Schüleraustausch Stipendien-Blog

Erfahrungen unserer
Stipendiat*innen

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Um ehrlich zu sein, habe ich mir wenig vorgestellt und es einfach passieren lassen, war offen und habe es genossen. Denn es ist eine einmalige Chance, in einer amerikanischen Familie zu leben und so nah dran zu sein.
 
 

Große Dankbarkeit

Worte können nicht beschreiben, wie dankbar ich für diesen Auslandsaufenthalt bin. Ich wurde gefragt, ob ich mir dieses halbe Jahr so vorgestellt habe. Um ehrlich zu sein, habe ich mir wenig vorgestellt und es einfach passieren lassen, war offen und habe es genossen. Denn es ist eine einmalige Chance, in einer amerikanischen Familie zu leben und so nah dran zu sein.

Disney

Meine Gastfamilie hat sich netterweise entschieden, New Year’s Eve (Silvester) mit mir in Disney World zu feiern. Sie wollten das schon immer mal machen und mir auch gerne noch Disney zeigen, bevor der Auslandsaufenthalt vorbei ist.

Disney ist wirklich ein magischer Ort: unterschiedliche Parks, alle Figuren aus verschiedenen Filmen und interaktive, spannende Attraktionen – von Mickey Mouse über Toy Story bis zu Star Wars. Wegen Silvester gab es viele Bühnen mit DJs und Feuerwerk.

In einem Park, in dem alle Länder dargestellt waren, gab es auch ein Deutschland. Das war lustig: Zwischen Biergarten und Karamelläden habe ich mit einer netten Angestellten Deutsch gesprochen, denn Disney hat Programme, bei denen Studenten ein Semester lang dort arbeiten können. Die Studenten werden dann basierend auf ihrer Nationalität den jeweiligen Ländern zugeteilt.

Das war wirklich ein tolles Erlebnis. Meine Local Coordinatorin hatte auch gesagt, dass sie diejenigen mit einem zehnmonatigen Aufenthalt ebenfalls nach Disney bringen wird. Auf dem Rückweg sind wir mit dem Auto an der Küste entlang gefahren. Im Januar waren dort Menschen schwimmen und Stand-up-paddeln, und wir haben sogar einen Delfin weit draußen am Horizont gesehen. Irgendwo dort draußen am Horizont ist auch Zuhause.

Worte können nicht beschreiben, wie dankbar ich für diesen Auslandsaufenthalt bin. Ich wurde gefragt, ob ich mir dieses halbe Jahr so vorgestellt habe. Um ehrlich zu sein, habe ich mir wenig vorgestellt und es einfach passieren lassen, war offen und habe es genossen. Denn es ist eine einmalige Chance, in einer amerikanischen Familie zu leben und so nah dran zu sein.

Weihnachten in Philadelphia

Nach Washington sind wir über Weihnachten nach Philadelphia zur Familie meiner Gastfamilie gefahren. Dort haben sie mir die Stadt gezeigt. Wir waren in der Independence Hall und beim Lincoln Financial Field, dem Stadion der Philadelphia Eagles. Die Eagles sind das American-Football-Team von Philadelphia. Da meine Gastfamilie große Eagles-Fans sind und mir Football gezeigt und erklärt haben, bin ich jetzt auch einer – irgendwie lustig.

An Heiligabend waren wir etwas außerhalb von Philadelphia bei Freunden eingeladen. Dort habe ich eine neue Weihnachtstradition kennengelernt: 12 Days of Christmas. Jeder bekommt einen Zettel mit einer Zeile, und dann singt man das Lied chronologisch. Das war richtig lustig, mit allen zusammen zu singen.

Am Abend sind wir dann zurück nach Hause gefahren. Es war nicht so, wie ich Heiligabend kenne, aber auch sehr cool. In Amerika ist der Weihnachtsmorgen etwas ganz Besonderes: In der Nacht war Santa Claus da, und morgens liegen die Geschenke unter dem Baum.

Die letzte Schulwoche vor den Ferien

In der letzten Woche vor den Ferien sind alle aufgeregt, und außerdem ist Spirit Week. Das heißt, es gibt jeden Tag ein Motto. Am letzten Freitag vor den Ferien war das Motto „Night before Christmas“, das heißt, jeder zieht einen Pyjama an. Ich fand, das hat die Einstellung der Schüler gut getroffen.

Dann war es so weit: Ich und meine Gastfamilie hatten am Abend vorher schon gepackt und sind losgefahren. Erster Halt: Washington, D.C. Die Stadt war festlich dekoriert. Wir haben viel gesehen – das Weiße Haus, Regierungsgebäude und viele historische Monumente, zum Beispiel das Washington Monument, das Lincoln Memorial oder das Martin Luther King Memorial.

Wir waren in vier Museen: im National Air and Space Museum, im National History Museum und im Nationalarchiv, wo die Declaration of Independence und die Constitution und die Bill of Rights liegen. Als Austauschschüler ist es echt interessant, die US-amerikanische Geschichte, die man vor Kurzem in der Schule gelernt hat, dann in Museen zu sehen. Besonders, weil ich dieses Semester U.S. Government hatte, war es unglaublich cool, Washington, das Weiße Haus und die Constitution in echt zu sehen.

Das waren zwei sehr spannende Tage mit viel Laufen und viel neuem Wissen. Das kann ich jedem Austauschschüler raten: Interessiert euch für diesen Teil des Auslandsaufenthaltes (Geschichte und Demokratie). Das ist eine einmalige Chance, das alles vor Ort und genau erklärt zu bekommen. Nehmt dieses Wissen mit!

Vorweihnachtszeit in den USA

In der ganzen Stadt, in den Läden und in der Schule wird es weihnachtlicher. Das Wetter wird kälter und die Dekoration festlicher. Man fängt an, das Haus zu dekorieren. In Amerika ist das ein riesen Ding. Es wirkt schon fast so, als ob sich Nachbarn überbieten wollen: Wer hat mehr Lichter am Haus? Wer mehr Figuren im Vorgarten?

Wir haben uns dieses Jahr für aufblasbare Figuren entschieden, wie einen Schneemann und ein Segelboot mit Santa und Pinguinen darauf. Die Lichter haben wir an einem Mittag auf dem Dach angebracht.

An einem anderen Abend sind wir einen Weihnachtsbaum kaufen gegangen. Unter einem kleinen, urigen Zelt, in dem Weihnachtsmusik gespielt wurde, haben zwei Typen neben ganz vielen Weihnachtsbäumen in jeder Form und Größe auch Punsch und Kakao angeboten. Wir haben uns dann für einen 9-ft-Weihnachtsbaum entschieden. Auf das Dach geschnallt und mit Schnüren befestigt ging es dann zurück. Zu Hause haben wir ihn alle zusammen geschmückt. Es ist echt interessant zu sehen, was andere Familien für Christbaumschmuck haben.

Thanksgiving

Seit ich hier bin, haben mir Leute immer wieder gesagt, dass es bekannt ist, am Thanksgiving-Morgen im Fernsehen die Macy’s Thanksgiving Parade zu schauen. Auch in der Kirche – während ich in der Küche mit einem Freund Mac’n’Cheese umgerührt und Truthähne aufgeschnitten habe – wurde mir gesagt, dass viele Leute das kennen.

Das war ein lustiger Nachmittag in der Youth Group. Ein großes Thanksgiving-Dinner mit allen aus der Gemeinde.

Am 25. November war es dann so weit: Wir flogen nach New York. Als wir im Hotel angekommen sind, ist uns aufgefallen, wie klein die Zimmer in New York sind – wie kleine Schuhkartons. Nach einem Ankunftstag und einem Tag, an dem wir die Stadt erkundet haben, war es dann so weit.

Meine Gastmutter und mein Gastbruder sind um 4 Uhr morgens aufgestanden, um sich mit einem aufblasbaren Campingsofa einen Platz in der ersten Reihe zu sichern. Um 7 Uhr sind dann die anderen dazugekommen, und die Straßen hatten sich in der Zwischenzeit echt gefüllt. Wir mussten noch weitere zwei Stunden warten. Dann kam endlich der erste Wagen mit Konfetti: ein großer Truthahn, umringt von Leuten in Kostümen.

