Hallo alle zusammen,

heute möchte ich mich intensiver mit der aktuellen Corona-Pandemie auseinandersetzen und euch darüberhinaus erzählen wie es mir mit der Lage geht, und wie es ist während einer Pandemie ein Auslandsjahr zu machen.

 

Einschränkungen durch Corona?

Corona hat viele Dinge auf der Welt verändert. Den Alltag vieler Menschen, wie sie arbeiten, wie Kinder zur Schule gehen und vieles mehr. Auch für mich hat sich so einiges geändert.

Mein Auslandsjahr war und ist in vielerlei Hinsicht „eingeschränkt“, oder vielleicht auch einfach „anders“. Alles begann mit dem ersten Lockdown und den immer weiter steigenden Zahlen, weltweit. Lange stand nicht genau fest ob ich mein Auslandsjahr überhaupt, wie geplant, antreten kann. Alles war fix und fertig, quasi in Sack und Tüten und ich stand schon auf heißen Kohlen, zum Startschuss bereit. Alles was bis Dato (Zeitraum: März-Juli 2020) gefehlt hat um los zufliegen war ein Placement, also meine Gastfamilie.

Glücklicherweise bekam ich dann im Juli 2020 meine Gastfamilie und konnte doch, wie geplant, am 29. August 2020 meine Reise nach Irland antreten, da sich die Lage beruhigt hatte.

Meine erste große Einschränkung während des Auslandsjahres war wohl die Quarantäne direkt zu beginn. Alles andere als das was man sich vorstellt, wenn man so ein großes Abenteuer antritt. Eigentlich möchte man direkt alles und so viel wie möglich erkunden, in die Schule gehen, Menschen kennenlernen etc…

All das war nicht möglich, denn ich musste 2 Wochen lang bei meiner Gastfamilie zuhause in häuslicher Quarantäne verbringen. Aber anders heißt ja nicht automatisch schlechter! Ganz im Gegenteil, es war super. In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit meine Gastfamilie direkt gut und wohlmöglich intensiver kennenzulernen.

Niemand von uns Austauschschülern hat den Vergleich ob das eine oder das andere „besser“ ist. Natürlich stellt man sich viele Sachen anders vor, aber das ist ja generell so. Es ist und bleibt eben ein Abenteuer in dem man neue Sachen kennenlernen wird, auf die man sich einlassen muss und die hinterher vermutlich auch viel schöner sind als man es erwartet hat.

Deshalb kann ich die Frage „Hat Corona dich bzw. dein Auslandsjahr eingeschränkt“ gar nicht richtig beantworten. Denn eigentlich weiß ich ja nicht wie es bei mir anders gewesen wäre, wenn wir uns nicht in einer weltweiten Pandemie befinden würden.

Aber ja natürlich, auch hier in Irland gab es für alle Menschen Corona-Maßnahmen und Einschränkungen. Seit Anfang an (meines Auslandsjahrs) mussten wir hier in geschlossenen Gebäuden Masken tragen und uns an einen Mindestabstand von 1,5 Metern halten. Auch in der Schule mussten wir Maske tragen. Außerdem bekamen alle Schüler einen Einzeltisch, der nach jeder Unterrichtsstunde eigenständig desinfiziert und gereinigt werden musste. Auf dem Pausenhof durften wir unsere Masken abnehmen, mussten uns aber trotzdem an den Mindestabstand halten.

Die Einschränkungen waren rückblickend in den ersten 4 Monaten nicht „sonderlich groß“. Natürlich hätte man mehr machen können wäre Corona nicht gewesen, aber immerhin waren zeitweise noch alle Geschäfte und vor allem die Schulen geöffnet. So konnte ich nämlich auch einen irischen Barbar-Shop im Oktober besuchen. Juhu.

Jetzt, fast pünktlich zur Halbzeit meines Auslandsjahres wurden leider alle Schulen geschlossen. Irland befindet sich wieder in einem und jetzt noch stärkeren Lockdown. Seit den Weihnachtsferien gehe ich nicht mehr zur Schule, also Vorort. Nach den Ferien, seit der zweiten Januar-Woche, habe ich Online-Unterricht.

Das war erst mal wieder eine große Umstellung und mein ganzer Tagesablauf hat sich von heute auf morgen wieder geändert.

Insgesamt ist der Online-Unterricht gut, alles funktioniert reibungslos aber ich bin quasi abgeschottet von der Außenwelt. Ich kann mich nicht mit meinen irischen Freunden treffen, nicht mit dem Fahrrad nach Moville fahren um schöne neue Shops und Restaurants zu entdecken, geschweige denn andere wunderschöne Orte in Irland erkunden. Leider.

Außerdem ist Greencastle, mein aktuelles Zuhause, wirklich mitten im Nirgendwo. Also ist für mich nach der Schule jeden Tag „tote Hose“.

Nichts los, nichts neues, nichts zu gucken.

Zum Glück verstehe ich mich so gut mit meiner Gastmutter, meinem Gastvater und meiner Gastschwester dass ich mich hier im Haus sehr wohl fühle.

Trotzdem führte dieses „ich kann nichts tun, nirgendwo hin etc.“ oft zu Langeweile. Denn hier in der Nähe ist wirklich absolut gar nichts wo man hin gehen könnte. Und selbst wenn, wäre es ja eh geschlossen.

