Zuhause in Chile – was bedeutet das für mich?

Zuhause in Chile ist für mich meine herzliche, liebe, und wundervolle Gastfamilie, die mir jeden Tag wieder das Gefühl gibt, ein Teil von ihnen zu sein. Natürlich brauchte es am Anfang seine Zeit, bis wir uns alle kennengelernt haben und sich alles eingependelt hatte, und es gibt auch mal Meinungsverschiedenheiten oder kleine Streitigkeiten mit meinen Gastgeschwistern. Das ist aber ganz normal und gehört zum Familienleben mit dazu, und ich weiß, dass sie mich in jeder Situation unterstützen, weswegen meine chilenische Familie hier mit das Wichtigste für mich ist.

Zuhause in Chile sind für mich meine neuen Freunde, die mir das Eingewöhnen einfacher gemacht haben, und immer zum Spaßen und Lachen, aber auch zum Reden für mich da sind. Auch durch sie habe ich die Kultur und Sprache verstehen gelernt, sie geben mir das Gefühl, willkommen zu sein und sind immer sehr besorgt, wie ich denn sicher nach Hause komme.

Zuhause in Chile, das ist für mich unser unperfektes, rustikales und warmes Haus, dessen zweite Etage immer noch darauf wartet, fertig gestellt zu werden.

Zuhause in Chile ist für mich das Teilen deutscher Traditionen, sei es durch Essen kochen, Erzählungen oder Adventskalender zur Weihnachtszeit. Es hilft mir, meine neuen Eindrücke aus Chile mit den gewohnten aus Deutschland in Einklang zu bringen. Auch wenn es natürlich viel, aber nicht nur, um das Kennenlernen der chilenischen Kultur geht, finde ich es auch wichtig, dass ein Austausch keine einseitige Sache ist und meine Gastfamilie und mein weiteres Umfeld ebenfalls einen Einblick in die deutsche Kultur bekommen.

Zuhause in Chile sind die täglichen Menschen und Sachen für mich, die hier zum Ablauf meines Tages gehören: Die Schule, die zwar klein ist, aber eine sehr familiäre Atmosphäre besitzt, meine Klasse, die – natürlich total objektiv betrachtet – die Beste ist, die Mikro, an deren Fahrstil man sich erst einmal gewöhnen muss und jeden zweiten Abend Zumba mit meiner Gastmutter, was jedes Mal Spaß macht und für mich eine Auszeit vom normalen Tag bedeutet.

Zuhause in Chile sind für mich die Ausflüge mit den anderen Austauschschülern gemeinsam mit unserer Partnerorganisation. So sehr man sich hier zu Hause und wohl fühlt, manchmal ist es schön, sich zu treffen, auszutauschen und zusammen das Erlebnis Auslandsjahr in Chile zu genießen, zu quatschen und Sachen zu bereden, die einen in Bezug darauf beschäftigen.

Zuhause in Chile für mich sind die Anden und deren alte, beeindruckende Ausstrahlung, die mich immer wieder auf´s Neue fasziniert. In Deutschland wohne ich im Norden, weswegen Berge eher ein seltener Anblick sind und wenn ich ehrlich bin, finde ich Berge ja für eine Woche Urlaub weiter südwärts ganz in Ordnung, aber das ist es dann auch. Hier jedoch errinnern sie mich an meinen chilenischen „Heimatort“, an meine chilenische Familie, Sachen, die ich unternommen habe, also einfach gesagt: an mein Zuhause in Chile.

Zuhause in Chile sind für mich die chilenische Kultur und ihre Menschen, auch das Essen, die mir hier ein neues, spontanes Lebensgefühl und einen anderen Blick auf die Welt geben. Offenheit und Fröhlichkeit, das Teilen, Feiertage, aber auch die großen Unterschiede der Gesellschaftsschichten und der viele Müll sind nur einige Sachen, die dieses besondere Land ausmachen.

Und Zuhause in der Ferne?

Zuhause in der Ferne ist für mich das Gefühl, in meiner Gastfamilie und unter neuen Menschen und ihrer Kultur angekommen sein. Ich mache damit einen Unterschied, weil ich denke, das gibt einem, egal in welchem Land, das Gefühl zuhause zu sein – und mir in diesem Fall das Zuhause in Chile. Mir hier ein anderes Leben aufgebaut, neue Freunde gefunden, die chilenische Kultur verstanden und dabei so viel dazu gelernt zu haben, macht Chile mit allen und allem zu einem wichtigen Teil von mir. Zeit, Veränderung von Gewohnheiten, neue Erfahrungen und Ansichten auf beiden Seiten, Spaß, Vertrauen, mehr Selbstständigkeit, Humor, sich neu kennenlernen und die Bereitschaft für das alles – das war der Weg bis zu diesem Gefühl, der mich bis jetzt auch spontaner und gelassener hat werden lassen.

Das sind die wichtigsten Menschen und Dinge, die für mich mein fernes Zuhause in Chile ausmachen und die ich auf keinen Fall missen möchte. Es ist eine außergewöhnliche Möglichkeit, für eine Zeit am anderen Ende der Welt zu leben, und noch besonderer und wunderbarer finde ich es, dieses andere Ende der Welt dank alledem nun mein zweites Zuhause nennen zu können. Natürlich braucht das seine Zeit, und nicht immer läuft alles einfach oder wie erhofft, aber dieses Gefühl ist es auf jeden Fall wert. Ich weiß, dass ich hier auf irgendeine Art und Weise immer einen Platz haben werde und dass mich das von jetzt an zwei Orten gleichzeitig Heim-und Fernweh haben werden lässt.


2 Kommentare

Sina · 21. Januar 2016 um 18:28

Tolle Bilder 🙂 Danke fürs Teilen!!!

    Leonie Kupka

    Leonie Kupka · 10. Februar 2016 um 05:13

    Sehr gerne, dankeschön 🙂

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