SchüleraustauschErfahrungsberichte

Erfahrungen von unseren
ESK-Freiwilligen

Anfangs hatte ich Angst, es könnte seltsame Momente geben, in denen niemand weiß, was zu sagen ist, doch das gab es bei uns nie. Von Anfang an verstand ich mich blendend mit meiner amerikanischen Familie! Ich wusste gleich, ich konnte ihnen vertrauen und keine Fragen mussten mir peinlich sein.

Tamara (USA)

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Ich habe mich dazu entschlossen, ein Auslandsjahr in Kanada zu machen, weil ich einmal etwas Neues kennenlernen wollte,

etwas anderes als everyday Germany. Kanada, das Land der Natur und des ewigen Winters (also fast).Und dann steigt man aus dem Flugzeug im August und einem schlägt erstmal eine Hitzewelle entgegen. Tatsächlich hatte ich in den ersten drei Wochen viel besseres Wetter als in Deutschland und konnte non-stop im T-Shirt herumlaufen. Mein erster Eindruck von Kanada/Ottawa war erst einmal: groß und grün. Alles war wirklich unnötig in die Länge gezogen, so dass man immer mit dem Bus fahren musste und jede Strecke trotzdem noch eine Stunde lang war. Dafür hat jede der 20 Gemeinden eigene Wiesen und Wäldchen und Shopping Malls und alles Mögliche. Naja, Kanada ist eben nicht umsonst das zweitgrößte Land der Erde (mit einer sehr kleinen Einwohnerzahl von 35 Millionen), von daher hat man hier natürlich sehr viel Platz.

Der erste Monat war wirklich sehr warm, doch im September war damit Schluss: alles fing mit einem kleinen Tornado-Alarm auf dem Handy an, aber es erschien in dem Moment nicht weiter wichtig zu sein. Dann gab es Stromausfall für die ganze Nachbarschaft. Wir hatten uns gerade für ein Abendessen im Kerzenlicht vorbereitet, als dann plötzlich der gesamte Hintergarten durch die Luft flog und immer wieder gegen das Fenster knallte. Fasziniert gingen meine Gastmutter und ich zum Fenster. Der Wind wurde so stark, dass es besser war, in den Keller zu gehen. Also warteten wir dort für ungefähr drei Minuten, bis es sich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Doch als wir wieder ans Tageslicht kamen, traf uns und der maximale Schock: Alles war verwüstet! Es sah aus wie die Bilder im Fernsehen nach einer Naturkatastrophe. Es war echt surreal! Und über allem ein Regenbogen und der schönste Sonnenuntergang der Welt. Wir sind zu einem Freund in der Nähe gefahren, da wir leider auch ein großes Loch im Dach hatten. In den nächsten Tagen war erst einmal keine Schule (da die auch keinen Strom hatte) und sind jeden Tag zum Haus gefahren. Zusammen mit hilfsbereiten Nachbarn wurde das Dach abgedeckt, während ich am Community Center (das einen Generator hatte) die Handys aufgeladen und literweise Tee getrunken habe. Nach und nach wurde alles aufgeräumt mit Hilfe von vielen Freiwilligen und nach fünf Tagen gab es auch endlich wieder Strom in den Außenbezirken. Tatsächlich hatten sechs Tornados die ganze Umgebung getroffen und einen Weg der Zerstörung hinterlassen! Doch weitere Extreme ließen nicht lange auf sich warten...

Der November war der kälteste seit über zwanzig Jahren. Im Dezember musste ich meine Gastfamilie wechseln. So kam ich in eine neue Gastfamilie mit einer Gastmutter und zwei Gastschwestern, die alle sehr nett waren. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und ich bin dann auch das restliche Jahr bei ihnen geblieben. Zur Familie gehörten auch drei Vögel, eine sehr scheue Katze und ein riesiger Schnauzer (ja, die Hundeart). Eine der Gastschwestern war eine Austauschschülerin aus China und wir haben uns sehr gut verstanden. Zusammen haben wir unter anderem das Parlament besichtigt, das für die nächsten 20 Jahre für Renovierungen geschlossen wird. Eine andere Sehenswürdigkeit, für die Ottawa berühmt ist und die sogar als UNESCO Weltkulturerbe deklariert wurde, ist der Rideau Canal, der im Winter meterdick zufriert. Auf ihm entsteht dann die größte Eislaufbahn der Welt, die etwas weniger als 10 Kilometer lang ist. Ich hatte auch schon die Ehre einen Skateversuch zu unternehmen und fand es wirklich toll, da man immer weiter und weiter und weiter (...) fahren kann. Es gibt sogar Leute, die zur Arbeit skaten! Während des Festivals „Winterlude“ wurde es richtig voll: Touristen aus der ganzen Welt waren nach Ottawa gekommen, um zu skaten und die Eisskulpturen zu bewundern. All das natürlich mit einem traditionellen Beavertail – das ist eine Art krosses Gebäck, das in Zimt und Zucker gewälzt wird und dann mit Ahornsirup oder Schokolade serviert wird. Im Januar fing dann die Prüfungsphase an (man schreibt in Kanada keine Klassenarbeiten, sondern halbjährige Exams) und die Temperaturen fielen unter -20 Grad Celsius. Mein Rekord war tatsächlich ziemlich genau -37 Grad Celsius, aber was soll man sonst auch erwarten in Kanada, dem Land der Kälte ;-).

Wenn ich jetzt an Kanada zurückdenke, kommen mir eigentlich nur schöne Erinnerungen in den Sinn, kleine Details, die mich nicht mehr loslassen; so zum Beispiel das Fell und die Augen von Apollo, dem Hund, das tägliche „Good morning!“ von einem der Vögel, das gemeinsame Filmschauen, bei dem meine Gastmutter immer gegen Ende einschlief oder die ewigen Gespräche abends mit meiner Gastmutter oder morgens mit der Bibliothekarin. Ein ganz besonderes Highlight war für mich auch die Band der Schule, mit der wir eine Konzertreise nach New York unternommen haben. Das war natürlich auch ein einmaliges Erlebnis und wirklich beeindruckend! Die Schule hatte insgesamt eine schöne Atmosphäre und so haben mir auch Fächer wie Kunst mehr Spaß gemacht als in Deutschland. Man konnte viel mehr Freiheit genießen und die Schule besaß sogar einen Brennofen, was eine Vielfalt von verschiedenen, interessanten Projekten ermöglichte. So habe ich sowohl eine Landschaft mit Acryl gemalt als auch eine Tonrassel hergestellt. Die vielen Freizeitangebote haben mich auch sehr schnell den anderen Schülern nähergebracht und ich habe so sehr schnell Freunde gefunden, mit denen ich auch immer noch Kontakt habe. Als ich nach Deutschland zurückgekehrte, fielen fast allen auch Veränderungen in meinem Auftreten auf: Ich bin durch dieses Auslandsjahr viel selbstständiger und selbstbewusster geworden, was mir in vielen Bereichen meines Lebens wirklich weitergeholfen hat.

Insgesamt kann ich schon sagen, dass sich dieser Aufenthalt gelohnt hat und ich diese Entscheidung nie bereuen werde. Falls ihr jemals eine solche Möglichkeit habt, hoffe ich, dass ihr sie wahrnehmt, weil das eine Erfahrung ist, die man nur einmal im Leben machen kann. Der einzige „Nachteil“ ist, dass sich alle über meinen Akzent lustig machen, aber damit muss man leben ;-). Ich hoffe auch, dass ich nochmal nach Kanada fahren kann, um meine Gastmutter und meine Freunde zu besuchen!

Hallo, ich bin Hanna und ich war sechs Monate in Kanada, in Mission, British Columbia.

Für mich war es ein Abenteuer, in welches ich mich sofort wieder stürzen würde. Mein größtes Kriterium war es, reiten zu können, da das meine Leidenschaft ist und ich mir nicht vorstellen konnte, dies nicht zu machen. Zu meinem Glück bin ich in eine Gastfamilie gekommen, die meine Leidenschaft teilt.

Bevor ich gegangen bin hatte ich total Angst, in eine Familie zu kommen, mit der ich mich nicht verstehe, aber ich hatte die beste Familie, die ich mir hätte wünschen können. Man hat sich immer bemüht, dass es mir gut geht und dass ich das machen kann, woran ich Spaß habe. Ich war/bin ein Teil der Familie, egal ob’s ein Spaziergang mit dem Hund war, eine Theateraufführung mit dem Enkel oder ein Restaurantbesuch mit Verwandten ich war immer herzlich eingeladen und habe mich nie fehl am Platz gefühlt.

ODI hat mir persönlich sehr geholfen, da ich zu Anfang überhaupt nicht wusste, wohin ich möchte und wie lange, sondern nur, dass ich weg möchte. ODI hat sich immer nach meinen Wünschen gerichtet und auch, dass ich nicht wusste, wohin es gehen soll, war nie ein Problem. Nach vielen Gesprächen und viel hin und her habe ich mich dann doch für Kanada entschieden und habe es nicht bereut.

Die erste Sache, die mir zu meinem Auslandsjahr einfällt ist, dass es ganz anders war, als ich es mir vorgestellt hatte.

Ich dachte, ich würde eine tolle Familie haben und alles würde super werden. Als ich in Kanada angekommen war, waren vor allem die ersten paar Wochen nicht leicht. Es gab vieles, woran man sich gewöhnen musste (wobei man sagen muss, dass es über das ganze Jahr immer wieder neue Dinge gab, an die ich mich gewöhnen musste) und ich war auch nicht ganz zufrieden mit meiner Gastfamilie. Also fragte ich, ob ich die Familie wechseln könnte, was leider nicht ging. Das machte mich im ersten Moment ziemlich fertig. Aber letztendlich lernte ich, das Beste aus der Situation zu machen und war gegen Ende doch noch relativ glücklich, da ich mich vor allem mit meinem kolumbianischen Gastbruder unglaublich gut verstand.

Ich entschied mich sogar dafür, meinen Aufenthalt von einem halben Jahr auf ein ganzes zu verlängern. Das hieß, dass ich die Gastfamilie wechseln würde. Ich hoffte natürlich, dass ich mich diesmal besser einleben würde. Das war zwar der Fall, aber leider waren meine Gasteltern fast jeden Tag am Arbeiten (auch am Wochenende). Dadurch machte ich mehr mit meinen Freunden und habe auch durch den Sport mehr Freunde kennen gelernt. Ich finde besonders schön, dass ich nicht nur mit anderen Austauschschülern (darunter auch deutsche) sondern eben auch mit Kanadiern befreundet war. Ein Punkt, der mich dabei gestört hat war, dass in der Stadt, in der ich lebte, zu viele andere deutsche Austauschschüler waren (ungefähr 15).

Mein Auslandsjahr war nicht immer leicht und ich hatte oft Schwierigkeiten, klar zu kommen und an manchen Tagen wollte ich einfach nur zurück nach Deutschland. Trotzdem würde ich es immer wieder machen, weil ich viele positive Erinnerungen und Erfahrungen gemacht habe, so dass die schlechten Erinnerungen völlig egal sind. Naja, nicht ganz egal. Denn auch die schlechten Erfahrungen haben mir geholfen, Dinge herauszufinden oder zu verstehen. In einer anderen Welt zu leben verändert einen einfach, wobei man nie vergessen darf, dass man nicht alleine ist.

Ich kann jedem ans Herz legen, der darüber nachgedacht hat ein Auslandsjahr zu machen und der die Möglichkeit dazu hat, es zu tun. Es wird sich auf jeden Fall lohnen. Und das sage ich, obwohl meine Zeit nicht perfekt und nicht nur schön war.

Als ich in Frankfurt auf die anderen Austauschschüler von meinem Gruppenflug traf, stieg in mir die Aufregung das erste Mal richtig an.

Klar fiel es mir schwer meine Freunde und Familie für ein ganzes Jahr nicht zu sehen, aber trotzdem war dieses Auslandsjahr das, was ich mir schon immer erträumt hatte, und so überwog letztendlich doch meine Freude. Am nächsten Morgen ging es dann zum Flughafen von wo aus wir nach Chicago geflogen sind. In Chicago angekommen, haben wir dort zwei tolle Tage verbracht, in denen wir die Stadt besichtigt haben und noch eine weitere, sogenannte Orientation hatten. Und wieder stieg meine Aufregung ein weiteres Mal, als es nach der Orientation Richtung Flughafen MSP (Minneapolis/ St. Pauls) mit drei weiteren deutschen Austauschschülern weiterging, da ich sehr aufgeregt war, meine Gastfamilien endlich kennen zu lernen. Meine Gastfamilie empfing mich direkt sehr offen.

Meine Gastfamilie lebte in Oakdale, MN, einem Ort in der Nähe der Hauptstadt Minnesotas, St. Paul und ca. 30.000 Einwohnern. Als wir in meinem neuen Zuhause angekommen waren, zeigten sie mir mein Zimmer, welches sehr klein war und ich mit einem Koreaner geteilt habe, welcher drei Tage nach mir kam. Allerdings muss man dazu sagen, dass es nicht weiter schlimm war, da man die meiste Zeit im Wohnzimmer verbracht hat und wirklich nur zum Schlafen im Zimmer war.

Eine Woche später ging dann auch schon die Schule los. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich an der St. Paul Preparatory School war, welche eine Privatschule ist, die von der Partnerorganisation Nacel Open Door betrieben wird. Dies war der Grund dafür,  dass die Schule nur 200 Schülerinnen und Schüler umfasste, und nur ca. 20 von diesen Amerikaner waren. Der Rest waren alles Austauschschüler, was mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist, ich aber habe es geliebt!

In meinem Alltag, bin ich um 6:00 Uhr aufgestanden und habe mich fertig gemacht. Um ca. 7:00 Uhr haben ich und mein Gastbruder das Haus verlassen und sind zu der ca. 15 Minuten entfernten Bushaltestelle gelaufen. Um 7:20 Uhr kam meistens der Bus, welcher nach Downtown St. Paul gefahren ist, wo unsere Schule war. Der Stundenplan war nach A oder B Tag aufgeteilt, welche sich immer abwechselten. Also wenn Montag A-Tag war, war Dienstag B-Tag, Mittwoch wieder A-Tag usw. Es gab nicht, wie wir es in Deutschland kennen Stunden à 45 Minuten, sondern sogenannte Blöcke, die jeweils 85 Minuten lang waren.

Die Schule begann um 8:30 Uhr. Mein erstes Fach war American Literature oder American Popular Music. Danach hatte ich Economics oder Psychology. Darauf folgte eine Stunde Mittagspause.

Als dritter Block waren entweder Geometry oder Sociology an der Reihe und zum Schluss entweder Biology oder Health.

Besonders Spaß haben mir die sogenannten Spirit Weeks gemacht, wo es jeden Tag ein Motto gab, nachdem sich jeder gekleidet hat. Auch die Lehrer.

Außerdem war für mich ein Highlight der Abschlussball, oder auch Prom genannt. Jeder machte sich schick und dann wurde das Ende des Jahres gefeiert.

Insgesamt war mein Jahr in Amerika eins der besten Jahre meines Lebens. Ich habe bis heute Freunde auf der ganzen Welt gefunden und könnte nicht glücklicher sein, dieses Abenteuer auf mich genommen zu haben. Natürlich war es nicht immer leicht, aber wie meine Gastmutter immer gesagt hat: „There must be rain before a rainbow.“

Minnesota – the land of 10.000 lakes and 100.000.000.000.000 bugs

If someone would have told me that I would love to live in a small town, I think I would laugh about this super funny joke. But actually it’s not a joke. I thought small cities like Windom would be suuuuuper boring and the people wouldn’t be like the big city people but they’re just like we are... except they all life on a farm ;).