Die Parade beginnt im Central Park mit dem Truthahn vorneweg und endet mit Santa Claus. Dazwischen sind ganz viele Gruppen: Tänzer, Highschool- und College-Bands sowie die berühmten Riesenballons, die von mehreren Leuten durch die Straßen von New York geführt werden.

Nach der Parade waren wir dann bei den Rockettes. Das ist eine seit den 50er-Jahren berühmte New Yorker Tanzgruppe, die für ihre synchronen Tanzshows bekannt ist. Danach sind wir noch schnell im Central Park Schlittschuh laufen gegangen. Abends haben wir uns dann mit Freunden zum Thanksgiving-Dinner getroffen. Eine tolle Reise.

Kajak-Abenteuer

Kajak-Abenteuer
Eines Samstag morgens wachte ich auf. Wir haben die Kajaks geschnappt und sind zum Marsh gefahren. Zwischen Sonnenstrahlen und ein paar Anglern haben wir dann angehalten und die Kajaks und ein Stand-Up Paddel ausgepackt. Dann sind wir los gepaddelt. Immer mal wieder fuhren kleine Boote vorbei, die dann das Kajak durch die Wellen zum Tanzen gebracht haben. Im Sonnenuntergang sind wir quer durch das Schilf gefahren. An einer Abzweigung sahen wir einen anderen Kajak Fahrer, der fast bis zu den Hüften im Schilf stand und angelte. Nach dem wir uns fast in den Labyrinthartigen Verzweigung im Schilf verloren hatten, half uns ein nettes älteres Pärchen vom Ufer aus wieder raus auf den Kanal zu kommen. Durch die untergehende Sonne wurden wir dann gezwungen umzukehren. Ein Kranich flog über uns. Wenn ich es richtig gesehen habe, hatte er einen Fisch im Mund. Aber damit bin ich mir nicht sicher. Womit ich mir aber sicher bin ist, das das ein unvergesslicher Ausflug war.

 

Coca Cola World

Coca Cola World
6 Stunden Autofahrt. Ankunft in Atalanta (Georgia). Wir sind wegen eines Soccer Spiels meines Gastbruders dort. Eine sehr große beeindruckende Stadt! Hier befindet sich die Coca Cola World, ein großes interaktives Museum zur Geschichte von Coca Cola. Coca Cola wurde 1892 in Georgia erfunden und war ursprünglich ein Apothekenprodukt. Das es einmal das Soft-Getränk #1 der Welt werden würde hat damals keiner gedacht. Das Museum war eine Wahnsinnserfahrung. Durch die Geschichte und durch den hochgesicherten Tresor mit der Geheimformel gelangt man dann mit neuem Wissen zu Spielen rund um Coca-Cola zum Highlight: eine riesige Probier-Halle mit unzähligen Zapfsäulen mit verschiedensten Coca-Cola Produkten aus aller Welt. Alles konnte man probieren: Fanta aus Indien und Limonaden aus Australien und Mezzo-Mix aus Deutschland. Ein bisschen Zuhause ist immer dabei!

 

Myrtle Beach

Myrtle Beach
Das Wetter hier in north Myrtle beach, SC ist noch super schön. Die Touristen aus dem Sommer sind weg und nur die Menschen die hier Leben genießen noch die Sonne, da gehöre ich wohl dazu. Tennis spielen auf den Sportanlagen im Park und danach ins Meer springen zum Abkühlen. Die Wellen reißen einen runter und die Sonne über einem verschmelzen in Orange und Rottöne mit den Wolken. Das Salz brennt in den Augen. Und die Menschen gehen auf einen Spaziergang mit den Hunden. Mein Gastvater ruft mir zu, dass die nächste gute Welle komme. Aus meinen Gedanken gerissen springe ich in die Welle, die mich fast bis zum Sand trägt. Unglaublicher Spaß. Lass` diesen Sommer bitte niemals enden!

 

Stadion in Charlotte

Stadion in Charlotte
Mit dem Auto geht’s nach Charlotte. Wir checken in einem Hotel ein. Danach geht’s ins Discovery Place Charlotte. Ein modernes, interaktives, naturwissenschaftliches Museum mit Terrarien und Aquarien. Laboren und einer Raumfahrt Ausstellung. Das war sehr interessant. Danach sind wir zurück ins Hotel und haben die Tickets und die Schals geholt. Nun nicht weit vom Hotel Stadion, liegt das „bank of america stadium“, das Zuhause des NFL Teams Carolina Panthers und eben auch des Fußballclubs Charlotte. Beim Eingang haben wir ein T-Shirt gratis bekommen, schnell noch ein Getränk gekauft und auf die Freunde gewartet, die in Charlotte wohnen. Das Fußballteam teilt das Stadion mit dem American Football Team. Und dann rein ein Blick ins Stadion. Riesig! Fürs Fußballspiel wurden die oberen Ränge zugelassen. Doch für Fußball waren recht viele Leute im Stadion. Charlotte FC hat gegen den 1 Platz gespielt und 2:0 gewonnen. Die Stimmung war vereinte Freude im Moment und die Getränkebecher flogen durchs Stadion. Ein tolles Erlebnis. Auch wenn Football der nationale Sport ist, merkt man, dass Soccer (so wie dies hier nennen) immer beliebter wird.

 

Traditionen

Traditionen
Ich bin erst seit 3 Monate hier. Doch mit der Familie haben wir schon kleine Tradition oder Angewohnheiten entwickelt. Gerne gehen wir mittwochs in das Restaurant an der Ecke. Dort bestellen wir eine große Käse-Pizza und spielen Trivia. Das ist eine Art Quiz-Show, bei der unterschiedlich Tische Antworten geben und sich duellieren. Das ist immer super lustig. Und man lernt viel Neues über die USA. Anderes Beispiel: die Getränke. Wenn wir Essen gehen, dann bestellen wir immer das Gleiche. Mit der Zeit haben wir uns das so angewöhnt und es hat den Vorteil, das manchmal einer alle Getränke bestellt. Das geht schneller und zeigt wie gut man sich gegenseitig eigentlich schon kennt.

 

Halloween

Halloween
Halloween war eine unwirklich wirkende Erfahrung. Ich und meine Gastfamilie hatten sich überlegt als Kostüm den „swip swap“ ,so nannten wir es, zu machen. Nach fünf sprudelnden Halloween Stores und eine Fahrt nach Charleston, den wir mit einer kleinen Stadt Besichtigung verbunden hatten, war dann alles zusammen für unser Kostüm. Charlotte hat echt ein sehr schönen Charm. Mit der typischen, britisch angehauchten Ziegelstein Architektur gibt sie eine schöne Südstaaten Optik her, wie man es vielleicht kennt aus Filmen wie „the Note Book“ (mit Ryan Gosling) oder die Serie „Outerbanks“, welche beide zu großen Teilen in den Carolinas und auch Charleston gedreht worden sind. Auf den Straßen spürte man schon die Energie der Collage Kids, die verkleidet zu irgend welchen Halloween Party laufen. 
Ein Event vor dem 31. Oktober war dann noch das “pumpkin carven” mit meiner lokalen Koordinatorin. Das war echt aufregend. Mit Schablonen und speziellem Werkzeug haben wir, die Austauschschüler*innen, uns an die Kürbisse gemacht, viele von uns, so wie ich, zum ersten Mal. Danach haben wir noch Halloweenspiele, wie sich gegenseitig in Mumien wickeln, gespielt. Das war echt ein lustiger Nachmittag. 
Doch was war den nun unser Kostüm? Wir haben mit starken Stereotypen gearbeitet: Meine Gastfamilie hatte bayrische Trachten und Lederhosen an. Ich hingegen war verkleidet wie “uncle Sam”, eine Art Nationalheld, der für Amerika steht. Auf jeden Fall war der Kontrast sehr deutlich. Und auch an Halloween ist das Kostüm sehr gut angekommen. Wir waren in einer Nachbarschaft von Freunden unterwegs. „Full size Candy“ wurde der Nachbarschaft nachgesagt. Mit dem Golfcart sind wir dann durch die Nachbarschaft gefahren. „Trick or Treat“-. Es hat fast schon so gewirkt als würden sich die Hauser duellieren wer die ausgefallenste, teuerste, laute, gruseligste oder auffälligste Dekoration hat. Eine sehr schönes Erlebnis an diesem Abend war, dass in einer Einbahnstraße ein älterer Herr in seiner Einfahrt ein DJ Pult, große Lautsprecher und eine Beamer aufgestellt hatte. Um ihn herum waren Menschen jeder Größe und jeden Alters tanzend, singend, den Moment genießen. Kinderlachen im Hintergrund lässt den Moment noch ehrlicher wirken.