Naja, jetzt nach einiger Zeit im Lockdown habe ich mich daran gewöhnt und freue mich auch viel mehr über die kleinen Dinge, wenn ich denn dann mal was zutun habe oder machen kann. 🙂

Aber ich habe mich auch „neu erfunden“, also quasi das was jeder während seines Auslandsjahrs durchläuft. Zum Beispiel lese ich in meiner Freizeit wieder mehr. Habe mir ein Zeichen-Pad gekauft und probiere mich an digitalen Grafiken aus. Denke mir mit meiner Gastschwester ab und zu neue Gerichte zum kochen oder backen aus.

Zusammenfassend kann ich zu dieser Frage nur nochmal sagen:

Ich weiß nicht wie es anders gewesen wäre. Ja, ich habe es mir anders vorgestellt. Aber ist das nicht immer so? Insgesamt bin ich froh hier zu sein und versuche die Zeit zu genießen so wie sie ist.

Die erste Hälfte ging jetzt so schnell vorbei, also muss es ja gut gewesen sein. Und das war es auch. Jetzt bin ich gespannt wie es weiter geht. 🙂

 

Gibt es Hoffnungen auf „Besserung“ für die verbleibende Zeit im Ausland?

Das weiß leider keiner. Weder ich, noch Mama und Papa, Oma und Opa, die Organisation und auch nicht das Land Irland selbst.

Ich hoffe wirklich sehr, dass die Regeln wieder gelockert werden können bevor ich zurück nach Deutschland fliege am 29. Mai 2021. Insbesondere hoffe ich, dass die Schulen nochmal geöffnet werden und ich vielleicht noch einmal einen normalen irischen Schultag erleben kann und / oder dass ich zumindest nochmal die Unterrichtsstunden in der Schule, gemeinsam mit meiner irländischen Klasse und Freunden, verbringen kann.

Außerdem wäre es schön, wenn die Stadtgrenzen zu anderen Orten hier in Irland wieder geöffnet werden, sodass ich Irland nochmal „richtig kennenlernen“ kann. Sehr gerne würde ich Städte wie Galway, Dublin oder Letterkenny zum ersten mal besuchen. Oder noch einmal nach Buncrana fahren, dort hat es mir so gut gefallen.

Da ich ja hier direkt an der Grenze zu Nordirland wohne (mit der Fähre einmal übers Wasser) wäre es cool auch dort mal hinzufahren. Mein Gastvater ist nämlich Marine Pilot und fährt Schiffe von unserer Seite auf die andere Seite des Nordatlantiks nach Magilligan, Nordirland.

Ansonsten hoffe ich natürlich, dass ich am 29. Mai überhaupt nach Deutschland zurückfliegen darf und natürlich auch, dass ich mein Auslandsjahr nicht vorzeitig abbrechen muss.

Aber alles in allem habe ich ein sehr schönes Auslandsjahr. Mir gefällt es wirklich gut und ich hoffe die tolle Zeit hier geht genau so (oder noch besser) weiter. 🙂

Unerwartete positive Auswirkungen durch Corona?

Dadurch dass ich nicht zur Schule gehen kann (Vorort), habe ich viel Freizeit, die ich mit meiner Gastfamilie verbringen kann. Oder auch damit, die nähere Umgebung (Landschaft) weiter kennenzulernen. Das heißt, dass ich jetzt mehr spazieren gehe und auch ab und zu mal joggen gehe.

  

Weil ich so viel intensive Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen konnte haben wir ein wirklich gutes Verhältnis zueinander. Was wirklich schön ist. 🙂

 

Würde ich etwas ändern?

Nein!

Ein ganz klares: NEIN

Denn wie gesagt, ich weiß nicht wie es hätte anders sein können und wie dass dann gewesen wäre.

Hätte ich mein Auslandsjahr um ein Jahr nach hinten verschoben, dann hätte ich sehr wahrscheinlich eine andere Gastfamilie bekommen. Und wer weiß ob die andere Gastfamilie so toll gewesen wäre wie meine es ist? Ich kann mir nämlich keine bessere Gastfamilie vorstellen. 🙂

Und die „Unterkunft“ ist mit das wichtigste. Wenn man sich in seinem neuen Zuhause nicht wohl fühlt, dann kann man auch alle anderen Dinge drum herum nicht so sehr genießen. 

Ich bin sehr sehr froh hier zu sein und möchte diese tolle Erfahrung auch nicht eintauschen. Es ist alles so passiert wie es passieren sollte. Ich bin zufrieden mit meinem Auslandsjahr und freue mich jeden Tag, dass ich es getan habe und hier bin.

Ich habe viele tolle neue Menschen kennengelernt, wohne aktuell an einen wunderschönen, wenn auch sehr ländlichen, Ort mit Meerblick und lerne ganz nebenbei Englisch. Ich trinke mehr Wasser, gehe zum ersten mal in meinem Leben regelmäßig joggen und bin in vielerlei Hinsicht über mich selbst hinausgewachsen. 

This is me, this is real – this is exactly where I am suppose to be“

Aber was ist denn überhaupt so ein Auslandsjahr?
Das Jahr deines Lebens.
Ein Abenteuer.
Eine Herausforderung.
Eine Möglichkeit.
Ein Fluchtweg.

Denn wie heißt es so schön? Es gibt keinen Regenbogen ohne ein bisschen Regen.


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