Was ich während meines Aufenthalts in Irland über mich selbst gelernt habe:

… vor allem, dass ich letztendlich mit viel, viel mehr (= Problemen, Schwierigkeiten, ungewohnten Situationen etc.) klar komme, als ich mir vor diesen 10 Monaten selbst zugetraut hätte 🙂

Bevor ich nach Irland gekommen bin, war ich außerdem in der Annahme, dass ich persönlich eigentlich ein ziemlich aufgeschlossenes und umfassendes Weltbild habe. Meine Zeit hier hat mir jedoch gezeigt wie eingeschränkt mein altes Weltbild im Nachhinein eigentlich war. Ich sehe nun vieles in einem ganz neuen Licht.

Diese neuen Perspektiven haben mein kleines Weltbild nicht nur ein klein wenig ergänzt, sondern mir auch gezeigt, dass ich viele Dinge, die vorher als ganz verständlich empfunden habe, viel, viel mehr wertschätzen sollte. (Nach dem Prinzip: Man erkennt erst dann wie toll etwas ist, wenn es plötzlich fehlt…) Zum Beispiel war ich vor meiner Abreise ganz ehrlich gesagt kein besonders patriotischer Deutscher Bürger und habe mich eher abfällig über mein Heimatland geäußert. In all den anderen fremden Ländern, schien mir das Gras viel, viel grüner sein. Zwar hat mein Auslandsjahr dieses Fernweh in keiner Weise getrübt, sondern mich eher noch neugieriger auf neue Kulturen und Länder werden lassen. Aber auf der anderen Seite sehe ich Deutschland nun als meine Heimat, mit der ich mich verbunden fühle, und die durch nichts ersetzt werden kann. Deutschland ist ein wirklich schönes Heimatland! (Ich hoffe, ich sage das auch noch drei Monate nach meiner Rückkehr 🙂 … Ich weiß aber auch jetzt schon, dass ich Irland auch ganz fürchterlich vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin!)

Haben sich meine Ansichten über Irland geändert:

Eines der wichtigsten Erkenntnisse, die ich hier gemacht habe:

Irland ist absolute kein Teil von Großbritannien. Das wusste ich zwar schon bevor ich nach Irland geflogen bin, war mir der Bedeutung aber noch nicht völlig bewusst. Natürlich war mir klar, dass Irland ein eigenes Land ist, ich hatte aber nicht damit gerechnet, wie unheimlich wichtig dieser Punkt für die Iren ist (es ist auch wesentlich besser nachvollziehbar, wenn man die irische Geschichte in Betracht zieht). Die Iren sind ein sehr patriotisches Volk und nationaler Stolz, „irish pride“, wird hier auch an meiner Schule vermittelt (was einem als Deutscher vielleicht ein wenig die Stirn runzeln lässt). Vielleicht ist es in meiner Gegend aber auch sehr extrem, weil wir uns direkt an der Grenze zu Nordirland befinden. Auch wenn in beiden Ländern die gleiche Sprache gesprochen wird, sind Großbritannien und Irland zwei sehr verschiedene Länder mit sehr unterschiedlichen Kulturen, was mir hier sehr deutlich geworden ist.
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St. Patricksday in Dublin

Was ich im vorhinein anders erwartet hätte:

Leider fallen mir gerade nur Kleinigkeiten ein:

Ich hatte ehrlich gesagt nicht wirklich damit gerechnet, eine von mehr als 100 Austauschschülern an meiner Schule zu sein, zumal ein paar Leute, mit denen ich gesprochen habe, auch meinten, dass Irland im vergleich zu Amerika, nicht sehr populär wäre. Naja, ich glaube es könnte schon sehr nett sein, der einzige „Exot“ in der Klasse zu sein, aber auf der anderen Seite hat man auch nicht jeden Tag die Möglichkeit Bekanntschaft mit Finnen, Franzosen, Spaniern, Italienern und Co. zu schließen 🙂

Positiv überrascht war ich allerdings von den unheimlich vielen Reisen, die wir hier gemacht haben (… ich hatte mit um die 2 gerechnet). Galway, Cork, Giant´s Causeway, Dublin, Sligo… sogar Schottland war im Programm :). Auf diese Weise habe ich ziemlich viele Ecken in Irland kennen gelernt.

