Musik zum Text: John Lennon – Imagine

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Auslandserfahrung, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Ratschläge, Tipps, TricksIch denke viele von uns Weltenbummler hoffen, vor der Abreise ins jeweilige Land noch die ultimativen Tipps zu finden, die die Aufregung lindern, Fragen beantworten oder einfach nur beim Packen helfen. So war es zu mindestens bei mir: Ich war über jeden Tipp und jede hilfreiche Antwort glücklich. Da ich nun selber ein Bild davon habe, wie es ist, ein Jahr in Costa Rica zu leben, kann ich anderen eine Hilfe sein und meine Erfahrungen, die ich in den letzten 8 Monaten gemacht habe, weitergeben.

Kofferpacken

Ich fange einfach mit dem Naheliegendsten an, wenn der Tag, an dem man ins Flugzeug steigt, näher rückt, auch anfängt: mit dem Kofferpacken. Das war eine besondere Herausforderung, da man für ein Jahr packt und nicht nur für ein, zwei Wochen.

Ich habe etwas knapp angefangen meinen Koffer zu packen, was ich im Nachhinein jedoch gar nicht so schlimm fand, da ich dann nicht mehr so viel Zeit zum Nachdenken hatte und ich nicht ständig etwas aus und eingepackt habe. Hilfe habe ich mir von meiner Schwester und meiner Mutter dazu geholt, da ich sonst wahrscheinlich mit drei Koffern geflogen wäre. Ich wollte alles mitnehmen, konnte mich nicht entscheiden, hatte das Gefühl, ich würde alles brauchen und wenn ich es nicht mitnehmen würde, vermissen. Das ist alles Blödsinn, doch das habe ich erst gemerkt, als ich dann hier war. Letztendlich habe ich einiges aussortiert und zu Hause gelassen, doch ich hatte letztendlich immer noch 10 kg Übergepäck. Ein großer Teil waren davon auch Gastgeschenke, jedoch waren es letztlich doch viel zu viele Klamotten.

Wenn Ihr euch an das Packen eures Koffers macht, dann nehmt von allem nur die Hälfte mit und wirklich nur das Nötigste und die Dinge, die ihr wirklich super gerne tragt. Woran Ihr auf jeden Fall denken solltet sind ein paar warme Sachen. Viele Austauschschüler, die ich hier in Costa Rica getroffen habe, hatte fast nur sommerliche Sachen mit und haben sich hier Pullover gekauft oder Dinge von der Familie nachschicken lassen. Sommerliche Kleidung braucht man auch auf jeden Fall, aber nicht in allen Regionen. Viele Austauschschüler kommen in Costa Rica in Bergregionen unter, wie ich zum Beispiel auch. Ich wohne in Zarcero und hier kann es auch recht kalt werden, gerade wenn es im Dezember nach der Regenzeit windig wird. Ich habe teilweise sehr gefroren und habe mir Wollsocken und dicke Pullover angezogen.

Guckt euch am besten vorher die Temperaturen von eurer Stadt an und fragt vorab eure Gastfamilie, die können euch bestimmt helfen, auch bzgl. Kleidung in den Farben der Schuluniform. Manchmal hat man zu Hause schon ein paar Schuhe oder einen Pullover in der passenden Farbe, allerdings würde ich vorab in Deutschland für die Uniform nichts kaufen. Nehmt einfach so wenig wie möglich mit, denn ihr werdet auf jeden Fall immer wieder was kaufen und seid froh, wenn ihr am Ende noch Süßigkeiten oder solche Dinge mit nach Deutschland nehmen könnt.

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Gastgeschenke

Was auf jeden Fall ganz viel Platz in eurem Koffer finden sollte sind Gastgeschenke. Ihr werdet sehr froh sein, wenn ihr die begeisterten Gesichter eurer neuen Familie sehen werdet und sie euch noch lieber in ihr neues Heim aufnehmen. Worüber sich bei mir am meisten gefreut wurde, war über Schokolade (gerade Milka und Kinderschokolade) und Nutella. Aber auch solche Dinge wie selbstgemachte Marmelade und Gummibärchen sind sehr gut. Ihr solltet für jede Person der Familie ein kleines Geschenk mitnehmen und vielleicht auch noch Dinge, die ihr später zum Geburtstag oder Weihnachten verschenken könnt.