Two years ago I decided for myself to do an exchange year with Open Door International and I will never regret it. I always thought that people who did an exchange year would lie about how life changing it is but it’s true. You make new friends and get a new family with other thoughts about life and how to see the world. And you start thinking about your life and how you lived. It’s totally changing in a positive way. But let’s talk about my trip, not life changing things :).

My journey started on January 13th at the Cologne airport. It was early and all my friends were there to say goodbye to their crazy city girl. It was overwhelming and my eyes were bold because of all the tears we cried. But it wasn’t a sad moment actually. I was so happy to start a new chapter in my book called life.

So I went into the airplane and started my 24 hours trip to the middle of nowhere called Windom.

My journey ended in the beautiful airport of Sioux Falls where the most heartwarming and loveliest host family waited for me. At this point I felt like a family member. I had three host sisters, a mom and a dad and my new friend Fudgie, our dog. The dog didn’t really like me from day one but after a while she actually accepted me to the family.

My first days I school were really interesting and exciting. School in America is so much easier and more relaxed than in Germany. You have more choices for your schedule and your extracurricular activities. I had classes like creative photography and Anatomy which were my favorites. Of course I had English, math and history but these were the only ones you had to take. My extracurricular activities were speech and track and field coach. Speech helps you to improve your self-confidence and your ability to talk in front of a class. You speak in front of people that you don’t know in different categories. Discussion, creative speaking, or original oratory are some of them. If you’re good, you’ll get a ribbon or a medal. That’s actually really amazing if you get one. The feeling to be better than a person who lives there and probably does speech longer than you do is so cool and you will never forget it. That’s what I liked about speech so much.

After a long winter with a lot of snow I helped the track and field team out. It was a lot of fun to hang out with the throwing team and go with them to meets all over Minnesota. To support and coach them helped me to find new friends and get more sporty ;). Extracurricular activities in America are just so much fun and I can recommend everyone to do at least two while they're in the US. There you will find your friends and it's the only opportunity to spend time with your friends.

My family and I had a lot of beautiful and unforgettable memories like visiting Mount Rushmore and Minneapolis. But my favorite trip was to a German restaurant in the middle of nowhere. I felt like home. I mean, they had German bread! So how can you not be happy? :). Also a really fun trip was to the city of New Ulm where we visited a German brewery called Schell’s and visiting to thermal version of Herman the German (Herrmanns Statue).

So folks, that was my trip to the middle of nowhere with a thousand of beautiful memories that I will never forget. I can recommend to everyone who has the chance to live the American way of life to actually do it! It will change you and the way you see America and other people. I always think about my trip and I wish I could turn back time.

Mein unvergessliches Austauschjahr in Minnesota

Mein Name ist Tamara. Ich war insgesamt für zehn Monate in Verndale, Minnesota als Austauschschülerin. Zu diesem Zeitpunkt war ich 16 Jahre alt. Zu meiner Gastfamilie gehörten Tahna und Jason, meine Gastmutter und mein Gastvater und der damals vierjährige Cael, außerdem einem meiner Meinung nach viel zu großen aber sehr lieben Hund Duke sowie zwei Katzen Bailey und Booger.

Meine Ängste erwiesen sich als unbegründet

Anfangs hatte ich Angst, es könnte seltsame Momente geben, in denen niemand weiß, was zu sagen ist, doch das gab es bei uns nie. Von Anfang an verstand ich mich blendend mit meiner amerikanischen Familie! Ich wusste gleich, ich konnte ihnen vertrauen und keine Fragen mussten mir peinlich sein. Sie öffneten ihr Leben für mich und nahmen mich vollständig in ihre Familie auf. Sie waren sehr geduldig mit mir und erklärten immer alles, auch nach wiederholtem Nachfragen,  falls ich etwas nicht verstand. Egal wie dumm es sich manchmal anfühlte, man sollte immer nachfragen und nicht nur „lächeln und nicken“ (das kommt besonders anfangs relativ oft vor und ist normal).

Weiße Weihnachten in den USA

Es war etwas ganz besonderes das Jahr in Minnesota, also dem Norden der USA zu verbringen. Als der Winter anfing, begann es zu schneien. Ich freute mich sehr über den Schnee ... bis ich herausfand, dass es so bald erstmal nicht aufhören würde damit! Zum ersten Mal seit langem erlebte ich wieder „Weiße Weihnachten“ (und mit weiß meine ich wirklich weiß, Meter hoch weiß!). Ab da wurde es stetig mehr Schnee. Aber auch die Temperaturen gingen immer weiter in den Minusbereich. An Silvester hatten wir ca. -37°C. Da in Amerika Silvester nicht mit Feuerwerken gefeiert wird, machten eine andere deutsche Austauschschülerin und ich ein „Minnesotan Firework“. Wir füllten Becher mit kochendem Wasser und warfen das dann draußen in die Luft. Das Wasser wird sofort drastisch runter gekühlt und wird zu Schnee und Eis. Das war eine sehr coole Erfahrung! 

Das Kälteste, das wir im Winter hatten, war -40°C. Autos waren nicht mehr im Stande zu fahren und wir blieben die paar Tage im Haus und spielten Spiele. Zum Glück dauerte das nicht so lange an und es waren bald nur noch ca. -18°C. Doch damit schneite es wieder mehr. Am 23. Februar wollten meine Gastfamilie und ich Urlaub in Florida im Disney World machen, doch wegen einem großen Schneesturm war es uns nicht möglich auch nur in die Nähe der Hauptstadt und dem Flughafen zu kommen (Wir flogen ab den Twin Cities, welche ca. drei Stunden von mir entfernt waren. Wegen dem Schnee mussten wir schon nach nicht einmal der halben Strecke umkehren). Wir schafften es zum Glück am nächsten Tag doch noch zu fliegen und verbrachten zwei schöne Wochen im warmen Florida!

Unglaublich viel erlebt

In diesen zehn Monaten erlebte ich unglaublich viel. Ich wuchs an mir selbst und an meinen Erfahrungen und wurde zu einem offeneren Menschen gegenüber anderen Kulturen und Menschen. Ich lernte, wie es ist sein Leben zurückzulassen und mit nichts außer einem vollen Koffer in ein neues, fremdes Land zu reisen (zurück wurde das nichts mehr mit nur einem Koffer). Ich erlebte den kältesten Winter, den ich je hatte und sah Dinge, von denen ich vorher nichts wusste (gefrorene Seifenblasen sehen aus wie Kristallkugeln und Eisfischen ist im ersten Moment wirklich erstaunlich, wenn plötzlich ganze Hütten auf einem eigentlichen See stehen!).

Ein kleiner Tipp noch von mir: Es ist egal, ob man in eine coole große Stadt oder irgendwo in Minnesota in ein kleines Dorf kommt. Im Endeffekt kommt es darauf an, wie offen du für Neues bist und wie toll deine Gastfamilie ist, dann wird jeder Ort ein unvergessliches Erlebnis.

Tamara

Europa

Corona hat viele Dinge auf der Welt verändert. Den Alltag vieler Menschen, wie sie arbeiten, wie Kinder zur Schule gehen und vieles mehr. Auch für mich hat sich so einiges geändert. Mein Auslandsjahr war und ist in vielerlei Hinsicht „eingeschränkt“ oder vielleicht auch einfach „anders“.

Kenny (Irland)

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Auf nach Frankreich!

Viele haben mich am Anfang ja gefragt, warum genau ich denn 'nur' nach Frankreich gehe und nicht in die weit entfernten und vielleicht aufregenderen Länder in Südamerika oder Australien oder Kanada? Für mich war die Antwort ganz klar: Französisch! Eine für mich wunderbare Sprache, welche ich aber vor meinem Aufenthalt nicht gerade beherrscht habe.


Also los ging es. Ich bin im Januar losgefahren, da kann man sich das Wetter in Deutschland ja ungefähr vorstellen und dann hat es mich einfach umgehauen, ich steige aus dem Zug, es ist blauer Himmel und um die 17°C. Man muss aber auch sagen, dass ich in Südfrankreich war. :)
Ich erinnre mich noch zu gut: An einem Nachmittag sind wir aus der Schule gekommen und gleich in den Garten und haben in T-Shirt und mit Sonnenbrille Kicker gespielt – IM JANUAR!

Aber zum Anfang: Meine Gastfamilie hat mich vom Bahnhof abgeholt und meine lokale Betreuerin war auch mit dabei. Ich würde sagen, mit meiner Familie hat’s mich echt gut getroffen, wir haben uns super verstanden. Ich hatte einen Bruder in meinem Alter und noch einen kleineren Bruder und eine kleinere Schwester. Mit ihnen habe ich den französischen Alltag kennen gelernt. Von morgens bis spät nachmittags in die Schule, aber dann am Abend hieß es Familie. Wir haben immer zusammen gegessen und das richtig typisch mit Dessert (was aber auch nur ein Joghurt sein konnte) und Käse! Am Wochenende haben wir auch oft Ausflüge gemacht und die Umgebung angeschaut. Aber auch sonst, wenn wir einfach nur Zuhause waren, haben wir zusammen Gesellschaftsspiele gespielt, Filme geschaut oder einfach nur geredet.

Vor dem Lycée hatte ich anfangs ein bisschen Angst. Wie würde es werden? Werde ich Anschluss finden? Sind die Französinnen und Franzosen etwa so verschlossen, dass sie gar nichts mit mir machen wollen? Und ja, ich habe Anschluss gefunden und die Franzosen und Französinnen waren toll. Am ersten Schultag ist mein Gastbruder mit mir los – wir sind immer zu Fuß zur Schule gelaufen – und hat mir dann erstmal alle vorgestellt. Dann ging der Unterricht auch schon los, im ersten Moment “HILFE ich versteh nichts!“ aber nach und nach wurde es immer besser. Den ersten 'richtigen' Anschluss habe ich dann aber in der Kantine gefunden. Klar, vorher waren schon alle lieb und offen, aber dort habe ich die Leute getroffen, mit denen ich mich dann während des gesamten Aufenthalts wirklich gut angefreundet habe. Sie sind einfach auf mich los, von allen Seiten: “Hey, du bist doch die aus Deutschland“. Die Mädels aus Frankreich haben mich jetzt sogar für den Sommer wieder eingeladen, herkommen wollen sie aber höchstens für paar Tage, das Wetter ist ihnen einfach zu schlecht. :)

Jetzt rückblickend bin ich froh, nach Frankreich gegangen zu sein. Als erstes muss man natürlich sagen wegen der Sprache: Wenn ich vorher im Französischunterricht recht wenig verstanden habe, verstehe ich jetzt so ziemlich alles. Außerdem einfach mal die französische Lebensweise zu sehen war eine schöne Erfahrung – es mag zwar das Land gleich neben uns sein, aber trotzdem gibt es viele Unterschiede zu entdecken, natürlich aber auch viele Gemeinsamkeiten. Ich war zwar nur drei Monate dort, was doch eine kurze Zeit ist, die auch schwuppdiwupp vorbei war, doch trotzdem war es eine wunderbare Zeit, in der ich auch viel dazu gelernt habe, Freundschaften geknüpft und ein bisschen das savoir vivre zu leben bekommen habe.

Ein unvergessliches Jahr in Irland

Schon bald nach meiner Anmeldung wusste ich, in welche Gastfamilie ich kommen würde. Bis zu den Sommerferien konnte ich es kaum erwarten und habe meine Gastfamilie schon vorher über E-Mail ganz gut kennengelernt. Als der Tag der Abreise endlich gekommen war, ging plötzlich alles sehr schnell. Und ehe ich mich versah, war ich schon auf dem Weg vom Flughafen in Dublin nach Cavan in mein neues zu Hause. Die ersten Monate vergingen wie im Fluge und kamen mir eher wie Ferien vor, obwohl ich natürlich zur Schule gehen musste.

Schule in Irland

Ich habe an der irischen Schule das Transition Year (TY) besucht. Das ist ein Jahr, das man freiwillig nach dem 3rd Year (etwa 8. Klasse) machen kann. Dort haben wir einige Workshops und Ausflüge gemacht und uns viel mit der Frage beschäftigt, was man nach der Schule machen könnte. Da ich auf dem Land gelebt habe, haben sich Aktivitäten nach der Schule ziemlich eingeschränkt. Egal wo man hinwollte, meine Gasteltern mussten mich immer fahren. Da sie selber drei Kinder haben, habe ich mich mit dem zufrieden gegeben, was ich alleine machen konnte.
Von der irischen Partnerorganisation wurden Ausflüge angeboten. So waren wir am Giant’s Causeway, Cliffs of Moher, Belfast, Galway, uvm.

Die Iren und der Sport

Fußball ist bei den Iren nicht so sehr bekannt wie in Deutschland. Dafür haben sie aber viele eigene Sportarten, wie Gaelic Football, Hurling/Camoogie und Rugby. Gaelic Football ist eine Mischung aus Handball, Basketball, Rugby und Fußball. Hurling spielt man mit einem Tennisball großem Ball und einem Schläger. Sport scheint in Irland sehr wichtig zu sein. In den letzten Monaten habe ich selbst angefangen Gaelic Football zu spielen.

Besondere Feiertage in Irland

Ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden haben ein ganzes Schuljahr in Irland zu bleiben. Dadurch hatte ich das Glück Feiertage wie Halloween, Weihnachten, Neujahr und St Patrick’s Day mitzuerleben. An Halloween bin ich, natürlich verkleidet, mit meiner Gastfamilie zu den Nachbarn gegangen und habe traditionell nach Süßigkeiten gefragt (Trick or Treat). Weihnachten feiern die Iren ein klein bisschen anders als wir. Zu ihnen kommt der Weihnachtsmann am 25. Dezember durch den Schornstein und legt die Geschenke in die vorher aufgehangenen Socken. Nachdem die Geschenke geöffnet und ausprobiert wurden, sind wir in die Kirche gegangen. Danach gab es ein riesengroßes Essen mit traditionellem Truthahn. Am 17. März ist St. Patrick’s Day. Dieser Tag ist ein bisschen wie Karneval in Köln. Es gibt viele Paraden, in Dublin die größte und in den anderen Städten kleinere. Ich habe mir mit meiner Gastfamilie die Parade in unserem Ort angesehen. Dort sind viele Football Clubs mitgegangen. Das schöne ist aber, dass sich alle grün verkleiden und einfach gute Laune haben. Halt typisch irisch! Der einzige Unterschied zum Kölner Karneval ist, dass bei den Paraden keine Süßigkeiten geworfen werden.

Ich bin wirklich froh, dass ich die neun Monate trotz mancher Hürden durchgehalten habe. Ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt, eine zweite Familie und tolle Freunde gefunden. Ich kann es kaum erwarten wieder nach Irland zu fahren!

Anne

Mein Auslandsjahr in England: Ich habe die Zeit genossen

Alles begann bei einem Tischgespräch am Abend zwischen mir und meinen Eltern. Wir kamen darauf, wie das sein müsste eine Zeitlang im Ausland zu leben und ob das überhaupt etwas für mich wäre. Alles schien utopisch und weit entfernt zu sein, doch nach etwas Bedenkzeit und der Bewerbung bei ODI in Köln, rückte ein Auslandsaufenthalt plötzlich ganz nah. Ich war schon froh, dass alles so früh los ging und plötzlich stand auch schon der Abreisetermin fest.

