How are you getting on?

(Oder wie man in den meisten Teilen von Irland sagen würde “How’s she cutting?“)

Die Zeit ist vergangen wie im Flug. Dies ist der bereits letzte Eintrag meiner mehr oder weniger kleinen Reihe, in bereits einem Monat steht meine Heimreise an, auf welche ich mit gemischten Gefühlen hinblicke. In diesem letzten Blogeintrag werde ich versuchen, Euch ein wenig über die Weihnachtszeit hier zu berichten. Außerdem erzähle ich von meinem kleinen Ausflug nach Dublin und ziehe am Ende eine Art Fazit meines Aufenthaltes hier.

Weihnachtszeit

Sitten und Bräuche – Gibt es Unterschiede zu Deutschland?

Der wohl größte Unterschied zwischen Weihnachten hier in Irland und in Deutschland ist der, dass die Geschenke hier, also die Bescherung, wie in Amerika und vielleicht auch in einigen streng katholischen Gegenden in Deutschland, erst am Morgen des 25. Dezember verteilt und geöffnet werden.

Kuchen statt Plätzchen

Somit ist der “Heillige Abend“ für die hier ansässigen Menschen nichts besonderes, beziehungsweise ist das eigentliche Weihnachtsfest um einen Tag auf den 25. verschoben. Ein weiterer recht signifikanter Unterschied zu Deutschland ist – zumindest zu meiner Familie in Deutschland, dass es hier zu Weihnachten keine Plätzchen gibt, sondern stattdessen hauptsächlich zwei Arten von Früchtekuchen. Diese Kuchen schmecken beide recht ähnlich, werden jedoch komplett anders gemacht. Die beiden Arten tragen die Namen “Fruit Cake“ und “Irish Pudding“. Während ein Fruit Cake sich in der Herstellungsart und -weise nicht groß von einem normalen Kuchen unterscheidet, sieht es dahingehend bei einem Irish Pudding schon ganz anders aus. Dieser wird nämlich zuerst gebacken und dann für gut sechs Stunden gekocht beziehungsweise in eine Art Dampfgarer (welchen hier merkwürdigerweise fast jeder besitzt) gelegt. Für die von euch, welche sich jetzt fragen, wie es denn bezüglich der beiden im Thema Geschmack ausschaut: nun ja, es ist ein recht eigenartiger Geschmack.

Die Speise, welche daran am nächsten herankommt, ist meiner Meinung nach definitiv Lebkuchen, nur das der Geschmack bei einem Fruit Cake oder auch Irish Pudding circa zwei bis drei Mal so intensiv ausfällt. Serviert wird der Fruit Cake meistens einfach mit ein wenig Sahne. Beim Irish Pudding jedoch wird häufig gerne auf Eiscreme, süße Butter, gekochte Äpfel oder ebenfalls Sahne zurückgegriffen. Außerdem wird dieser, im Gegensatz zum normalen Fruit Cake, gerne heiß serviert. Ihr seht also schon, der Pudding (nicht zu verwechseln mit dem, was sich ein Deutscher unter “Pudding“ vorstellt) ist eine Art erweiterte Form des normalen Fruit Cakes.

Plastikbaum statt duftender Tanne

Außerdem ist es bemerkenswert, dass hier in Irland so gut wie niemand einen echten Weihnachtsbaum besitzt. Für die Weihnachtszeit wird einfach der Plastikweihnachtsbaum vom Dachboden geholt. Von dem kann ich leider kein Bild bereitstellen, da wir gerade weder den Weihnachtsbaum aufgebaut, noch das Haus geschmückt haben.

Als generelle “Festspeise“ wird es hier vermutlich einen Truthahn geben, in Kombination mit Kartoffeln, süßen Kartoffeln, Irischen Rüben und gewisse andere Gemüsesorten mit beigelegten überbackenen Kartoffeln. Auf jeden Fall wird es sehr „kartoffellastig“.

Worauf warten die Kinder hier, Weihnachtsmann oder Christkind?

