustand.

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Und die größere Angst besteht auch eher darin, dass ich mich durch die Zeit selber sehr verändert habe und in das Format des alten Lebens vermutlich nicht mehr reinpasse. Es passt vielleicht einfach nicht mehr, vielleicht wird es zu klein sein, und man bekommt ein größeres Fernweh als vorher.

Zu wissen, dass man dieses Leben an diesem anderen Ort nie wiederbekommt, während ich mein Leben Zuhause einfach nur für 11 Monate pausiert habe. Ich wusste, dass ich wieder zurückkehren werde und mit den Menschen weiterleben werde. Hier wird es nicht so sein. Ich weiß nicht, wann ich meine Freunde und Familie hier wiedersehe oder ob es bei manchen vielleicht ein Abschied für immer ist. Dieser Gedanke macht das Verabschieden um einiges schwerer und es tut mir unglaublich im Herzen weh.

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Auslandserfahrung, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Abschied, letzte Wochen, Ende, Vorfreude, Deutschland, HeimreiseDoch aus diesen 11 Monaten muss ich alles mitnehmen, was in meine Koffer passt und mein Gehirn aufnehmen kann. Aus den Erfahrungen, Erinnerungen und Bekanntschaften das Beste für mein zukünftiges Leben machen. Ich weiß nun, dass ich mich fast überall wohlfühlen kann und mir ein solches Leben aufbauen kann, wenn ich en nur will und etwas Zeit und Mühe in das Ganze stecke. Und ich weiß, dass meine Heimat Deutschland immer für mich existiert und ich immer, wenn ich möchte, dorthin gehen und zurückkommen kann. Auch wenn es manchmal vielleicht schwieriger ist, zurückzukommen, als sie zu verlassen.


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