Start ins Abenteuer

Im Januar begann mein Abenteuer. Ich wurde zum Flughafen gebracht und sagte meinen engsten Familienmitgliedern für ein ganzes halbes Jahr „Auf Wiedersehen“. Daran kann ich mich noch ganz genau erinnern. Es war keineswegs leicht für mich, doch ich wusste, dass eine ganz große Erfahrung endlich darauf wartet, erlebt zu werden! Ich flog nach London Gatwick, denn meine Gastfamilie lebte in der Nähe von Dover. Mein Gastvater holte mich damals vom Flughafen ab und nach kurzer Kennenlernphase fuhren wir bei typisch englischem Regen über die Autobahn zu meinem neuen Zuhause für das kommende halbe Jahr. Ich lernte meine Gastmutter und meinen italienischen Gastbruder kennen. Sie wirkten alle sehr nett, was sich auch durch den ganzen Aufenthalt hinzog.

Meine Eindrücke vom britischen Schulalltag

Ich war an einer typisch englischen Grammar School in einer 12. Klasse untergebracht. Jeden Tag wurde die Schuluniform getragen und anhand der Krawattenfarbe/Muster erkannte man sofort, wer in welchem Abteil der Schule untergebracht war. (Es gab verschiedene „Schulhäuser“ die ebenfalls an Sportwettkämpfen, Debatten oder sonstigen schulischen Veranstaltungen gegeneinander konkurrierten.)

Meine Schulfächer waren Mathematik, Geschichte, Geographie und Biologie. Tja, als deutscher Schüler wundert man sich da erst einmal, doch die englischen Oberstufen-Schüler haben nur vier Fächer und so ergab es sich durchaus, einen kompletten Schultag nur ein einziges Fach zu haben. Alle Schüler und Lehrer waren bei mir äußerst hilfsbereit und offen, was besonders in den ersten paar Wochen wichtig war, um sich erst einmal ein Bild der gesamten Schule zu machen und sich selbst zurechtzufinden. Nach einiger Zeit war das aber kein Problem mehr – und wie das meistens der Fall ist, kennt man seine neue Umgebung in ein paar Tagen wie die eigene Westentasche.
Ich lernte viel über englische Geschichte innerhalb des Mittelalters – besonders über „The wars of the roses“ (Rosenkriege), die eine Ewigkeit in England zwischen den Adelshäusern wüteten. Und in Geografie durften natürlich Herangehensweisen an den Bau von Küstenschutzzonen nicht fehlen, wie Wellenbrecher, Brandungsmauern etc. So bekam man in kurzer Zeit schon tiefe Einblicke in unterschiedliche Bereiche, die man so noch nicht gewohnt war. Freundschaften wurden schnell geknüpft und so war jeder Tag ein kleines Geschenk mit neuen größeren oder kleineren Erfahrungen.

Unternehmungen mit meiner Gastfamilie

In den Ferien machte ich mich teils allein, teils mit meiner Gastfamilie zu verschiedensten Sehenswürdigkeiten auf. Englische Burgen, Parkanlagen und natürlich die Großstadt London sind nur ein paar Beispiele. Jedes Mal sah man verschiedene Landstriche und es war immer etwas für das Auge dabei! So reiste man noch durch die Umgebung und sah noch etwas anderes als nur seinen normalen Wohnort und die Schule. Durchaus empfehlenswert!

So sammelte ich nun Tag für Tag meines Auslandsauftenthaltes neue Erfahrungen ein und das halbe Jahr wurde immer kürzer mit einem Stück für Stück größer werdenden Wortschatz. Am Ende freute ich mich natürlich auch wieder auf mein richtiges Zuhause und meine Familie und Freunde. Ende Juni ging es dann für mich wieder zurück nach Deutschland.

Ich habe diese Zeit sehr genossen und wünsche all denjenigen, die sich auch für solch ein Abenteuer entscheiden, sei es England selbst oder woanders auf dieser Welt, eine genauso schöne Erfahrung mit tollen Erlebnissen.

Du willst auch nach Spanien kommen? Ich kann es dir nur empfehlen!

Mein Schüleraustausch in Spanien, um genau zu sein in Galizien, hat mir sehr gut gefallen: die Städte, die Landschaft, die Leute und generell die Mentalität und Lockerheit der Spanier. Anpassungsschwierigkeiten hat man hier wenige, Freunde finden ging bei mir sehr schnell durchs Fußball spielen. Die Leute kommen auf einen zu, fragen, ob es dir gut geht und finden es selber sehr interessant, einen aus einer anderen Kultur dazuhaben.

Zum Thema Heimweh: Ich denke am Anfang ist es ganz normal seine Freunde, Familie und auch die Sprache zu vermissen. Keiner kann leugnen, mal Heimwehgehabt zu haben. Außerdem zeigt es ja auch, dass man ein schönes zu Hause hat, auf das man sich freuen kann. Ich würde schon fast traurig finden, würde man kein Heimweh haben.

Die Schule ist sehr anders als in Deutschland. Die meisten Schulen beginnen erst um halb neun oder neun. Eine Schulstunde geht 50 statt 45 Minuten und zwischen den Stunden gibt es keine kleinen Pausen, sondern nach 3 Schulstunden eine halbe Stunde Mittagspause, dort trifft man sich mit seinen Freunden, geht rum und redet. Bei mir war nach 6 Schulstunden, also um 14:30 Schluss. Jede Schule hat einen Tag, an dem am Nachmittag noch 2 bis 3 Schulstunden Unterricht sind, jedoch liegt eine lange Mittagspause dazwischen, wo man genug Zeit hat, um nach Hause zu fahren und etwas zu essen.

Auch der Unterricht ist anders. Die meiste Zeit reden die Lehrer:innen und die Schüler:innen stellen Fragen und schreiben auf, was sie mitbekommen. Außerdem wird viel mit dem Buch gearbeitet. Also so etwas wie Arbeitszettel oder Aufgaben von der Tafel gibt es nur wenige. Da der Lehrer sehr viel redet, ist es am Anfang recht anstrengend, die ganze Zeit einer fremden Sprache, von der man wenig bis gar nichts versteht, zuzuhören. Dazu kommt, dass viele Fächer auf Galizisch sind. Insgesamt finde ich es aber gut, gleich zwei Sprachen auf einmal mitzubekommen, da ich mich dann nicht nur mit Spaniern, sondern auch mit Portugiesen verständigen können werde. Die Schule ist sehr modern ausgerüstet. Es gibt Smart-Boards in jedem Raum und außerdem sehr gut ausgerüstete Computerräume. Außerdem haben wir Informatik-Unterricht, was in der heutigen Welt recht wichtig ist. Statt dem Galicisch Unterricht für die anderen, habe ich drei Stunden die Woche speziellen Spanischunterricht, dort lerne ich die Zeiten richtig zu benutzen, neue Wörter und bekomme Tipps zur besseren Aussprache. Das Lehrer:innen-Schüler:innen-Verhältnis ist ebenfalls anders als in Deutschland. Auf dem Stundenplan stehen nur die Vornamen der Lehrer:innen und angesprochen werden sie nur mit „profe“. Außerdem ist es normal, wenn man seine Lehrer:innen umarmt oder ihnen etwas Persönliches erzählt.

In Deutschland hatte ich vor meinem Auslandsjahr bereits vier Jahre Spanisch in der Schule, jedoch habe ich fast gar nichts verstanden als ich angekommen bin. Das liegt wahrscheinlich daran, dass in der Schule in Deutschland mit deutschem Akzent gesprochen wird, außerdem sprechen die Spanier:innen natürlich schneller und alltagssprachlicher als in der deutschen Schule. Mittlerweile verstehe ich eine Menge und kann mich mit gut auf Spanisch unterhalten, auch wenn es schwer ist, mit so wenig deutschem Akzent wie möglich zu sprechen.  Am meisten Probleme bereitet mit das gerollte „r“, welches ich leider immer noch nicht kann. Meine Freunde untereinander sprechen zwar ab und zu Galizisch, mit mir aber immer Spanisch, auch da sie so gut wie gar kein Englisch können. Das Wichtigste beim Spanischlernen ist es, viel zu reden, ob mit Freund:innen, der Gastfamilie oder Lehrer:innen, wobei man sich auch nicht schämen sollte, wenn man etwas nicht versteht.

Insgesamt würde ich dir auf jeden Fall empfehlen nach Spanien zu kommen. Nicht nur um die Sprache zu lernen, sondern auch um die Mentalität kennen zu lernen und auch mal aus einer anderen Sicht der Dinge zusehen. Außerdem erlebt an hier so viele spannende, interessante Dinge, die man Deutschland niemals erlebt hätte.

Heute möchte ich mich intensiver mit der aktuellen Corona-Pandemie auseinandersetzen...

... und euch darüber hinaus erzählen, wie es mir mit der Lage geht, und wie es ist während einer Pandemie ein Schüleraustausch in Irland zu machen.

Einschränkungen durch Corona?

Corona hat viele Dinge auf der Welt verändert. Den Alltag vieler Menschen, wie sie arbeiten, wie Kinder zur Schule gehen und vieles mehr. Auch für mich hat sich so einiges geändert. Mein Auslandsjahr war und ist in vielerlei Hinsicht „eingeschränkt“, oder vielleicht auch einfach „anders“. Alles begann mit dem ersten Lockdown und den immer weiter steigenden Zahlen, weltweit. Lange stand nicht genau fest, ob ich mein Auslandsjahr überhaupt - wie geplant - antreten kann. Alles war fix und fertig, quasi in Sack und Tüten und ich stand schon auf heißen Kohlen, zum Startschuss bereit. Alles was bis dato gefehlt hat, um loszufliegen war ein Placement, also meine Gastfamilie. Glücklicherweise bekam ich dann im Juli meine Gastfamilie und konnte doch, wie geplant, am Ende August meine Reise nach Irland antreten, da sich die Lage beruhigt hatte.

Meine erste große Einschränkung während des Auslandsjahres war wohl die Quarantäne direkt zu Beginn. Alles andere als das, was man sich vorstellt, wenn man so ein großes Abenteuer antritt. Eigentlich möchte man direkt alles und so viel wie möglich erkunden, in die Schule gehen, Menschen kennenlernen etc… All das war nicht möglich, denn ich musste zwei Wochen lang bei meiner Gastfamilie zu Hause in häuslicher Quarantäne verbringen. Aber anders heißt ja nicht automatisch schlechter! Ganz im Gegenteil, es war super. In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit meine Gastfamilie direkt gut und womöglich intensiver kennenzulernen.

Besser oder schlechter?

Niemand von uns Austauschschülern hat den Vergleich ob das eine oder das andere „besser“ ist. Natürlich stellt man sich viele Sachen anders vor, aber das ist ja generell so. Es ist und bleibt eben ein Abenteuer, in dem man neue Sachen kennenlernen wird, auf die man sich einlassen muss und die hinterher vermutlich auch viel schöner sind als man es erwartet hat. Deshalb kann ich die Frage „Hat Corona dich bzw. dein Auslandsjahr eingeschränkt?“ gar nicht richtig beantworten. Denn eigentlich weiß ich ja nicht, wie es bei mir anders gewesen wäre, wenn wir uns nicht in einer weltweiten Pandemie befinden würden. Aber ja natürlich, auch hier in Irland gab es für alle Menschen Corona-Maßnahmen und Einschränkungen. Seit Anfang meines Auslandsjahrs mussten wir hier in geschlossenen Gebäuden Masken tragen und uns an einen Mindestabstand von 1,5 Metern halten. Auch in der Schule mussten wir Maske tragen. Außerdem bekamen alle Schüler:innen einen Einzeltisch, der nach jeder Unterrichtsstunde eigenständig desinfiziert und gereinigt werden musste. Auf dem Pausenhof durften wir unsere Masken abnehmen, mussten uns aber trotzdem an den Mindestabstand halten.

Onlineunterricht statt Klassenraum

Die Einschränkungen waren rückblickend in den ersten vier Monaten nicht „sonderlich groß“. Natürlich hätte man mehr machen können, wäre Corona nicht gewesen, aber immerhin waren zeitweise noch alle Geschäfte und vor allem die Schulen geöffnet. So konnte ich nämlich auch einen irischen Barber-Shop im Oktober besuchen. Juhu! Fast pünktlich zur Halbzeit meines Auslandsjahres wurden leider alle Schulen geschlossen. Irland befindet sich wieder in einem und jetzt noch stärkeren Lockdown. Seit den Weihnachtsferien gehe ich nicht mehr zur Schule, also Vorort. Nach den Ferien, seit der zweiten Januar-Woche, habe ich Online-Unterricht. Das war erst mal wieder eine große Umstellung und mein ganzer Tagesablauf hat sich von heute auf morgen wieder geändert. Insgesamt ist der Online-Unterricht gut, alles funktioniert reibungslos aber ich bin quasi abgeschottet von der Außenwelt. Ich kann mich nicht mit meinen irischen Freunden treffen, nicht mit dem Fahrrad nach Moville fahren, um schöne neue Shops und Restaurants zu entdecken, geschweige denn andere wunderschöne Orte in Irland erkunden. Leider. Außerdem ist Greencastle, mein aktuelles Zuhause, wirklich mitten im Nirgendwo. Also ist für mich nach der Schule jeden Tag „tote Hose“. Nichts los, nichts Neues, nichts zu gucken.

Zum Glück verstehe ich mich so gut mit meiner Gastmutter, meinem Gastvater und meiner Gastschwester, dass ich mich hier im Haus sehr wohl fühle. Trotzdem führte dieses „Ich kann nichts tun, nirgendwo hin etc.“ oft zu Langeweile. Denn hier in der Nähe ist wirklich absolut gar nichts, wo man hingehen könnte. Und selbst wenn, wäre es ja eh geschlossen.

Naja, jetzt nach einiger Zeit im Lockdown habe ich mich daran gewöhnt und freue mich auch viel mehr über die kleinen Dinge, wenn ich denn dann mal was zu tun habe oder machen kann. Aber ich habe mich auch „neu erfunden“, also quasi das, was jeder während seines Schüleraustauschjahrs durchläuft. Zum Beispiel lese ich in meiner Freizeit wieder mehr. Habe mir ein Zeichen-Pad gekauft und probiere mich an digitalen Grafiken aus. Denke mir mit meiner Gastschwester ab und zu neue Gerichte zum Kochen oder Backen aus. Zusammenfassend kann ich zu dieser Frage nur nochmal sagen: Ich weiß nicht wie es anders gewesen wäre. Ja, ich habe es mir anders vorgestellt. Aber ist das nicht immer so? Insgesamt bin ich froh hier zu sein und versuche die Zeit zu genießen, so wie sie ist. Die erste Hälfte ging jetzt so schnell vorbei, also muss es ja gut gewesen sein. Und das war es auch. Jetzt bin ich gespannt wie es weitergeht.

