Suchend lief sie durch die Wohnung. Wo finde ich bloß eine möglichst große Kiste? Es gab ja noch so viel einzupacken, so viel aufzuräumen, an so viel zu denken bevor sie abreiste. Eine Abschiedsparty musste noch organisiert werden und niemand durfte vergessen werden, dem Auf Wiedersehen gesagt werden musste.

-Schnitt-

Freudig stürmte sie auf ihre Eltern zu. Einen Monat hatte sie sie schon nicht mehr gesehen! Ein wunderschöner Ort, den sie für das gemeinsame Wochenende ausgesucht hatten: Am Rande eines riesigen gepflasterten Platzes reihten sich alte Häuser aneinander und auf den Stufen am unteren Ende ließ es sich prima sitzen zum Quatschen. Alle möglichen Freunde waren da, um Hallo und Tschüss zu sagen.

-Schnitt-

-schwarz-

Ein unangenehmer Laut, der alle Traumbilder zurückdrängt. Seufzend stelle ich den Wecker aus, drehe mich um und bin prompt wieder eingeschlafen. Schon jage ich in bizarren Farben von einem Ort zum Nächsten, nur um nach acht Minuten wieder aufzuschrecken, weil sich mein Wecker ein weiteres Mal zu Wort meldet. Es ist doch noch so früh! Ich schalte das Licht ein, setze mich auf und mit einem Guten Morgen! Hast du gut geschlafen? an die Katze am Fußende verlasse ich das Bett, um ins Bad zu torkeln. Trotz der auf dem Wecker angezeigten 06:15 Uhr herrscht draußen noch finsterste Nacht. Sechs Uhr ist schon brutal früh, um aufstehen zu müssen, aber immerhin habe ich so meine entspannte Zeit, die mir niemand stehlen kann! Jeden Morgen versuche ich das Duschen und Schminken so schnell wie möglich hinter mich zu bringen, damit ich möglichst viel Zeit zum Beten habe. Diese halbe Stunde ist essentiell wichtig, um den Tag genießen zu können.

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Zuversichtlich und noch ein wenig müde verschlinge ich mein Frühstück, um Punkt 07:45 Uhr mit meinen beiden Gastschwestern in das schon wartende Auto zu steigen. Ein paar Straßen wird ein weiteres Mädchen eingesammelt und los geht die lange Fahrt zur Schule, während der ich einen wunderschönen und farbenprächtigen Sonnenaufgang beobachte.

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass man jedem Einzelnen zwei Wangenküsschen zur Begrüßung gibt. Alle Schüler der Oberstufe drängen sich in dem viel zu kleinen Foyer und unterhalten sich lautstark. Das von dem unerträglich hohen Geräuschpegel erlösende Klingeln um 08:25 Uhr kündigt auch gleichzeitig den Beginn von 110 Minuten Französisch-Unterricht an. Was ich über diesen Unterricht halte, wird hier nicht benannt werden, weil das den Rahmen des Eintrags sprengen würde. Ich begebe mich also mit meinen Klassenkameraden in das meistens etwas zu warme Klassenzimmer und lausche mehr oder weniger interessiert den Ausführungen der Lehrerin über die unglaublich wichtige und wundervolle französische Literatur. Jede 110 Minuten Französisch-Unterricht gehen irgendwann vorbei und als Belohnung bekommen wir 15 Minuten Pause, in der ich mit großem Genuss eine „Chocolatine“ verputze. Abhängig von der Lautstärke im Foyer und dem Gesprächsthema kann ich mich auch super mit meinen Freundinnen unterhalten. Ich werde schon als volles Mitglied der „Clique“ betrachtet und freundlich von jedem begrüßt.

So vergeht die Zeit in der Schule, meistens etwas zu langsam, mit mal mehr mal weniger herausforderndem Unterricht, wobei ich immer aufpassen muss, dass ich mich nicht mit den französischen Schülern vergleiche und keine Bestleistungen von mir erwarte, weil das natürlich nicht schaffbar für mich ist. Ich muss mein Ziel vor Augen behalten, das ist: Französisch lernen, meinen Gott besser kennenlernen und das Jahr von vorne bis hinten genießen! Die Noten sind egal!!

Erschöpft aber glücklich, dass es endlich klingelt, verlasse ich den Bio-Raum. Es ist sehr ungewohnt für mich, erst um 16:50 Uhr Schulschluss zu haben und auch physisch sehr herausfordernd, weil ich mich die ganze Zeit konzentrieren muss, um verstehen zu können, worüber geredet wird. Aber die französische Sprache ist so wunderschön und seit ich hier bin habe ich mich noch mehr in sie verliebt. Meine Ohren haben sich schon daran gewöhnt, nur Französisch zu hören und ich habe schon unglaublich Fortschritte mit meinen Kenntnissen gemacht. Jetzt habe ich auf jeden Fall Wochenende und deshalb verabschiede ich mich besonders fröhlich von meinen Freunden. Ich verlasse das Schulgelände, treffe auf meine Gastschwestern und fahre nach Hause.

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Reise nach Paris mit der Austauschorganisation

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Frankreich, Auslandserfahrung, Alltag, StipendiumDort angekommen essen wir eine Kleinigkeit und dann brechen meine Gastschwestern zum Reiten auf. Wir reiten auf demselben Hof, aber mein Unterricht ist immer Donnerstagsabends. Freitags gehe ich nach der Schule schwimmen. Es tut so gut, in das kühle Wasser einzutauchen und in dieser Stunde keinerlei Verpflichtungen gegenüber niemandem zu haben. Ich kann einfach entspannen und den Sport ausführen, der mir von allen der liebste ist.

Wieder zu Hause wird wie jeden Freitag Pizza vor dem Fernseher gegessen, was aber auch wirklich nur für den Freitag reserviert ist. Ansonsten gibt es wunderbar leckeres Essen im Familienkreis, wobei ich aufpassen muss, nicht zu viel zu essen.

Froh, endlich schlafen zu dürfen, kuschle ich mich in mein unglaublich tolles Bett und schlafe mit dem angenehmen Gedanken ein, morgen nicht früh aufstehen zu müssen. Ich freue mich auf das Kino morgen, auf nette französische Gespräche und auf den Kunstunterricht.


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