(Außerdem habe ich immer gedacht, dass die Iren genau wie Engländer sehr viel Wert auf eine höfliche Sprachform legen… Ein gewaltiger Irrtum. Vielleicht ist es ja nur in meiner Region so, aber hier folgt fast auf jeden zweiten Satz ein derber Fluch und manche Lehrer sind da auch keine Ausnahme….)

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Diese Bild ist auf meiner Schottland Reise durch die Highlands entstanden

Punkte/Ansichten/Verhaltensweisen, die ich gerne mit nach Deutschland nehmen würde:

Da fällt mir vieles ein 🙂

Zum einen würde ich gerne etwas von der „Irischen Gelassenheit“ mit nach Deutschland nehmen, wo alles immer so schrecklich präzise abläuft und es manchmal auch sehr stressig werden kann (… dafür sind wir Deutschen ja weltweit berühmt). Wenn man sich hier in Irland um 15:00 verabredet, kann man froh sein wenn um 15:30 alle endlich versammelt sind… nur kein Stress! 🙂

Ich hoffe auch sehr, dass ich durch meinen Aufenthalt hier ein wenig toleranter geworden bin, gerade in Hinblick auf die vielen Flüchtlinge, die jetzt nach Deutschland kommen. Ich würde mir niemals anmaßen zu behaupten, ich könne nachvollziehen, wie sich diese Menschen fühlen, die vielleicht für immer ihr Zuhause verloren haben. Aber ich kann vielleicht ein klein wenig nachvollziehen, wie es sich anfühlt, fremd zu sein und wie anstrengend es sein kann, etwas in einer nicht vertrauten Sprache zu sagen – vor allem wenn jemand neben einem ungeduldig auf eine Antwort wartet.

Wie ich bereits im ersten Absatz schon erwähnt habe, hoffe ich dass ich viele Dinge, die ich erst hier in Irland wirklich zu schätzen gelernt habe, auch weiter hin in Deutschland mit dieser Einstellung begegnen werde… (und sei es auch nur dass gute Roggenbrot, oder Chlor-freies Trinkwasser direkt aus dem Wasserhahn 🙂 )

Außerdem möchte ich auch unbedingt die Irische-Tee-Tradition nach Deutschland einführen. Für meine Gastfamilie ist ein Tag ohne eine Tasse Tee mit einem Keks ein Todsünde… und ich kann mich dem nur anschließen :). Kaffee habe ich noch nie wirklich gemocht, aber dafür habe ich jetzt eine tolle Alternative gefunden!
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Tasse Tee … leider ohne den original Keks dazu 🙁

Was ich mir für die letzten Wochen noch vorgenommen habe:

…natürlich so viel wie möglich: Morgen geht es noch zu einem Chorwettbewerb in Belfast, nächstes Wochenende fahren wir von der Schule aus noch für drei Tage nach Kerry, das Wochenende darauf wollen wir noch surfen gehen ( (: ) und meine lokale Betreuerin hat außerdem noch ein gemeinsames Abschieds-Pizza-Essen angekündigt. Davon einmal abgesehen stehen noch einige weitere Abschieds-Feiern an, da ich selbstredend nicht die einzige Austauschschülerin bin, die in den nächsten Wochen wieder nach Hause fährt. Ganz allgemein werde ich einfach versuchen, noch so viel wie möglich von meinen letzten drei Wochen hier mitzunehmen und die verbleibenden Tage noch richtig zu genießen.
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Gruppenfoto in Galway

(Aber, was mir persönlich am meisten Sorgen bereitet: Sämtliche Mitbringsel und Geschenke müssen auch noch organisiert werden… )


2 Kommentare

Jonas · 18. Mai 2016 um 12:24

Weißt Du denn schon, was Du als Mitbringsel einpacken möchtest? 😉

Anne Frerich

Anne Frerich · 19. Mai 2016 um 23:27

Ich glaube ich habe letzt endlich doch noch ein paar nette Sachen gefunden… genaueres traue ich mich aber nicht zu verraten… ich weiß ja nicht ob meine Familie/Freunde diesen Kommentar vielleicht lesen… 🙂

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