Zusammen mit der Gastfamilie ist die Schule wahrscheinlich der wichtigste Aspekt eines Austauschjahres: Hier verbringt man sehr viel Zeit, lernt Freunde kennen und somit auch die Kultur des Gastlandes. Außerdem hat man genau davor am meisten Angst: Was ist, wenn ich keine Freunde finde? Was ist, wenn ich nichts verstehe? Natürlich stellt sich dann letztendlich heraus, dass man sich auch hier nicht so einen Kopf hätte machen müssen, aber wer kann sowas schon vorher wissen?!?
Heute werde ich über meine Erfahrungen in der Schule berichten, ich denke die sind bei jedem sehr unterschiedlich.

Wie sieht ein typischer Schultag in Deinem Gastland aus?

Open Door International e.V., ODI, Schüleraustausch, Auslandserfahrung, Stipendium, Auslandsjahr, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Schulalltag in Costa Rica Mein Schultag beginnt um 7:00 Uhr morgens, weshalb mein Wecker bereits um 5:30 Uhr klingelt (auch wenn das Aufstehen dann eher gegen 6:00 Uhr passiert).
Danach dusche ich (es ist in Costa Rica sehr wichtig, sich morgens zu duschen – mir wird ständig vorwurfsvoll erzählt, dass sich die „gringos“ nicht waschen würden..) und frühstücke hastig (Gallo Pinto mit Tortilla und Kaffee).
Täglich habe ich 12 Schulstunden, wovon sechs immer Informatik sind, da ich eine technische Schule besuche.
Ansonsten sind die Fächer recht ähnlich zu denen, die es auch in Deutschland gibt, also Englisch, Physik, Mathe, Musik…
Man hat eine feste Klasse, allerdings besuchen in meiner Klasse nur die Hälfte Informatik und die anderen Sekretärswesen, was bedeutet, dass ich nur die normalen, nicht technischen Fächer in einer Gruppe von 30 Schülern besuche.
Um diese Masse an Unterricht zu überleben, gibt es insgesamt drei Pausen: Eine Pause nach den ersten drei Stunden, eine große Mittagspause nach sechs Stunden und nochmal eine nach neun Stunden.
Die Pausen werden meistens in sehr eingeschweißten Grüppchen verbracht, was mich am Anfang ehrlich gesagt etwas verwirrt hat, da sich eigentlich alle in der Klasse sehr gut verstanden haben.
Ich bin jetzt jedenfalls eher diejenige, die irgendwie mit allen mal was macht.
In der Mittagspause kann man in der Schulmensa Essen kaufen (super billig, umgerechnet höchstens 25 Cent!), oder man bringt sich etwas von zuhause mit, wofür in der ganzen Schule Mikrowellen rumstehen.
Um 16:30 Uhr läutet die Schulsirene (läutet? Das hört sich eher an, als würde der Weltuntergang ausgerufen werden!) den langersehnten Schulschluss ein und alle rennen förmlich zu den Schulbussen, um diese nicht zu verpassen.

Nach der Schule macht man kaum etwas mit Freunden, da es meistens schon fast dunkel wird, wenn man nach Hause kommt und man sowieso total erledigt ist.
Dazu kommt noch, dass meine Gastfamilie sehr früh ins Bett geht, und ich somit auch.

Wie sieht Deine Gastschule aus und wie groß ist sie?

Open Door International e.V., ODI, Schüleraustausch, Auslandserfahrung, Stipendium, Auslandsjahr, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Schulalltag in Costa Rica Meine Schule ist auch für Costa Rica ziemlich klein: Es gibt knapp 400 Schüler.
Auch besteht sie nicht aus einem Gebäude, sondern aus sechs, die alle niedrig sind. Der Raum dazwischen ist also quasi der Pausenhof, bestehend aus überdachten Gängen und ein bisschen Wiese.
Um die Schule zu betreten, muss man durch ein Tor, was auch einen Torwächter hat, der einen notfalls daran hindert, die Schule früher zu verlassen.
Meine Schule liegt nicht einmal in einem Dorf und auch nicht an einer Straße, sondern einfach mitten in einer Kaffeeplantage, weshalb alles sehr grün ist.
Zu meinem Leidwesen gibt es aber weder Turnhalle noch Sportplatz (wenn es regnet, fällt dann halt einfach der Sportunterricht aus), nur einen Parkplatz für die Schulbusse.

Wie kommst Du morgens zur Schule und nachmittags nach Hause?

