Wie es sich anfühlt, bald wieder zurück zu sein

Wow – dieses eine Wort kann wahrscheinlich am besten beschreiben, wie es sich anfühlt, bald wieder in Deutschland zu sein. Ich weiß nicht, ob ich eher glücklich oder eher traurig bin.

Die Freude, Freunde und Familie wiederzusehen, wieder Harfe zu spielen, Kinderkirche zu machen, wieder in meinem Karateverein zu sein, zu meinem Job zurückzukehren… All diese Dinge sind mir unendlich wichtig. Der Gedanke daran, mich bald wieder mit all dem beschäftigen zu können, ruft ein unglaubliches Glücksgefühl hervor.

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Ich freue mich schon darauf, wieder Gänseblümchenketten zu machen und damit durch die Gegend zu laufen 😀 Denn so sehr ich die Leute hier mag, für solche Dinge sind sie eher nicht zu haben.

Auf der anderen Seite jedoch, lasse ich so viel zurück. Und der Unterschied zur Abreise aus Deutschland: Ich werde nie wieder in dieses Leben zurückkehren. Ich weiß noch nicht einmal, wann ich das nächste Mal die Möglichkeit haben werde, nach England zu kommen. Selbst wenn ich wiederkomme, werde ich ein Besucher sein. Natürlich werde ich mit meinen Freunden Kontakt halten, vielleicht schaffen wir es ja auch, uns irgendwann mal wieder zu treffen. Wer weiß.

Genau jetzt zu gehen ist schwer. Eine gute Freundin aus Deutschland hat versucht sich ein wenig in meine Lage zu versetzen und dabei einen ziemlich guten Vergleich gefunden: Es ist ein bisschen, wie wenn man umzieht. Man lernt neue Leute kennen. Mit der Zeit werden sie Freunde. Aus diesen Freunden werden gute Freunde. Dann ist die Freundschaft so eng, dass man sie nicht mehr missen möchte. Genau an diesem Punkt ist man nach einigen Monaten und kurz darauf soll es jetzt wieder nach Deutschland gehen.

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Erfahrungsbericht, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, England, Großbritannien, Abschied, letzte Wochen, Ende, Vorfreude, Deutschland, HeimreiseWir haben es leider nie alle auf ein Foto geschafft, aber hier sind einige meiner Freunde. Wir werden beim Prom nochmal alle versammelt sein, danach heißt es dann leider Abschied nehmen.

Ganz besonders vermissen werde ich eine ganz bestimmte Freundin, denn wir haben dieses Jahr mit allen Höhen und Tiefen durchgestanden. Zwar bestanden die Tiefen größtenteils darin, dass wir keine Lust mehr auf englisches Essen hatten, aber das ist nun mal auch ernst zu nehmen. Leider wohnen wir an den unterschiedlichsten Enden von Deutschland, aber unsere Traditionen werden immer zu den schönsten Erinnerungen gehören.

Noch trauriger ist jedoch der Gedanke, meine Gastgeschwister zurückzulassen. Ich habe sie alle in diesem Jahr sehr lieb gewonnen, jedoch sind sie noch viel zu jung, als dass man einfach mit ihnen in Kontakt bleiben könnte. Teilweise sind sie so jung, dass sie sich in einigen Jahren vielleicht gar nicht mehr erinnern. Dieser Gedanke macht irgendwie traurig.

Fakt ist: Wer ein Auslandsjahr macht, hat am Ende wie ein zweites Leben. Eine zweite Familie, eine weitere Schule, weitere Freunde. Niemand erneuert irgendwen, es sind einfach nur noch mehr Menschen, die einen begleiten. Unglaublich tolle Menschen. Und ich hoffe, dass ich zumindest die meisten noch einmal treffen darf.

Was ich mitgenommen und gelernt habe

Darüber habe ich ja schon ein wenig im letzten Beitrag gesprochen, jedoch möchte ich noch einmal hervorheben, dass die Sprache das wenigste ist, was man während so einem Aufenthalt lernt. Ich bin mir sicher, da für alle Austauschschüler sprechen zu können.

Neue, Menschen, neue Kulturen, so viele neue Erfahrungen, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Dieses Jahr hat mir erneut gezeigt, dass Familie wenig mit Blutsverwandtschaft zu tun hat und das „Zu Hause“ kein Ort ist, sondern ein Gefühl. Ein Gefühl, dass man überall hin mitnehmen kann. Denn irgendwie ist man ja dort zu Hause, wo man glücklich ist und das kann auch an mehreren Orten sein,

Weiter gibt es diese Offenheit, über die ich schon gesprochen hatte. Die werde ich mit Sicherheit mitnehmen. Das „Danke!“ -sagen zum Busfahrer finde ich auch ganz nett, auch wenn sie ja eigentlich nur ihren Job machen.

