Erfahrungsbericht USA: Tamara 2017-2018

Das erste Mal, als ich richtig realisierte, dass ich nun für 10 Monate weg von meinen Freunden, meiner Familie, meinem Zimmer und allem womit ich vertraut war sein würde, war, als das kleine Flugzeug in Brainerd, Minnesota landete. Es war schon spät abends und der Flughafen so klein, dass ich nichts durch das winzige Flugzeug Fenster erkennen konnte. Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wie ich aus dem Flugzeug die Treppen runter, über das Rollfeld raus und in das Flughafengebäude rein lief, doch was ich noch genau weiß ist, wie ich durch einen Glasgang das erste Mal die ganzen wartenden Gastfamilien sehen konnte.

Sie alle waren kaum weniger aufgeregt als wir Austauschschüler, denn sie waren bereit jemanden völlig Fremden für 10 Monate aufzunehmen. Als ich in dem kleinen Raum ankam, überwältigt von den ganzen bunten Willkommensschildern, konnte ich gerade noch wahrnehmen, wie ein kleiner, blonder Junge losrannte und mich fast umwarf. Er war es auch, der mich zu meinen zukünftigen Gasteltern brachte - mein kleiner Gastbruder Cael.

Mein Name ist Tamara. Ich war im Jahr 2017/18 für 10 Monate in Verndale, Minnesota als Austauschschülerin. Zu diesem Zeitpunkt war ich 16 Jahre alt. Zu meiner Gastfamilie gehören Tahna und Jason, meine Gastmutter und mein Gastvater und der damals vierjährige Cael; außerdem einem meiner Meinung nach viel zu großen aber sehr lieben Hund Duke und zwei Katzen Bailey und Booger.

Anfangs hatte ich Angst, es könne seltsame Momente geben, in denen niemand weiß was zu sagen ist, doch das gab es bei uns nie. Von Anfang an verstand ich mich blendend mit meiner amerikanischen Familie! Ich wusste gleich ich konnte ihnen vertrauen und keine Fragen mussten mir peinlich sein. Sie öffneten ihr Leben für mich und nahmen mich vollständig in ihre Familie auf. Sie waren sehr geduldig mit mir und erklärten immer alles, auch nach wiederholtem Nachfragen falls ich etwas nicht verstand. Egal wie dumm es sich manchmal anfühlte, man sollte immer nachfragen und nicht nur „lächeln und nicken“ (das kommt besonders anfangs relativ oft vor und ist normal).

Es war etwas ganz besonderes das Jahr in Minnesota, also dem Norden der U.S.A., zu verbringen. Als der Winter anfing, begann es zu schneien. Ich freute mich sehr über den Schnee ... bis ich herausfand, dass es so bald erstmal nicht aufhören würde damit! Zum ersten Mal seit langem erlebte ich wieder „Weiße Weihnachten“ (und mit weiß meine ich wirklich weiß, Meter hoch weiß!). Ab da wurde es stetig mehr Schnee. Aber auch die Temperaturen gingen immer weiter in den Minusbereich. An Silvester hatten wir ca. -37°C. Da in Amerika Silvester nicht mit Feuerwerken gefeiert wird, machten eine andere deutsche Austauschschülerin und ich ein „Minnesotan Firework“. Wir füllten Becher mit kochendem Wasser und warfen das dann draußen in die Luft. Das Wasser wird sofort drastisch runter gekühlt und wird zu Schnee und Eis. Das war eine sehr coole Erfahrung! 

Das kälteste, das wir im Winter hatten, war -40°C. Autos waren nicht mehr im Stande zu fahren und wir blieben die paar Tage im Haus und spielten Spiele. Zum Glück dauerte das nicht so lange an und es waren bald nur noch ca. -18°C. Doch damit schneite es wieder mehr. Am 23. Februar wollten meine Gastfamilie und ich Urlaub in Florida im Disney World machen, doch wegen einem großen Schneesturm war es uns nicht möglich auch nur in die Nähe der Hauptstadt und dem Flughafen zu kommen (Wir flogen ab den Twin Cities, welche ca. 3 Stunden von mir entfernt waren. Wegen dem Schnee mussten wir schon nach nicht einmal der halben Strecke umkehren). Wir schafften es zum Glück am nächsten Tag doch noch zu fliegen und verbrachten 2 schöne Wochen im warmen Florida!

In diesen 10 Monaten erlebte ich unglaublich viel. Ich wuchs an mir selbst und an meinen Erfahrungen und wurde zu einem offeneren Menschen gegenüber anderer Kulturen und Menschen. Ich lernte wie es ist sein Leben zurückzulassen und mit nichts außer einem vollen Koffer in ein neues, fremdes Land zu reisen (zurück wurde das nichts mehr mit nur einem Koffer). Ich erlebte den kältesten Winter, den ich je hatte und sah Dinge von denen ich vorher nichts wusste (gefrorene Seifenblasen sehen aus wie Kristallkugeln und Eisfischen ist im ersten Moment wirklich erstaunlich, wenn plötzlich ganze Hütten auf einem eigentlichen See stehen!).

Ein kleiner Tipp noch von mir: Es ist egal, ob man in eine coole große Stadt oder irgendwo in Minnesota in ein kleines Dorf kommt. Im Endeffekt kommt es darauf an, wie offen du für Neues bist und wie toll deine Gastfamilie ist, dann wird jeder Ort ein unvergessliches Erlebnis.

Tamara

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