Der Start

Wenn ein 9 1/2 Stunden Flug mit so viel Überraschung verpackt ist, dann weißt du, dass ein neues Abenteuer beginnt. Ich habe zum ersten Mal etwas neues Amerikanisches probiert: Canada Dry Ginger Ale! Später hab ich dann erfahren, dass es sich dabei um ein klassisches Flugzeug Getränk handelt. Nach ein paar Filmen und geschlossenen Augen landen wir endlich und die fünf Monate beginnen.

Die Sonne scheint auf meine Haut als ich und meine Gastbrüder mit dem Golf-Kart durch die Kleinstadt fahren. Die Orte und Eindrücke, die an diesem Morgen an mir vorbei fliegen werden in nicht all zu weit entfernter Zukunft vertraut. Freunde von einen Gastbrüdern arbeiten bei einer Bananenboot Attraktion am Strand. Super freundlich werden wir empfangen und stellen fest, dass wir auf die selbe Schule gehen.

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Ich bin Eva und war mit ODI für 10 Monate in Frankreich. Es war ein glücklicher Zufall, dass ich mit nicht besonders viel Optimismus im letzten Winter davor doch noch einmal nach möglichen Stipendien recherchiert habe und dann auf ODI gestoßen bin. 

Meine Bewerbung habe ich innerhalb von 2 Tagen verfasst und zur Post gebracht. Es folgte ein aufregendes Frühjahr voller organisatorischer Vorbereitungen und ein Sommer mit Abschiedsbesuchen bei Familie und Freunden in ganz Deutschland. Die Zeit ist wie im Flug vergangen und schon saß ich im ICE nach Paris. Ich versuchte, nicht besonders erfolgreich, den französischen Gesprächen in meinem Abteil zu lauschen und realisierte dabei zum ersten Mal richtig, dass ich mich für die nächsten 10 Monate verabschiedet hatte. 

Die nächsten zwei Wochen folgten unzählige weitere erste Male für mich.

Das erste Mal in meinem französischen Zuhause.
Prochain arrêt Boulogne Ville. Von Anfang an wurde ich mit einbezogen und fühlte mich im neuen Zuhause wie ein Teil der Familie. Schon am ersten Abend habe ich mit meiner Gastschwester zusammen gebacken, da wir am darauf folgenden Tag ihren Geburtstag gefeiert
haben. Es folgten schon bald gemeinsame Ausflüge, Filmabende, Sport und nicht zu vergessen einfach echt viel Unterstützung. Trotz der nicht zu unterschätzenden Anstrengung, die es für das Verstehen und Anwenden der noch fremden Sprache benötigt, wurden die täglichen Gespräche beim Abendessen oder Spazierengehen für mich schnell zu einem großen Vergnügen. Jeden Tag wird mein Französisch ein bisschen besser.

Das erste Mal in der Schule.
In Frankreich spielt die Schule eine sehr wichtige Rolle. Sie nimmt so ziemlich den ganzen Tag ein, was auf der einen Seite eine sehr anstrengende Umstellung, auf der anderen Seite aber auch eine gute Möglichkeit viele Menschen kennenzulernen darstellt. An meinem ersten Schultag hat sich mein ganzer Jahrgang versammelt, wir wurden alle aufgerufen und in Klassen eingeteilt. Mir kam es so vor als wäre mein neuer Jahrgang alleine schon so groß wie meine ganze Schule in Deutschland. Darauf hin folgte viel Organisatorisches, was in mir große Verzweiflung auslöste, da ich fast kein Wort verstand. Der Schultag endete um 18 Uhr und es ist vorstellbar wie erschöpft und überwältigt ich abends ins Bett fiel. Auch meine Vorfreude für den nächsten Schultag war nicht besonders groß. Es dauerte zum Glück nicht lange sich umzugewöhnen.Ich werde von allen Seiten sehr herzlich und verständnisvoll behandelt und außerdem ist es für mich eine große Hilfe, dass eine meiner Gastschwestern ebenfalls in meiner Klasse ist.

Das erste Mal in Paris.
Auf die Frage wie mein erstes Mal in Paris war würde ich vermutlich nicht mit einer Beschreibung meines etwas missglückten Umstieges auf der Anreise antworten. Nachdem ich eh schon verspätet am Ostbahnhof angekommen war, musste ich mich in einer Schlange für einen Metroticketautomaten anstellen, welcher sich spontan entschieden hatte extra für mich nicht mehr zu funktionieren. Auch unterschätzte ich die unzähligen Treppen runter zur Metrostation. Unten angekommen wusste ich, dass mein Anschlusszug eh schon den Nordbahnhof verlassen hatte, also war es auch nicht so dramatisch, dass ich die Metro in die falsche Richtung nahm. Nachdem ich meine Gastfamilie angerufen hatte, war die Problematik schnell gelöst und ich konnte mit meinem neuen Ticket sorglos weiter Reisen. Schon eine Woche später war ich das zweite Mal zum ersten Mal in Paris.

Gastfamilie
Das Leben in einer Gastfamilie ist eine einzigartige Erfahrung. Du wirst von einem auf den anderen Tag Teil einer dir noch völlig unbekannten Familie. Du lernst die Leute und ihr Leben nicht nur flüchtig kennen, du lebst es für eine begrenzte Zeit mit ihnen zusammen. Innerhalb kürzester Zeit werden sie nicht nur deine wichtigsten Ansprechpersonen, sondern auch dein Zuhause.

Es ist schwierig das Wort Zuhause zu definieren. Ist es ein Ort oder machen die Menschen, um einen herum ein Zuhause aus? Gibt es nur ein Zuhause oder ist es möglich mehrere zu haben?
Mir fällt es nicht einfach zu sagen, was Zuhause für mich bedeutet, jedoch weiß ich, dass ich mich bei meiner Familie in Deutschland, mit meinen engsten Freunden und jetzt auch mit meiner Gastfamilie hier in Frankreich wie Zuhause fühle. 

Vor ein paar Wochen durfte ich mit auf ein Hochzeitsjubiläum der Familienseite meines Gastvaters kommen, und das war eine wundervolle Erfahrung. Ich wurde sofort mit offenen Armen, „Bisous“ und sehr viel Interesse empfangen. Neben vielen mir bereits bekannten Gesichtern sind auch unzählige Unbekannte ohne zu zögern auf mich zugekommen, um sich über meine bisherigen Erfahrungen und kulturelle Themen wie: deutsche Verwandte, Freunde, Traditionen, Deutschunterricht zu Schulzeiten oder Urlaube auszutauschen. 

Schon bald wurde gesungen und dazu Musik gespielt, Geschichten erzählt, Spiele gespielt und Glückwünsche in jeder erdenklichen Weise ausgerichtet. Es war eine unglaublich lebensfrohe und liebevolle Atmosphäre, die mir tolle, inspirierende Bekanntschaften ermöglicht hat. Bald stand ich in mitten von vielen Tanzbegeisterten jeden Alters, die mich traditionelle Tänze gelernt haben. Und all das wurde unterstrichen von großartigem französischen Essen. Mit glänzenden Augen auf beiden Seiten durfte ich das französische Leben so nah kennenlernen wie ich es mir immer erträumt habe. Ich kann meine Dankbarkeit für diese Erfahrung nicht in Worte fassen.

Der kulturelle Austausch ist eine große Bereicherung. Ich wohne mit meinen Gasteltern und 3 von 4 Gastschwestern zusammen. Wir gehen zusammen zur Schule, spiele Spiele, besuchen Museen und Konzerte, mache Städtetrips und Wald- und Strandspatziergänge, teilen sportliche Leidenschaft, singen, tanzen, lachen und unterstützen uns gegenseitig. Es ist toll über gemeinsame und verschiedene Traditionen und Lebensrealitäten zu sprechen, sich gegenseitige Freuden zu machen und die kleinen Dinge im Alltag wertzuschätzen. Dank dieses Zusammenlebens habe ich hier nicht nur ein Zimmer, sondern ein Zuhause.

