Nach wie vor vergeht die Zeit hier auf der Insel ziemlich schnell, da machte auch der Dezember keine Ausnahme. Tag für Tag rückte der Heimflug näher, und allmählich musste ich mich beeilen, wollte ich eines meiner großen Madeira-Vorhaben noch im Jahr 2022 erreichen…

Die Himmelstreppe

So spektakulär und vielfältig die Wanderrouten auch waren, auf denen ich seit meiner Ankunft auf Madeira bereits entlanggeschritten bin: Die im Allgemeinen als die atemberaubendste aller Strecken beschriebene Pico to Pico-Tour hatte ich bis dato noch nicht mitgemacht. Besagte Wanderung, bei der man auf Treppen und durch Tunnel vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo, vom dritthöchsten zum höchsten Gipfel der Insel oder andersherum gelangt, gilt mit seinen fantastischen Aussichten, die sich aus über 1800 Höhenmetern bieten, als Highlight für jeden Outdoor-Liebhaber. Nachdem wir die Wanderung bereits mehrmals geplant und dann doch wieder verschoben hatten, wagten wir sie diesmal am letzten Wochenende vor Weihnachten dann doch. Und wie erhofft stellte die „Himmelstreppe“, wie Teile der Strecke ebenfalls genannt werden, tatsächlich noch einmal alles bisher auf der Insel Gesehene in den Schatten. Wir waren mit sieben Leuten unterwegs, konnten daher zwei Autos mieten und uns aufteilen. Eine Gruppe fuhr zum einen, die andere zum anderen Gipfel. Auf halbem Weg traf man sich und tauschte die Autoschlüssel, sodass schließlich jeder eine volle Strecke zurücklegte. Auf dem Gipfel des Pico Ruivo bot sich dabei der vielleicht schönste Blick, den ich mit meinen eigenen Augen bislang eingefangen habe: Drehte man sich nach Süden, sah man auf eine im Nebel versinkende Felsenlandschaft mit einem eindrucksvollen Wolkenpanorama im Hintergrund hinunter. Schaute man hingegen auf die Nordseite, war die Sicht klar und es bot sich ein nicht minder atemberaubender Blick über bewaldete Berghänge und den weiten Atlantischen Ozean. Womöglich der Moment meiner Madeira-Zeit.

das ist er, der höchste Punkt Madeiras
steiler Anstieg
Blick zum Pico do Arieiro
am Fuße des Pico Ruivo
Panoramablick
Panoramablick
noch ein Panoramablick

Alltag als Tourguide

Was meinen Job anbelangt, so muss ich zugeben, dass er vielleicht nicht unbedingt zu den Allervielseitigsten gehört. Seit ich die Fakten gelernt und meine Prüfungen absolviert habe, ähneln sich die Arbeitstage, zumindest auf dem Papier. Start- und Endpunkt ist das mir inzwischen wohlvertraute Jesuitencollege, dazwischen liegen zwei Stunden Führung mit immer denselben Stationen, Fakten und Anekdoten. Bisher allerdings bin ich dieser Arbeit noch nicht müde geworden, was natürlich auch und vor allem an den Leuten selbst liegt, mit denen ich die Touren beschreite. Verschiedenste Nationalitäten, verschiedenste Altersgruppen, verschiedenste Lebenswege sind mir bereits begegnet, und es ist einfach immer wieder hörenswert, was diese Menschen, mit denen man unter gewöhnlichen Umständen wohl nie ins Gespräch gekommen wäre, so alles aus ihrem Dasein zu erzählen haben. Die kleine, geografisch eigentlich ziemlich entlegene Insel Madeira bringt Menschen und Kulturen immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise zusammen.

Abschiedsfoto mit den Touristen

Einmal nach Hause und wieder zurück

Am 22. Dezember stand dann nach vier Monaten Portugal die vorübergehende Heimreise an, über Weihnachten und Silvester ging es für zwei Wochen zurück nach Deutschland. Der Hinflug hätte etwas besser laufen können, kam ich doch letzten Endes mit gut zehnstündiger Verspätung in Hamburg an. Ich war aber – und das ist das Wichtigste – wohlbehalten und konnte so die Zeit, die ich zu Hause hatte, in vollen Zügen genießen. An die kalten Temperaturen musste ich mich zwar erst einmal gewöhnen, ebenso daran, dass plötzlich wieder überall um mich herum Deutsch gesprochen wurde. Doch ansonsten war eigentlich alles wie immer, ich verbrachte Zeit mit Familie und Freunden, besuchte Orte meiner Kindheit, tauschte vorübergehend den Atlantik gegen die Ostsee und die Berge gegen das Norddeutsche Tiefland.

Norddeutschland, 23. Dezember
Norddeutschland, 01. Januar
Norddeutschland, 30. Dezember

Rasend schnell waren die zwei Wochen dann auch schon wieder um, und am fünften Tag des neuen Jahres ging es – diesmal zum Glück ohne größere Komplikationen – zurück auf die Insel. Hatte ich während meiner Zeit in Deutschland schon fast das Gefühl gehabt, das ganze Madeira-Abenteuer nur geträumt zu haben, so war nun schnell wieder alles bildhaft vor mir. Mein Tourguide-Comeback folgte sogleich, und bereits das erste Wochenende wurde genutzt, um das mystische Tal der Nonnen zu durchwandern und den lang ersehnten ersten Marítimo-Heimsieg – ausgerechnet gegen den großen Fußballclub Sporting aus Lissabon – live im Stadion mitzuerleben. Das Projekt geht in also seinen zweiten Teil – und ich freue mich drauf.

Funchal, vom Stadion aus betrachtet
das sehenswerte Tal der Nonnen
irgendwo bei Camacha

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