Sendung vom 09.10.2015

Herzlich willkommen meine Damen und Herren zu unserer allseits bekannten und beliebten Talkshow „Ich weiß was, was du nicht weißt“. Die Sonne strahlt vom Himmel, kein einziges Wölkchen zu sehen, was gibt es an einem solchen wunderschönen Tag besseres zu tun, als sich unsere neuste Sendung anzusehen?! Heute wird es sogar besonders spannend, weil wir uns mit dem Thema Schule auf der ganzen Welt beschäftigen werden. Was passiert, wenn wir über unseren Tellerrand hinwegschauen und es sogar wagen, all das, was uns wichtig ist, hinter uns zu lassen, um uns aufzumachen, die Schule in einem anderen Land mit anderer Kultur kennenzulernen und versuchen zu verstehen? Um Ihnen diese Frage möglichst vollständig und anschaulich zu beantworten, haben wir uns für Sie, liebe Zuschauer, auf die Suche nach interessanten Persönlichkeiten begeben.

Die Reise führt uns nach Frankreich, genauer gesagt in den Westen Frankreichs, in das Departement Poitou-Charentes. Denn dort finden unseren ersten Gast des heutigen Abends, die abenteuerlustige junge Frau Norina, die mutig die Herausforderung angenommen hat, für ganze zehn Monate in einer Gastfamilie in Frankreich zu leben und dort auch die Schule zu besuchen. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wieso wir unbedingt Frankreich als Vergleich zu Deutschland ausgewählt haben, es scheint dort doch eigentlich ganz ähnlich abzugehen wie hier. Doch lassen Sie sich überraschen uns begrüßen Sie mit mir in unserem wunderbaren Studio: NORINA WELTEKE!!!!!!!!!!!!!!!!

(ein Tusch wird gespielt und Norina erscheint in dem Studio unter großem Applaus)

Hallo Norina, willkommen in unserer unglaublich spannenden Talkshow!! Schön, dass du kommen konntest!

Guten Abend!! Danke für die Einladung!

Ich hoffe, du hattest eine angenehme Reise in unserem super komfortablen Super Jet!

Auf jeden Fall!

Wie lange bist du jetzt schon in Frankreich?

Seit genau sechs Wochen.

Bist du zufrieden mit deiner Unterbringung in der Gastfamilie und Schule?

Ja, in der Gastfamilie fühle ich mich mittlerweile sehr wohl! Ich der Schule wird es auch noch so weit kommen, da bin ich sicher!

Das hört sich so an, als ob du dich gut eingelebt hast und es nicht bereust, nach Frankreich gegangen zu sein!?

Ich bereue es nur, wenn ich Heimweh habe und mich dann an die große Distanz zwischen meiner Familie und mir erinnere. Aber die positiven Erfahrungen und all das, was ich hier über die französische Kultur, über mich und meinen Gott lerne überwiegen im Großen und Ganzen.

Das ist doch schön! In welche Klasse gehst du denn dort drüben?

In die Première. Das entspricht der elften Klasse hier in Deutschland. Die Schulform nennt sich Lycée, die Oberstufe. Bis jetzt bin ich die Literatur-Klasse gegangen, aber ab nächste Woche wechsle ich in den Naturwissenschaftszweig.

Schüleraustausch, Auslandserfahrung, Schule, ODI, Stipendium, Open Door International e.V., FrankreichMein Stundenplan

Was bedeuten denn „Literatur-Klasse“ und „Naturwissenschaftszweig“?

In Frankreich wird auch in der Oberstufe das Klassensystem beibehalten, im Gegensatz zu hier in Deutschland mit dem Kurssystem, bei dem man direkt die Fächer wählt. In Frankreich gibt es drei Unterrichtszweige mit entsprechenden Schwerpunkten, zwischen denen gewählt wird; der Literaturzweig L mit Schwerpunkt Französisch und Sprache, die Klasse der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ES und Naturwissenschaftsklasse S.

Und wieso wechselst du die Klasse?

Literatur ist nun mal nicht so wirklich das Thema, das sich in meinem Interessengebiet befindet… Ich habe am Anfang echt versucht, Freude und Spaß in diesem Unterricht zu finden, bin aber leider daran gescheitert. Und die Naturwissenschaften, besonders die Mathematik, interessieren mich total! Also bin ich mit meiner Gastschwester zu dem Schuldirektor gegangen und habe gefragt, ob es möglich wäre, die Klasse zu wechseln. Und so werde ich ab dem 12. Oktober in die S-Klasse gehen. Ich bin schon sehr gespannt!!

Dann wünschen wir dir natürlich ganz viel Glück in dieser neuen Klasse! –  Erzähl doch mal, wie ein ganz normaler Schultag bei dir in Frankreich aussieht!

