Meine Gastfamilie, das sind meine Gastmutter, mein Gastvater, mein Gastbruder (10), meine beiden Gastschwestern (8 und 5) und seit Januar auch meine neue Gastschwester aus Frankreich (davor hatte ich für vier Monate eine Gastschwester aus Italien). Außerdem habe ich hier noch Gastgroßeltern und eine unüberschaubare Anzahl an Gastcousinen, Gastcousins, Gasttanten und Gastonkeln… ich habe es inzwischen aufgegeben, alle Namen zu lernen.

Gemeinsam durch den Tag mit der französischen Gastschwester

Die meiste Zeit verbringe ich definitiv mit meiner französischen Gastschwester, wir teilen uns das Zimmer, gehen auf die gleiche Schule und in unserer Freizeit gehen wir zusammen in die Stadt, machen Sport, treffen uns mit Freunden etc. Ich bin ziemlich froh, dass sie da ist. Meine restliche Gastfamilie sehe ich unter der Woche leider nicht so oft. Meine Gasteltern arbeiten beide, meine Gastschwester und ich kommen um fünf von der Schule nach Hause, und dann hat jeder noch seine Hobbies wie Karate, Schwimmen, Reiten usw… Vor allem meine Gastmutter ist im Moment sehr, sehr, sehr beschäftigt (sie ist Politikerin und es stehen gerade die wirklich wichtigen Wahlen an…). Nur beim Abendessen um 6pm sind meistens alle versammelt und das ist wirklich sehr schön, da wir uns dabei viel unterhalten und uns gegenseitig erzählen, was am Tag so alles passiert ist. Außerdem kocht meine Gastmutter ganz ausgezeichnet. 🙂

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Wir hatten genau einen Tag lang Schnee – aber den haben wir genutzt 🙂

Am Wochenende ist Familie angesagt

Das Wochenende ist hier dafür umso mehr Familienzeit. Manchmal gehen wir wandern, besuchen ein Football Match oder wir machen einen Ausflug zu einer nahe gelegenen Stadt.. oder wir bleiben einfach Zuhause, machen uns Bacon-Sandwiches und sehen fern. Und dann habe ich auch noch zwei kleine Gastschwestern, die permanent spielen wollen. 🙂

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Irland, Auslandserfahrung, Alltag, Stipendium, GastfamilieDie ganze Familie beim Football Match. (Es haben leider nicht alle aufs Bild gepasst.)

Unterschiede zu meiner Familie in Deutschland

Während der ersten Monate meines Aufenthalts hatte ich wirklich das Gefühl, dass hier zwei sehr verschiedene Welten aufeinander prallen: meine Gastfamilie und ich. Tradition, Lebensstil, Erziehung… es ist alles so ganz, ganz anders als in meiner Familie. Am Anfang hat es mir das Einleben zugegeben eher schwer gemacht, aber jetzt bin ich sooooo froh hier gelandet zu sein! 🙂 Nicht nur, weil ich meine neue Familie ins Herz geschlossen habe, auch, weil es eine gute Gelegenheit ist, einen ganz neuen Lebensstil kennen, akzeptieren und verstehen zu lernen. Ich muss nicht alles gut finden, aber ich kann hier auch einiges mitnehmen, wie zum Beispiel eine sehr, sehr entspannte Lebens- und Arbeitseinstellung. 🙂 Aber es ist letztendlich eine gegenseitige „Ergänzung“. Es hat mich so gefreut zu sehen, dass auch ich als Austauschschüler meiner Gastfamilie neue Sitten und Bräuche nahe bringen kann: Meine Gastmutter hat mir am Anfang meines Aufenthaltes erzählt, dass sie Backen für eine Geld-Verschwendung hält… ich aber liebe es, zu backen. Also habe ich einfach mal beim nächsten Einkauf die Zutaten für meinen Lieblings-Schokokuchen eingekauft, meine Gastgeschwister haben beim Backen geholfen und nachdem alle ein Stück probiert haben, hat mich meine Gastmutter nach dem Rezept gefragt… welch ein Triumph!!! 🙂 Ich darf jetzt backen, soviel ich möchte und manchmal kauft sie mir sogar die Zutaten. 🙂

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Irland, Auslandserfahrung, Alltag, Stipendium, GastfamilieMeine versammelte Gastfamilie, um den Geburtstag meiner Gastschwester zu feiern

Aber was konkrete Unterschiede im Familienleben, bzw. Familienalltag anbelangt: Da wäre zum einen das Essen. Auch wenn meine Gastmutter eine wirklich gute Köchin ist, gibt es hier aus Zeit-Gründen sehr oft ungesunde Fertig-Produkte: einmal die Woche Frozen Pizza und mindestens zweimal die Woche Chips. Da vermisse ich dann schon sehr oft die frisch zubreiteten Mahlzeiten von Zuhause in Deutschland. Außerdem läuft unser Fernseher hier kontinuierlich, manchmal sogar wenn meine Gastschwester und ich von der Schule nach Hause kommen und niemand zuhause ist.

Geregeltes Chaos

Es ist auch alles um einiges chaotischer, aber irgendwie auch entspannter. Alles läuft durcheinander, aber letztendlich kommt doch jeder rechtzeitig zur Schule, zum Schwimmunterricht usw. Und wenn der Gastvater verspricht, einen um 7:30h an der Sporthalle abzuholen, dann unterhält man sich eben noch eine halbe Stunde länger mit der Freundin, bevor er schließlich so gegen 8:00h eintrudelt. 🙂

„Hier in Irland bin ich viel mehr auf mich selbst gestellt“

Der größte Unterschied ist jedoch vermutlich der Stellenwert der Familie im Alltag. In Deutschland sehe ich meine ganze Familie auch unter der Woche sehr oft und ich verbringe viel Zeit mit meinen Eltern und meinen Geschwistern. Es ist immer jemand für mich da. Hier in Irland bin ich viel mehr auf mich selbst gestellt. Ich gehe hier meine eigenen Wege, bin viel unabhängiger und selbstbewusster, aber fühle mich manchmal auch ein wenig einsam. Da ist es dann sehr gut, eine Gastschwester zu haben.

Stellenwert der Gastfamilie

Alles in allem hat meine Familie hier dennoch einen sehr, sehr hohen Stellenwert, da sie zum einen, neben meinen neuen Freunden, eine große Stütze hier für mich ist und sich alle sehr bemühen, dass ich hier ein tolles Jahr habe, und zum anderen, weil sie für mich so etwas wie der Schlüssel zur irischen Kultur ist, der mir hilft, Irland zu meinem neuen Zuhause zu machen. 🙂 Außerdem verdanke ich viele meiner bisher schönsten Erlebnisse, wie Weihnachten oder meine Geburtstagsfeier, meiner Gastfamilie! 🙂
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1 Kommentar

Britta Schwarz · 18. Februar 2016 um 16:54

Liebe Anne,

bei Deinen Schilderungen möchte man selbst auch nochmal Austauschschülerin sein, danke Dir dafür!
Liebe Grüße

Britta Schwarz

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