Als das vierte Schulquartal angefangen hat, habe ich zum ersten Mal realisiert, wie wenig Zeit ich hier noch haben würde. Lehrer wiederholten immer und immer wieder wie wenig Wochen nur noch wären bis zum Schulende. Neun Schulwochen klang so viel kürzer als zweieinhalb Monate. Die Zeit danach verflog so schnell. Sieben Wochen, 5 Wochen, 3 Wochen und genau heute ist es eine Woche bis ich mein Zuhause hier verlassen muss.

Ich habe viele Tage weinend verbracht, weil ich nicht nach Hause möchte. Natürlich möchte ich damit meine Freunde und Familie zuhause nicht verletzten. Ich freue mich auf euch, trotzdem ist es schwer zu erklären und für andere nachzuvollziehen, wie man sich in dieser Situation fühlt. Man ist hin- und her-gerissen, zwischen nachhause wollen und hier bleiben. Es fühlt sich einfach genau so schlimm an, wie als ich vor fast 10 Monaten meine Familie in Deutschland verlassen musste.

Man versucht die letzten Wochen zu genießen, so viel wie möglich zu unternehmen, um nicht nach Hause zu gehen und dann zu bereuen, vieles nicht getan zu haben. Aber die Wochen fliegen vorbei und man fühlt sich trotzdem als hätte man mehr aus seinem Jahr machen können.

Nun ist es zu spät. Eine Woche habe ich noch. Und diese ist schon vollgestopft mit Aktivitäten. Fußballspielen, Rodeo und Abschiedsfeier. Wenn ich an den Tag denke, an dem ich mein Zuhause hier verlassen muss, wird mir ganz schlecht. Natürlich war nicht alles perfekt, aber es ist meine Familie und mein neues Zuhause, welches ich verlassen muss.

Als ich vor knapp einem Jahr Deutschland verlassen musste, wusste ich, dass ich alle in 10 Monaten wieder sehen werde. Aber hier? Wer weiß, ob ich einige Leute überhaupt wieder sehen werde. Falls ich zu Besuch komme, sind manche von meinen Freunden gar nicht mehr da. Sie sind umgezogen, gehen zur Uni oder sind bereits im Ausland. Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war. Aber das ist der Lauf des Lebens. Jeder geht seinen Weg und ich bin dankbar für alle, die diesen Weg mit mir in Deutschland und auch hier gegangen sind und/oder in der Zukunft noch gehen werden.


3 Kommentare

Hanna M. · 16. Juni 2016 um 09:52

Genieß die letzten Tage und sei nicht zu traurig!

Britta Schwarz · 16. Juni 2016 um 10:32

Liebe Sophie,

danke Dir sehr für diesen letzten Blog-Eintrag. Die Erkenntnis, dass es nie mehr so sein wird, wie es während des Austauschjahres war, stimmt tatsächlich. Zudem macht es dies so schwer Abschied zu nehmen…aber, und jetzt kommt das Beste, es wird einfach ein wenig anders und trotzdem hast Du jetzt wahrscheinlich eine zweite Heimat fürs Leben gefunden, wie ich vor über 25 Jahren.
Liebe Grüße und bis zur Nachbereitung

Britta Schwarz

Nadja Kahlau · 16. Juni 2016 um 11:04

Liebe Sophie, ja das Leben geht tatsächlich immer weiter. Aber im Herzen kann die Zeit manchmal angehalten und in Erinnerung verewigt werden- ich bin mir sicher, dass Dir die USA und all die lieben Menschen genau da lange erhalten bleiben. 🙂

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