Nehmen wir als Beispieltag Montag. Mein Wecker klingelt um sechs Uhr und ich stehe dann ungefähr eine Viertelstunde später auf. Bis 07:45 Uhr habe ich geduscht, gebetet, in der Bibel gelesen, gefrühstückt und meine Schulsachen gepackt. Wie werden von den Eltern zur Schule gefahren, also wir sind meine beiden Gastschwestern und ich, wo wir um 08:15 Uhr ankommen. Um 08:25 Uhr klingelt es das erste Mal und die erste Stunde beginnt. Für mich heißt das Naturwissenschaften, auf Französisch Sciences. 09:20 beginnt die zweite Stunde ohne dass zwischen den beiden Stunden eine Pause ist. Ich habe also bis 10:15 Uhr Deutschunterricht. Dann gibt es eine Viertelstunde Pause und von 10:30 Uhr bis 11:25 habe ich Geschichts- und Erdkundeunterricht. Die beiden Fächer werden abwechselnd unterrichtet. Bis zur Mittagspause, die um 12:20 Uhr anfängt, habe ich Mathe. Danach habe ich 45 Minuten Zeit zum Essen, denn ab 13:05 habe ich zwei Stunden Französisch, das heißt bis 14:45 Uhr. Anschließend bis 15:40 Englisch, wonach wieder 15 Minuten Pause ist. Die letzte Stunde am Montag ist für mich Englisch und sie geht bis 16:50 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hat die gesamte Schule Schulschluss. Die Zeiten sind jeden Tag gleich. Wenn man eine Freistunde hat, geht man in die sogenannte „Permanence“. Das heißt still arbeiten und seine Hausaufgaben machen, aber man darf nicht einfach ohne Autorisation gehen und auch keine Musik mit Kopfhörern hören. Hast du also nichts zu arbeiten, musst du dich langweilen, oder du hast daran gedacht, dir ein Buch mitzunehmen.

Schüleraustausch, Auslandserfahrung, Schule, ODI, Stipendium, Open Door International e.V., FrankreichIch in der Permanence 😉    

Und was machst du in den Pausen, wenn du nicht isst?

Man hat das Recht, sein Handy zu benutzen und man darf auch Musik hören. Ich treffe mich in den Pausen immer mit meinen Freunden und wir unterhalten uns eigentlich immer. In den Pausen gibt es nicht sehr viel zu tun.

Noch eine letzte Frage: Was hast du gedacht, als du am ersten Tag die Schule betreten hast?

Der erste Schultag war für mich sehr herausfordernd! Ich bin nicht wirklich auf dieses Schulsystem vorbereitet gewesen. Die Räume hatten merkwürdige Namen und ich habe noch nicht so gut Französisch verstanden und habe mich noch nicht sehr sicher gefühlt. Also bin ich einfach den anderen Leuten aus meiner Klasse gefolgt. Meine ersten Gedanken beim Betreten kann ich nicht mehr genau wiedergeben. Aber das Gelände sah sehr fremd und die Menschen darauf noch fremder aus. Meine ersten Erfahrungen, die ich in der Schule gesammelt habe, waren auch nicht sehr schön… Es war kälter als erwartet, ich habe nichts verstanden, mich aber trotzdem unter Druck gesetzt gefühlt und ich kannte niemanden, an den ich mich wenden konnte. Aber seitdem hat sich viel geändert, das Leben in der Schule ist zum Alltag geworden, aber ich kann immer noch nicht sagen, dass mir die Schule Spaß macht und ich mich auf montags freue. Hoffentlich ändert sich das, wenn ich in der anderen Klasse bin! Jetzt freue ich mich erst mal auf die Ferien, die in einer Woche beginnen!

Vielen Dank, Norina, dass du dir Zeit für uns genommen hast, um uns in unserem kleinen aber feinen Studio zu besuchen. Es war außerordentlich interessant, von deinen Schul-Erfahrungen in Frankreich zu hören! Wir wünschen dir weiterhin alles Gute und viel Glück für die verbleibenden achteinhalb Monate deines Auslandsjahres! Vielen Dank, dass du gekommen bist, auf Wiedersehen!

Auf Wiedersehen!

(Norina verlässt winkend das Studio)

Nun zu unserem nächsten Besucher: Er heißt Jean-Claude, ist in Frankreich aufgewachsen und unterrichtet seit fünf Jahren an einem deutschen Gymnasium…

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Meine Schülerkarte und Prio-Karte, die besagt, dass ich an diesen Tagen mit als erste essen darf


1 Kommentar

Lara · 4. November 2015 um 14:17

Deine kreativen und ausgefallenen Berichte gefallen mir sooo gut! Vielen Dank für die lustigen Einblicke in Deinen französischen Alltag 🙂

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