Anders als knapp 99% der anderen Schüler laufe ich morgens zur Schule, da es nicht sehr weit ist (wenn ich spät dran bin, geht das auch in 10 Minuten) und ich für den Schulbus ins Nachbardorf laufen müsste, was ungefähr genauso weit ist.
Das ist nur manchmal ein wenig nervig, wenn es mal wieder wie aus Kübeln schüttet oder die Sonne einen quasi durchbrät.
Aber insgesamt bin ich sehr froh zu laufen, weil man so morgens aufwachen kann, es sehr viel billiger ist und ich nicht in der Schule auf den Schulbus warten muss, wenn wir früher Schluss haben.
Die Schulbusse sehen hier übrigens aus wie die berühmten gelben aus den USA!

Was ist anders als in Deutschland?

Open Door International e.V., ODI, Schüleraustausch, Auslandserfahrung, Stipendium, Auslandsjahr, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Schulalltag in Costa Rica, Schulalltag, UnterrichtEigentlich fast alles.

Es fängt schon damit an, dass man sich hier nicht meldet, sondern sich die Note aus sogenannten „extra clases“, Projekten und Examen (pro Fach gibt es davon in einem Schuljahr sechs!) zusammensetzt. Dadurch läuft der Unterricht auch komplett anders ab: Entweder es wird etwas erklärt, oder die Schüler bearbeiten Aufgaben und danach liest die Lehrerin die Lösungen vor. Als Benotung gibt es ein Punktesystem, das von 1 bis 100 geht, wobei 100 das Beste ist. Bestanden hat man, wenn man 70 Punkte bekommen hat.(Meine ersten Examen hier befanden sich im Bereich 40-60.) Gewöhnungsbedürftig war auch die Schuluniform, die aus einer blauen Hose und einem Hemd mit Schullogo besteht.

Es ist äußerst selten, dass ein Fach nur 45 min unterrichtet wird und wenn doch, ist das eher ein Grund zum Nichts-Tun, denn in der Zeit würde man ja sowieso nichts schaffen. Insgesamt passiert es ziemlich häufig, dass man drei Schulstunden einfach rumsitzt, oder besser noch, dass der Lehrer gar nicht erst kommt. Es wird auch gesagt, dass der Unterricht um 7 Uhr anfängt, aber wenn die Sirene um 7 losgeht, ist das eher eine Einladung, sich jetzt doch mal langsam zum Unterricht zu bewegen (Übrigens ein Segen für einen chronischen Zuspätkommer, wie ich es bin). Aber ich denke mal das gehört einfach zum „pura vida“ dazu, und ehrlich gesagt stört mich das auch nicht;).

Ein Punkt, den ich am Anfang echt skurril fand, ist, dass man nach dem Mittagessen seine Teller abwäscht und sich anschließend in gemeinschaftlicher Gruppe die Zähne putzt. Auch der Fakt, dass eigentlich fast die ganze Zeit herum geschrien wird und alle irgendwie ein lautes Stimmorgan besitzen, hat mich etwas verunsichert. Ich hoffe Mal, dass ich das nach einem Jahr dann auch übernommen habe.

Ansonsten ist es wahrscheinlich wie in jeder Schule auf der Welt: Es gibt gute und schlechte Schüler, Faule und Streber, gute Lehrer und welche, die man am liebsten in die Tonne kloppen würde, interessante Tage und einige, an denen man vor Langeweile fast umkommt.

Was gefällt Dir möglicherweise besser als Zuhause?

Mir gefällt sehr gut, dass der Klassenzusammenhalt so gut ist und eigentlich jeder mit jedem klar kommt. Außerdem verstehen sich die Lehrer sehr gut mit den Schülern und es ist auch nicht selten, dass man mal zusammen Mittag isst, plötzlich kein Unterricht mehr ist, weil eine spannende Diskussion angefangen wurde, oder man sich gegenseitig ein wenig veräppelt (zum Beispiel wurde ein Schüler im Unterricht angemalt, weil er eingeschlafen ist).

Auch ist es schön, dass alles ein bisschen lockerer gesehen wird und ohne das Zähneputzen würde ich jetzt gar nicht mehr überleben!

Ansonsten muss ich ehrlich sagen, dass ich angefangen habe, das deutsche Schulsystem zu schätzen.


3 Kommentare

Theresa · 19. Oktober 2016 um 09:42

Hallo Leonie, was ist denn gallo pinto? 🙂

    Ulla · 19. Oktober 2016 um 11:07

    Ich stelle mir gerade vor, wie es in unserer Schule zugehen würde, wenn ALLE SchülerInnen nach dem Mittagessen in der Mensa geschlossen in die Waschräume spazieren und Gruppen-Zähneputzen zelebrieren 😀 LOL 😀

    Leonie Hubert

    Leonie Hubert · 27. Oktober 2016 um 16:01

    Gallo Pinto ist quasi das Nationalgericht Costa Ricas:
    Reis mit Bohnen. Das wird eigentlich immer zum Frühstück (manchmal noch mit Rührei und Tortilla) und auch sonst zu allen Mahlzeiten gegessen.
    Viele Grüße aus Costa Rica!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.