Solche Dinge kann man sich aber auch noch gut nachschicken kann, da man dann die Personen auch genauer kennt und eure Eltern in Deutschland besser etwas kaufen können. Gerade die Männer freuen sich immer sehr über T-Shirts von Fußballmannschaften. Irgendetwas Besonderes aus deiner Region, Postkarten, Tassen und solche Dinge kann man sehr gut mitnehmen. Ihr solltet gerade bei den Lebensmitteln keine zu speziellen Dinge einkaufen, da es dazu kommen könnte, dass eure Familie das gar nicht probieren möchte oder nicht mag und ihr euch die Mühe um sonst gemacht habt.

 

Heimweh

Das Heimweh, komische Sache, verwirrende Gefühle, kommt in den blödesten Augenblicken. Bei den einen kommt es sehr schnell und andere wissen kaum, was das ist. Doch eine Sache steht auf jeden Fall fest: Es kann mit den richtigen Methoden ganz schnell wieder verschwinden. Man sollte zuerst einmal versuchen irgendwas mit Freunden zu unternehmen, aus dem Haus rauszukommen. Doch ich kenne das, dass das nicht immer geht, vielleicht hat gerade niemand Zeit oder die Eltern wollen einen gerade nicht gehen lassen. Dann sucht euch einfach andere Dingen zur Ablenkung; vielleicht ist gerade eines deiner Gastgeschwister im Haus oder du kannst Fußball spielen oder Fahrrad fahren, ließ ein Buch, schau einen Film oder hör Musik. Es gibt so viele Dinge, bei denen du nicht in deinem Bett über dein Heimweh nachdenkst.

Du solltest vor deinem Austauschjahr schon mal versuchen zu gucken, welche Dinge dich ablenken, dich glücklich machen, mit denen du dich besser fühlst. Mir hat es immer geholfen etwas mit Freunden zu machen oder meiner Schwester, zu lesen und Musik zu hören. Doch auch zu Duschen hat mit immer geholfen, ich habe mir aus Deutschland ein Duschgel mitgenommen, welches ich dort schon sehr mochte. Nach dem Duschen habe ich mich immer besser gefühlt, als ob ich alles abgewaschen hätte.  Reden hilft auch, doch würde ich nicht mit deiner Familie oder Freunden aus deiner Heimat reden, da das das schlechte Gefühl meistens noch verstärkt.

 

Gedanken

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Auslandserfahrung, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Ratschläge, Tipps, TricksMacht euch nicht zu viele Gedanken! Natürlich denkt man vorher viel darüber nach und hat viele Fragen, da ja schließlich alles unbekannt ist. Doch ich habe gemerkt, dass es das Beste ist, das Ganze auf sich zukommen zu lassen und nicht zu versuchen, sich alles vorher auszumalen. Denn gerade wenn man sich vorher versucht vorzustellen, wie alles wird, ist man, denke ich, mehr enttäuscht, wenn die Dinge nicht so sind, wie man sie sich vorgestellt hat. Und es kommt eigentlich immer anders, als man es im Kopf hatte.

Ihr solltet jedoch auch versuchen, nicht allzu enttäuscht zu sein, wenn die Dinge anders kommen, als ihr es euch gewünscht habt. Zum Beispiel hattet ihr euch gewünscht, für ein Jahr in einer Region in der Nähe vom Strand zu wohnen und nun ist eure Gastfamilie in den Bergen. Beurteilt nicht schon vorher den Ort oder die Familie. Seid offen und wartet ab, wie die Zeit wird.

Genauso solltet ihr euch in der Zeit des Austausches nicht immer zu viele Gedanken machen. Denkt nicht darüber nach, was Freunde wohl gerad in Deutschland machen, ob es der Familie gut geht, ob man alles richtig macht, ob man ein guter Austauschüler ist oder man irgendwas ändern muss. Denkt nicht so viel über all diese Dinge nach, sondern macht einfach, lebt einfach euer Leben in der neuen Heimat. Ihr habt gar nicht die Zeit, immer so viel nachzudenken, denn ein Jahr geht viel schneller um, als du vielleicht anfangs dachtest.

 

Vergleichen

Man rutscht ganz schnell in das Denken, dass man sich und sein Leben mit den anderen Austauschschülern vergleicht. Das ist mir auch gerade am Anfang passiert und war überhaupt nicht produktiv und mir ging es dadurch manchmal echt nicht so gut. Ich bin auf einer relativ kleinen Schule und anfangs waren wir fünf Austauschschüler auf dieser Schule. Ich war sogar mit einer anderen Deutschen in einer Klasse, was etwas unglücklich war und was wir im zweiten Halbjahr auch ändern konnten. Jedoch habe ich mich ständig mit den anderen verglichen – und wir wurden auch viel verglichen. Wer redet mehr mit den anderen Leuten, wer unternimmt mehr, wer spricht ein besseres Spanisch, wer ist cooler drauf und so weiter. Es wurde fast alles von den anderen Leuten verglichen, sogar von den Lehrern.

