Hallihallo,

Nun ist es wieder soweit und ich berichte wieder Neues.

Diesmal fange ich mit dem Thema Schule an. Die Schule in Frankreich unterscheidet sich an sich erstmal nicht gravierend von der deutschen. Es gibt auch ein Schulgebäude, Schließfächer und eine Turnhalle, die Schüler wollen am liebsten keine Kontrollen schreiben und alle finden die Pausen am Besten! 🙂

Aber jetzt mal von Anfang an: Die Schule beginnt für mich um 8 Uhr und ist gute 6 km von meinem Wohnort entfernt. Ich nehme immer den öffentlichen Bus, der 7:22 Uhr kommt und mich nach ca. einer Viertelstunde 300 m vor der Schule rauslässt. Mein Dorf, in dem ich wohne, ist so klein, dass es nur einen einzigen Bus gibt, der dort fährt. Dieser kommt auch nur einmal in der Stunde. Er fährt morgens bis um 12 Uhr, dann ERST wieder von 16-18 Uhr und nach 18 Uhr gar nicht mehr. Wenn man also davor oder danach nach Hause will, oder der Bus ausfällt, was ich auch schon mehrmals hatte, muss man zu Fuß gehen. Bis man zu Hause ist, ist man da schon Mal eine gute Dreiviertelstunde unterwegs. Zu laufen ist anstrengender als gedacht, weil es eigentlich nur bergauf geht.

Ein typischer Schultag

Ein typischer Tag sieht so aus, dass ich um 8 Uhr Unterrichtsbeginn habe und dann bis 12 Uhr entweder 55-minütige Stunden oder eine Doppelstunde habe. Von 12-14 Uhr habe ich Mittagspause. Da fast jeder Schüler um 12 Uhr Mittagessen will (die Franzosen nehmen es da sehr genau mit dem: „pünktlich um 12 Uhr gibt es mittag“), warten wir meist noch so eine halbe bis dreiviertel Stunde, bis der erste Andrang vorbei ist. Ich kann dann zwischen mehreren Vorspeisen wählen (meist verschiedene Salate oder Gebäckstücke), zwischen verschiedenen Hauptspeisen und verschiedenen Nachtischen (meist verschiedene Sorten Obst, Gebäckstücke oder Joghurt). Dazu gibt es immer noch selbst gebackene Brötchen und Käse (man auch zwischen verschiedenen Sorten wählen). Alles ist frisch und wird selbst Vorort zubereitet, deshalb ist es auch immer sehr lecker.

Die Mittagspause, würde ich sagen, ist echt mit das Beste an der Schule :D. Man kann sich richtig Zeit lassen und in Ruhe Mittag essen (das Essen ist den Franzosen sehr wichtig und natürlich gibt es auch etwas zu trinken). Nach dem Mittag ist meistens noch ein wenig Zeit, sodass wir in die Pausenräume gehen, die dazu da sind, um die freie Zeit für Hausaufgaben oder sonstige Schulsachen zu nutzen. Dann geht es ab 14 Uhr weiter und je nach dem, habe ich dann um 16 oder 17 Uhr Schulschluss.

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Meine Freunde und ich auf einer Art „Kirmes“ (eher ein Rummel)

Mein Schule

Meine Schule ist sehr groß (für 750 Schüler) und sehr gepflegt – in mehreren schönen alten Gebäuden aufgeteilt (es gibt für verschiedene Fachrichtungen jeweils ein eigenes Gebäude), die von innen modernisiert wurden. Sie ist auch sehr gut ausgestattet. Jedoch darf ich leider keine Fotos machen, weil es da mal einen Zwischenfall im Internet gab und es deshalb verboten wurde. Auch die verschärfte Sicherheit ist an meiner Schule zu spüren: morgens und nachmittags stehen Aufsichtspersonen vor der Schule und achten darauf, wer die Schule betritt und führen stichprobenartig Taschenkontrollen durch. Externe müssen sich anmelden und ein „Ausweisschild“ tragen.
Anders als in Deutschland, sind die Fächer meist zusammengefasst: Also dann gibt es Physik-Chemie, Geschichte-Geografie usw.