Das erhoffe ich mir von den nächsten Wochen

Gibt es Hoffnungen auf „Besserung“ für die verbleibende Zeit im Ausland? Das weiß leider keiner. Weder ich, noch Mama und Papa, Oma und Opa, die Organisation und auch nicht das Land Irland selbst. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Regeln wieder gelockert werden können, bevor ich Ende Mai zurück nach Deutschland fliege. Insbesondere hoffe ich, dass die Schulen nochmal geöffnet werden und ich vielleicht noch einmal einen normalen irischen Schultag erleben kann und / oder dass ich zumindest nochmal die Unterrichtsstunden in der Schule, gemeinsam mit meiner irischen Klasse und Freunden, verbringen kann. Außerdem wäre es schön, wenn die Stadtgrenzen zu anderen Orten hier in Irland wieder geöffnet werden, sodass ich Irland nochmal „richtig kennenlernen“ kann. Sehr gerne würde ich Städte wie Galway, Dublin oder Letterkenny zum ersten mal besuchen. Oder noch einmal nach Buncrana fahren, dort hat es mir so gut gefallen.
Da ich ja hier direkt an der Grenze zu Nordirland wohne (mit der Fähre einmal übers Wasser) wäre es cool, auch dort mal hinzufahren. Mein Gastvater ist nämlich Marinepilot und fährt Schiffe von unserer Seite auf die andere Seite des Nordatlantiks nach Magilligan, Nordirland.
Ansonsten hoffe ich natürlich, dass ich Ende Mai überhaupt nach Deutschland zurückfliegen darf und natürlich auch, dass ich mein Auslandsjahr nicht vorzeitig abbrechen muss. Aber alles in allem habe ich ein sehr schönes Auslandsjahr. Mir gefällt es wirklich gut und ich hoffe die tolle Zeit hier geht genau so (oder noch besser) weiter.

Unerwartete positive Auswirkungen durch Corona?

Dadurch, dass ich nicht zur Schule gehen kann (Vorort), habe ich viel Freizeit, die ich mit meiner Gastfamilie verbringen kann. Oder auch damit, die nähere Umgebung (Landschaft) weiter kennenzulernen. Das heißt, dass ich jetzt mehr spazieren gehe und auch ab und zu mal joggen gehe. Weil ich so viel intensive Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen konnte, haben wir ein wirklich gutes Verhältnis zueinander. Was wirklich schön ist.

Würde ich etwas ändern?

Nein!

Ein ganz klares: NEIN

Denn wie gesagt, ich weiß nicht wie es hätte anders sein können und wie das dann gewesen wäre.
Hätte ich mein Auslandsjahr um ein Jahr nach hinten verschoben, dann hätte ich sehr wahrscheinlich eine andere Gastfamilie bekommen. Und wer weiß, ob die andere Gastfamilie so toll gewesen wäre, wie meine es ist? Ich kann mir nämlich keine bessere Gastfamilie vorstellen.
Und die „Unterkunft“ ist mit das Wichtigste. Wenn man sich in seinem neuen Zuhause nicht wohl fühlt, dann kann man auch alle anderen Dinge drum herum nicht so sehr genießen. 

Ich bin sehr sehr froh hier zu sein und möchte diese tolle Erfahrung auch nicht eintauschen. Es ist alles so passiert, wie es passieren sollte. Ich bin zufrieden mit meinem Auslandsjahr und freue mich jeden Tag, dass ich es getan habe und hier bin. Ich habe viele tolle neue Menschen kennengelernt, wohne aktuell an einen wunderschönen, wenn auch sehr ländlichen, Ort mit Meerblick und lerne ganz nebenbei Englisch. Ich trinke mehr Wasser, gehe zum ersten mal in meinem Leben regelmäßig joggen und bin in vielerlei Hinsicht über mich selbst hinausgewachsen. 

„This is me, this is real – this is exactly where I am suppose to be“

Aber was ist denn überhaupt so ein Auslandsjahr?

Das Jahr deines Lebens.
Ein Abenteuer.
Eine Herausforderung.
Eine Möglichkeit.
Ein Fluchtweg.

Denn wie heißt es so schön? Es gibt keinen Regenbogen ohne ein bisschen Regen.

Euer Kenny

Tipp: Mehr über Kenny und seine Irlanderfahrungen kannst du in seinem Blogeintrag nachlesen.

Ich würde richtig gerne, wenn ich die Gelegenheit dazu haben sollte, nochmal ins Ausland gehen – no risk, no fun! 

Frankreich – da denkt man ja automatisch an Paris, oder? Dass Frankreich aber viel facettenreicher ist, als teure Markengeschäfte, die weltberühmten Sehenswürdigkeiten wie der Eiffelturm oder Notre Dame und Croissants, das habe ich während meines 3-monatigen Aufenthalts in Toulouse, im Südwesten von Frankreich, erlebt.

Dank ODI und der tatkräftigen und finanziellen Unterstützung meiner Eltern (an dieser Stelle vielen lieben Dank dafür), konnte ich meinen Traum, mich unter Franzosen zu mischen, wahrmachen und in der Nähe der viertgrößten Stadt Frankreichs drei Monate bei einer Gastfamilie verbringen.

Nachdem ich an Weihnachten die Kontaktdaten meiner Gastfamilie erhalten hatte, begann ich sofort, mit meiner Gastmutter E-Mails zu schreiben, um meine französische Familie kennenzulernen. Auf diesem Weg erfuhr ich von meiner gleichaltrigen Gastschwester Mathilde und deren zwei Geschwistern, die aber schon ausgezogen sind und momentan studieren. Außerdem erhielt ich zahlreiche Bilder von den zwei Katzen meiner Gastfamilie. :)

Dass es sich aber auf jeden Fall gelohnt hatte, dorthin zu fahren, habe ich schnell gemerkt. Da es schwierig ist, drei Monate nachzuerzählen, werde ich ein bisschen über meine schönsten Erlebnisse in Toulouse und darüber erzählen, was ich, zurückgekommen nach Deutschland, vermisse:

Nachdem der erste Tag für mich in der neuen Schule, am Lycée in Blagnac, ziemlich schrecklich war und ich mich fehl am Platz und alleine gefühlt habe, hat sich das Blatt zum Glück um 180° gewendet: Ich habe Freund:innen gefunden, mit denen ich mich auch regelmäßig in den Ferien oder am Wochenende getroffen habe, ich habe den Unterricht immer besser verstanden und konnte deswegen sogar Klausuren mitschreiben – außer in Französisch, da habe ich mich meistens auf Einleitung und Schluss konzentriert :), ich durfte mit zu Ausflügen und konnte mich insgesamt sehr gut integrieren.
Ein Highlight für mich waren die Strandausflüge an den Wochenenden. In den drei Monaten meines Aufenthalts war ich insgesamt vier bis fünf Mal am Meer. Da in meiner Umgebung zu Hause leider nur das Steinerne Meer liegt, war diese Erfahrung total neu für mich, aber ich muss sagen – ich könnte mich dran gewöhnen! Meistens sind wir vormittags losgefahren, haben dann an der Strandpromenade zu Mittag gegessen und uns dann in die Sonne gelegt; am Ende meines Aufenthalts meinten sogar die Franzosen, dass ich im Bräunen deutliche Fortschritte gemacht hätte und sehr „bronzée“ aussehen würde!

Was mir auch total Spaß gemacht hat, waren die Streifzüge durch Toulouse mit meinen Freund:innen oder auch meiner Gastfamilie. Ob shoppen, ratschen, bummeln, südländische Architektur bewundern oder einfach nur Eis essen gehen – in Toulouse kann man einfach alles machen! Im Gegensatz zu der sehr ländlichen Gegend, in der ich derzeit zu Hause bin.

Eine ganz besondere Erfahrung war für mich auch, dass ich mit meinen Gastgeschwistern und meiner Gastmutter – mein Gastvater konnte leider krankheitsbedingt nicht mitkommen – ein Wochenende lang in den Urlaub fahren durfte. Zusammen mit befreundeten Familien wurde ein riesiges Haus südlich von Bordeaux und direkt am Atlantik, gemietet. Dort habe ich ganz unterschiedliche Menschen aus ganz Frankreich und Belgien kennengelernt , die mir viel erzählt haben und mir beigebracht haben, wie man „richtig“ Karten spielt in Frankreich.

Allen, die vorhaben, ins Ausland zu gehen, möchte ich sagen, dass es sich auf jeden Fall rentiert, sich die Mühe zu machen und den Bewerbungsbogen auszufüllen. :) Auch wenn ganz bestimmt nicht alles an Deinem Aufenthalt perfekt und nach Plan verläuft, hat man am Ende wahnsinnig viele neue Erfahrungen gemacht, bei denen man immer, wenn man daran denkt, schmunzeln muss - bei mir sind das z.B. die endlosen Diskusionen mit meinem Gastvater über Politik und Fußball, die mich in Frankreich teilweise an den Rand der Verzweiflung getrieben haben…! :)

Fast ein Jahr. So lange habe ich überlegen müssen, ob ich nun einen Schüleraustausch mache oder nicht.

Fast ein Jahr. So lange habe ich überlegen müssen, ob ich nun einen Schüleraustausch mache oder nicht. Als erstes ging es um England, aber da wollte ich einfach überhaupt nicht hin. Dann kam Frankreich ins Spiel und ich wollte noch immer nicht, doch langsam sah ich (vor allem anhand meiner Noten) ein, dass es wirklich gut wäre, einen Austausch zu machen. Irgendwann hatte ich dann auch tatsächlich das Anmeldeformular ausgefüllt und abgeschickt. Und plötzlich hatte ich unglaublich Lust, ins Ausland zu gehen! Wenn man sich erst mal überwunden hat sich anzumelden, ist man total drin im Geschehen und will überhaupt nicht mehr raus. Das war schon witzig, am Anfang überhaupt keine Lust und dann auf einmal unglaubliche Vorfreude. 

Das Abschiednehmen von meiner Familie fiel mir durch die relativ geringe Entfernung nach Frankreich überhaupt nicht schwer, doch im Nachhinein denke ich, dass ich beim nächsten mal auf jeden Fall in ein Land gehen würde, das weiter entfernt ist, um größere Kulturunterschiede kennen zu lernen. Für den Anfang war Frankreich jedoch perfekt.

Als ich nach einer langen Zugfahrt im nächtlichen und weihnachtlichen Paris am Bahnhof ankam (Jip, ich wurde in der Landeshauptstadt platziert), wurde ich sehr freundlich von meiner Gastfamilie begrüßt und…konnte überhaupt nichts sagen. Das hat die Situation allerdings auch irgendwie aufgelockert und noch dazu konnte ich den Satz „Pardon, ich habe nichts verstanden“ nach zwei Stunden wie ein muttersprachlicher Franzose aussprechen! 

Nach etwa drei Wochen hatte ich mich relativ gut eingelebt und hatte schon viele Bekanntschaften vor allem in der Schule gemacht. Schule ist in Frankreich insgesamt ein sehr großes Thema. Man hat bis um 18:00 Uhr Unterricht (was am Anfang echt gewöhnungsbedürftig war) und danach sollte man noch mindestens zwei Stunden Hausaufgaben machen (Hier liegt die Betonung auf „sollte“). Außerdem war der Tagesablauf in meiner Familie sehr geregelt, was aber eigentlich mal eine tolle Abwechselung war. Freitag war zum Beispiel der Einkaufstag. Am Morgen, nach dem „petit déjeuner“, dem Frühstück, was wirklich sehr „petit“ war, wurde entschieden, wer am Abend mit einkaufen gehen würde und wer nicht. So konnte ich auch super Einblicke in die Französische Küche gewinnen. Auch der Versuch, die ganzen Namen der französischen Süßigkeiten an der Kasse auszusprechen war sehr witzig.

Mit meinen Klassenkameraden hat es eigentlich auf Anhieb gut funktioniert. In der ganzen Zeit habe ich kein einziges Mal irgendwelche Probleme mit Schülern gehabt und hab mich irgendwie mit jedem verstanden (normal braucht‘s da immer ein wenig bei mir). Wir haben viele tolle Momente in der Schule erlebt und sehr viel gelacht! Auch ein halbes Jahr nach meinem Aufenthalt in Frankreich habe ich zu den meisten Freunden noch engen Kontakt. Wir haben uns auch schon gegenseitig besucht. Es war toll, ihnen auch meine Heimat zeigen zu können. Außerdem hat mir an der französischen Schule super gefallen, dass man endlich die ersehnte eins mit Stern in Deutsch bekommt!

Nicht so gut lief es mit meinem Gastbruder, der durch seinen neuen Bruder anfing, sich benachteiligt zu fühlen. Leider habe ich mich mit ihm bis zum Ende nicht immer gut verstanden, doch nach zwei Monaten hatten wir uns aneinander gewöhnt und machten sogar relativ viele Dinge zusammen. 

Insgesamt waren es aber tolle sechs Monate! Viel erlebt, viel gelernt und auch einfach Spaß gehabt. Ich kann es nur jedem empfehlen!

Meine Zeit am Boston College, Peter Pain Performance Center

Zu Hause gab es eine große Abschiedsparty im Garten, alle kamen, es war toll, ich freute mich, es ging nun endlich los. Also ab zum Flughafen und dann: „Tschüss!“ Auf zum Boston College, wo ich ein Jahr im Peter Pain Performance Center (PPPC) alles zu meinem Lieblingsthema Sport lernen durfte. 

Im Peter Pain war ich der einzige ausländische Schüler oder Student wie man in UK sagt. Zunächst wusste das niemand und keiner sprach etwas langsamer für mich. Der Bostoner Akzent hat das Verständnis auch nicht gerade erleichtert. Ich hatte keine Wahl. Irgendwann war es mir einfach zu dumm ihren Redefluss mit „what…“ zu unterbrechen. Also musste mein Hörverständnis eben besser werden.  

„Anatomy“, „Physiology“, „Nutrition“, „Fitness Training“, „Fitness Testing“ und „Exercise, Health and Lifestyle“ waren die Kurse, die ich besuchte. Wir lernten viel über das Herz-Kreislaufsystem, das Immunsystem oder das Verdauungssystem, über Stress und Angst und wie sie Leistungen beeinflussen und wir stellten Fitness- oder Ernährungspläne auf. In „Practical Sport“ lernten wir Fußball und Handball. Natürlich hatte ich auch Englischunterricht, aber am meisten Englisch lernte ich durch meine Freunde und durch die „Assignments“ (Hausarbeiten), die in jedem Fach zu schreiben waren.

Da ich schon vorher recht ordentlich Fußball spielte, war ich schnell im Boston College Team als Stammspieler aufgenommen. In diesem Team spielten nicht nur Studenten, sondern auch unsere Tutoren. Mit dem Team, das sich gerade erst formiert hatte, konnten wir gleich in der ersten Saison ungeschlagen den Liga-Titel in Lincolnshire gewinnen. Das Spielen in diesem Team hat mich gut vernetzt und ich habe viele englische Freunde gewonnen.

Ich habe für meinen Aufenthalt eine Gastfamilie gewählt und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Meine Gastmutter hat hervorragend gekocht und die Wäsche war gewaschen. Außerdem war die Unterkunft dicht am PPPC. Das Wohnheim bzw. die „Hall of Residence“ oder „The Halls“ wie sie genannt werden, liegen direkt am Main College, was meinen Schulweg extrem verlängert hätte.  

Zu den anderen „International Students“ hatte ich ebenfalls einen sehr guten Kontakt, wir kannten uns über die Englischstunden und spielten zusammen Fußball. Gemeinsam haben wir viele Fahrten gemacht, die teils organisiert und teils selbst organisiert waren.

So kam ich nach Nottingham, Cambridge, London, Manchester und Liverpool. Den Bus, die Bahn, die Unterkunft zu buchen, eine Reiseplanung zu machen war anfangs nicht leicht, hat aber auch viel Spaß gemacht. Immer musste ja auch das Geld reichen. Es gab allerdings trotzdem Zeiten, in denen am Ende des Geldes noch viel Monat über war....

Viel gefeiert habe ich in diesem Jahr, ob gewonnene Spiele, Geburtstage oder einfach so – es war immer was los.

Das PPPC vom Boston College zu besuchen war eine sehr gute Entscheidung für mich. Hier war ich unter „Native Speakern“ und konnte super gut und einfach Englisch lernen. Der Fußball hat mir die Türen geöffnet. Ich habe sehr viele gute Freunde gewonnen, die ich nun vermisse und wiedersehen möchte. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen und ich habe viel gelernt. Eine unvergessliche Erfahrung, eine gute Entscheidung.

