Die letzte Woche in Chile bestand für mich aus einem wahren Auf und Ab von Aufregung, Fröhlich-und Traurigkeit, Stress, Vorfreude und vielen Verabschiedungen. Auf der einen Seite kann ich mir nicht vorstellen, in zwei Tagen schon wieder nach Deutschland zurückzufliegen und dass alles, was hier Alltag gewesen ist, nicht mehr Teil meines täglichen Lebens sein wird. Dafür habe ich mich gerade die letzten vier, fünf Monate einfach zu wohl gefühlt, hatte noch mehr das Gefühl, richtig gut in der Kultur und bei den Menschen angekommen zu sein, sie zu verstehen, viel mit ihnen teilen zu können und habe sie noch mehr ins Herz geschlossen, als dass ich meine Abreise schon wirklich realisieren könnte.

Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch sehr auf meine Familie und Freunde in Deutschland, die ich immer irgendwie vermisst habe während des Jahres; und auf die Sachen, die demnächst so anstehen. Es ist schwer zu gehen, aber ich weiß auch, dass ich die ganzen Erfahrungen, die ich hier machen konnte und die tollen Menschen, die ich kennengelernt habe, nie vergessen und immer bei mir haben werde; und, dass ich auf jeden Fall zurückkommen möchte.

Vor Abschieden grault es mir trotzdem ehrlich gesagt immer ein bisschen: Ich fand es schon nicht leicht, mich von meiner Familie und Freunden für ein Jahr zu verabschieden, wie ist denn dann der Abschied, wenn man nicht weiß, wann man sich das nächste Mal sehen wird?
Nun, bis jetzt wurde viel gleichzeitig geweint und gelacht. Am Wochenende habe ich mich das letzte Mal zusammen mit meinen Freunden in großer Gruppe getroffen, und es war eigentich so wie immer, wir hatten Spaß, haben viel gelacht und die gemeinsame Zeit in Chile Revue passieren lassen, wobei dann auch doch der traurige Teil seinen Platz hatte.
Am Tag darauf war dann der Geburtstag meiner Gasttante, wofür die ganze Familie meiner Gastmutter zusammenkam, und das war ebenfalls sehr schön, auch wenn mir sehr bewusst war, dass es erstmal das letzte große Familientreffen zusammen war. Aber genau deswegen habe ich auch versucht, alles so gut wie möglich mit allen zu genießen, weil ich im Endeffekt viel glücklicher und dankbarer bin, dass wir diese Zeit zusammen hatten, als dass sie (für´s Erste zumindest) schon vorbei ist.
Mit meiner Klasse zusammen gab es als Abschied ein gemeinsames Pizza-Essen und eine Fotorunde und ich habe außerdem für den letzten Schultag einen Kuchen mitgenommen, und mich von allen verabschiedet.

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Ein letztes Klassenfoto

Open Door International e.V., ODI, Stipendium, Schüleraustausch, Schulbesuch im Ausland, Auslandserfahrung, Chile, Südamerika, Gastfamilie, Auslandsjahr, AbschiedVorher haben wir auch noch eine kleine Abschiedsrunde in Electivo (das ist sowas wie das Wahlpflichtfach in Deutschland) gemacht; wir haben zusammengesessen und die Torte gegessen, die meine Lehrerin mitgebracht hat. Es war nicht einfach, allen tschüss zu sagen, da ich habe mich sehr gut mit allen verstanden und mich immer als Teil der Klasse gefühlt habe und wir sehr viel zusammen erlebt haben, aber wie eben schon gesagt, bin ich einfach sehr froh, das mit ihnen als meine chilenische Klasse verbracht zu haben.

Im Februar habe ich außerdem angefangen, klettern zu gehen, und auch dort haben wir diese Woche eine kleine Abschiedsfeier gemacht.
Es waren viele Abschiede, die nicht einfach waren, aber wie oben schon erwähnt, habe ich noch nicht richtig realisiert, dass ich morgen wieder nach Deutschland fliege. Bei vielen war es eher ein Gefühl, für eine kürzere Zeit tschüss zu sagen, als auf eine sehr unbestimmte Zeit. Ich denke, wenn ich in Deutschland angekommen und mich langsam wieder eingelebt habe, werde ich alles nach und nach realisieren und akzeptieren.

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Abschied von der Klettergruppe

Den letzten Tag habe ich natürlich mit meiner Gastfamilie verbracht. Wir waren zusammen am Rio Clarillo und es gab Empanadas von meiner Gastmutter zum Mittagessen. Sie hatte mich nämlich um eine Liste meiner Lieblingsgerichte gebeten, die sie dann im Laufe der letzten zwei Wochen gekocht hat. Es wird einfach schwer, mich morgen von ihnen und meinen engsten Freunden zu verabschieden und ich werde sie sehr vermissen. Ich nehme so viel mit aus diesem Jahr, Erfahrungen, Erlebnisse und vor allem das Wissen, ein zweites Zuhause am anderen Ende der Welt zu haben, mit Menschen, die mir sehr wichtig geworden sind.

Ich möchte ein riesengroßes Danke sagen an alle, die dieses Jahr möglich gemacht und mich bei allem unterstützt haben, an meine Familie, Gastfamilie, Freunde, ODI, Flechaextrema und an alle, die da jetzt noch fehlen. Ich bin so dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, für ein Jahr nach Chile zu gehen, es war, ist und wird immer etwas Besonderes für mich bleiben; und auch wenn es nicht immer leicht war, es war die beste Enstcheidung, die ich hätte machen können.


1 Kommentar

Lisa · 16. Juni 2016 um 09:47

Was für ein toller Bericht 🙂 Ich wünsche Dir eine gute Heimreise!

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