Ich hatte es mir am Anfang wirklich beim besten Willen nicht vorstellen können, aber inzwischen ist hier tatsächlich schon so etwas wie ein neuer Alltag für mich eingekehrt. Aufstehen, Frühstück, Busfahrt, Schule, Busfahrt, Dinner, Freizeit (wenn es gut läuft, ansonsten Hausaufgaben) – um es mal ganz grob zusammen zufassen.

Freunde

Freunde trifft man hier unter der Woche in der Regel nur in der Schule. Das hat zwei wesentliche Gründe: 1. stehen die Weihnachts-Examina kurz bevor, was viele Schüler dazu veranlasst in ihrer Freizeit zu lernen, und 2. sind die Distanzen zwischen den verschiedenen Häusern oft sehr groß, ohne Führerschein ist ein mal eben vereinbarter Besuch also kaum möglich. (Dafür wird dann aber am Wochenende, wenn alle in die Stadt kommen, umso mehr gefeiert 🙂 ). Ich habe in der Zwischenzeit zum Glück schon einige nette Leute gefunden, mit denen ich vor Unterrichtsbeginn „abhängen“ kann. Wir sind eine buntgemischte Gruppe: Spanier, Finnen, ein paar Deutsche, meine italienische Gastschwester und ich. Meistens sitzen wir dann alle zusammen in der Cafeteria planen Überraschungs-Geburtstagsfeiern, streiten darüber, welches Land die beste Küche hat, überlegen, was wir am Wochenende so machen könnten und schwärmen jetzt schon über die bevorstehende Weihnachtszeit.

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Meine Gastschwester und ich

Wirklich schade ist nur, dass es in meiner jetzigen Situation nahezu unmöglich ist, Freundschaften mit irischen Schülern zu schließen. Ich habe ja in meinem letzten Blog-Eintrag erwähnt, dass es an meiner Schule so unglaublich viele Austauschschüler gibt; das hat leider zur Folge, dass viele irische Schüler von den ganzen Austauschschülern sehr genervt sind – das erschwert natürlich eher die Kontaktaufnahme. Dieser Punkt macht mich manchmal ein bisschen traurig, weil ich ja eigentlich nicht hier her nach Irland gekommen bin, um dann nur unter Austauschschülern zu bleiben.

Hobbies

Aber zum Glück habe ich ja noch ein Leben außerhalb der Schule und das ist hier in Irland um einiges ereignisreicher als in Deutschland. Jeden Dienstag gehe ich zum Irish-dancing-Unterricht, Mittwoch ist Chor und ich habe Gesangsstunden, donnerstags und samstags gehe ich zum Reiten. Der Reiterhof ist gerade mal zehn Minuten zu Fuß entfernt und praktisch, neben meiner Gastfamilie, mein zweites Zuhause in Irland. Hier habe ich auch letzten Endes einige wirklich nette Iren kennen gelernt 🙂 . Sie sind alle sehr geduldig mit mir, wenn es mal mit der englischen Sprache mal nicht so klappt, und versuchen sogar (bis jetzt mit eher bescheidenem Erfolg) mir ein paar Brocken Irisch bei zu bringen. Ich genieße die Zeit dort wirklich sehr, da ich in Deutschland nie die Möglichkeit hatte und haben werde wöchentlich zu reiten. Dass ich hier in Irland reiten kann, verdanke ich allerdings nur meiner Gastfamilie. Auch wenn es nur zehn Minuten sind, jetzt wo es immer früher dunkler wird, wäre auch dieser kurze Weg zu Fuß zu gefährlich (Irlands Straßen gehören definitiv nicht zu den sichersten in dieser Welt), daher holt mich mein Gastvater netterweise Abends vom Reiterhof ab 🙂 .

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Der Reiterhof

Meine Gastfamilie sehe ich unter der Woche meistens nur beim Abendessen. Es ist eine schöne Zeit. Am Wochenende unternehmen wir dann allerdings mehr zusammen: Letzten Sonntag haben wir zusammen im Stadion ein Gaelic-football Match angeschaut (und ich habe natürlich beim Einlaufen des gegnerischen Teams angefangen zu klatschen, weil ich die Trikots verwechselt hatte…)

Aber auch wenn langsam ein beständiger Rhythmus in mein Leben hier in Irland Einzug hält… das kann sich alles ganz schnell wieder ändern. Nächste Woche werde ich vom 5th year ins Transition year wechseln und dort endlich in eine Klasse mit nur irischen Schülern gehen. Vielleicht entstehen ja auf diese Weise ein paar mehr Irisch-Deutsche-Freundschaften… 🙂 !


2 Kommentare

Benjamin · 13. November 2015 um 14:17

Dein Alltag hört sich spannend an! Warst Du schon mal in einem irischen Kino?

Anne Frerich

Anne Frerich · 5. Dezember 2015 um 19:25

Ja, wir mussten zwar eine halbe Stunde Auto fahren, aber den Film haben wir dann umso mehr genossen (Mockingjay 2 🙂 ) .
(sorry, die Antwort kam etwas verspätet…)

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