Wenn ich mich an meine Zeit in Spanien zurück erinnere, kommen mir als erstes alltägliche Sachen in den Sinn.

Dinge wie das Essen, die Wohnung meiner Gastfamilie, meine Freunde, meine Schule oder der Weg jeden Morgen zu dieser. Ich erinnere mich noch genau, wie ich an meinem ersten Tag in Zaragoza mit meiner Gastschwester und ihren Freundinnen ins Zentrum gefahren bin und wie ich zum ersten Mal die „Basílica del Pilar“ gesehen habe. Ich war so beeindruckt, es war fast, als würde ich den Kölner Dom noch einmal zum ersten Mal sehen.

Es fällt mir schwer zu sagen, welche von den alltäglichen Erinnerungen ich für immer behalten werde. Aber ich bin mir ziemlich sicher, mich ewig an „Pilares“ erinnern werden zu können. Ein Fest, das ganz Zaragoza zu ehren der „Virgen del Pilar“ feiert. Man bekommt ein paar Tage schulfrei und auf dem großen Platz, dem „Plaza del Pilar“, vor der „Basílica del Pilar“, wird ein Gerüst mit Blumen aufgebaut und viele Menschen kommen dort hin, um durch Blumenkränze Respekt zu zeigen. Die meisten tragen regionale, traditionelle Kleidung und es gibt viele Attraktionen wie Tänze, Konzerte, Unterhaltungsprogram für Kinder und vieles mehr. Abends ging ich, wie die meisten anderen Jugendlichen, feiern, auf Konzerte oder einfach nur ins Zentrum. Die ausgelassene Stimmung hat mich sehr an Karneval erinnert und es war ein unvergessliches Erlebnis.   

Eine andere Sache, an die ich mich wohl immer erinnern werde, ist Silvester.

Abends sind wir zu einer Tante und einem Onkel gefahren und haben mit ihnen und einem Cousin zu Abend gegessen. Wir hatten uns oft mit der Familie getroffen und so kannte ich alle Anwesenden ganz gut. Da es nur eine kleine Runde war und ich schon seit einigen Monaten in Spanien war, konnte ich mich gut einbringen und hatte keine Probleme dem Gespräch zu folgen, was ein wunderbares Gefühl war. Ich hatte mich auch soweit an das Essen gewöhnt, dass ich selbst die Meeresfrüchte, die es gab, gerne aß. Als dann Mitternacht war, bekam jeder von uns 12 Trauben, von denen er immer eine pro Glockenschlag essen sollte. Das finde ich eine super schöne Tradition, die ich mir vorgenommen habe, auch in meiner Familie in Deutschland einzuführen. Hinterher saßen wir noch alle beieinander und haben geredet. Dort gibt es Neujahr kein Feuerwerk, was ich sehr angenehm finde.

Obwohl ich es nicht immer nur als einfach erlebt habe, im Ausland zu leben, erinnere ich mich doch sehr gerne daran zurück und vermisse viele Dinge. Allen voran natürlich die Menschen, das Essen und die Sprache. Doch ich liebe auch Köln und bin froh, dass ich mich jetzt nicht nur in Deutschland, sondern auch Spanien ein Stück weit heimisch fühle.

Lateinamerika

Ziemlich schnell habe ich gemerkt, dass man zum Sprechen nicht unbedingt Worte braucht. Oftmals versteht man sich mit Gesten, und ein Lächeln ist in Argentinien sowieso wichtiger als tausend Worte. 

Silja (Argentinien)

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Costa Rica? Ist das in Südamerika? Oder eine Insel? Wohnen da Indianer?

Costa Rica? Ist das in Südamerika? Oder eine Insel? Wohnen da Indianer? Es gibt nur Strände und Regenwald, oder? Das war die übliche Reaktion von Leuten, denen ich von meinem Plan erzählt habe, ein Auslandsjahr in diesem Land zu machen. Bis vor anderthalb Jahren kannte ich Costa Rica auch nur aus einer National Geographics Sonderausgabe über Giftfrösche. Aber mittlerweile lebe ich seit acht Monaten hier und es ist eine unglaublich tolle Zeit: viele Erfahrungen, wundervolle Reisen, neue Menschen, fließendes Spanisch und (so klischeehaft das auch klingen mag) großes persönliches Wachstum.

Als mein Entschluss für ein Auslandsjahr gefallen war, hatte ich wie die meisten vor, es in den USA zu verbringen. Dieses Land genießt große Popularität unter deutschen Jugendlichen und erscheint super für einen Austausch, weil man Englisch bereits einigermaßen beherrscht und die Kultur zwar sehr anders, aber in vielen Aspekten Europa ähnelt. Irgendwann wurde mir aber klar, dass ich etwas komplett Neues wollte, und ich begann, mich über Alternativen zu informieren. Da war ich erstmal völlig überrumpelt von der Menge an möglichen Ländern! Aber eines hat besonders meine Aufmerksamkeit geweckt: ein kleiner Staat in Zentralamerika, der für seine wunderschöne Natur und die Lebensfreude seiner Bewohner bekannt ist. Ich habe mehr und mehr über dieses faszinierende Land gelesen und mich quasi aus der Ferne verliebt. 

Also stieg ich am 20. Juli 2016 mit Sonnencreme, Mückenschutz, meinem Abschiedsbuch und großen Erwartungen ins Flugzeug.

Die erste Überraschung für mich war, dass Costa Rica nicht nur aus Strand besteht und ich tatsächlich in einem Dorf namens Zarcero in den Bergen leben würde, zwei Stunden von der nächsten Küste entfernt.
Die Jahresdurchschnittstemperatur dort sind ca. 18-20 Grad und in den ersten Monaten regnete es ununterbrochen und war deutlich kälter als der deutsche Sommer. Ich war jedoch keinesfalls enttäuscht, sondern habe gleich die erste Lektion gelernt: die Dinge nehmen, wie sie kommen.

Das ist im Allgemeinen eine unheimlich wichtige Einstellung hier, denn die Einwohner Costa Ricas sind berüchtigt für ihr lockeres Verhältnis zu Abmachungen und kommen wirklich fast immer zu spät. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat und kurzfristige Absagen nicht mehr persönlich nimmt, ist das aber völlig in Ordnung und man merkt, wie viel man als disziplinierter, teils verkrampfter Deutscher von den entspannten Lateinamerikanern lernen kann.

Das Nationalgericht von Costa Rica ist Gallo Pinto, Reis mit schwarzen oder roten Bohnen, und wird zum Frühstück gegessen. Obwohl die Ernährung im Allgemeinen eher fleischlastig ist, komme ich auch als Vegetarierin sehr gut klar. Mein absoluter Favorit sind platanos, Kochbananen, die frittiert, getoastet, aus dem Ofen, mit Käse oder natilla, einer Art Schmand gegessen werden. Ich liebe auch die frischen, tropischen Früchte, die hier besonders gerne zu frescos naturales, erfrischenden Getränken vermixt werden.

Ein anderer Aspekt der einzigartigen Mentalität ist die Herzlichkeit der Ticos (so nennt man die Costa Ricaner). So eine Gastfreundlichkeit habe ich noch nie erlebt! In deiner Gastfamilie wirst du liebevoll als Mitglied aufgenommen und sehr wahrscheinlich allen Verwandten und Bekannten als Sohn/Tochter vorgestellt. Und die Familien hier sind groß! Heutzutage vielleicht nicht mehr ganz so, aber in den Generationen der Eltern und Großeltern war es noch üblich, fünf bis zehn Kinder zu haben. Also bereite dich darauf vor, in der Anfangszeit jedes Wochenende eine neue Tante kennenzulernen und nimm Süßigkeiten für die eventuellen Cousins und Cousinen mit.

Ich persönlich hatte in meiner ersten Gastfamilie Schwierigkeiten, da es von beiden Seiten unterschiedliche Erwartungen gab und die Personen, bei denen ich lebte, nicht darauf vorbereitet waren, mich als vollwertiges Familienmitglied aufzunehmen. Nach fünf Monaten beschloss meine Organisation deswegen, dass ein Wechsel nötig war und ich zog um zu meiner Klassenlehrerin. Das war definitiv das Beste, was mir passieren konnte, denn hier fühle ich mich so richtig zuhause und geliebt und umsorgt!

Generell sind die Menschen, auch Fremde, sehr sozial und freundlich. Man wird überall eingeladen, mit Kuss und Umarmung begrüßt, von Fremden mit "Herz, Prinzessin, Liebe, König" angesprochen und alle wollen Selfies mit dem Austauschschüler. 

Von daher ist der Zweifel, ob man wohl Freunde finden wird, nach einigen Tagen kein Thema mehr. Nach meiner Erfahrung sind die Jugendlichen hier sehr interessiert an neuen Mitschülern, besonders wenn sie aus einem für sie unbekannten Land kommen. Bereite auf jeden Fall Antworten für die klassischen Fragen vor: wie ist Deutschland so? Hast du Geschwister? Magst du Costa Rica? Vermisst du deine Eltern? Ist Spanisch schwierig? Die letzte Frage mag einigen von euch vielleicht Kopfschmerzen bereiten, gerade wenn ihr es nicht in der Schule hattet. Aber macht euch keine Sorgen, wenn man im Alltag von der fremden Sprache umgeben ist, lernt man das schneller, als man denkt…

Die Schule ist in jeder Hinsicht komplett anders als in Deutschland. Die Beziehung zu den Lehrern ist extrem locker, sie werden mit Vornamen oder schlicht "profe" (kurz für profesor) angesprochen und man ist mit ihnen auf Facebook befreundet und hat sie in der WhatsApp-Gruppe der Klasse. Hier tragen alle Schuluniform, was für Austauschschüler ein enormer Vorteil ist: erstens braucht man nicht so viel Kleidung annehmen, zweitens muss man nicht jeden Tag überlegen, was man anziehen soll und drittens kann man mit dem, was alle tragen, nicht viel falsch machen.

Abgesehen vom Dresscode wirst du trotzdem viele Fehler machen. Das ist in einem fremden Land aber völlig normal. Du solltest über Costa Rica nur wissen, dass es üblich ist, jeden Tag zu duschen und die große Mehrheit der Bevölkerung katholisch ist.

Daher gibt es viele Feiertage und spannende Traditionen, von denen ich noch nie gehört hatte. Abgesehen von den christlichen Festtagen ist der 15. September hier sehr wichtig, denn es ist der Tag der Unabhängigkeit Costa Ricas. Er wird mit Umzügen, den traditionellen Kleidern und wie jeder besondere Anlass mit Tanz und Musik gefeiert und ist ein tolles Beispiel für den Nationalstolz der Ticos, die sich sehr bewusst sind, dass sie im glücklichsten Land der Welt leben.

Außerdem ist Costa Rica ausgezeichnet im Bereich der Umwelt- und Ressourcenschonung. Große Teile der Fläche stehen unter Naturschutz und es gibt viele Nationalparks. In den letzten Jahren hat sich das Land zum Geheimtipp unter Urlaubern entwickelt, aber es wird viel Wert auf nachhaltigen Tourismus gelegt.

Denn dass es viel zu sehen und zu erleben gibt, lässt sich nicht bestreiten: traumhafte Strände, aktive Vulkane, atemberaubende Landschaften und nebelige Regenwälder. 

Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich absolut verliebt in Costa Rica bin und gar nicht daran denken will, im Juni nach Deutschland zurückkehren zu müssen... Und ich bin fest entschlossen, jeden einzelnen verbleibenden Tag in vollen Zügen zu genießen - ganz nach dem Lebensmotto der Ticos: pura vida!

Wenn Du noch mehr über Annikas Jahr in Costa Rica lesen willst, kannst Du Dir ihren Blog angucken: 

elrundomundo.wordpress.com

In Chile, dem Land der Extreme und der extrem liebevollen Menschen, kannst auch du dein extrem aufregendes Abenteuer erleben!

Chi, chi, chi, le, le, le! - Viva Chile conchetumare! - Und damit herzlich willkommen in Chile, dem Land der Extreme: Extrem schöne Natur mit extrem vielen Vulkanen, einer extrem langen Küste, dem extrem nassen Süden und dann doch der extrem trockensten Wüste der Erde. Dazu extreme soziale Unterschiede, aber dafür durchweg mit den freundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe.

„Chile? - Ne, das ist mir viel zu weit weg, reicht nicht Spanien?“ - Tja, ein bisschen Überredung kostete es schon, Papa meinen großen Traum schmackhaft zu machen. Das war ihm extrem zu weit weg. Ein halbes Jahr und 12.278 Kilometer später, stieg ich im Juli im winterlichen Santiago de Chile aus dem Flieger und konnte es kaum glauben: Ich konnte kein Wort Spanisch, wusste nichts über meine Gastfamilie, die erst wenige Tage vor Abflug feststand, und stand als wohl behütetes deutsches Dorfkind in einer lateinamerikanischen 7 Millionen Einwohner Metropole. Etwas Heimatgefühl stellte sich aber doch ein, als ich realisierte, welche Musik aus den Lautsprechern des Flughafens dudelte - „Wap, bap“ von BibisBeautyPalace. Ein gutes Zeichen, wie ich fand.

Mit der Betreuerin und vier weiteren deutschen Austauschschülern ging’s dann zur Vorbereitungswoche in ein wunderschönes Hostel, wo mich die Herbergsmutter zur Begrüßung liebevoll in die Arme schloss, bevor sie uns herzlich zu einem Tee einlud. Jeder Tag der Einführungswoche war einzigartig: Von einer Stadtbesichtigung über heiße Quellen, Skifahren in den schneebedeckten Anden und interessanten Behördengängen bis zu den wunderbar internationalen Bewohnern des Hotels war alles dabei.
Sofort fiel mir auf, dass Santiago de Chile eine Stadt der Gegensätze ist. Auf der einen Seite eine typische Großstadt mit glänzenden Hochhäusern und luxuriösen Angeboten und nur wenige Meter davon entfernt Ansammlungen von Wellblechhütten und Straßenhunden.

Am darauffolgenden Samstag war es dann soweit. Wir sollten endlich unsere Gastfamilien kennenlernen und fuhren etwas ängstlich und sehr aufgeregt in das etwa anderthalb Stunden entfernte Llay-Llay. Als wir auf den Hof meines neuen Zuhauses rollten, verflog die Aufregung sofort. Meine Gastfamilie und die vier Hunde strahlten mich an und ich wurde liebevoll von allen in die Arme genommen. Sogleich präsentierte mir meine Gastmama stolz jeden Winkel des Hauses. Gleich darauf klingelte es an der Tür und nach und nach hießen mich Onkel, Tanten und Cousinen in ihrer Familie willkommen. Familie steht in Chile an erster Stelle. Sie sind nicht nur deine Geschwister, Cousinen und Großcousins, sie sind deine Spielgefährten, Vorbilder, aber vor allen Dingen Freunde. Dieser Familienzusammenhalt wird mindestens zwei Mal im Monat mit einem großen „Asado“, einem Grillen mit Familie und Freunden gefeiert.

Gefeiert wird in Chile praktisch ständig. Ob Geburtstage oder Feiertage, die Chilen:innen wissen einfach, wie man so spontan wie möglich Essen und Musik organisiert, um die ganze Nacht durchzutanzen. Nachbarn wegen Lärmbelästigung anzuzeigen, kommt da nicht in Frage. Am Nationalfeiertag übertreffen sich die Chilen:innen, in dem sie eine Woche lang die größte Party aller Zeiten schmeißen. Besonders beeindruckt mich die Spontaneität, Lebensfreude und Ausgelassenheit dieser wunderschönen Menschen, die es ihnen möglich macht, feiernd und positiv durch ihr Leben zu gehen.