Während heute, genau vor einem Jahr, meine Bewerbung für das Frankreich Stipendium in Köln im ODI Büro eingetroffen ist, befinde ich mich heute bereits seit dreieinhalb Monaten hier und kann gar nicht fassen wie schnell die Zeit vergangen ist. Es ist unglaublich wie viel ich schon erleben und lernen durfte. In meinem Motivationsschreiben schrieb ich

 „Open your mind“ bedeutet für mich Französisch auch zu lernen, um mit Menschen rund um die Welt kommunizieren zu können.
Ich bin mehr als glücklich einer von 235 Millionen Menschen der Welt zu sein, der täglich die französische Sprache verwendet. Zwar kann ich mich noch genau erinnern wie hilflos ich an meinem ersten Tag hier versuchte einfache Fragen zu verstehen und zu beantworten, jedoch änderte sich dies wirklich innerhalb kürzester Zeit. Mittlerweile hat das Lernen der Sprache mir bereits ermöglicht wundervolle Menschen richtig kennen und lieben zu lernen. Der Gedanke sich, wie zu Beginn, nicht gut verstehen und erklären zu können scheint verrückt weit entfernt.

„Schon früh war für mich klar, dass ich auch einmal in den Alltag vor Ort eintauchen möchte“
Genau das tue ich hier auf die schönst mögliche Art und Weise. Der Alltag in meiner Gastfamilie ist eine einzigartige Chance sich mit der täglichen Kultur vertraut zu machen. Kultur ist immer eine beidseitige Erfahrung. Es ist nicht nur der
Wunsch seinen eigenen Horizont zu erweitern und mehr über eine fremde Kultur zu lernen, sondern auch die Bereitschaft die eigene Kultur zu teilen. Das gilt sowohl für mich als auch für meine Gastfamilie. Ein schönes Beispiel dafür sind die, mit der Zeit zur Gewohnheit gewordenen Abende, an denen mein Gastvater und ich uns gegenseitig unsere Sprachen
beibringen.

Nicht nur höre ich sehr gerne französische Musik, sondern auch tanze ich gerne dazu.”
Daran hat sich nichts geändert. Ich gehe hier 2 Mal in der Woche in die Tanzschule. Dabei lerne ich nicht nur Musik und Tanz, sondern auch nette andere Tanzbegeisterte kennen. Neben dem Spaß an einer sportlichen Aktivität, ist vor allem das damit einhergehende Gemeinschaftsgefühl so eine Bereicherung. 

Ich freue mich darauf, neue Freundschaften und Kontakte zu knüpfen und mich selbst durch einmalige Erfahrungen weiterzuentwickeln.”
Nach den bisherigen dreieinhalb Monaten,welche dieser Vorfreude mehr als gerecht geworden sind, freue ich mich jetzt schon auf all die schönen Erfahrungen, die noch auf mich zukommen werden.

Meine Freude war groß als ich Ende November ein Paket aus Deutschland mit meinem alljährlichen Familienadventskalender bekam. Natürlich habe ich meine Liebsten in Deutschland in dieser Zeit vermisst. Doch so habe ich jeden Morgen mit Freude an sie gedacht. Auch von meiner Gastfamilie habe ich einen Adventskalender bekommen.Dieser war voller Schokoladenstückchen in der Form des Arc de Triomphe. Bald schmückten wir den Weihnachtsbaum und auch der Rest des Wohnzimmers wurde großzügig dekoriert. 

In der nächsten Zeit habe ich eine Rekordmenge an verschiedenen deutschen Weihnachtsplätzchen gebacken. Nicht nur zur Freude meiner Gastfamilie, sondern auch im Lycée sind meine Gebäcke und die damit verbundenen Berichte deutscher Weihnachtstraditionen gut angekommen.

Geschmückte, glitzernde Städte, Saint Nicolas, der Weihnachtsmarkt von Arras, Weihnachtslieder, traditionelles
Kantinenessen an den letzten Schultagen des Jahres, ein Weihnachtslauf, schließlich das große Festmal, bei dem alle Generationen zusammen sitzen, plaudern, schmausen, tanzen und feiern, die Bûche de Noël, mehr gemeinsame Essen unter der Familie, wenig später Nouvel An, bis zum Dreikönigstag mehrere Garlettes des rois und für mich auch mehrere Fèves.

Eine Tradition bei der ich mich jetzt schon freue sie in Deutschland weiterzuführen.
Die Garlette des rois ist ein Kuchen, in welchen eine kleine (Porzellan-) Figur eingebacken wird. Wenn alle am Tisch sitzen, ist es an der jüngsten Person im Raum unter den Tisch zu klettern um so zufällig die Zuteilung der Stücke zu bestimmen.
Im Anschluss wird die Person, welche die Fève im Stück findet gekrönt. Im Anschluss darf diese dann noch seine Königin oder ihren König krönen.

Auch der Pudding de Noël boulonnais, ursprünglich ein englischer Kuchen, nimmt in Boulogne einen besonderen Platz in der Weihnachtstradition ein. Diese Kugel aus Mehl, Trockenfrüchten und kandierten Früchten, Fett, Zucker, vielen Gewürzen und Rum hat nicht nur in meinen Augen sowohl ein aussergewöhnliches Aussehen als auch einen
gewöhnungsbedürftigen Geschmack.

Und so verging eine unvergessliche Zeit, in der ich, aus dieser spannenden Perspektive, nicht nur neue Traditionen und Bräuche, sondern besonders auch die Bedeutung der eigenen wertschätzen gelernt habe.

Höhen und Tiefen
Die letzten 6 Monaten habe ich Frankreich unter anderem in meinen Laufschuhen erforscht. Gelaufen bin ich auch in Deutschland schon, doch erst hier ist aus der Angewohnheit, ab und zu irgendwie ein paar Kilometer durch den Wald zu laufen, die regelmäßige Freude an Läufen am Strand, über Dünen, durch Wälder und über
Wiesen, meist gemeinsam mit meinem sportbegeisterten Gastvater, geworden.

Als ich letzten Spätsommer meine Gastfamilieninformationen erhielt und den ersten Kontakt aufnahm, freute es mich sehr, als mein Gastvater mir vorschlug, doch mal gemeinsam laufen zu gehen. Schon in der ersten Woche hier setzten wir das direkt um und in die nächsten Wochen und Monaten entwickelte es sich zu einer Angewohnheit, von der beide Seiten sehr
profitieren. Was für schöne Strecken wir schon gelaufen sind und was für interessante und nette Gespräche wir dabei geführt haben … Es ist immer wieder eine einzigartige und ganz besondere Zeit.

Und erst hier habe ich begonnen, an Laufveranstaltungen teilzunehmen und so in diese mir zuvor noch unbekannte
Atmosphäre einzutauchen. Ich wohne hier in einer Region, in der es viele Laufbegeisterte gibt und dadurch natürlich auch viele organisierte Läufe. Ob Stadtläufe, Trailläufe, Nachtläufe, Crossläufe, mit Traditionen und Kultur verbundene Läufe, Halloween-, Weihnachts- und Silvesterläufe – es ist alles dabei und jedes Mal eine ganz neue Erfahrung.

Am schönsten finde ich es immer, wenn man beim Laufen völlig unbekannte Leute kennenlernt und mit diesen eine Weile zusammenläuft, quatscht und sich gegenseitig motiviert. Vielleicht sieht man sich nie wieder, aber man hat sich eine eh schon schöne Erinnerung noch ein bisschen besonderer gemacht.

Und durch diese erlaufenen Höhen und Tiefen, habe ich nicht nur viele unterschiedliche Orte und Gegenden entdeckt, unvergessliche Momente und Gespräche mit sowohl vertrauten als auch völlig fremden Menschen erleben dürfen, sondern auch mich selbst Schritt für Schritt näher kennengelernt.Genau das definiert doch ein gelungenes Auslandsjahr oder nicht?

Wie ich bereits beschrieben habe, hat sich das Laufen schnell in mein alltägliches Leben integriert. Wie sehr hat es mir den einen oder anderen Tag geholfen, mich zu ordnen, einfach abzuschalten und neue Motivation und Hoffnung zu schöpfen. Natürlich fällt einem das alles mal einfacher und mal schwerer. An seine eigenen Grenzen gehen bedeutet auch anhalten, wenn man Schmerzen hat oder mal sehr schwer Luft bekommt. Auch Enttäuschung und allerlei Zweifel und Sorgen gehören mit dazu.

