Ein halbes Jahr in Costa Rica-das hört sich nach einer Menge an. Tatsächlich fühlt es sich aber viel kürzer an und ich muss schon schlucken wenn ich daran denke, in 4 bis 5 Monaten wieder in den Flieger steigen zu müssen. Die Zeit ist wie im Flug vergangen.

Mittlerweile kostet es mich fast keine Anstrengung Spanisch zu reden, ich würde fast sagen mein Spanisch im Moment ist besser als mein Englisch (was auch mit dem quasi nicht vorhandenem Englischunterricht hier zusamhängen mag). In dem folgendem Interview erzähle ich über die Situation mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden.

  1. Wie sieht Deine Gastfamilie aus bzw. aus wie vielen Personen setzt sie sich zusammen?

Meine Gastfamilie ist selbst für Costa Rica riesig: Ich habe 8 Gastgeschwister, alle älter als ich, die zusammen 12 kleine Kinder haben. In meinem Haus wohnen allerdings nur meine Gasteltern, zwei Gastgeschwister und ich. Trotzdem ist das Haus meistens voll von Kindern, da die meisten quasi Nachbarn sind. Damit hört es aber noch nicht auf: Fast jedes Wochenende besuchen wir noch irgendwelche Tanten, Onkels, Großeltern und Cousins, die ich aufgehört habe zu zählen, so viele sind es.

 

  1. Was sind typische Aktivitäten, die Du mit Deiner Gastfamilie unternimmst?

Da meine Gastfamilie viel arbeitet, haben sie kaum Zeit für längere Unternehmungen. Meistens besuchen wir Verwandte oder machen kleine Dinge in der näheren Umgebung. Manchmal werde ich auch von meinen Gastgeschwistern mitgenommen.

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Ich wurde zum Beispiel einmal von meiner Gastschwester zu einem Haus nahe dem Vulkan Turrialba mitgenommen.

  1. Welche Unterschiede im Familienleben hast Du kennen gelernt?

Ein Punkt ist auf jeden Fall die viel stärkere Rollenverteilung: Mein Gastvater arbeitet den ganzen Tag, während meine Gatsmutter alles im Haushalt macht und meinem Gastvater ständig Essen bringt. Aber sie hat auch Hühner und Pflanzen, um die sie sich kümmert.  Allerdings muss ich sagen, dass ich sehr ländlich wohne und die jüngeren Ticos schon lange nicht mehr so denken. Auch arbeiten fast alle meiner Gastschwestern.

  1. War es schwierig Freunde in der neuen Heimat zu finden? Hast Du Tipps für zukünftige Weltenbummler?

Eine Eigenschaft die ich mir hoffentlich nach dem Jahr angeeignet habe: Die Offenheit und Neugierde der Ticos, dank der es mir, vor allem in den ersten Tagen, super einfach gefallen ist, mich zu integrieren. Dazu kommt auch noch, dass ich die einzige Austauschschülerin in meiner Schule bin und durch meine blonden Haare natürlich sehr auffalle. Alle haben mich am Anfang mit Fragen und Neugierde überhäuft, sodass es warscheinlich sogar unmöglich gewesen wäre, keinen Anschluss zu finden.

Das deine Klassenkameraden dann aber wirklich zu festen Freunden wie in Deutschland werden, da muss man sich als Austauschschüler natürlich auch selber ein wenig reinhängen. Man will schließlich vermeiden, dass nach dem ersten Interesse jeder wieder seinen eigenen Weg geht. Was mich, vor allem zum Anfang, ein wenig deprimiert hatte, war die Tatsache, dass meine Freunde nur sehr wenig an den Wochenenden und freien Tagen gemacht haben. Aber da muss man dan selber auch einfach mal die Initiative ergreifen etwas zu organisieren, oder zumindest gute Vorschläge zu machen.

  1. Was hast Du von Deiner Gastfamilie oder auch Deinen Freunden im Gastland gelernt?

Vacilar, zu deutsch: Rumalbern. Ich habe das Gefühl, dass die Leute, auch wenn sie sich nicht kennen, viel mehr auf lustige Gespräche ausgelegt sind. Also statt dem sonst so häuigen unangenehmen Smalltalk zwischen zwei mehr oder weniger Fremden, macht man hier von vorn herein Späße, um eine gute Zeit zu verbringen. Ich hoffe, dass ich das zumindest ein wenig gelernt habe.

  1. Welchen Gruß möchtet Ihr gerne an Eure Familie und Eure Freunde zuhause richten?

Auch wenn ich es liebe in Costa Rica zu sein und ein haufen toller Menschen kennengelernt habe, ist mir klar geworden, wie wichtig mir die Leute in Deutschland sind und was für ein Glück ich habe, sie zu kennen. Ohne diese wäre das alles ohnehin gar nicht möglich, also einen sonnigen Gruß ins kalte Deutschland;)


1 Kommentar

Jana Droste · 9. März 2017 um 12:04

Liebe Leonie,

das Bild von Deiner Gastfamilie ist einfach toll! Und ich freue mich zu hören, dass es mit dem Spanisch so gut klappt!
Ich drücke die Daumen, dass Du Dir etwas vom „vacilar“ erhalten kannst, wenn Du wieder in Deutschland bist 🙂

Hab weiterhin eine tolle Zeit!
Viele Grüße aus dem verregneten Köln

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