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Meine Freundinnen und ich

Esskultur in Frankreich

Außerdem ist mir aufgefallen, dass sich das Essen bei Festivitäten, wie Geburtstagen, schon mal über mehrere Stunden ziehen kann und bis spät in die Nacht geht. Es gibt viele Gänge und dazwischen relativ lange Pausen. Es kann dann auch mal sein, dass es den Nachtisch erst nachts um eins gibt. Das war anfangs sehr befremdlich für mich. Auch dass die Franzosen eigentlich nie, wie es bei vielen deutschen Familien der Fall ist, alles aufeinmal essen. Also, dass alles auf dem Tisch steht und man sich einfach ne Stulle schmiert. Hier wird quasi alles in Gänge aufgeteilt: Es gibt nicht immer eine Vorspeise aber nach dem „Hauptgericht“ gibt es Salat und Käse und danach das Dessert und niemals Stullen 😀 . Das Frühstück fällt eher klein aus oder wird gar nicht beachtet. Auch isst man abends sehr spät Abendbrot.

Den Anschluss finden

Außerdem ist mir aufgefallen, dass – so hart es auch klingen mag – ein wenig Wahrheit an den Vorurteilen über Franzosen dran ist. Das hab ich besonders in der Schule gemerkt. Am Anfang in der Schule wollte ich die Klasse wechseln und meinen Fächerschwerpunkt von Literatur auf Naturwissenschaften legen. In meiner ersten Klasse (ich habe schon sowol die Klasse als auch die Gastfamilie gewechselt), hatte ich keine Freunde und war jeden Tag eigentlich schwer unglücklich. Niemand hat sich so richtig für mich interessiert, niemand hat Fragen gestellt, alle waren sehr verschlossen und eher so für sich. Ich habe mich eher wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt und auch wenn mir schon im Voraus gesagt worden ist, dass man auf die französischen Schüler zugehen muss, weil sie es von allein nicht tun, habe ich es mir doch nicht soo schwer vorgestellt. Man merkt manchmal, dass die Franzosen wenig Interesse an anderen Kulturen und Ländern zeigen. Es ist auch verboten, während der Oberstufe ins Ausland zu gehen. Deshalb kennen die so ein Auslandsjahr kaum, welches in Deutschland immer mehr gemacht wird. In der neuen Klasse habe ich aber sofort Freunde gefunden und auch welche, die sich für mich und meine Kultur interessieren 🙂

Des Weiteren war es für mich am Anfang auch sehr ungewohnt, dass man hier jedem den man trifft, ob Mann oder Frau, ob schon mal gesehen oder nicht, zwei Küsse auf die Wange gibt. Das finde ich in Deutschland besser, weil man da eigentlich mehr Freiheit hat, was man zur Begrüßung macht.

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Mein Gastvater ist das Maskottchen von der „Profi“-Basketballmannschaft der größeren Stadt Charleville-Méziere

Heimweh

Was ich noch schreiben wollte, weil mir aufgefallen ist, dass das eigentlich keiner macht: Das HEIMWEH. In meinem ersten Blogeintrag habe ich das vergessen zu schreiben. Ich hatte im ersten Monat ganz schreckliches Heimweh und musste in der Schule oft mit den Tränen kämpfen, weil ich dort eigentlich die meisten Startschwierigkeiten hatte. Bei mir lief nicht alles so rund und vieles erst beim zweiten Anlauf. Ich habe während des ersten Monats schon manchmal sehr gelitten und gedacht, dass ich überhaupt nicht mehr glücklich werden kann.

Ich bin aber dran geblieben, habe versucht mich an den kleinen Momenten am Tag, die schön waren, hochzuziehen und mir kleine Zeit-Ziele zu setzten, die ich erreichen will – wie: Nächste Woche fieber ich auf die Pyjama-Party meiner Freundin hin. Solche kleinen Ziele haben mir geholfen, nicht den Kopf hängen zu lassen, auch wenn das manchmal echt schwer war. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der Trennungsprozess von meiner Familie so aus der Bahn wirft und so weh tut. Jetzt habe ich aber das Gröbste überstanden und merke, wie es von Tag zu Tag besser wird, wie ich von Tag zu Tag glücklicher werde und wie ich von Tag zu Tag Sprünge in meinem Französisch vermerken kann.

Ich habe in meinem ersten Monat schon viel erlebt und viel durchgemacht, Gutes wie Schlechtes, aber ich bin stolz, alles gemeistert zu haben und freue mich auf die kommende Zeit.

Bis zum nächsten Mal,

eure Friederike


2 Kommentare

Bea Wallenfang · 19. Oktober 2016 um 09:00

Liebe Friederike,

wie schön, dass Du Dein Heimweh langsam überwindest und die Zeit in Frankreich mit Deiner Gastfamilie und Deinen neuen Freunden genießen kannst. Alles Gute weiterhin!

Lisa · 19. Oktober 2016 um 11:10

Die Mittagspausen hören sich ja toll an!! 🙂

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