Alles begann bei einem Tischgespräch am Abend zwischen mir und meinen Eltern. Wir kamen darauf, wie das sein müsste eine Zeit lang im Ausland zu leben und ob das überhaupt etwas für mich wäre. Alles schien utopisch und weit entfernt zu sein, doch nach etwas Bedenkzeit und der Bewerbung bei Open Door International in Köln, rückte ein Auslandsaufenthalt plötzlich ganz nah. Ich war schon froh, dass alles so früh los ging und plötzlich stand auch schon der Abreisetermin fest.

Am 4. Januar 2016 begann mein Abenteuer. Ich wurde zum Flughafen gebracht und sagte meinen engsten Familienmitgliedern für ein ganzes halbes Jahr „Auf Wiedersehen“. Daran kann ich mich noch ganz genau erinnern. Es war keineswegs leicht für mich, doch ich wusste, dass eine ganz große Erfahrung endlich darauf wartet, erlebt zu werden!

Ich flog nach London Gatwick, denn meine Gastfamilie lebte in der Nähe von Dover. Mein Gastvater holte mich damals vom Flughafen ab und nach kurzer Kennenlernphase, fuhren wir bei typisch englischem Regen über die Autobahn zu meinem neuen zu Hause für das kommende halbe Jahr. Ich lernte meine Gastmutter und meinen italienischen Gastbruder kennen. Sie wirkten alle sehr nett, was sich auch durch den ganzen Aufenthalt hin zog.

Ich war an einer typisch englischen Grammar School in einer 12. Klasse untergebracht. Jeden Tag wurde die Schuluniform getragen und an Hand der Krawattenfarbe/Muster erkannte man sofort, wer in welchem Abteil der Schule untergebracht war. (Es gab verschiedene „Schulhäuser“ die ebenfalls an Sportwettkämpfen, Debatten oder sonstigen schulischen Veranstaltungen gegeneinander konkurrierten.)

Meine Fächer waren Mathematik, Geschichte, Geographie und Biologie. Tja, als deutscher Schüler wundert man sich da erst einmal, doch die englischen Oberstufen-Schüler haben nur vier Fächer und so ergab es sich durchaus, einen kompletten Schultag nur ein einziges Fach zu haben. Alle Schüler und Lehrer waren bei mir äußerst hilfsbereit und offen, was besonders in den ersten paar Wochen wichtig war, um sich erst einmal ein Bild der gesamten Schule zu machen und sich selbst zu Recht zu finden. Nach einiger Zeit war das aber kein Problem mehr – und wie das meistens der Fall ist, kennt man seine neue Umgebung in ein paar Tagen wie die eigene Westentasche.

Ich lernte viel über englische Geschichte innerhalb des Mittelalters – besonders über „The wars of the roses“ (Rosenkriege), die eine Ewigkeit in England zwischen den Adelshäusern wüteten. Und in Geographie durften natürlich Herangehensweisen an den Bau von Küstenschutzzonen nicht fehlen, wie Wellenbrecher, Brandungsmauern etc. So bekam man in kurzer Zeit schon tiefe Einblicke in unterschiedliche Bereiche, die man so noch nicht gewohnt war. Freundschaften wurden schnell geknüpft und so war jeder Tag ein kleines Geschenk mit neuen größeren oder kleineren Erfahrungen.

In den Ferien machte ich mich teils allein, teils mit meiner Gastfamilie zu verschiedensten Sehenswürdigkeiten auf. Englische Burgen, Parkanlagen und natürlich die Großstadt London sind nur ein paar Beispiele. Jedes Mal sah man verschiedene Landstriche und es war immer etwas für das Auge dabei! So reiste man noch durch die Umgebung und sah noch etwas anderes als nur seinen normalen Wohnort und die Schule. Durchaus empfehlenswert!

So sammelte ich nun Tag für Tag meines Auslandsauftenthaltes neue Erfahrungen ein und das halbe Jahr wurde immer kürzer mit einem Stück für Stück größer werdenden Wortschatz. Am Ende freute ich mich natürlich auch wieder auf mein richtiges zu Hause und meine Familie und Freunde.
Am 22. Juni ging es also dann für mich wieder zurück nach Deutschland.

Ich habe diese Zeit sehr genossen und wünsche all denjenigen, die sich auch für solch ein Abenteuer entscheiden, sei es England selbst oder woanders auf dieser Welt, eine genauso schöne Erfahrung mit tollen Erlebnissen.

Arved