Erfahrungsbericht USA: Ann-Kristin 2014 - Meine ersten vier Wochen in den USA

Nach zwei aufregenden Tagen in Chicago und insgesamt zwölf Stunden Flug, war es am 24.08.2014 endlich so weit. Meine Gastfamilie wartete auf mich am Flughafen in Brainerd, Minnesota. Ich war so aufgeregt und hatte Angst, sie nicht zu erkennen, aber ich wurde sofort mit einem Blumenstrauß und drei lächelnden Gesichtern empfangen. Nachdem mein Gastvater mir geholfen hat, mein ganzes Gepäck ins Auto zu laden, ging es ab nach Hause. Unser Haus ist mitten im Nirgendwo, aber mir gefällt es. Wir haben einen großen Garten und rundherum sind überall Felder. Die Familie hat zwei Hunde, eine Katze und einen Vogel. Meine Gastschwester Gabi aus Brasilien und ich teilen uns ein Zimmer. Es ist zwar ziemlich klein, aber wir haben es uns gemütlich eingerichtet und es reicht vollkommen.

Die ersten Tage war es noch richtig komisch, weil einfach alles neu war.  Aber als die Schule erstmal angefangen hat, gab es gar keine Zeit mehr für Sorgen und man hat sich schon gut eingelebt.

Mit der Sprache habe ich eigentlich keine Probleme, nur manche Fachbegriffe sind noch etwas schwierig, weil wir die einfach nicht gelernt haben.

Morgens um 7:30 Uhr holt uns der Schulbus direkt an unserer Einfahrt ab. Obwohl die Strecke eigentlich nicht so weit ist, dauert die Fahrt aber 45 Minuten, weil viele Kinder aus den ganzen Seitenstraßen eingesammelt werden müssen.

Die Schule ist super cool! Sie hat um die 500 Schüler und das Gebäude ist wie ein riesiges Labyrinth. Hier hat man jeden Tag den gleichen Stundenplan und muss jede Stunde den Raum wechseln, weil hier nicht jede Klasse ein Zimmer hat, sondern jeder Lehrer. Zwischen den Stunden ist nicht sehr viel Zeit, deshalb muss man sich teilweise wegen der weiten Strecken zwischen den unterschiedlichen Räumen beeilen. Man hat auch jede Stunde mit anderen Schülern zusammen, zwischen der 9. und 12. Klasse. Ich bin ein Sophomore, also 10. Klasse - genauso wie in Deutschland. Ich habe auch meinen eigenen locker (Schließfach) und das ist bei den dicken Büchern auch echt praktisch! Meine Fächer die ich gewählt habe sind:

1. College Chemie

2. Literature

3. Beginning College Algebra

4. Fish & Wildlife

5. Yearbook & Graphic Design

6. Intro to Business

7. Crime and Justice

Es ist eine gute Mischung von allem und es macht super Spaß. Die Lehrer und Mitschüler sind total nett und das erleichtert einem vieles!

Zwischen der vierten und fünften Stunde habe ich erst 30 Minuten  lunch und dann 30 Minuten homeroom, was sozusagen Hausaufgabenzeit ist.

Ich habe auch schon die ersten Tests hinter mir und bin echt zufrieden! Die meisten Lehrer lassen einen Übersetzer benutzen, falls man ein Wort nicht weiß, was besonders in Mathe hilfreich ist, da die Begriffe dort teilweise ganz anders sind.

Wie ich es mir immer gewünscht habe, mache ich jetzt nach der Schule cheerleading. Es macht so großen Spaß, aber es ist sehr kalt, da wir abends draußen bei den Football Spielen auftreten.

Das mit dem school spirit ist wirklich unglaublich. Es ist wie in den ganzen Filmen, nur noch besser! Wenn bei den Footballspielen die Nationalhymne gespielt wird oder die ganzen Spieler aufgerufen werden, ist es ein ganz besonderes Feeling.

Letztes Wochenende sind wir mit fünf anderen Austauschschülerinnen zu dem kleinen Häuschen am See von der besten Freundin meiner Gastmutter gefahren. Zuerst waren wir noch im Itasca State Park, wo der Mississippi anfängt und waren dort ein bisschen shoppen. Nach dem Abendessen haben wir dann ein Lagerfeuer gemacht und unsere ersten s'mores gemacht. Dazu legt man einen frisch gegrillten Marshmallow zwischen zwei Kekse und ein Stückchen Schokolade. Die waren sooo lecker!

Als es uns draußen zu kalt wurde, sind wir reingegangen und haben "Shrek" geschaut. Mary und Diane haben uns dann einen Sundae-Eisbecher gemacht.

Der Abend war so toll, besser als ich es mir je vorgestellt habe.

Dieses Wochenende sind wir mit der Tochter meiner Gastmutter und ihren beiden Austauschschülerinnen aus Norwegen und Finnland nach Minneapolis zur Mall of America gefahren. Es ist das größte Einkaufszentrum Nordamerikas und es ist einfach unglaublich. Es ist so riesig und es gibt einfach jeden Laden, den man sich nur vorstellen kann. In der Mitte ist sogar ein Freizeitpark. Wir haben dann erstmal warme Sachen gekauft, weil wir alle nicht dem Wetter entsprechende Sachen eingepackt haben. Wir hatten super viel Spaß und es war einfach ein perfektes Wochenende!

Das Wetter hier ist sehr verrückt. Letzte Woche hatten wir -1 Grad Celsius, diese Woche soll es sogar bis zu 28 Grad werden. Im Winter kann es bis zu -40 Grad werden und es kann sein, dass so viel Schnee liegt, dass die Schule ausfällt.

Einen Tag gab es hier einen Tornado, überall in der Umgebung war Stromausfall und überall sind Bäume umgestürzt und Sachen durch die Gegend geflogen. Ich war echt ein bisschen erschrocken, weil ich so was vorher noch nie erlebt habe. In unserem Haus ging um sechs Uhr morgens eine Tornado Warnung an und im Fernseher haben wir dann Berichte über das Wetter angeschaut.

Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde sehr, vor allem meine kleine Schwester Marie, aber es ist zum Glück auszuhalten.

Es ist wirklich schon ein ganzer Monat rum, die Zeit verging super schnell.

Ich bin schon sehr gespannt, wie die nächsten 4 Monate noch so werden!

Eure Anni aus Minnesota