Am Wochenende einen Blogeintrag über Schule zu schreiben, wenn der Gastvater gerade los ist, um fish and chips zu holen, ist ja eigentlich eine Zumutung aber was soll´s:

Meine neue Schule, eine typische irish secondary school für Jungen und Mädchen (hier in Irland eher ungewöhnlich), befindet sich in der Stadt, ich lebe auf dem Land. Das Resultat ist eine 30 bis 40 min mit Radiomusik begleitete Fahrt mit Schulbus über Irlands grüne Hügel…

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Die Bushaltestelle

Wie war der erste Schultag?

Am ersten Schultag hat uns, heißt meine Gastschwester und mich, allerdings meine Gastmutter gefahren. Ich war verständlicher Weise ziemlich aufgeregt und gedanklich ganz damit beschäft, mir ein paar gut klingende Sätze zurecht zu legen, die ich sagen könnte, wenn ich mich in meiner neuen Klasse meinen irischen Mitschülern vorstellen müsste. Die Tatsache, dass ich dann allerdings in eine reine Austauschschüler-Klasse gekommen bin, hat den Aufwand ein wenig überflüssig gemacht. Ich hatte schon damit gerechnet, nicht die einzige Austauschschülerin zu sein, aber eine von 50… das hat mich dann doch ein bisschen überrascht.

Eine Austauschüler-Klasse, das klingt natürlich erst einmal nicht so prickelnd, weil ich ja eigentlich nach Irland gekommen bin, um den irischen Alltag, auch in der Schule, kennen zu lernen und nicht in einer Sonder-Klasse für Austauschschüler zu sitzen. Aber:

Erstens sind die anderen Austauschschüler alle ziemlich freundlich und ich habe schon sehr nette Leute aus der Schweiz und aus Finnland kennengelernt, ganz im Sinne eines kulturellen Austausches.

Zweitens sind wir nicht in allen Fächern nur Austauschschüler.

Drittens werde ich ohnehin vom 5th year ins transition year wechseln und dort in eine Klasse mit irischen Mitschülern kommen.

Wie sieht ein gewöhnlicher Schulalltag aus?

Inzwischen ist für mich tatsächlich auch schon so etwas wie ein normaler Schulalltag eingekehrt. Aufstehen 6:30, Schuluniform anziehen, mit dem Bus zur Schule, 9 Uhr Registration, zwei Einheiten Unterricht, Pause, vier Einheiten Unterricht, Lunch break, drei Einheiten Unterricht, 15:50 Schule-Aus, Busfahrt, Zuhause um etwa 17:00, (17:00! – Ich werde mich in Deutschland nie wieder über einen zu langen Schulalltag beschweren!). Hausaufgaben und Lernen darf man natürlich auch nicht vergessen, ein ziemlich zeit-fressender Faktor, den man besser nicht unterschätzen sollte.

Was ist mit den Schulfächern?

Was meine Schulfächer betrifft; in meinem ersten Blogeintrag hatte ich mich ja darüber beklagt, dass ich nicht die Fächer bekommen habe, die ich gerne gehabt hätte. Vor allem die Tatsache, dass ich anstelle von Physik Musik nehmen musste, hat mich damals ziemlich geärgert – Musik ist jetzt mein absolutes Lieblingsfach und Irish traditional music hat hiermit offiziell ein neues Fanmitglied. (Ich habe sogar mit irish dancing angefangen.) Neben Musik habe ich natürlich auch noch eine ganze Reihe andere Fächer: Mathe, Englisch, Sport und Religion als Pflichtfächer, Geschichte, Accounting und DCG als eigene Wahlfächer. Gerade in Accounting (Rechnungswesen) und DCG (Zeichnen) habe ich mir am Anfang ziemlich schwer getan, aber jetzt da ich die Basics kennengelernt (und endlich verstanden habe), kann ich mich nun den wesentlich spannenderen Details zuwenden.

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Mein Stundenplan

Ist Schule überall auf der Welt gleich?

Gute und schlechte Tage, gute und schlechte Lehrer, Vorfreude auf Ferien, diese Dinge gibt es vermutlich in jeder Schule, Schuluniform, Gealic football im Sportunterricht und irish singing lessons eher nicht.

Was mir auch aufgefallen ist, ist das unterschiedliche Lehrer-Schülerverhältnis. Während in Deutschland der Lehrer in manchen Fällen der natürliche Feind des Schülers zu sein scheint, ist das Verhältnis hier in Irland eher persönlich und oft sehr freundschaftlich. Auf der anderen Seite ist der Lehrer hier auch eine unbestrittene Respektsperson.

Regeln sind hier in Irland sehr strikt und Disziplin werden hier (von den Lehrern mehr als von den Schülern) sehr hoch geschätzt. Das kann auf Neuzugänge wie mich schon mal etwas befremdlich wirken; z.B. ist es hier auch bei starken Halsschmerzen verboten, einen Schal zu tragen, da dieser die Krawatte verdecken würde.

Aber auch wenn wir viele Austauschschüler sind und Regeln hier sehr ernst genommen werden, ich mag meine Schule. Ich mag meine Fächer, meine Lehrer, meine Mitschüler und ich bin froh an dieser Schule gestrandet zu sein … jetzt hoffe ich nur, ich bekomme auch in Irlands kalten Herbsttagen keine Halsschmerzen ( ; !

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Blick aus der Cafeteria


2 Kommentare

Inga · 4. November 2015 um 14:14

Das hört sich nach einem wirklich spannenden und schönen Schulalltag an : ) Finde es aber echt ganz schön krass, dass man keinen Schal tragen darf!!! Drücke die Daumen, dass gesund und munter bleibst und keinen brauchen wirst ; )

Frerich · 11. November 2015 um 17:46

Hallo Anne
Es hat uns sehr gefreut, deinen lebendigen Bericht zu lesen. Wir sind schon neugierig auf den Nächsten! Danke auch für alle Bilder aus Schottland. Schön, dass Du die Gelegenheit genutzt hast. Der Südwesten von Irland ist vermutlich noch schöner, wenn das Wetter stimmt.
In 2 Wochen werden nach Berlin fahren, um Lissy und Ansgar zu besuchen. Sie haben uns zu einer Filmpremiere eingeladen „Hello, I’m David“. Google mal!

Liebe Grüsse
Alfons und Christel

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