Es gibt eben immer Höhen und Tiefen – ein Satz, den ich jedem Weltenbummler mit auf den Weg geben würde. Und durch diese erlaufenen Höhen und Tiefen habe ich nicht nur viele unterschiedliche Orte und Gegenden entdeckt und unvergessliche Momente und Gespräche mit sowohl vertrauten als auch völlig fremden Menschen erleben dürfen, sondern
auch mich selbst Schritt für Schritt näher kennengelernt. Genau das definiert doch ein gelungenes Auslandsjahr, oder nicht?

Krieg & Frieden
„Oh, dich kenne ich doch kleiner Hund. Schönen Tag euch beiden. Hier bin ich mit meinem Hund ja auch so oft  spazieren gegangen. Kennen Sie den Weg hinter der Abbiegung in Richtung der Felder?“ Etwas verwirrt drehe ich mich um und schaue hinauf. Ein älterer Herr hat mich freundlich angesprochen und reißt mich damit völlig aus meinen Gedanken. Höflich antworte ich, doch statt dann seines Weges zu gehen, beginnt er ein Gespräch, dass noch weit über seinen Hund und liebste Wanderrouten hinausgeht.

Mit 14 verließ er die Schule und stieg ins Berufsleben ein. Zu Beginn arbeitete er in einer Bäckerei, später in einem auf Wasserversorgung spezialisierten Unternehmen. Bis er 2002 in Folge eine Prostatakrebsbehandlung in Rente ging. Seine Leidenschaft fürs Wandern hält ihn gesund und munter.

Nicht nur das große Interesse an meinem Aufenthalt hier, sondern auch die Frage ob er zu schnell redet und unzählige Erklärungen für mir unbekannte Wörter verdeutlichten die mir entgegengebrachte Wertschätzung. Seine Tochter studiert seit mehreren Jahren in den Niederlanden und spricht neben Französisch und Englisch jetzt auch Holländisch, während er
nur Französisch spricht.

Es tut gut sich in Gedanken zu rufen, was für ein Privileg es ist, die französische Sprache, auf einem Niveau lernen zu können um an einem solch tiefgründigen Gespräch teilzunehmen.
So kommt es, dass wir über Politik sprechen, über Krieg und Frieden, verschiedene Generationen und der aus diesen zusammengesetzten Gesellschaft. Und dabei kenne ich diesen Mann überhaupt nicht. Wir sind zwei völlig Fremde, aus Lebenssituationen, die wohl kaum unterschiedlicher sein könnten. Doch dank seiner angenehmen, interessierten und
respektvolle Art, kann ich mich kaum aus dem Gespräch lösen. Es geht nicht nur mir so und so trennen sich unsere Wege erst gute zwanzig Minuten später bei einer Weggabelung im Wald.

Den Erzählungen über seinen Bruder hätte ich noch länger zuhören können: "1961 verlor ich meinen Bruder im Algerienkrieg. Daraufhin verbrachte ich einige Wochen bei seiner deutschen Verlobten in Freiburg, die Teil einer
Widerständlerfamilie des zweiten Weltkriegs war“
Wir sprachen über Gedanken, die wohl alle Nachkriegsgenerationen verbinden: Wie hätte ich mich selbst verhalten, Wäre ich gegen den Strom gelaufen, Hätte ich Widerstand geleistet, Hätte ich dem Regime mutig die Stirn geboten? Oder ist es doch schwerer als gedacht kein, beziehungsweise einfacher als gedacht ein, Mitläufer zu sein?

Meine Gedanken sollten bis die nächsten Wochen und bis heute noch öfters dieser Erzählung, dieser Zeit, diesen Menschen, dieser Frau, dessen Leben sich einige Monate vor der geplanten Hochzeit von einem auf den anderen Tag völlig auf den Kopf stellte, gewidmet seien.
Dieses bereichernde und inspirierende Gespräch, die Denkanstöße und die guten Lebenswünsche, die mir dieser Mensch auf den Weg gegeben hat, werde ich nicht so schnell vergessen.

Deswegen frage ich mich: Warum spricht man nicht öfter mit Fremden? Wie viele gute Gespräche sind mir wohl schon entgangen, weil ich nicht die Initiative ergriffen habe.

Acht Monate
Manchmal fühlt es sich an, als wäre ich gerade erst angekommen – und gleichzeitig so, als wäre ich schon ewig hier. In zwei Monaten geht es zurück nach Hause. Und dieser Gedanke begleitet mich zurzeit jeden Tag – mal leise, mal laut. Natürlich freue ich mich auf meine Familie, auf meine Freunde, auf mein Zuhause. Auf den Wald, die sommerlichen Abende an den Teichen und auf das Knistern vom Ofen im Wohnzimmer. Ich stelle mir vor, wie es sein wird, in mein Zimmer zurückzukommen, vertraute Straßen zu sehen, Deutsch zu hören, ohne dabei überhaupt darüber nachzudenken. 

Diese Vorfreude ist da. Auf jeden Fall. Aber genauso stark ist da ein anderer Gedanke: „Bald ist es vorbei“. Dieses Kapitel, dass mich so geprägt hat, dass mir so viele erste Male geschenkt hat, dass mir so wundervolle Menschen nahegebracht hat– es neigt sich dem Ende zu.

Und das tut weh. Mehr, als ich erwartet hätte. Ich fange an, Momente intensiver wahrzunehmen. Wenn wir abends alle zusammen essen und lachen, denke ich manchmal: „Nur noch neun Wochen, dann gibt es das so nicht mehr.“ Oder wenn ich mit meinem Gastvater spazieren gehe, dann wünsche ich mir, dass die Zeit stehen bleibt. Ich weiß, dass ich das hier vermissen werde – nicht nur die Menschen, sondern auch die Sprache, die Eigenheiten, den Rhythmus des Alltags.

Was mir besonders auffällt: Die Gegensätze. Ich zähle die Tage, und ich will gleichzeitig nicht, dass sie vergehen. Ich freue mich auf Zuhause – und ich will hier nicht weg. Ich versuche, nicht zu sehr in diesen Abschied hineinzuleben. Noch bin ich da. Noch bin ich mitten in meinem Frankreich-Kapitel. Und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich mich schätze, all das erleben und fühlen zu können

Auf nach Frankreich!

Viele haben mich am Anfang ja gefragt, warum genau ich denn 'nur' nach Frankreich gehe und nicht in die weit entfernten und vielleicht aufregenderen Länder in Südamerika oder Australien oder Kanada? Für mich war die Antwort ganz klar: Französisch! Eine für mich wunderbare Sprache, welche ich aber vor meinem Aufenthalt nicht gerade beherrscht habe.


Also los ging es. Ich bin im Januar losgefahren, da kann man sich das Wetter in Deutschland ja ungefähr vorstellen und dann hat es mich einfach umgehauen, ich steige aus dem Zug, es ist blauer Himmel und um die 17°C. Man muss aber auch sagen, dass ich in Südfrankreich war. :)
Ich erinnre mich noch zu gut: An einem Nachmittag sind wir aus der Schule gekommen und gleich in den Garten und haben in T-Shirt und mit Sonnenbrille Kicker gespielt – IM JANUAR!

Aber zum Anfang: Meine Gastfamilie hat mich vom Bahnhof abgeholt und meine lokale Betreuerin war auch mit dabei. Ich würde sagen, mit meiner Familie hat’s mich echt gut getroffen, wir haben uns super verstanden. Ich hatte einen Bruder in meinem Alter und noch einen kleineren Bruder und eine kleinere Schwester. Mit ihnen habe ich den französischen Alltag kennen gelernt. Von morgens bis spät nachmittags in die Schule, aber dann am Abend hieß es Familie. Wir haben immer zusammen gegessen und das richtig typisch mit Dessert (was aber auch nur ein Joghurt sein konnte) und Käse! Am Wochenende haben wir auch oft Ausflüge gemacht und die Umgebung angeschaut. Aber auch sonst, wenn wir einfach nur Zuhause waren, haben wir zusammen Gesellschaftsspiele gespielt, Filme geschaut oder einfach nur geredet.