An meinen Schultag von 8:00 -17:00 Uhr musste ich mich erst einmal gewöhnen, und ich glaubte ab und zu, den Rauch aus meinem überanstrengten Gehirn aufsteigen zu sehen, als wir spanische Gedichte aus dem 20. Jahrhundert analysieren sollten. Mathe hingegen fiel mir sehr leicht. Weniger leicht war es, sich einzugestehen, dass es dort mehr um Zahlen und weniger um Wörter ging.

Im September fiel mir der wachsende Unmut über die sozialen Umstände in Chile auf. Meine Freunde erklärten mir, wie viel das Leben in Chile kostet. Autobahnen, Bildung, ja sogar das Wasser in Chile ist privatisiert und die Lebensmittelkosten sind genauso hoch wie hier in Deutschland, während die Chilen:innen deutlich weniger verdienen. Eine Erhöhung der U-Bahn-Preise in Santiago brachte das Fass zum Überlaufen und plötzlich fand ich mich in einer Revolution wieder! Auch meine zwei Gastschwestern protestierten voll Eifer mit hunderten anderen Bewohnern meines Dorfes jeden Tag für ihre Zukunft. Zwischendurch war mir etwas unbehaglich und die Polizisten und Militärs auf den Straßen wirkten sehr befremdlich auf mich, jedoch war es meiner Meinung nach eine unglaubliche Erfahrung, die Menschen alle zusammen für ein besseres, ein gerechteres Chile kämpfen zu sehen. Ich durfte so viele verschiedene wunderbare Chilenen und Chileninnen kennenlernen und habe während meiner Zeit in Chile, unsere Privilegien hier in Deutschland viel mehr zu schätzen gelernt.

Die beste Zeit hatte ich immer, als meine Gastschwester und ich meinen Gastcousin und seinen Freund in Viña del Mar besuchten. Endlose Tage am Meer, Ausflüge in die wunderschöne Hafenstadt Valparaíso und zu den Sanddünen in Concón und so viele McFlurrys, dass ich sie jetzt wirklich nicht mehr sehen kann. Sonnenuntergänge, Straßenmusiker und die glitzernden Lichter Valparaísos, dazu Palmen und Sonne - wie im Urlaub.

In Chile habe ich außerdem das Rad fahren und Volleyball spielen für mich entdeckt und so Freunde gefunden. - Manchmal musste ich allerdings sehr weit aus meiner Komfortzone heraustreten.

Ich hatte zu dem das große Glück, mit der Partnerorganisation Flecha Extrema eine unglaubliche Reise in die Atacamawüste machen zu können. Die Wüste, Vulkane und Tiere, die hoch im Norden Chiles leben sind atemberaubend schön. Also, macht auf jeden Fall diese Reise mit, wenn Ihr die Möglichkeit dazu habt.
Leider nahm alles durch die Corona-Pandemie ein etwas abruptes Ende, aber wenn ich nun auf mein Auslandsjahr zurückblicke, kann ich nur eins sagen: Diese acht Monate haben mich für immer verändert; sie waren die beste Zeit meines Lebens. Ich habe nun eine zweite Familie in Chile, die ich jeden Tag vermisse. Schwestern, Gasteltern, Onkel, Tanten, Cousins und Freunde die mich wie ihre eigene Familie lieb haben und darauf warten, dass ich sie bald besuchen kann. Ich würde mich jetzt als einen mutigen und selbstbewussten Menschen bezeichnen, der ein zweites Zuhause gefunden hat.

Mein Jahr Argentinien ist etwas, das ich nie vergessen werde und immer ein Teil von mir bleiben wird.

Wie war es in Argentinien? Das ist wohl die Frage, die ich in dem letzten halben Jahr am häufigsten gestellt bekommen habe.

Obwohl die Frage so einfach und banal scheint, ist ihre Antwort jedoch wesentlich komplexer. Wie soll man denn ein Auslandjahr in ein paar Sätzen beschreiben? Es ist nicht gut, aber auch nicht schlecht. Es ist wunderbar kompliziert und spannend langweilig. Es ist einfach etwas ganz Besonderes. Eine Erfahrung, die man nicht gemacht haben muss, aber die das Leben, den Alltag und die eigene Sicht der Dinge auf eine tolle Art verändert. 

Als ich anfing zu überlegen wo denn meine große Reise hingehen sollte, war für mich, wie wahrscheinlich für viele, ziemlich klar, dass ich in die USA wollte. Ich war voll und ganz dem American Dream verfallen. Bis mir jemand den Tipp gab, doch auch nochmal in eine andere Richtung zu denken, und so wurde es dann nach langem Hin und Her Argentinien. Ich machte mich also auf ins Ungewisse. Von Argentinien hatte ich noch nicht sonderlich viel vorher gehört, was im Nachhinein gar nicht so schlimm war. Denn man kann noch so viele Reise- und Kulturführer gelesen haben. Am Ende ist doch alles anders. 

Mitte Februar ging es also dann los. Der Abschied von meinen Eltern war für uns alle nicht leicht. Es ist schon komisch zu wissen, dass man in den nächsten Monaten von den Menschen, von denen man doch so abhängig ist, getrennt sein wird. Anstelle ihrer kommt das Ungewisse, das Neue, das Aufregende. 

Nach fast einem Tag kamen ich und noch ein paar andere Austauschschüler:innen, mit denen ich zusammen geflogen war, im Hotel an. Dort trafen wir zum ersten Mal auf unsere Betreuerin. Wie sich herausstellen sollte, war sie für mich während des ganzen folgenden Jahres immer eine gute Ansprechpartnerin. In drei Tagen wurden wir auf das Leben in unserer neuen Familie und unserem neuen Heimatland vorbereitet. Das heißt, über alle „Do´s“ und „Don´ts“ aufgeklärt. Wir machten einen ersten gemeinsamen Ausflug in die Stadt, wo wir lernten Busfahrkarten zu kaufen und Geld abzuheben. Außerdem lernten wir jede Menge Spanisch. Obwohl ich fast kein Wort Spanisch konnte, als ich ankam, fühlte ich mich nach diesen drei Tagen doch relativ gut gewappnet für spanische Konversationen. 

Der aufregendste und angespannteste Moment war der, in dem meine neue Familie durch die Tür des Hotels kam. Zwar kannte ich meine zwei Brüder, meine Schwester und meine Gasteltern schon von Fotos und einigen E-Mails, aber ich war trotzdem ungemein gespannt auf diese fünf Personen, die mich jetzt in ihr Leben aufnehmen würden. Gleich im ersten Moment waren meine Sorgen vergangen. Ich wurde direkt von allen total nett umarmt und aufgenommen. Es fiel mir nicht sonderlich schwer, mich an meine Familie „anzupassen“. Letztendlich leben die Menschen in Argentinien genauso ihr Leben, wie wir in Deutschland auch. Es gibt aber trotzdem ein paar Dinge, die anders sind als hier. Zum Beispiel ist es üblich, dass man sich mit seinen Geschwistern ein Zimmer teilt. Ich habe es mir mit meiner Schwester geteilt und ich finde es hat mir auf jeden Fall nicht geschadet. Der Tagesablauf in Argentinien ist ebenfalls anders als in Deutschland. Man steht zwar unter der Woche früh auf, weil man in die Schule muss, geht aber dafür frühestens um elf abends, meistens noch später erst wieder schlafen. Zum Schlafaufholen gibt es die „Siesta“, das Mittagsschläfchen. Abendessen gab es ebenfalls spät, meistens nicht vor zehn Uhr. Das war ich von zu Hause gar nicht gewohnt!

Ziemlich schnell habe ich gemerkt, dass man zum Sprechen nicht unbedingt Worte braucht. Oftmals versteht man sich mit Gesten und ein Lächeln ist in Argentinien sowieso wichtiger als tausend Worte. Die wohl häufigsten Ausdrücke in meinen ersten Monaten waren (ja) und no sé (ich weiß es nicht). Doch die Argentinier:innen sind sehr geduldig, gerne erklären sie einem Sachen vier-, fünfmal oder so oft man es braucht. 

Es war für mich sehr leicht, Freund:innen zu finden. Direkt an meinem ersten Schultag war ich umringt von interessierten Mitschüler:innen, aus denen viele Freundschaften sollten. Mit ihnen habe ich mich oft und gerne zur „merienda“ (eventuell mit unserem Drei–Uhr Kaffee vergleichbar) getroffen, war im Kino, oder wir haben unternommen, was man halt auch in Deutschland so alles mit seinen Freunden macht. 

Besonders erwähnen möchte ich noch die vielen schönen Reisen, die ich unternehmen konnte und die ich nur weiterempfehlen kann. Argentinien ist so riesig und es gibt eine Vielzahl an Landschaften, die man entdecken kann. Aber davon jetzt auch noch im genauen zu berichten wäre zu viel. Außerdem kann ich euch nur raten es selbst zu erleben. 

Gerade eben überlegte ich noch, in welches Land ich gerne gehen würde, und jetzt habe ich das Jahr meines Lebens leider schon wieder hinter mir.

Ich wollte schon immer mal andere Kulturen kennen lernen. Ein spanischsprachiges Land sollte es sein. Spanien selbst war mir viel zu nahe und dann kam mir Argentinien sofort in den Sinn. Mein ehemaliger Spanischlehrer erzählte immer sehr gerne und sehr viel über dieses wohl so schöne Land und sofort war mir bewusst, da will ich hin! Gesagt, getan und ich war angemeldet. Monate, Wochen, Tage…ich konnte es kaum erwarten. Doch allmählich kamen auch einige Ängste, aber durch das Vorbereitungsseminar von ODI wurde mir bewusst, dass ich mit diesen nicht alleine bin. Und dann ging es endlich los…

In Córdoba wurden wir von Antje, unserer dortigen Betreuerin, am Flughafen empfangen und zum Hotel gebracht, in welchem die Einführungswoche stattfand. Dort kamen wir erstmalig mit den anderen Austauschschülern in Kontakt. In der folgenden Woche bekamen wir täglich Spanischunterricht  und uns wurde viel sowohl über die Sitten als auch über die Do´s und Don`ts erzählt. Dadurch wurde man perfekt für den Aufenthalt in der Gastfamilie vorbereitet. Die erste Woche ging rasend schnell vorbei und schon stand der Tag vor der Tür, an welchem uns die Gastfamilien abholten.

Ich hatte zwar Kontakt mit ihnen und schon Fotos gesehen, aber trotzdem traf mich erstmal der Schlag, als ich in meinem neuen Zuhause ankam: Alles war komplett anders, als ich es erwartet hatte. Klein, kahl, einfach und plötzlich verstand ich kein Wort Spanisch mehr. Ich saß heulend in meinem Zimmer und fragte mich „Warum machst du das?“. Letztlich haben wir abends gegrillt, Verwandte kamen zusammen und dann wurde es allmählich doch ganz lustig. 

Wir bemerkten alle innerhalb der Familie schnell, dass aufgrund des Altersunterschiedes zwischen mir und meinem Gastbruder wenige Gemeinsamkeiten bestehen. Das war zunächst die größte Herausforderung. Aber ab dem ersten Schultag schloss ich eigene Freundschaften, die sich das ganze Jahr immer weiter vertieft haben. Alle sind auf mich zugekommen und ich wurde von Fragen durchlöchert. Das mit der Sprache kam nach und nach und letztendlich hat man mir nachgesagt, ich würde viel zu schnell und sogar im Schlaf Spanisch sprechen.

Wovon ich sofort begeistert war, war die den Argentiniern nachgesagte Spontanität und Lebenslust. So trifft man sich einfach ohne viel Geld und ein bestimmtes Ziel oder Motiv zu haben und etliche Colas später hat man immer noch was zu erzählen, zu streiten und zu lachen. Wir sind viel draußen gewesen, auch mal in der Disco oder auf irgendwelchen Geburtstagen. Doch immer wieder wurde mir bewusst, wie gut es uns finanziell in Deutschland doch geht. Der Familie fiel es allerdings anfangs schwer, mich gehen zu lassen, da sie dies selbst von ihrem Sohn noch nicht kannten und für mich ja die Verantwortung hatten. Es dauerte eine Weile, bis ich ihr Vertrauen gewonnen hatte und dann wurden meine Grenzen erweitert. Das letzte Wort hat in Argentinien meist der Vater und da waren schon manche Male Überredenskünste nötig. Sie wussten jederzeit mit wem ich wo war und irgendwann bin ich durch ganz Córdoba mit dem Bus zum Sport gefahren (Inlinehockey) und kam auch abends gut und sicher wieder nach Hause. In Argentinien wird Familie ganz groß geschrieben und oft saßen wir alle zusammen, sei es zum Mate-trinken oder zum sonntäglichen Asado. Weihnachten traf man sich mit der ganzen Familie 600 km weiter westlich, um zusammen die Feiertage zu verbringen.

Von der Organisation wurden immer wieder Reisen angeboten. So habe ich die größten Wasserfälle der Welt kennengelernt an der Grenze zu Brasilien, wie auch Wale und Pinguine im Süden besucht, bin von der Metropole in Buenos Aires bis hin zur wunderschönen Berglandschaft im Norden gekommen – Argentinien ist einfach ein super kontrastreiches, sehenswertes Land! 

Durch unvorhersehbare Dinge (Umzug) seitens meiner Gastfamilie musste ich dann leider noch wechseln und alles war nicht ganz so einfach.  Ich hatte großes Glück und konnte zu meiner besten Freundin ziehen, denn die argentinische Gastfreundschaft ist einfach nicht zu übertreffen. Die letzten Wochen mit meiner ersten Gastfamilie verbrachten wir gemeinsam in ihrem Heimatort San Martin de los Andes, 1600 km weiter im Süden in einer tollen Umgebung, vergleichbar mit Österreich. Wir hatten eine tolle Zeit dort und ich bin froh, dass wir einen guten gemeinsamen Abschluss hatten. Die Rückreise nach Córdoba trat ich mit dem Bus alleine an und das Ganze hat mir gezeigt, wie selbständig ich geworden bin.

Trotz der überwiegend positiven Erlebnisse und Erfahrungen packte mich auch zweimal ganz groß das Heimweh, weil es einfach nicht so lief, wie ich es mir in diesem Moment gewünscht hätte. Manches Mal wollte ich alles hinschmeißen. Letztlich hat mir dann doch der eingeschränkte Kontakt zu meiner Familie und Freunden in Deutschland immer wieder geholfen. Und die Argentinier haben auch immer ein Händchen dafür, einen abzulenken. Rückblickend bin ich stolz, dass ich das „Jahr meines Lebens“ mit all seinen Höhen und Tiefen gemeistert habe. 

Ich bin froh und dankbar, in zwei vollkommen verschiedenen Familien gelebt haben zu dürfen. Jede für sich ist für mich was ganz besonderes.  

Ich weiß, dass ich Freunde fürs Leben gefunden habe und freue mich, sie irgendwann wieder besuchen zu dürfen und hoffe, dass ich ihnen irgendwann auch mal meine Welt zeigen kann.

Mein „Abenteuer Chile“ begann im Juli mit dem Abflug am Frankfurter Flughafen. 16 Stunden später und 12.000 Kilometer von Zuhause entfernt landete ich im „winterlichen“ Santiago.