Vielleicht werde ich den Engländern auch irgendwann beibringen, dass es durchaus einen Unterschied zwischen Brot und Toastbrot gibt, dass man Gemüse nicht unbedingt gefroren kaufen muss, das ganz viele Gerichte auch einfach zu kochen sind, wenn man nicht die Hälfte fertig zubereitet kauft und dass man Kuchen durchaus selber backen kann. Kurz: Ich werde mich so sehr über das Essen in Deutschland freuen, wie noch nie zu vor.

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Erfahrungsbericht, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, England, Großbritannien, Abschied, letzte Wochen, Ende, Vorfreude, Deutschland, HeimreiseDie Falafel-Tradition ist entstanden, weil wir unbedingt Gemüse essen wollten. Wir haben nachdem wir den Stand einmal gefunden hatten, fast jedes mal Falafel gekauft, wenn wir in Bristol waren.

Gelernt habe ich auf jeden Fall, dass England und Deutschland sehr viel unterschiedlicher sind, als gedacht. Ansonsten habe ich, glaube ich, tatsächlich das meiste bereits erwähnt und möchte mich nicht einmal komplett wiederholen…

Veränderung?

Veränderungen wird es ziemlich sicher geben. Zwar werde ich die gleichen Hobbies weiterführen, die gleiche Schule besuchen und (hoffe ich doch) mit der gleichen Familie leben, trotzdem wird es nicht so sein wie vorher. Ich werde zum Beispiel eine Stufe unter meiner alten Klasse sein.

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Erfahrungsbericht, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, England, Großbritannien, Abschied, letzte Wochen, Ende, Vorfreude, Deutschland, HeimreiseDie Verrückten, mit denen ich bald wieder unter einem Dach leben mus… Ich hab euch lieb!

Auch mein Freundeskreis hat sich etwas verändert. Zu dem Thema vielleicht noch etwas mehr. Wer Angst hat, durch ein Auslandsjahr Freunde zu verlieren, den kann ich nur beruhigen. Ich habe mit allen wichtigen Leuten noch Kontakt und die Freundschaften sind nicht weniger eng als zuvor. Das wird denke ich im Normalfall so sein. Denn ganz ehrlich: In einer echten Freundschaft ist es egal, ob man sich mal ein Jahr lang nicht in Person sieht. Es gibt so viele verschiedene Arten, wie man in Kontakt bleiben kann. Ob das schreiben oder telefonieren, mit oder ohne Bild ist, spielt keine Rolle. Es ist ja nicht so, als müsste man wie beim Briefe schreiben Tage oder Wochen auf eine Antwort warten.

Außerdem hat meine Familie während ich hier war, ein neues Mitglied bekommen (nein, kein Baby). Während ich nämlich hier war, hat eine andere Austauschschülerin dafür gesorgt,  dass mein Zimmer genauso unordentlich ist, wie wenn ich darin wohne. Ich werde sie zwar erst bald kennenlernen, trotzdem gehört sie mit Sicherheit in unserer Haus voller Verrückter. Noch eine Frau im Haus kann ja eh nie schaden.

Ich habe mich ziemlich sicher auch als Person weiterentwickelt. Niemand lebt ein Jahr, ohne sich weiterzuentwickeln. Normalerweise bekommen Familie und Freunde den ganzen Prozess mit und merken den Unterschied dadurch vielleicht gar nicht sehr. Doch diesmal werde ich vom einen zum nächsten Treffen verändert haben. Ich kann selber schlecht sagen, inwiefern ich mich verändert habe, deshalb bin ich ziemlich gespannt, was mir andere vielleicht dazu sagen werden. Ich rede jedenfalls immer noch sehr gerne sehr viel, also so groß kann der Unterschied gar nicht sein. 🙂

Ansonsten muss ich mich wohl überraschen lassen. Es wäre ja auch langweilig, wenn ich schon im Voraus alles wüsste.Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Erfahrungsbericht, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, England, Großbritannien, Abschied, letzte Wochen, Ende, Vorfreude, Deutschland, Heimreise

Genauso leuchtend werde ich dieses Jahr und alles was passiert ist in Erinnerung behalten.

Danke, danke, danke!

Tja, wie in einem Buch: Nach dem letzten Kapitel kommt die Danksagung…

Vielen Dank an den AJA, ODI und alle die es mir sonst noch ermöglicht haben, diese Erfahrung machen zu dürfen. Es ist nicht in Worte zu fassen, wie dankbar ich bin, ein Stipendium bekommen zu haben Denn ohne Stipendium, wäre der Traum eines Austauschjahres ein Traum geblieben. Also noch ein letztes Mal: Dankeschön!

 

Jetzt hoffe ich einfach mal, dass der ein oder andere beim Lesen auch Lust auf ein Auslandsjahr bekommen hat. Falls ja: Viel Glück & es wird sich definitiv lohnen!

Cheers!


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