Vor dem Lycée hatte ich anfangs ein bisschen Angst. Wie würde es werden? Werde ich Anschluss finden? Sind die Französinnen und Franzosen etwa so verschlossen, dass sie gar nichts mit mir machen wollen? Und ja, ich habe Anschluss gefunden und die Franzosen und Französinnen waren toll. Am ersten Schultag ist mein Gastbruder mit mir los – wir sind immer zu Fuß zur Schule gelaufen – und hat mir dann erstmal alle vorgestellt. Dann ging der Unterricht auch schon los, im ersten Moment “HILFE ich versteh nichts!“ aber nach und nach wurde es immer besser. Den ersten 'richtigen' Anschluss habe ich dann aber in der Kantine gefunden. Klar, vorher waren schon alle lieb und offen, aber dort habe ich die Leute getroffen, mit denen ich mich dann während des gesamten Aufenthalts wirklich gut angefreundet habe. Sie sind einfach auf mich los, von allen Seiten: “Hey, du bist doch die aus Deutschland“. Die Mädels aus Frankreich haben mich jetzt sogar für den Sommer wieder eingeladen, herkommen wollen sie aber höchstens für paar Tage, das Wetter ist ihnen einfach zu schlecht. :)

Jetzt rückblickend bin ich froh, nach Frankreich gegangen zu sein. Als erstes muss man natürlich sagen wegen der Sprache: Wenn ich vorher im Französischunterricht recht wenig verstanden habe, verstehe ich jetzt so ziemlich alles. Außerdem einfach mal die französische Lebensweise zu sehen war eine schöne Erfahrung – es mag zwar das Land gleich neben uns sein, aber trotzdem gibt es viele Unterschiede zu entdecken, natürlich aber auch viele Gemeinsamkeiten. Ich war zwar nur drei Monate dort, was doch eine kurze Zeit ist, die auch schwuppdiwupp vorbei war, doch trotzdem war es eine wunderbare Zeit, in der ich auch viel dazu gelernt habe, Freundschaften geknüpft und ein bisschen das savoir vivre zu leben bekommen habe.

Du willst auch nach Spanien kommen? Ich kann es dir nur empfehlen!

Mein Schüleraustausch in Spanien, um genau zu sein in Galizien, hat mir sehr gut gefallen: die Städte, die Landschaft, die Leute und generell die Mentalität und Lockerheit der Spanier. Anpassungsschwierigkeiten hat man hier wenige, Freunde finden ging bei mir sehr schnell durchs Fußball spielen. Die Leute kommen auf einen zu, fragen, ob es dir gut geht und finden es selber sehr interessant, einen aus einer anderen Kultur dazuhaben.

Zum Thema Heimweh: Ich denke am Anfang ist es ganz normal seine Freunde, Familie und auch die Sprache zu vermissen. Keiner kann leugnen, mal Heimwehgehabt zu haben. Außerdem zeigt es ja auch, dass man ein schönes zu Hause hat, auf das man sich freuen kann. Ich würde schon fast traurig finden, würde man kein Heimweh haben.

Die Schule ist sehr anders als in Deutschland. Die meisten Schulen beginnen erst um halb neun oder neun. Eine Schulstunde geht 50 statt 45 Minuten und zwischen den Stunden gibt es keine kleinen Pausen, sondern nach 3 Schulstunden eine halbe Stunde Mittagspause, dort trifft man sich mit seinen Freunden, geht rum und redet. Bei mir war nach 6 Schulstunden, also um 14:30 Schluss. Jede Schule hat einen Tag, an dem am Nachmittag noch 2 bis 3 Schulstunden Unterricht sind, jedoch liegt eine lange Mittagspause dazwischen, wo man genug Zeit hat, um nach Hause zu fahren und etwas zu essen.

Auch der Unterricht ist anders. Die meiste Zeit reden die Lehrer:innen und die Schüler:innen stellen Fragen und schreiben auf, was sie mitbekommen. Außerdem wird viel mit dem Buch gearbeitet. Also so etwas wie Arbeitszettel oder Aufgaben von der Tafel gibt es nur wenige. Da der Lehrer sehr viel redet, ist es am Anfang recht anstrengend, die ganze Zeit einer fremden Sprache, von der man wenig bis gar nichts versteht, zuzuhören. Dazu kommt, dass viele Fächer auf Galizisch sind. Insgesamt finde ich es aber gut, gleich zwei Sprachen auf einmal mitzubekommen, da ich mich dann nicht nur mit Spaniern, sondern auch mit Portugiesen verständigen können werde. Die Schule ist sehr modern ausgerüstet. Es gibt Smart-Boards in jedem Raum und außerdem sehr gut ausgerüstete Computerräume. Außerdem haben wir Informatik-Unterricht, was in der heutigen Welt recht wichtig ist. Statt dem Galicisch Unterricht für die anderen, habe ich drei Stunden die Woche speziellen Spanischunterricht, dort lerne ich die Zeiten richtig zu benutzen, neue Wörter und bekomme Tipps zur besseren Aussprache. Das Lehrer:innen-Schüler:innen-Verhältnis ist ebenfalls anders als in Deutschland. Auf dem Stundenplan stehen nur die Vornamen der Lehrer:innen und angesprochen werden sie nur mit „profe“. Außerdem ist es normal, wenn man seine Lehrer:innen umarmt oder ihnen etwas Persönliches erzählt.

In Deutschland hatte ich vor meinem Auslandsjahr bereits vier Jahre Spanisch in der Schule, jedoch habe ich fast gar nichts verstanden als ich angekommen bin. Das liegt wahrscheinlich daran, dass in der Schule in Deutschland mit deutschem Akzent gesprochen wird, außerdem sprechen die Spanier:innen natürlich schneller und alltagssprachlicher als in der deutschen Schule. Mittlerweile verstehe ich eine Menge und kann mich mit gut auf Spanisch unterhalten, auch wenn es schwer ist, mit so wenig deutschem Akzent wie möglich zu sprechen.  Am meisten Probleme bereitet mit das gerollte „r“, welches ich leider immer noch nicht kann. Meine Freunde untereinander sprechen zwar ab und zu Galizisch, mit mir aber immer Spanisch, auch da sie so gut wie gar kein Englisch können. Das Wichtigste beim Spanischlernen ist es, viel zu reden, ob mit Freund:innen, der Gastfamilie oder Lehrer:innen, wobei man sich auch nicht schämen sollte, wenn man etwas nicht versteht.

Insgesamt würde ich dir auf jeden Fall empfehlen nach Spanien zu kommen. Nicht nur um die Sprache zu lernen, sondern auch um die Mentalität kennen zu lernen und auch mal aus einer anderen Sicht der Dinge zusehen. Außerdem erlebt an hier so viele spannende, interessante Dinge, die man Deutschland niemals erlebt hätte.

Ein unvergessliches Jahr in Irland

Schon bald nach meiner Anmeldung wusste ich, in welche Gastfamilie ich kommen würde. Bis zu den Sommerferien konnte ich es kaum erwarten und habe meine Gastfamilie schon vorher über E-Mail ganz gut kennengelernt. Als der Tag der Abreise endlich gekommen war, ging plötzlich alles sehr schnell. Und ehe ich mich versah, war ich schon auf dem Weg vom Flughafen in Dublin nach Cavan in mein neues zu Hause. Die ersten Monate vergingen wie im Fluge und kamen mir eher wie Ferien vor, obwohl ich natürlich zur Schule gehen musste.

Schule in Irland

Ich habe an der irischen Schule das Transition Year (TY) besucht. Das ist ein Jahr, das man freiwillig nach dem 3rd Year (etwa 8. Klasse) machen kann. Dort haben wir einige Workshops und Ausflüge gemacht und uns viel mit der Frage beschäftigt, was man nach der Schule machen könnte. Da ich auf dem Land gelebt habe, haben sich Aktivitäten nach der Schule ziemlich eingeschränkt. Egal wo man hinwollte, meine Gasteltern mussten mich immer fahren. Da sie selber drei Kinder haben, habe ich mich mit dem zufrieden gegeben, was ich alleine machen konnte.
Von der irischen Partnerorganisation wurden Ausflüge angeboten. So waren wir am Giant’s Causeway, Cliffs of Moher, Belfast, Galway, uvm.

Die Iren und der Sport

Fußball ist bei den Iren nicht so sehr bekannt wie in Deutschland. Dafür haben sie aber viele eigene Sportarten, wie Gaelic Football, Hurling/Camoogie und Rugby. Gaelic Football ist eine Mischung aus Handball, Basketball, Rugby und Fußball. Hurling spielt man mit einem Tennisball großem Ball und einem Schläger. Sport scheint in Irland sehr wichtig zu sein. In den letzten Monaten habe ich selbst angefangen Gaelic Football zu spielen.