Auf den Weihnachtsmann – so eine Art Christkind existiert hier nicht, jedoch wird der Weihnachtsmann hierzulande „Santa“ genannt. Weiterhin erwähnenswert ist, dass der, nennen wir es mal „Nikolaus-Brauch“, hier absolut nicht besteht. Das heißt, hier wird kein Schuh oder Stiefel geputzt und am Abend des 5. Dezembers vor die Tür gestellt.

Der Glaube an „Santi“, wie er hier umgangssprachlich genannt wird, unterscheidet sich aber in keinster Weise von dem Glauben (zumindest dem der Kinder) an das Christkind, im Endeffekt ist es nur ein veränderter Name, dessen Zweck jedoch vollkommen identisch ist.

Wird es eine Silvesterparty geben?

Nun ja, ich werde versuchen, mein Silvester hier mit meinen irischen Freunden zu verbringen, da meine Gasteltern absolut nichts unternehmen werden, was gewissermaßen aufgrund der kleinen Kinder verständlich ist. Ich muss allerdings ganz klar sagen, dass ich unsere deutsche Silvesterfestspeise, welche im Falle meiner deutschen Famillie Raclette ist, und vor allem auch die Raketen und Böller definitiv vermissen werde. Wer sich jetzt fragt, wieso letzteres nicht stattfinden wird, dem muss ich mitteilen, dass Feuerwerkskörper jeglicher Art zu jeder Zeit in Irland verboten sind, was für mich schon eine kleine Enttäuschung war.

Mein Tagesausflug nach Dublin

Und um die Frage, ob sich Dublin lohnt, Mal direkt zu beantworten: Ja, auf jeden Fall.

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einer Freundin entschieden, einmal für den Tag nach Dublin zu fahren. Dublin ist von hier aus (County Cavan) aber absolut kein Katzensprung. Man muss 2 ½ Stunden mit dem Bus fahren. Kostenpunkt: 14 Euro.

Wir sind also gegen 10:30 Uhr hier vor Ort losgefahren und waren erst gegen 13:10 da. Wir haben uns dann auf eine kleine Wanderung in der Stadt begeben. Dabei kamen wir vorbei an dem weltbekannten Trinity College, welches eine prächtige Bibliothek und das „Book of Kells“ beinhaltet.



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Trinity College – Innenhof

Das College könnte man als eine Art Elite-Universität für die absolut Hochbegabten beschreiben. Wir waren ebenfalls an der bekannten Half Penny Bridge, auf welcher man bis ins Jahr 1919 immer dem Namen getreu einen halben Penny zahlen musste, wenn man diese überqueren wollte. Die Gebäude in Dublin, aber auch in Irland allgemein, sind hauptsächlich sehr schöne, historische Bauten. Sie sind überwiegend im georgianischen Architekturstil gebaut und sehen wunderschön aus.

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Eine der (soweit ich Bescheid weiß) 3 Shopping Hallen in Dublin.

Sightseeing, Shopping und natürlich – Burger!

Selbstverständlich haben wir den Tag nicht ohne Shopping verbracht, welches man bei dem Besuch einer Großstadt einfach förmlich tätigen muss.

ODI, Open Door International e.V., Schüleraustausch, Auslandserfahrung, Irland, Weihnachten, Weihnachtszeit, Silvester, Neujahr, Gastfamilie, StipendiumDort haben wir einen Burger bei Rockets gegessen, welcher einfach nur fantastisch geschmeckt hat. Dahingehend ganz klare Empfehlung, holt Euch da ’nen Burger, wenn ihr in Dublin seid. Direkt gegenüber dieser Halle befindet sich der St. Stephen’s Green Park, durch den wir einen kurzen Rundgang unternommen haben. Die im Park lebenden Tiere sind absolut nicht scheu. Das wohl beste Beispiel dafür stellt dieses Foto von einem Eichhörnchen dar. Es ist zwar nicht das schönste Motiv, aber das Beste, das ich kriegen konnte, bevor das kecke Ding wieder ins Gebüsch geflüchtet ist.
Eigentlich gar nicht so weit von der Half Penny Bridge gelegen, befindet sich das berühmte Temple Bar Viertel, das atemberaubende Graffities und die wohl populärsten Pubs Irlands beherbergt.