Mein „Abenteuer Chile“ begann im Juli mit dem Abflug am Frankfurter Flughafen. 16 Stunden später und 12.000 Kilometer von Zuhause entfernt landete ich im „winterlichen“ Santiago. Die ersten Tage waren nicht einfach. Obwohl ich schon Grundkenntnisse in Spanisch hatte, waren diese für den Alltagsgebrauch nicht ausreichend. Auch war es deshalb anfangs schwer, neue Leute kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Dank der warmherzigen Menschen und des offenen chilenischen Charakters änderte sich dies schnell und nach kurzer Zeit konnte ich mich schon gut unterhalten. Mit der Zeit sprach ich nicht mehr nur Spanisch, sondern „echtes“ Chilenisch.

Meine Gastfamilie

Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern, meiner älteren Schwester Rocío und deren Großeltern. Im weiteren Sinne gehörten dazu viele Onkel und Tanten, sowie Cousins und Neffen. Wir lebten in einem Haus in Quilicura, im Norden Santiagos.

Meine Schule

Meine Schule lag nur wenige Fußminuten entfernt. Das gab mir die Möglichkeit, mich oft mit Freunden zu treffen und mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren. Der Schulalltag begann um 8:00 und dauerte an „kurzen“ Tagen bis 15:00 und an „langen“ Tagen bis 17:30. Das Liceo ist die Oberstufenschule in Chile und umfasst die letzten vier Jahrgänge von der 9. Bis zur 12. Klasse. Mit insgesamt circa 350 Schülern war meine Schule relativ klein, daher kannte sich somit fast jeder. Zwar gab es eine Schuluniform, dennoch wurden ich und eine andere deutsche Austauschschülerin auf den ersten Blick bemerkt und alle wollten uns kennenlernen.

Kulturaustausch

Natürlich geht es bei einem solchen Auslandsjahr insbesondere um den Austausch zweier Kulturen und somit brachte ich meiner Familie und meinen Freunden auch viel über Deutschland bei. Am 18. September feierten wir den chilenischen Unabhängigkeitstag, der mit einem großen dreitägigen Fest verbunden ist. Dort isst man empanadas und tanzt Cueca. Die chilenische Küche ist sehr vielfältig und es ist garantiert für jeden etwas dabei. Auch das Tragen der traditionellen Tracht gehört an diesen Tagen dazu.

Andere Feiertage, wie z.B. Weihnachten und Silvester, unterscheiden sich, ausgenommen von den Temperaturen, nicht wesentlich.
Die Sommerferien, welche in Chile im Dezember beginnen und bis Ende Februar gehen, bieten viel Zeit für Reisen und Treffen mit Freunden. Außer der Klassenfahrt nach Pucón fuhr ich mit meiner Gastfamilie mehrmals ans Meer und den südlichen Teil des Landes.

Meine Kontaktpersonen und Ausflüge

Meine Ansprechpersonen der Partnerorganisation von ODI halfen mir nicht nur dabei, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, sondern ermöglichten es mir, zahlreiche Ausflüge zu unternehmen. Abgesehen von Wanderungen in die Anden, Reittouren durch die Berge und anderen Aktivitäten, bereisten wir nahezu das ganze Land. Zu meinen persönlichen Highlights gehörten zwei unvergessliche Fahrten in die Atacama-Wüste und nach Bolivien. Dort besichtigten wir u.a. das Tal „Valle de la Luna“ und den „Salar de Uyuni“. Erst dort wurde mir klar, wie groß Chile doch ist und wie stark es sich von Deutschland unterscheidet.

Eine echte Herausforderung war die Besteigung des „Plomo“, einem 5.400 Meter hohen Berg in den Anden, nördlich von Santiago. Zusammen mit meinem Betreuer und meinem deutschen Kumpel Leon bereiteten wir uns über einige Wochen darauf vor. Den Gipfel nach einer 3-tägigen Tour zu erreichen war ein unglaubliches Gefühl!

Meine letzte große Reise war die Zeit auf den Osterinseln. Als wir nach fast sechs Stunden Flug ankamen, bot sich uns ein eindrucksvoller Anblick. Nicht nur schienen die weltbekannten „Moais“ wie von einem anderen Planeten, sondern auch die Natur unterschied sich sehr stark vom Festland. Hier wuchsen Bananenstauden und Kokosnusspalmen. Ich fühlte mich wie in der Karibik. Ausflüge zu den Vulkanen und den zahlreichen Ansammlungen der riesigen Steinskulpturen gehörten ebenso zu dem 5-tägigen Programm, wie der Besuch der traumhaften Sandstrände und beeindruckenden Höhlen.

Nach der Rückkehr

Nach der Rückkehr blieben mir nur noch wenige Wochen mit meiner Familie und meinen Freunden und ich reflektierte, was ich im vergangenen Jahr erlebt hatte.

Nicht nur habe ich viele spannenden Erfahrungen gemacht und neue Menschen, sowie die Kultur und das Land Chile kennengelernt, sondern mich auch verändert und weiterentwickelt. 

Rückblickend bin ich sehr froh, nach Chile gegangen zu sein und das schönste Jahr meines Lebens verbracht zu haben.

Costa Rica ist ein faszinierendes Land mit einer wunderschönen Natur.

Es gibt viele atemberaubende Orte, die man unbedingt mal gesehen haben muss, bevor man sich wieder auf die Heimreise begibt. Ich, als ehemaliger Austauschschüler, würde euch gerne meine Top 5 Reiseziele in Costa Rica vorstellen.

Einige der Strände, die mir am besten gefallen haben, waren die Strände von Cahuita bis hin zum Nationalpark von Manzanillo. Diese Strände liegen in Limon, im Südosten des Landes und sind daher sehr nah an der Grenze zu Panama. Das tolle an den Nationalparks von Cahuita und Manzanillo ist, dass der Eintritt frei ist und für Touristen somit keine Kosten anfallen. Übernachten könnte man beim Besuch dieser Strände in Puerto Viejo. Puerto Viejo ist ein kleines Dorf, welches direkt an der Karibikküste liegt. Dort hat man die Möglichkeit in vielen Restaurants und Cafés gemütlich etwas essen oder trinken zu gehen. Die umliegenden Strände kann man mit dem Fahrrad erreichen, welches man sich dort günstig ausleihen kann. Für Erwachsene und Leute, die nicht so gerne Fahrrad fahren, würde ich empfehlen die schöne naturbelassene Straße mit dem Auto zu fahren, da es dort oftmals auch sehr warm ist.

Von einem der wärmsten Orte würde ich jetzt zu einem etwas kühleren Ort kommen. Es ist der Nationalpark vom Vulkan Irazú. Dieser Vulkan liegt in Cartago auf einer Höhe von über 3000 Metern über dem Meeresspiegel. Hier kann es sein, dass die Temperatur auch mal unter 10 Grad sinkt. Trotz der kühlen Temperaturen würde es sich auf jeden Fall lohnen dort einmal hinzufahren. Im Nationalpark kann man dann zwei riesige Krater beobachten. Der größere Krater hat eine Tiefe von 300 Metern. Für mich, als jemand der noch nie zuvor einen Vulkan gesehen hat, war es ein unvergessliches Erlebnis, einen Vulkan aus nächster Nähe zu sehen. Für den Eintritt in diesen Nationalpark fallen jedoch Kosten an.

Für alle, die die Artenvielfalt Costa Ricas kennen lernen möchten, würde ich den etwas abseits gelegenen Nationalpark Tortuguero empfehlen. Dieser liegt im Nordosten des Landes. Nach Tortuguero kann man nur mit einem Boot gelangen, da der Nationalpark nur aus Kanälen besteht, die von einem dichten Regenwald umgeben sind. Ist man einmal im Nationalpark angekommen, wird man bemerken, dass es dort keine großen Straßen mit Autos gibt. Die Menschen sind dort nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. In Tortuguero kann man dann Boots- oder Kayaktouren durch die Kanäle des Nationalparks buchen. Bei diesen Touren wirst Du wahrscheinlich Kaimane, Affen, Tukane, Papageien und viele andere Tiere sehen können. Kommt man in der Zeit von Juli bis Oktober, hat man die Möglichkeit dort Meeresschildkröten zu beobachten, die dort ihre Eier ablegen.

Wer sich lieber sportlich betätigt, der sollte sich eine Auszeit in Nossara nehmen. Nossara ist ein kleiner Ort in Guanacaste, der an der Pazifikküste liegt. Es ist der ideale Ort für junge Menschen, die gerne surfen gehen oder es gerne lernen möchten. Dort findet man zahlreiche Surfschulen und einen riesigen Sandstrand. Jemandem, der noch nie surfen war, würde ich raten Surfunterricht zu nehmen, weil es erstens nicht so einfach ist wie es aussieht und zweitens, weil man mehr Spaß hat, wenn man weiß wie es geht (zu beachten ist, dass Surfen eine Extremsportart ist und man dafür die Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten benötigt).

Eine wirkliche Naturschönheit ist der letzte Ort, den ich Euch vorstellen möchte. Es ist der Rio Celeste in San Carlos. Dieser Fluss befindet sich im Nationalpark Tenorio. Alleine der Weg dorthin durch den Regenwald ist es eigentlich schon wert dort hinzufahren, weil man dabei schon mitten in der Natur ist. Der ein wenig steinige Weg macht sich bezahlt, wenn man den leuchtend türkisblauen Fluss sieht. Es ist fast unglaublich einen Fluss in dieser Farbe zu sehen. Der Höhepunkt ist allerdings erst der türkisblaue Wasserfall am Ende der Tour, dessen Rauschen man schon von weitem hören kann.

Ein Auslandsjahr war für mich die Möglichkeit, eine neue Sprache, neue Menschen und eine andere Kultur kennen zu lernen.

Ich wollte etwas Neues erleben und aus dem Alltagstrott heraus. Also besuchte ich viele Austausch-Messen, wie zum Beispiel die JuBi, informierte mich durch diverse Flyer und Prospekte, verglich zahlreiche Angebote und entschied dann, dass es mit ODI nach Argentinien gehen sollte.

Spanisch wollte ich immer schon lernen, aber Spanien war mir zu „nah“. Außerdem reizte mich das südamerikanische Temperament, die warmherzigen Menschen, der Tango und einfach die offene Lebensart dort. Ich wollte alles über dieses Land wissen, aber viel mehr noch, ich wollte ein Teil davon werden.

Abflug und Ankunft

Am 22.07. war es dann endlich so weit. Es sollte für mich und ein paar andere Austauschschüler:innen knapp 11.500 km (Luftlinie) weit weg gehen. Da ich vorher noch nie geflogen bin, war ich natürlich doppelt aufgeregt. Würde ich auch den richtigen Flug finden, was, wenn ich mich an den großen Flughäfen verlaufe, kommt mein Koffer an …

Durch all den Trubel realisierte ich erst, dass ich nun ein Jahr von meiner Familie und Freund:innen getrennt bin, als ich im Flugzeug saß und ganz auf mich allein gestellt war. Ich fragte mich, was ich mir da nur eingebrockt hatte und war ganz aufgeregt. Knapp 24 Stunden später waren wir endlich angekommen und wurden am Flughafen von unserer Betreuerin abgeholt. Die erste Woche hatten wir ein Einführungsseminar in Villa Allende, ein kleiner Ort in der Nähe Cordobas. Dort hatten wir Spanischunterricht und erhielten viele nützliche Tipps über das Leben in Argentinien. Außerdem machten wir eine Stadtrundfahrt, hatten eine Tangostunde, und lernten empanadas, gefüllte Teigtaschen, zu kochen. 

Ankunft Gastfamilie

Als die Woche rum war ging es in die Gastfamilien. Wir waren alle sehr aufgeregt, aber freuten uns riesig. Leider hatten die erste Gastfamilie und ich kleinere Schwierigkeiten, darum stand nach ein paar Wochen ein Gastfamilienwechsel an. Die neue Familie wohnte nah am Zentrum in einem kleinen Haus. Ich hatte zwei Gastbrüder und eine Schwester. Die Eltern lebten getrennt. Wir verstanden uns auf Anhieb, ich fühlte mich wohl und es gab ständig etwas zu lachen. Dadurch, dass ich mir mit meiner Schwester ein Zimmer teilte, verbesserte sich unsere Beziehung Tag für Tag.

Schule

Meine Schule in Argentinien war eine kleine katholische Privatschule. Die ersten Tage dort waren sehr ungewohnt, weil einfach wirklich ALLES anders als in Deutschland war. Aber schnell fand ich Anschluss, lebte mich in den Alltag ein und lernte fleißig Spanisch. Meine Mitschüler:innen waren von Anfang an sehr interessiert an mir; sie wollten alles über Deutschland wissen, wie es ist, einen Austausch zu machen, ob ich meine Familie nicht vermissen würde und noch vieles mehr. Nach kurzer „Eingewöhnungszeit“ schrieb ich fast alle Tests mit und musste mit meinen Klassenkamerad:innen die sogenannten „Trabajos Practicos“ (kleinere Hausarbeiten) erarbeiten. Zuerst dachte ich, wie soll ich das alles schaffen, da mein Spanisch noch sehr brüchig war.  Aber mit jedem einzelnen Satz, den man sich mühsam erarbeitete, funktionierte es mit der Zeit immer besser.

Alltag

Mein Alltag in Argentinien sah ein bisschen anders aus als in Deutschland. Die Schule fing bereits um halb 8 an und endete meistens um 15 oder 16 Uhr. Hausaufgaben hatten wir nie viele. Deswegen traf man sich nach der „Siesta“ zum Beispiel zum mate trinken (Nationalgetränk in Argentinien) im Park, ging ins „Shopping“ (größeres Einkaufszentrum) oder man verabredete sich mit Freunden zur merienda. Da in Argentinien erst sehr spät zu Abend gegessen wird, überbrückt man die Zeit mit Keksen oder kleinen Brotscheiben mit zum Beispiel dulce de leche. Abends kam die Familie zum Essen zusammen; genau wie am Wochenende, wo häufig asado gemacht wurde.

Rückblickend war es ein sehr interessantes abwechslungsreiches aber auch ein emotionales Jahr. Ich würde es zu jederzeit wieder machen! Obwohl nicht immer alles einfach war, lohnt es sich durchzuhalten und allem eine Chance zu geben. Ich habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und neue Freund:innen und eine zweite Familie gefunden. 

Ozeanien

Ich hätte anfangs nur drei Monate bleiben sollen, aber ich habe um einen Term verlängert. Ich war einfach nicht bereit schon nach drei Monaten mein zweites Leben zu verlassen - auch nach 5 Monaten war ich es nicht, doch irgendwann musste ich zurück nach Deutschland.

Michaela (Neuseeland) 

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Eine Woche im Outdoor Pursuits Center

Unser Trip startet an einem schönen Sonntagvormittag. Wir, das sind zehn der drei Dutzend international students an der Hutt Valley High School in Lower Hutt auf der Nordinsel Neuseelands, treffen uns an der Schule, um im Schulbus zu unserem einwöchigen Camp in der Nähe von Taupo zu fahren. Nach einer gut gelaunten, ca. fünfstündigen Fahrt über die untere Nordinsel kommen wir schließlich beim Sir Edmund Hillary Outdoor Pursuit Centre (OPC) an, mit einem wunderschönen Blick auf die beiden Berge Mount Ruapehu und Mount Ngauruhoe.