Besondere Feiertage in Irland

Ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden haben ein ganzes Schuljahr in Irland zu bleiben. Dadurch hatte ich das Glück Feiertage wie Halloween, Weihnachten, Neujahr und St Patrick’s Day mitzuerleben. An Halloween bin ich, natürlich verkleidet, mit meiner Gastfamilie zu den Nachbarn gegangen und habe traditionell nach Süßigkeiten gefragt (Trick or Treat). Weihnachten feiern die Iren ein klein bisschen anders als wir. Zu ihnen kommt der Weihnachtsmann am 25. Dezember durch den Schornstein und legt die Geschenke in die vorher aufgehangenen Socken. Nachdem die Geschenke geöffnet und ausprobiert wurden, sind wir in die Kirche gegangen. Danach gab es ein riesengroßes Essen mit traditionellem Truthahn. Am 17. März ist St. Patrick’s Day. Dieser Tag ist ein bisschen wie Karneval in Köln. Es gibt viele Paraden, in Dublin die größte und in den anderen Städten kleinere. Ich habe mir mit meiner Gastfamilie die Parade in unserem Ort angesehen. Dort sind viele Football Clubs mitgegangen. Das schöne ist aber, dass sich alle grün verkleiden und einfach gute Laune haben. Halt typisch irisch! Der einzige Unterschied zum Kölner Karneval ist, dass bei den Paraden keine Süßigkeiten geworfen werden.

Ich bin wirklich froh, dass ich die neun Monate trotz mancher Hürden durchgehalten habe. Ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt, eine zweite Familie und tolle Freunde gefunden. Ich kann es kaum erwarten wieder nach Irland zu fahren!

Anne

Während meines Auslandsjahres habe ich vieles Neues kennengelernt, erlebt und auch ausprobiert. Eines dieser Dinge ist Track and Field, eine Highschool Sportart die ich lieben gelernt habe. Track ist quasi Leichtathletik, es gibt verschiedene Events die man ausüben kann. Unter anderem weit lauf, sprinten, werfen, Weitsprung, Hochsprung, Stabhochsprung und Hindernislauf. Ich habe mich dafür entschieden zu Sprinten und Weitsprung zu machen. 

Seit fast 4 Monaten habe ich jetzt schon Training gehabt und dieses Wochenende is dann endlich mein erster Wettkampf. Für mein Highschool team werde ich den 60m sprint, 200m Staffellauf, 400m Staffellauf rennen und Weitsprung machen. Das ist echt aufregend da in den Staffelläufen nur die 4 besten des Teams rennen und meine Trainer haben sich dafür entschieden das ich eine von diesen bin, für beide Staffelläufe. Ich bin jetzt schon super aufgeregt!


Ich habe bereits an einem Freiwilligen Rennen teilgenommen und bin individuell 200m und 400m gerannt. Nach dem 400m rennen hatte ich mir eigentlich noch geschworen ich würde das niemals wieder machen, aber hier sind wir nun. 400m hört sich jetzt vielleicht erstmal gar nicht so schlecht an, aber einen full-out Sprint über 400m ist echt unglaublich anstrengend und definitiv die härteste  Sportlich Aktivität die ich hier gemacht habe. 
Aber genau diese Rennen machen das 2,5 Stunden lange, anstrengende Training 6 mal die Woche, wert. 

Und ich mag diesen Sport nicht nur so sehr wegen der sportlichen Aktivität die ich durch ihn bekomme, zu Track gehört für mich noch viel mehr dazu.
Die vielen Menschen die ich durch das Team kennenlernt habe und die nun zu meinen besten Freunden hier gehören. Es fühlt sich einfach an wie eine große Gemeinschaft. 
Letztens hatten wir ein sogenanntes „Team bonding“, das ist einfach ein Treffen für das ganze Team (ca. 55 Leute) und wir essen Pizza und unternehmen was zusammen. Diesmal hatten wir eine „Digital Sports Championship“, ein Computerspiel Turnier. Es hat super viel Spaß gemacht und ich habe ein paar Teamkameraden noch besser kennengelernt. 
Und ich und mein Team Partner haben sogar gewonnen!

Wie gesagt Track ist nicht nur ein beeindruckender Sport für mich sondern auch das Gefühl von Gemeinschaft und Spaß. Es gibt mir eine motivation an meine Grenzen zu gehen, alles aus mir raus zu holen, Spaß an Sport zu haben, und gleichzeitig zeit mit Freunden zu verbringen und eine gute Zeit zu haben. Die Saison hat kaum angefangen und ich bin schon jetzt so aufgeregt was sie alles mit sich bringen wird!
 

Fast ein Jahr. So lange habe ich überlegen müssen, ob ich nun einen Schüleraustausch mache oder nicht.

Fast ein Jahr. So lange habe ich überlegen müssen, ob ich nun einen Schüleraustausch mache oder nicht. Als erstes ging es um England, aber da wollte ich einfach überhaupt nicht hin. Dann kam Frankreich ins Spiel und ich wollte noch immer nicht, doch langsam sah ich (vor allem anhand meiner Noten) ein, dass es wirklich gut wäre, einen Austausch zu machen. Irgendwann hatte ich dann auch tatsächlich das Anmeldeformular ausgefüllt und abgeschickt. Und plötzlich hatte ich unglaublich Lust, ins Ausland zu gehen! Wenn man sich erst mal überwunden hat sich anzumelden, ist man total drin im Geschehen und will überhaupt nicht mehr raus. Das war schon witzig, am Anfang überhaupt keine Lust und dann auf einmal unglaubliche Vorfreude. 

Das Abschiednehmen von meiner Familie fiel mir durch die relativ geringe Entfernung nach Frankreich überhaupt nicht schwer, doch im Nachhinein denke ich, dass ich beim nächsten mal auf jeden Fall in ein Land gehen würde, das weiter entfernt ist, um größere Kulturunterschiede kennen zu lernen. Für den Anfang war Frankreich jedoch perfekt.

Als ich nach einer langen Zugfahrt im nächtlichen und weihnachtlichen Paris am Bahnhof ankam (Jip, ich wurde in der Landeshauptstadt platziert), wurde ich sehr freundlich von meiner Gastfamilie begrüßt und…konnte überhaupt nichts sagen. Das hat die Situation allerdings auch irgendwie aufgelockert und noch dazu konnte ich den Satz „Pardon, ich habe nichts verstanden“ nach zwei Stunden wie ein muttersprachlicher Franzose aussprechen! 

Nach etwa drei Wochen hatte ich mich relativ gut eingelebt und hatte schon viele Bekanntschaften vor allem in der Schule gemacht. Schule ist in Frankreich insgesamt ein sehr großes Thema. Man hat bis um 18:00 Uhr Unterricht (was am Anfang echt gewöhnungsbedürftig war) und danach sollte man noch mindestens zwei Stunden Hausaufgaben machen (Hier liegt die Betonung auf „sollte“). Außerdem war der Tagesablauf in meiner Familie sehr geregelt, was aber eigentlich mal eine tolle Abwechselung war. Freitag war zum Beispiel der Einkaufstag. Am Morgen, nach dem „petit déjeuner“, dem Frühstück, was wirklich sehr „petit“ war, wurde entschieden, wer am Abend mit einkaufen gehen würde und wer nicht. So konnte ich auch super Einblicke in die Französische Küche gewinnen. Auch der Versuch, die ganzen Namen der französischen Süßigkeiten an der Kasse auszusprechen war sehr witzig.

Mit meinen Klassenkameraden hat es eigentlich auf Anhieb gut funktioniert. In der ganzen Zeit habe ich kein einziges Mal irgendwelche Probleme mit Schülern gehabt und hab mich irgendwie mit jedem verstanden (normal braucht‘s da immer ein wenig bei mir). Wir haben viele tolle Momente in der Schule erlebt und sehr viel gelacht! Auch ein halbes Jahr nach meinem Aufenthalt in Frankreich habe ich zu den meisten Freunden noch engen Kontakt. Wir haben uns auch schon gegenseitig besucht. Es war toll, ihnen auch meine Heimat zeigen zu können. Außerdem hat mir an der französischen Schule super gefallen, dass man endlich die ersehnte eins mit Stern in Deutsch bekommt!

