Erfahrungsbericht Chile: Johanna 2008-2009

ODI: Warum hast du dich für ein Jahr in Chile entschieden?
Johanna:
Für mich war von Anfang an klar, dass ich Spanisch weiterlernen wollte, weil diese Sprache mir unglaublich viel Spaß machte. Spanien kam für mich aber nicht in Frage, weil es zu nahe für mich war, zu wenig Aktion! Deswegen entschied ich mich schnell für Südamerika und dann für Chile, welches mir attraktiver zum Kennenlernen vorkam. Die Wüste im Norden, das Feuerland im Süden und vieles mehr sah viel zu schön aus um sich so eine Chance entgehen zu lassen.  

 

ODI: Wie ist dein Aufenthalt verlaufen?
Johanna:
Anfangs war es schwer für mich. Ich hatte oft Heimweh und ich fühlte mich überhaupt nicht wohl in der ersten Gastfamilie. Ich glaubte immer, dass mein Heimweh etwas normales war und versuchte mich durchzukämpfen, aber nach 2 Monaten konnte ich nicht mehr und stand vor der Entscheidung Heim zu gehen oder die Gastfamilie zu wechseln. Heimgehen kam für mich nicht in Frage, ich war viel zu stolz um zu sagen, dass ich aufgeben wollte, daraufhin blieb mir noch übrig die Familie zu wechseln. Eine Klassenkameradin aus Chile fragte mich kurz nach meiner Entscheidung, ob ich bei ihr "einziehen" wollte und ich nahm das Angebot dankend an. Jetzt machte ich endlich die Erfahrungen, die ich mir  zuvor noch in Deutschland erhofft hatte von meinem Aufenthalt. Ich begann Chile richtig kennenzulernen, die Leute, die Kultur ... alles! Und es war genau so, wie es bestimmt in jedem der anderen Interviews steht. Es war toll. Die Zeit flog nur so vorbei, obwohl ich auch nicht nur gute Erfahrungen gemacht habe, sondern auch schlechtere, die aber definitiv kleiner an der Anzahl waren als die guten. Chile ist ein Land voller Lebensfreude. Die Anden, die einen bei jeder kleinen Reise begleiten und die man IMMER sieht, fand und finde ich immer noch faszinierend, so etwas hatte ich zuvor nie gesehen. Kurz gefasst, mein Aufenthalt in diesem bezaubernden Land hat sich sehr gelohnt, ich habe unglaublich viele Sachen hinzugelernt und viele neue Erfahrungen gemacht.

 

ODI: Was hat dir besonders gut gefallen? Was lief nicht so gut?
Johanna: Gut gefallen hat mir die offene Einstellung der Chilenen, wie sie mit jedem Menschen gleich umgehen und dass sie schnell einen ins Herz schließen. Ich glaube, nicht nur Chilenen sind so, ganz Südamerika hat eine total andere Einstellung als die Deutschen, zu Beziehungen. Sie sind offener und leisten gerne anderen Menschen Hilfestellung. Sie sind sich mehr bewusst, was für Zeiten (gute oder schlechte) ihre Mitmenschen durchmachen und versuchen oft auf ihre eigene Art und Weise zu helfen. Abgesehen von der anderen Einstellung der Chilenen hat mir auch sehr die Landschaft gefallen, das Essen, welches sie kochen, war am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber am Ende hat es mir auch sehr geschmeckt. Insgesamt hat mir alles sehr gefallen.

 

ODI: Wie sehen das Schulsystem und der Schulalltag in Chile aus?
Johanna: Der Schulsystem ist sehr einfach dort. Die Kinder fangen ungefähr mit 5 oder 6 Jahren an in die Schule zu gehen und man geht normalerweise mit 17 oder 18 Jahren von der Schule ab. Das sind genau 12 Schuljahre, die die Chilenen bewältigen müssen. Ich war in einer sehr kleinen Schule, die aus ungefähr 400 Schülern bestand und kann deshalb nicht beschreiben, wie der Schulalltag in den "größeren" Schulen verläuft. Mein Schulalltag war immer gleich. Ich hatte immer außer Freitags Schule von 8:10 Uhr bis 16: 40 Uhr, der Vormittagsunterricht war von 8:10 Uhr bis um 13 Uhr, darauf ging man meistens zum Mittagessen für 1,5 Stunden nach Hause.  Danach begann der Nachmittagsunterricht, der dauerte bis um 16:40 Uhr an.
Hausaufgaben hatte ich selten auf und wenn dann konnte man diese in wenigen Minuten erledigen, im Allgemeinen muss man sagen, dass das Schulniveau viel niedriger ist als bei uns hier in Deutschland.

 

ODI: Konntest du schon vorher Spanisch? Und wie bist du sprachlich klargekommen?
Johanna: Ja, zuvor konnte ich ein bisschen Spanisch aus der Schule, dennoch kann man das erlernte Spanisch in keinster Weise mit dem Spanisch vergleichen, welches in Chile gesprochen wird. Chilenen im Allgemeinen sprechen sehr, sehr schnell und mit vielen Wörtern, die es nur dort gibt. Am Anfang mussten alle mit mir sehr langsam sprechen, aber mit der Zeit konnte ich immer mehr verstehen und die anderen konnten immer schneller reden.

 

ODI: Wie würdest du Chile und die Chilenen kurz und knapp charakterisieren? Was ist typisch chilenisch?
Johanna: Naja, das, was ich oben geschrieben habe, gehört auf jeden Fall dazu. Außerdem muss man auch wissen, dass die Chilenen es lieben zu feiern. Es gibt so viele Festtage, wie der Tag des Kindes usw., von denen wir in Deutschland noch nie was gehört haben. Außerdem sind sie auch sehr patriotisch, sie lieben ihr Land.

 

ODI: Dein Tipp für Zukünftige?
Johanna: Mm … was man auf jeden Fall wissen muss, dass es Höhen und Tiefen immer geben wird.  Mein Tipp dazu ist ganz einfach: Lasst euch nicht unterkriegen, egal was passiert, es wird wieder besser werden. Und habt Spaß an eurem Aufenthalt, es ist ein ganz besonderes Geschenk, dass ihr genießen müsst.

 

ODI: Vielen Dank!