Und schon am ersten Tag geht’s richtig los; nachdem wir unsere Ausrüstung zusammengestellt haben, geht’s in den Bush, auf eine dreistündige Bush-Banging-Tour. Das heißt, mit 20 kg schweren Rucksäcken querfeldein durch den Bush, und dabei immer auf den Weg achten! Das OPC an sich ist auch sehr willkommend; der mit einem Kamin beheizte Gemeinschaftsraum ist ein guter Erholungsort und die nassen Sachen kann man im dafür eingerichteten Trocknungsraum für den nächsten Tag vorbereiten. Und das ist auch bitter nötig; denn da geht es dann zum caveing. So fahren wir also um neun Uhr am nächsten Tag, nach einem guten Frühstück und voller, Vorfreude raus in die Pampa. Ausgestattet mit Helmen, Helmlampen und solider Kleidung geht’s ab in die Tiefe. Dort folgen wir zunächst dem Wasser; nach zehn Minuten ist auch der letzte nicht mehr trocken. Unser guide führt uns durch Spalten, Risse und enge Gänge. Das hat nichts mit den rentnerfreundlichen Höhlentouren zu tun, die man vielleicht aus Deutschland kennt. Es ist mehr wie ein zu klein geratenes Labyrinth aus Fels, mit Wasser und glowworm caves. Das sind Höhlenabschnitte, in denen wir dann alle unsere Lampen ausschalten und plötzlich sind wir überall von perlenkettenartigen Leuchtkugeln umgeben. 

Zur nächsten Höhle müssen wir dann erstmal wandern, und zwar mit unseren rubberboots durch den Fluss. Da wir alle eh schon nass sind, macht es auch nichts, dass wir aufgrund der riesigen Rucksäcke und dem rutschigen Untergrund alle paar Minuten ausrutschen und ins Wasser plumpsen. Nach einer kleinen Mittagspause mit Sandwiches geht es dann in die zweite, kürzere, aber deutlich beklemmendere und nassere Höhle. Hier müssen wir fast gegen die Fluten durch den halb überschwemmten Tunnel waten und jeder von uns braucht mindestens fünf Minuten, um schließlich durch den engsten Abschnitt, den Ausgang, zu kommen. Der Rest des Tages steht dann ganz im Zeichen der Vorbereitungen für den zweitägigen Ausflug, der am nächsten Tag anstehet. Einmal quer durch den Tongariro National Park, bitte. Und dann geht es auch schon los. Wie voll bepackte Kamele traben wir los auf unser erstes Ziel hin, den Taranaki Wasserfall. Vom Whakapapa (wird Fakapapa ausgesprochen) Village brauchen wir gut zwei Stunden bis dorthin. Nach einer kurzen, aber dringend nötigen Erholungspause geht es dann über die Plains in Richtung des Lower Tama Lake. Spätestens nach dieser, noch einmal zwei Stunden dauernden Strecke weiß jeder, dass er wohl nicht ohne Blasen an den Füßen davonkommen wird. Bei unserer Mittagspause genießen wir vorerst einmal völlig erschöpft unsere unglaubliche Aussicht. Schade, dass die Fotos noch nicht einmal die Hälfte der tatsächlichen Schönheit zeigen können. Nun folgen die am meisten Kräfte zehrenden Stunden; eine gefühlte 400%-Steigung messende Geröllansammlung hoch, die sich Weg nennt, über den Bergrücken zwischen den Tamas, und dann in Richtung Norden bis zum Mount Ngaurohoe oder Mount Doom, wie er in Lord of the Rings heißt. Und dem Namen entsprechend erhebt sich dieser Koloss nun auch vor uns, zwischen den nebelartigen Wolken. Von hier aus erleben wir auch die atemberaubendste Aussicht unseres Trips. Bereits ziemlich erschöpft erzählt uns unser guide nun, dass wir bald da sind. Die größte Lüge seit „Niemand hat die Absicht, eine Mauer usw.“ naja, wie auch immer. Denn nun heißt die neue Direktive Ost-Ost-Süd, in Richtung der Waihohnnu Springs. Dabei müssen wir über das jahrtausende alte Flöss eines ehemaligen Gletschers wandern; und der hatte wohl nicht die Absicht, uns einen ebenen Weg zu hinterlassen. Unfähig auch nur noch einen Schritt zu laufen, schlagen wir nun an der Baumgrenze im Süden der Waihohnnu unsere Zelte auf. Diese Nacht wird keiner wach bleiben.

Der nächste Tag wirkt dagegen dann fast wie ein Kinderspiel. Diesmal sind es nur zehn Kilometer über die Waihohnnu Hut, wo wir dieses Mal unser Mittagessen abhalten, bis zur Desert Road im Südosten. Aber als wir dann um ein Uhr endlich vom Bus abgeholt werden, ist uns allen klar, dass außer einem Besuch bei den heißen Quellen heute nichts mehr auf dem Programm stehen wird.

Am nächsten Tag steht dann leider auch schon unser endgültiger Abschied von Mount Doom und Co. an. Nach einer „gemütlichen“ Runde rope climbing am Morgen brechen wir um zwölf Uhr auf zurück nach Lower Hutt, wo wir von unseren Familien schon erwartet werden. Auch wenn es mit Sicherheit das Anstrengendste war, was wir alle je in Neuseeland gemacht haben – und da gibt es hier gute Konkurrenz – waren wir uns alle einig, dass es unglaublich toll war.

Hutt Valley High School bietet einen Trip zum OPC zweimal jährlich für seine internationals an und übernimmt dabei den Großteil der Kosten. Also, auf zur Hutt High!

Im Oktober 2015 war die 8. Rugby Weltmeisterschaft.

Die hier in Neuseeland ohnehin schon heilige Rugby-Nationalmannschaft, die All Blacks, gewannen das Finale ziemlich deutlich gegen die Wallabies (Australien), ihren Konkurrent und Erzrivalen, mit 34-17. Die Fernsehübertragung hat oder wollte jeder sehen. Durch die Zeitverschiebung jedoch verschliefen viele Leute das Finale. Denn dieses fand im englischen Twickenham um 17:00 Uhr Ortszeit statt, was in Neuseeland 5 Uhr morgens bedeutet. Trotzdem stellten viele Leute einen Wecker (darunter auch ich). Mein Gastvater, der eigentlich mit mir gucken wollte, hatte vergessen seinen Wecker zu stellen  (was der MottoäParty meiner Gastmutter am Tag zuvor geschuldet war)  und verschlief das Spiel.

Zwei Tage nach dem glorreichen Sieg landeten die All Blacks in Auckland und wurden wie Helden empfangen. Die Zeremonie war ziemlich vergleichbar zum deutschen Fußball WM-Sieg. Schon am Flughafen reihten sich Scharen von Menschen auf, um die Sportsmänner zu begrüßen, von dort aus ging es mit einer Parade durch Auckland City, welche an einer Festwiese endete, wo die All Blacks dann offiziell willkommen geheißen wurden. Das Fernsehen übertrug natürlich den ganzen Tag live.

Der Unterschied zum deutschen WM-Sieg jedoch ist, dass in Neuseeland die Rugby-Madness herrscht. Jeder Kiwi hat mindestens ein All Blacks Trikot oder T-Shirt (egal wie alt oder jung er oder sie ist) und das wurde Standard gemäß die nächsten paar Tage angezogen. Ein weiterer Unterschied war, dass das Flughafen Bodenpersonal einen Haka (einen Maori-Kriegstanz) zu Ehren der All Blacks aufgeführt hat. (Link zur Begrüßung der All Blacks).

Rugby ist hier generell  ein sehr beliebter Sport. Jede Schule hat mindestens ein Team und ein Rugby Feld. Auf der Straße hab ich mit meinen Freunden bis jetzt nur Touch gespielt, was eine Abwandlung von Rugby ist, in der anstatt getackled nur berührt werden muss, um den gegnerischen Spieler zu stoppen.

Rugby oder Touch wird wie Fußball in Deutschland so ziemlich überall gespielt und man muss die Leute noch nicht einmal kennen, um eingeladen zu werden Rugby zu spielen. Meiner Erfahrung nach kommen Leute einfach im Park auf dich zu und fragen: Hey bro, do you wanna play Rugby? Und darauf gibt es nur eine Antwort: ….

All die Erfahrungen, die ich in einem halben Jahr Neuseeland gemacht habe, sind so schwer zusammenzufassen… Wenn ich aber eins sagen kann,

dann ist es, dass es die beste Zeit meines Lebens war. Ich habe so viel erlebt und mitmachen können, dass es unglaublich ist, dass ich nur fünf Monate am anderen Ende der Welt war!

Vorbereitungen

Bei mir lief alles an Vorbereitungen reibungslos ab und das Vorbereitungsseminar war unglaublich informierend und interessant. Außerdem habe ich schon dort neue Freunde gefunden.

Der lange Weg nach Neuseeland

Der Tag meiner Abreise war gekommen, am Flughafen gab es einen unglaublich traurigen Abschied, aber trotzdem stieg ich in das Flugzeug. Glücklicherweise hatte ich eine Freundin, die mit mir zusammen flog, deshalb ging der Flug schneller als geplant durch Filme und lange Unterhaltungen. Angekommen in Auckland mussten wir uns von unserer ersten Reisegruppe trennen und uns einer neuen anschließen. Dort hatten wir auch schnell ein paar andere kennengelernt.

Als es dann zwei Tage später endlich auf den Weg nach Napier ging, waren wir so aufgeregt. Aber der Flug fiel aus. Naja, also sind Leonie, die mit mir von Deutschland nach Neuseeland geflogen ist und zufälligerweise in die gleiche Schule ging, und ich ca. sechs Stunden mit dem Bus gefahren. Dann war sie schnell von ihrer Gastfamilie abgeholt worden und ich hatte mit meinem Local Coordinator im Auto gewartet und dann war es endlich soweit.

Meine Gastfamilie empfing mich so herzlich und lieb, dass ich sie sofort ins Herz geschlossen hatte. Und schon sehr bald war sie meine zweite Familie.

Erfahrungen

Ich könnte jetzt so viel erzählen, jedoch nenne ich nur ein paar Stichpunkte (die Erfahrungen die ich hier nicht aufzähle waren aber genauso schön):

- Der Urlaub in Mahia mit Freunden

- Christmas at the Park

- Wellington

- Die Mounted Games Competitions (ein Reitsport), an dem ich sofort meinen Spaß fand

- Die Rotorua

- Outdoor Education

- Schule (auch der Unterricht war genial!!)

- Die etwas frühe Abschiedsparty

- Taupo

- Abschiedsparty einer japanischen Freundin

Und so viel mehr. Wobei ich sagen muss, dass ich wegen meiner Gastfamilie - ich hatte einen Farmstay mit Ponys - extrem viel auf der Nordinsel herumgekommen bin, da meine drei Gastschwestern auch Mounted Games reiten und wir immer zu Wettkämpfen zu den verschiedensten Orten gefahren sind.

Aber es waren nicht nur positive Erfahrungen, die schlimmste war wirklich bei einem Wettkampf. Es gab ein anderes Mädchen, sie war auch aus Deutschland und war auch immer wieder bei den Wettkämpfen. Sie ist vom Pferd gestürzt und hat sich schwer verletzt. Da sie aber im Schock auf der Wiese lag und nur noch Deutsch geredet hatte, musste ich übersetzen, ich war dann auch im Sanker dabei und im Krankenhaus war ich auch immer bei ihr. Es war ein unglaublich schlimmes Erlebnis, auf das ich gerne verzichtet hätte, aber jetzt geht es ihr wieder gut.

Außerdem hätte ich anfangs nur drei Monate bleiben sollen, aber ich habe um einen Term verlängert. Ich war einfach nicht bereit schon nach drei Monaten mein zweites Leben zu verlassen - auch nach 5 Monaten war ich es nicht, doch irgendwann musste ich zurück nach Deutschland.

Sprache

Ich muss schon sagen, dass ich mir persönlich zu viel Stress wegen meinem Englisch gemacht habe - ob ich die Leute verstehen würde und ob ich komisch rede. Ich muss aber sagen, dass ich anfangs einen extrem starken Akzent hatte. Trotzdem habe ich geredet und geredet. Somit bin ich wirklich schnell besser und flüssiger geworden. Und dass ich alle verstehe war auch sehr schnell der Fall, nur bei meinem Gastvater war es ein kleines Problem, denn er hat eine extrem dunkle, aber weiche Stimme, also konnte ich ihn oft einfach nicht verstehen und habe nachgefragt. Und das hatte sich auch erst in den letzten Wochen verbessert. Aber im Allgemeinen, wenn man nicht viele Wörter weiß, versteht man es eigentlich immer aus dem Kontext heraus! Und nach ein paar Monaten war es unglaublich als ich manchmal einfach in Englisch gedacht und geträumt habe.

Schule

Der Schultag fing jeden Morgen von Montag bis Donnerstag gleich an. Freitag war ein wenig anders, aber das erkläre ich gleich. Um 8:45 Uhr mussten wir in unsere jeweilige Form Class gehen, dort wurden immer die News vorgelesen - theoretisch unnötig, aber eine schöne Zeit, einfach mal mit Freunden zu quatschen. Um 9:00 Uhr ging es dann zur ersten Stunde, die auch eine volle Stunde dauert. Nach insgesamt zwei Stunden folgte Morning Tea - eine Pause, die eine halbe Stunde dauerte dann zwei weitere und dann war Lunchtime. Die zweite Pause dauerte aber fast 45 Minuten. Nach der fünften Stunde war der Schultag dann um 15:15 Uhr vorbei. Dann ging es nach Hause oder wir trafen uns mit Freunden und wurden später abgeholt.

In meiner Schule waren Handys erlaubt. Während des Unterrichts, der Pausen, jedoch nicht in Assembly.

Freitag war der Unterricht etwas anders. Im Stundenplan stehen sechs Schulstunden, aber es gibt nur fünf, das heißt die Fächer rotieren jede Woche, sodass immer ein anderes Fach ausfällt, das an dem Tag in der 6. Stunde ist. Klingt irgendwie unlogisch und es hat auch lange gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Außerdem gab es Assembly. Ich war in der 11. Klasse, also im Senior Jahrgang (es gibt 13 Jahre, 9er und 10er sind Junior und die übrigen Seniors) da war die Assembly nach einer halben Stunde Unterricht in der 4. Stunde, sodass wir die Pause nicht verpassen.

Zurück nach Deutschland

Der Abschied war unglaublich schwer und da gibt es eine kleine Geschichte, die mehr oder weniger lustig ist. Ich hatte für jeden meiner näheren Freunde einen Brief geschrieben. Ein paar Freunden, die nicht am Flughafen waren, hatte ich die Briefe schon gegeben. Aber die sieben Freunde, die gekommen waren, hatten die Briefe noch nicht gekriegt. Ich hatte sie in meiner Tasche und vergessen, sie meinen Freunden zu geben. Als ich im Flieger saß und deswegen weinte, bemerkte ich, dass ich sie vergessen hatte. Also rannte ich zu den Stewardessen und habe gebeten, die Briefe noch an meine Freunde zu geben. Das Flugzeug wollte gerade auf die Startbahn rollen, aber dann hat der Pilot die Briefe tatsächlich noch rausgebracht.

Ich muss sagen, der Abschied war eines der traurigsten Dinge, die ich je erlebt habe… Aber ich stehe jetzt, nach ca. einem Monat wieder in Deutschland, noch immer mit jedem einzelnen meiner Freunde in Kontakt.

Ich kann in diesem Erfahrungsbericht nicht alles aufschreiben, denn es ist einfach zu viel passiert. Aber wenn ich eines noch sagen kann: diese Zeit war nicht nur die beste meines Lebens, sondern sie wird es auch immer bleiben!

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