Nicht so gut lief es mit meinem Gastbruder, der durch seinen neuen Bruder anfing, sich benachteiligt zu fühlen. Leider habe ich mich mit ihm bis zum Ende nicht immer gut verstanden, doch nach zwei Monaten hatten wir uns aneinander gewöhnt und machten sogar relativ viele Dinge zusammen. 

Insgesamt waren es aber tolle sechs Monate! Viel erlebt, viel gelernt und auch einfach Spaß gehabt. Ich kann es nur jedem empfehlen!

Wenn ich mich an meine Zeit in Spanien zurück erinnere, kommen mir als erstes alltägliche Sachen in den Sinn.

Dinge wie das Essen, die Wohnung meiner Gastfamilie, meine Freunde, meine Schule oder der Weg jeden Morgen zu dieser. Ich erinnere mich noch genau, wie ich an meinem ersten Tag in Zaragoza mit meiner Gastschwester und ihren Freundinnen ins Zentrum gefahren bin und wie ich zum ersten Mal die „Basílica del Pilar“ gesehen habe. Ich war so beeindruckt, es war fast, als würde ich den Kölner Dom noch einmal zum ersten Mal sehen.

Es fällt mir schwer zu sagen, welche von den alltäglichen Erinnerungen ich für immer behalten werde. Aber ich bin mir ziemlich sicher, mich ewig an „Pilares“ erinnern werden zu können. Ein Fest, das ganz Zaragoza zu ehren der „Virgen del Pilar“ feiert. Man bekommt ein paar Tage schulfrei und auf dem großen Platz, dem „Plaza del Pilar“, vor der „Basílica del Pilar“, wird ein Gerüst mit Blumen aufgebaut und viele Menschen kommen dort hin, um durch Blumenkränze Respekt zu zeigen. Die meisten tragen regionale, traditionelle Kleidung und es gibt viele Attraktionen wie Tänze, Konzerte, Unterhaltungsprogram für Kinder und vieles mehr. Abends ging ich, wie die meisten anderen Jugendlichen, feiern, auf Konzerte oder einfach nur ins Zentrum. Die ausgelassene Stimmung hat mich sehr an Karneval erinnert und es war ein unvergessliches Erlebnis.   

Eine andere Sache, an die ich mich wohl immer erinnern werde, ist Silvester.

Abends sind wir zu einer Tante und einem Onkel gefahren und haben mit ihnen und einem Cousin zu Abend gegessen. Wir hatten uns oft mit der Familie getroffen und so kannte ich alle Anwesenden ganz gut. Da es nur eine kleine Runde war und ich schon seit einigen Monaten in Spanien war, konnte ich mich gut einbringen und hatte keine Probleme dem Gespräch zu folgen, was ein wunderbares Gefühl war. Ich hatte mich auch soweit an das Essen gewöhnt, dass ich selbst die Meeresfrüchte, die es gab, gerne aß. Als dann Mitternacht war, bekam jeder von uns 12 Trauben, von denen er immer eine pro Glockenschlag essen sollte. Das finde ich eine super schöne Tradition, die ich mir vorgenommen habe, auch in meiner Familie in Deutschland einzuführen. Hinterher saßen wir noch alle beieinander und haben geredet. Dort gibt es Neujahr kein Feuerwerk, was ich sehr angenehm finde.

Obwohl ich es nicht immer nur als einfach erlebt habe, im Ausland zu leben, erinnere ich mich doch sehr gerne daran zurück und vermisse viele Dinge. Allen voran natürlich die Menschen, das Essen und die Sprache. Doch ich liebe auch Köln und bin froh, dass ich mich jetzt nicht nur in Deutschland, sondern auch Spanien ein Stück weit heimisch fühle.

Ich würde richtig gerne, wenn ich die Gelegenheit dazu haben sollte, nochmal ins Ausland gehen – no risk, no fun! 

Frankreich – da denkt man ja automatisch an Paris, oder? Dass Frankreich aber viel facettenreicher ist, als teure Markengeschäfte, die weltberühmten Sehenswürdigkeiten wie der Eiffelturm oder Notre Dame und Croissants, das habe ich während meines 3-monatigen Aufenthalts in Toulouse, im Südwesten von Frankreich, erlebt.

Dank ODI und der tatkräftigen und finanziellen Unterstützung meiner Eltern (an dieser Stelle vielen lieben Dank dafür), konnte ich meinen Traum, mich unter Franzosen zu mischen, wahrmachen und in der Nähe der viertgrößten Stadt Frankreichs drei Monate bei einer Gastfamilie verbringen.

Nachdem ich an Weihnachten die Kontaktdaten meiner Gastfamilie erhalten hatte, begann ich sofort, mit meiner Gastmutter E-Mails zu schreiben, um meine französische Familie kennenzulernen. Auf diesem Weg erfuhr ich von meiner gleichaltrigen Gastschwester Mathilde und deren zwei Geschwistern, die aber schon ausgezogen sind und momentan studieren. Außerdem erhielt ich zahlreiche Bilder von den zwei Katzen meiner Gastfamilie. :)

Dass es sich aber auf jeden Fall gelohnt hatte, dorthin zu fahren, habe ich schnell gemerkt. Da es schwierig ist, drei Monate nachzuerzählen, werde ich ein bisschen über meine schönsten Erlebnisse in Toulouse und darüber erzählen, was ich, zurückgekommen nach Deutschland, vermisse:

Nachdem der erste Tag für mich in der neuen Schule, am Lycée in Blagnac, ziemlich schrecklich war und ich mich fehl am Platz und alleine gefühlt habe, hat sich das Blatt zum Glück um 180° gewendet: Ich habe Freund:innen gefunden, mit denen ich mich auch regelmäßig in den Ferien oder am Wochenende getroffen habe, ich habe den Unterricht immer besser verstanden und konnte deswegen sogar Klausuren mitschreiben – außer in Französisch, da habe ich mich meistens auf Einleitung und Schluss konzentriert :), ich durfte mit zu Ausflügen und konnte mich insgesamt sehr gut integrieren.
Ein Highlight für mich waren die Strandausflüge an den Wochenenden. In den drei Monaten meines Aufenthalts war ich insgesamt vier bis fünf Mal am Meer. Da in meiner Umgebung zu Hause leider nur das Steinerne Meer liegt, war diese Erfahrung total neu für mich, aber ich muss sagen – ich könnte mich dran gewöhnen! Meistens sind wir vormittags losgefahren, haben dann an der Strandpromenade zu Mittag gegessen und uns dann in die Sonne gelegt; am Ende meines Aufenthalts meinten sogar die Franzosen, dass ich im Bräunen deutliche Fortschritte gemacht hätte und sehr „bronzée“ aussehen würde!

Was mir auch total Spaß gemacht hat, waren die Streifzüge durch Toulouse mit meinen Freund:innen oder auch meiner Gastfamilie. Ob shoppen, ratschen, bummeln, südländische Architektur bewundern oder einfach nur Eis essen gehen – in Toulouse kann man einfach alles machen! Im Gegensatz zu der sehr ländlichen Gegend, in der ich derzeit zu Hause bin.

Eine ganz besondere Erfahrung war für mich auch, dass ich mit meinen Gastgeschwistern und meiner Gastmutter – mein Gastvater konnte leider krankheitsbedingt nicht mitkommen – ein Wochenende lang in den Urlaub fahren durfte. Zusammen mit befreundeten Familien wurde ein riesiges Haus südlich von Bordeaux und direkt am Atlantik, gemietet. Dort habe ich ganz unterschiedliche Menschen aus ganz Frankreich und Belgien kennengelernt , die mir viel erzählt haben und mir beigebracht haben, wie man „richtig“ Karten spielt in Frankreich.

Allen, die vorhaben, ins Ausland zu gehen, möchte ich sagen, dass es sich auf jeden Fall rentiert, sich die Mühe zu machen und den Bewerbungsbogen auszufüllen. :) Auch wenn ganz bestimmt nicht alles an Deinem Aufenthalt perfekt und nach Plan verläuft, hat man am Ende wahnsinnig viele neue Erfahrungen gemacht, bei denen man immer, wenn man daran denkt, schmunzeln muss - bei mir sind das z.B. die endlosen Diskusionen mit meinem Gastvater über Politik und Fußball, die mich in Frankreich teilweise an den Rand der Verzweiflung getrieben haben…! :)

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