Das war’s auch eigentlich schon bezüglich meines Dublin Ausfluges. Viel mehr ist in vier Stunden nun mal einfach nicht wirklich möglich.


ODI, Open Door International e.V., Schüleraustausch, Auslandserfahrung, Irland, Weihnachten, Weihnachtszeit, Silvester, Neujahr, Gastfamilie, StipendiumEin wahres Meisterwerk meiner Meinung nach.

Fazit meines Irlandaufenthaltes – Wie war es?

Ich werde versuchen, mich hier so kurz zu fassen, wie nur irgendwie möglich. Gleich zu Beginn soll gesagt sein, dass ich immer noch einen Monat hier bin und während dieser Zeit noch dies und jenes passieren kann. Jedoch würde ich nicht mit zu gravierenden Events rechnen. Meine Zeit hier war wirklich toll und ist vergangen wie im Flug, es fühlt sich nun so an, als wäre ich erst vor zwei Wochen hier angekommen, obwohl es jetzt schon mein vierter Monat ist. Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass alles hier so verlaufen ist. Ich hatte eine fantastische Schulzeit und das erste Mal seit langem in den 15 Jahren meines Lebens wieder Spaß an der Schule! Das hat jedoch leider ebenfalls zur Folge, dass ich mich nun noch mehr davor scheue, wieder auf mein langweiliges, tristes, deutsches Gymnasium zurückzukehren.

Die Gastfamilie war beziehungsweise ist einfach toll, sie nehmen mich mit zu jeglichen familiären Events, holen mich ab, wenn es denn nötig ist und sind vor allem eins: super nett. Ich glaube, ich hätte mit der Gastfamilie gar nicht mehr Glück haben können (an der Stelle auch mal ein großes ehrliches Dankeschön an ODI und die Bürgerstiftung Leverkusen, ohne die mein Aufenthalt an sich gar nicht erst möglich gewesen wäre.)

Die Iren – ein nettes und offenes Volk

Was über die Menschen hier in Irland erzählt wird, ist wahr, ich habe noch nie zuvor so nette und auch offene Menschen getroffen. Hier ist jeder gewillt, jemand neues kennenzulernen und verschließt sich nicht – so wie es nun mal mittlerweile leider die meisten von uns Deutschen tun. Ich hatte am Anfang Ängste, ob ich Freunde finden würde, welche sich als vollkommen unbegründet herausstellten. Wenn man ein offener Mensch ist, der freundlich ist und eine gewisse Höflichkeit aufweist, wird man hier garantiert ohne jegliche Probleme Anschluss finden, auch wenn man sich erst mal an den zugegebenermaßen nicht immer klar zu erkennenden irischen Sarkasmus gewöhnen muss.

Ein paar Tipps für angehende Weltenbummler

Als kleine Ratschläge für anstrebende Austauschschüler würde ich empfehlen, falls die Möglichkeit besteht, definitiv das sogenannte Transition Year zu besuchen, da dieses einfach das beste, komfortabelste Jahr, welches man als Austauschschüler kriegen kann, bietet. Ebenfalls würde ich empfehlen, dass ihr definitiv Klamotten mitnehmen oder euch von euren Eltern schicken lassen solltet, da die Aussage, dass Kleidung hier billig ist, zumindest meines Erachtens nach, absolut falsch ist. Die Preise weichen in den meisten Geschäften in keinster Weise von den deutschen Preisen ab und sind gelegentlich sogar noch höher. Leider sind die einzigen Läden, in denen man zu akzeptablen Preisen essen kann Fast-Food-Burgerketten. Kein Scherz, auch beim Essen hat alles andere schon fast Restaurantpreise.

Ich hoffe, dieser letzte Blogeintrag hat Euch gefallen und ich konnte Euch ein paar hilfreiche Einblicke und Tipps mit auf den Weg geben. Ich verabschiede mich hiermit und hoffe eventuell ein paar von Euch ein wenig zum Auslandsaufenthalt angetrieben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Arne Nobis


2 Kommentare

Jana · 22. Dezember 2015 um 16:42

Frohe Weihnachten und eine gute Heimreise 🙂

    Arne

    Arne · 23. Dezember 2015 um 19:07

    Danke,
    gleichfalls!

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