10 Monate Linksverkehr, „Teatime“ und „Yorkshire Pudding“

Wenn ich vor Beginn meines Jahres in York, England, jemandem davon erzählt habe, kam meist nur ein Kommentar zu der voraussichtlichen Verbesserung in Englisch. Natürlich ist die Sprache wichtig, aber ein Austauschjahr ist so viel mehr als das.

 

 

Es geht vor allem auch darum, neue Menschen und damit eine neue Kultur kennenzulernen. Man denkt vielleicht, dass Deutschland und England sich nicht besonders unterscheiden, aber mit der Zeit hat man doch mehr Unterschiede sowie Wahrheiten und Unwahrheiten der Englischen Stereotype bemerkt. Das bekannteste Klischee ist wohl das massenhafte Trinken von Tee und ich war überrascht, wie sehr dieses auch der Wahrheit entspricht. Es gab Tee (natürlich schwarz mit Milch!) zu jeder Tageszeit und ich habe diese Tradition im Laufe des Jahres sehr zu lieben gelernt.

Von der allgemein schlechten Küche der Engländer bekam ich zum Glück nur durch Freunde etwas mit, da meine Gastmutter Rimi eine ausgezeichnete Köchin war (allerdings bin ich auch nach Deutschland zurückgekommen, ohne Lamm mit Pfefferminz Soße oder Baked Beans gegessen zu haben). Die Höflichkeit fiel mir dafür umso mehr auf, denn man hörte andauernd „Sorry“, obwohl denjenigen keine Schuld traf und vielfaches „Thank you“ zu jeder Gelegenheit.

Auch das Schulsystem war eine ganz neue Erfahrung, da man am College (in der englischen Oberstufe) nur vier Fächer hat, die man sich individuell zusammenstellen kann. Für mich standen also „Film Studies“, „Photography“, „Drama & Theatre Studies“ und „Latin“ auf dem Stundenplan. In meiner Schule, dem York College hatte ich nicht nur die Möglichkeit britische Mitschüler kennenzulernen, sondern Freunde aus der ganzen Welt zu finden, da es dort mehr als 150 internationale Schüler gab.

Das Mulitkulti-Leben zog sich allerdings nicht nur durch den Schulalltag, sondern auch durch meine supernette Gastfamilie. Meine Gastmutter war Philippinerin und Emily, eine meiner Gastschwestern kam aus Malaysia. Trotzdem waren auch viele britische Traditionen Teil meines Auslandsjahres, wie zum Beispiel das Weihnachtsfest am Morgen des 25.12., „Bonfire Night“ oder „Pancake Day“.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass es ein einmaliges Jahr in York war, in dem ich viele großartige Menschen kennengelernt habe und ich mich schon darauf freue, meine Freunde und meine Gastfamilie wieder zu besuchen.

Ich kann nur jedem ans Herz legen, selbst die Welt zu entdecken und eigene Erfahrungen mit anderen Kulturen zu sammeln.