USA - Ein kleines Plädoyer

Als ich im Jahr 1990 zum ersten Mal in meinem Leben ein Flugzeug bestieg und mich auf den Weg nach Alabama machte, hatte George H. W. Bush gerade Ronald Reagan als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika abgelöst und der erste Irak Krieg lauerte schon am Horizont. Meine Klassenkameraden fragten mich ungläubig, wie ich denn in dieses Land gehen könne und das auch noch für ein ganzes Jahr. Wir stellen seit ein paar Monaten einen massiven Rückgang an Anmeldungen für unser USA-Programm fest und kommen nicht umhin einen politischen Zusammenhang zu vermuten.

Mein Austauschjahr in Alabama war nicht immer leicht, ich habe die Gastfamilie gewechselt und mein erster Gastvater war Direktor der örtlichen High-School und ich hatte mit großem Heimweh zu kämpfen, aber zum Ende hin wollte ich gar nicht mehr weg. Das politische Geschehen in Washington D.C. hat auf mein Jahr kaum Einfluss gehabt.

Dafür hat aber der Lernprozess, dass es – genau wie in Deutschland – nicht den Amerikaner oder die Amerikanerin gibt, sehr schnell begonnen. Gelernt habe ich in diesem Jahr, das es wohl kein anderes Land auf der Erde gibt, das sich für so viele Kulturen geöffnet hat, so herzlich im Alltag ist und so viele unglaublich vielfältige Landschaften in sich vereint.

Zudem würde ich unseren deutschen Schulen manchmal ein bisschen High-School Spirit wünschen. Ebenso empfehlenswert ist das freundschaftliche Verhältnis von Lehrkörper zur Schülerschaft, das zur guten Stimmung in den Schulen beiträgt. Wohingegen der völlig unvoreingenommene Patriotismus und diese tiefe Religiosität bei einigen von meinen amerikanischen Freunden mir wahrscheinlich immer ein Rätsel bleiben werden. Faszinierend fand ich bis zum Schluss die Offenheit und das Interesse an meiner Person und an Deutschland. Alle wollten wissen, was anders ist in Deutschland und mir wurde bewusst, dass ich tatsächlich Deutschland vertrete.

Bis heute ist dieser Landstrich im südlichen Alabama eine zweite Heimat für mich und der Kontakt zu meiner Gastfamilie und meinen Gastgeschwistern, die mittlerweile alle selbst auch Familien gegründet haben, ist immer noch sehr herzlich. Insofern bleibt mir nur zu sagen, dass ein Austauschjahr in den USA immer eine interessante und bereichernde Erfahrung ist, insbesondere jetzt!

Britta Schwarz

 

 

Geschäftsführerin