Das war für mich anfangs etwas schwer, da ich nicht mit den anderen verglichen werden wollte, sondern einfach so gesehen werden wollte, wie ich bin. Irgendwann habe ich auch etwas angefangen, mich zu vergleichen. Das solltet ihr erst gar nicht anfangen, es ist dumm und zieht euch einfach nur runter. Hört einfach gar nicht zu, wenn euch andere erzählen wollen, wer weniger Fehler im Satz hat oder wer netter ist.

Schüleraustausch, ODI, Open Door International e.V., Auslandserfahrung, Stipendium, Stipendiatin, Freunde, Gastfamilie, Schule im Ausland, Südamerika, Costa Rica, Ratschläge, Tipps, TricksWas ihr auch nicht tun solltet ist, eure Familie mit der von anderen Austauschülern zu vergleichen. Natürlich ist interessant, gerade in den ersten Monaten, von den anderen Austauschschülern zu erfahren, wie die jeweiligen Familien sind, aber vergleicht sie nicht mit eurer Familie. Jede Familie hat gute und nicht so schöne Seiten, keine Familie ist perfekt. Zudem kennst du die andere Familie auch gar nicht und weißt nicht, ob der Erzähler nur die guten Seiten aufgezählt hat und das zudem noch in besonders bunten Farben. Mir wurde das schon vor dem Austausch gesagt, dass das einen runterziehen und einem schlechte Laune machen kann und man danach vielleicht ein schlechtes Bild von seiner Familie hat. Doch dass es in Realität doch so stark eintritt, ist mir erst hier in den ersten Monaten bewusst geworden, gerade als ich mich in meiner Familie nicht ganz so wohl gefühlt habe.

 

Offen sein

Der nächste Tipp, den euch geben möchte, ist: Offen sein. Seid offen für alles und jeden. Probiert alles aus, nehmt Angebote von anderen Leuten an, auch wenn es sich erstmal so anhört, als ob es nicht so euer Dingt ist. Steckt euch alles neues Essen in den Mund, was ihr in die Finger bekommt, denkt in dieser Hinsicht daran, dass das Wort „Nein“ für euch einfach nicht existiert. Damit meine ich natürlich nicht Dinge wie Drogen oder Alkohol, dazu solltet ihr unbedingt Nein sagen. Es ist für uns als Austauschüler einfach noch gefährlicher und kann euch in große Schwierigkeiten bringen.

Also seid einfach noch offener für all die anderen tollen Dinge. Versucht auch immer in Kontakt mit den Menschen um euch herum zu kommen und erzählt den anderen Leuten von euren Plänen. Ich habe es hier schon das ein oder andere Mal erlebt, dass mir, als ich jemanden von einem Plan oder etwas was ich gerne sehen möchte erzählt habe, weitergeholfen wurde, bzw. mir der Kontakt zu jemandem hergestellt wurde. Nur wenn ihr redet, können die anderen Menschen wissen, wie sie euch helfen können.

So ist es nicht nur bei Plänen, die Ihr verwirklichen wollt. Redet, wenn es euch mal nicht so gut geht oder euch irgendein Gedanke beschäftigt. Redet mit Freunden oder jemand aus eurer Familie, da finde ich es nicht so wichtig, ob dieser jemand vor Ort ist oder in deinem Heimatland. Doch wie ich schon beim Thema Heimweh erwähnt hatte, sollte man den Kontakt zum Heimatland, bei Heimweh eher weglassen.

Jedoch solltet ihr immer eurer Gastfamilie erzählen, wie es euch geht und wie Ihr euch wohl fühlt. Das hilft deiner Familie, dich zu verstehen und auch, sich mit dir wie in einer richtigen Familie zu fühlen. Es hilft sehr, über das zu reden was man fühlt, gerade, da es in einem Austauschjahr so viele neue und ungewohnte Gefühle gibt. Mir hat es auch oft sehr geholfen, meine Gedanken aufzuschreiben, einfach, um sie rauszulassen und neu zu ordnen, das ist jedoch nicht immer jedermanns Sache.

 

Ich hoffe ich konnte jemanden mit meinem Text helfen und vielleicht sind ein paar hilfreiche Tipps dabei.


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