Erfahrungsbericht Argentinien: Felix 2009-2010

ODI: Warum hast du dich für ein Jahr in Argentinien entschieden?

Felix: Anfangs wollte ich, wie so ziemlich jeder, in die USA gehen. Entsprechend bereitete ich mich vor, allerdings kam ich durch die ganzen Prospekte, Webseiten und andere Dinge, mit denen ich mich wegen dem Thema auseinandersetzte, auf die Idee, in ein anderes Land zu gehen. Hauptsächlich, da ich Englisch schon von der Schule aus sehr gut konnte und ich die Möglichkeit nutzen wollte, eine neue Sprache zu lernen. Recht schnell fiel diese Entscheidung auf Spanisch. Da ich außerdem ODI sehr mochte und dort „nur“ die Wahl zwischen Argentinien, Ecuador und Chile vorhanden war, musste ich mich entscheiden. Lange zögerte ich und die endgültige Entscheidung fiel aus einer spontanen Eingebung heraus. Ich hatte mich über keines der drei Länder wirklich schlau gemacht, am Ende war es dann das Essen bzw. die weltberühmten argentinischen Steaks, die mich Argentinien wählen haben lassen. Erst danach setzte ich mich intensiv mit dem Land und seinen Besonderheiten auseinander, und begann, mehr und mehr Gefallen daran zu finden.

ODI: Wie ist dein Aufenthalt verlaufen?

Felix: Mein Aufenthalt verlief sehr gut. Ich hatte eigentlich kaum Probleme, die Ausnahme bildete da jedoch anfängliche Verständnisschwierigkeiten in der Schule und zwei größere Streitereien mit meiner Gastfamilie. Aber wir haben alles glücklicherweise immer klären können. Und im Nachhinein schweißt einen sowas ja eigentlicher immer nur noch enger zusammen.

ODI: Was hat dir besonders gut gefallen? Was war nicht so gut?

Felix: Besonders gut gefallen haben mir die Menschen vor Ort. Argentinier bzw. Südamerikaner sind einfach unglaublich offene, freundliche und stolze Menschen. Was wohl auch der größte Kritikpunkt wäre, den Stolz eines Argentiniers zu verletzen ist so ziemlich das schlimmste was es gibt, und wenn man über Dinge wie Fußball, Politik oder die jeweilige Landesgeschichte redet, kann das nur allzu schnell passieren, wie ich feststellen durfte.

ODI: Wie sahen das Schulsystem und der Schulalltag aus?

Felix: Das Schulsystem in Argentinien ist in zwei, genau genommen drei Teile aufgeteilt. Die ersten sechs Jahre geht jeder auf die gleiche Schule, die Grundschule sozusagen. Danach kommt man für die letzten sechs auf die weiterführenden Schulen, „secundarios“ genannt. Dort muss man die letzten drei Jahre eine Spezialisation wählen. Die Üblichsten sind dort Naturwissenschaften und Wirtschaft/Ökonomie aber auch Kunst, Sport oder gewisse Sprachen sind möglich. Ich war in den Naturwissenschaften gelandet und das bedeutete, dass ich jeden Tag bis zu sechs Stunden lang Chemie, Biologie oder „Labor“ hatte.

ODI: Konntest du schon vorher Spanisch? Und wie kamst du am Anfang sprachlich klar?

Felix: Vorher konnte ich eigentlich gar kein Spanisch. Ich hab einen kleinen Kurs gemacht, mit dem ich aber wirklich nur jemanden begrüßen oder nach dem Weg fragen konnte. Anfangs hatte ich vor Ort fast zwei Wochen lang in einem Intensivkurs täglich Spanisch, danach noch zwei Monate einmal die Woche. Am meisten hat es mir allerdings geholfen, einfach drauf loszureden, ohne viel nachzudenken. Wenn man nämlich hört, was man da anfangs redet, beginnt man, sich zu schämen, und das ist das Schlimmste, was passieren kann. Man muss einfach nur reden und sich drauf verlassen, das man korrigiert wird, sollte man etwas falsch sagen. Darum muss man aber die meisten Leute erstmal bitten, da es dort durchaus als unhöflich gelten kann, jemanden zu berichtigen. So ging es trotz anfänglicher Zweifel auch bei mir recht fix, sodass ich schon nach zwei bis drei Wochen die Basics beherrschte und nach rund vier Monaten eigentlich fließend reden konnte, wenn es nicht gerade um speziellere Themen ging.

ODI: Welche Erwartungen wurden bestätigt, welche widerlegt?

Felix: Wirklich viel hatte ich anfangs nicht erwartet, da ich mich eigentlich überraschen lassen wollte. Die konkretesten Erwartungen hatte ich in Sachen Essen und mit den Menschen. Das Essen ist dort wirklich gut. Und die Menschen behandeln dich, wie es vielerorts gesagt wird, von Anfang an wie einen gebürtigen Argentinier. Ich habe mich zu keiner Minute irgendwie ausgeschlossen gefühlt. Was mich überrascht hat ist die Tatsache, dass es teilweise doch ein sehr armes Land ist und der Unterschied zwischen Ober- und Unterschicht unglaublich groß.

ODI: Wie hast du dich in Deutschland und vor Ort betreut gefühlt?

Felix: Die Betreuung war von Beginn an super. Vor Ort hatte ich eine Ansprechpartnerin, die mir zu jeder  Zeit zur Verfügung stand und auch direkt in meiner Nähe gewohnt hat. Mit ihr konnte ich alles klären, von Problemen über die Gastfamilie über die Schule bis hin zu Arztbesuchen. Außerdem hatte ich immer noch Kontakt zu Open Door International, von denen ich ebenfalls stetig unterstützt wurde. Vor dem Jahr gab es ein mehrtägiges Vorbereitungsseminar, wo ich andere „Argentinier“ kennenlernen und Ehemalige ausfragen durfte.

ODI: Vielen Dank!

Ansprechpartnerin Argentinien

Jana Droste

Tel.: 0221-60 60 855-22

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